Faktencheck

Keine Hinweise darauf, dass Eichhörnchen Gen-Mais meiden

Ein Experiment in einem Eichhörnchenpark in England habe bewiesen, dass die Tiere genveränderten Mais meiden und lieber natürlichen Mais fressen, wird in einem Facebook-Beitrag behauptet. Dass die Tiere bei dem „Eichhörnchentest“ offenbar den natürlichen Maiskolben bevorzugt haben, hat aber einen anderen Grund.

von Steffen Kutzner

Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), sitzt in einem Baum, Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz, Deutschland, Europa
Meiden Eichhörnchen genveränderten Mais? Es gibt keine Hinweise darauf. (Quelle: Picture Alliance / Imagebroker / Winfried Schäfer)
Behauptung
Eichhörnchen würden genetisch veränderten Mais meiden und natürlichen Mais bevorzugen.
Bewertung
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Eichhörnchen natürlichen Mais gegenüber genverändertem Mais präferieren.

Mehr als 7.000 Mal wurde ein Facebook-Beitrag geteilt, der ein Foto von zwei nebeneinander aufgestellten Maiskolben zeigt. Einer der beiden, der laut Beschilderung nicht genverändert ist, ist stark abgenagt. Beim genetisch veränderten Maiskolben fehlen dagegen nur wenige Körner. Kommentiert wird das Bild mit der Behauptung, Studenten hätten die beiden Maiskolben in einem „Eichhörnchenpark“ in England aufgestellt. 

Bild und Behauptung kursieren bereits seit Jahren und finden sich etwa in einem Blog-Artikel von Juli 2015 und mit identischen Formulierungen über den „Eichhörnchentest“ auf anderen Webseiten, etwa im Mai 2010.

Die Ergebnisse des Experiments sind jedoch kein Beweis dafür, dass Eichhörnchen genetisch veränderten Mais meiden würden, zeigt unser Faktencheck.


Das auf Facebook verbreitete Foto zu dem angeblichen Experiment in England. Der linke Kolben ist angeblich genetisch veränderter Mais, der rechte dagegen natürlicher Mais. (Quelle: Facebook)

Biologe: Eichhörnchen bevorzugen große Maiskolben

Wir haben Oliver Krüger von der Fakultät für Biologie und Verhaltensforschung der Universität Bielefeld per E-Mail gefragt, ob es möglich ist, dass Eichhörnchen genetisch modifizierten Mais meiden. Krüger schrieb uns: „Die vermeintliche Präferenz des Eichhörnchens für den organischen Mais ist schlichtweg eine Größenpräferenz, größere Kolben sind attraktiver.“ Das Experiment, so Krüger, sei „fundamental falsch“ angesetzt. Für ein aussagekräftiges Ergebnis hätten beide Kolben gleich groß sein müssen. 

Der Texaner Kenneth Kramm, der auf Youtube einen Kanal mit Videos zu Naturthemen, Camping und Survival-Training betreibt, hat genau das im Jahr 2014 gemacht: Er nahm gleich große Kolben, stellte sie in seinem Garten nebeneinander und beobachtete, ob Eichhörnchen den natürlichen Mais gegenüber dem gentechnisch veränderten bevorzugten. Sein Ergebnis: Bei drei Versuchen und insgesamt etwa 50 Besuchen von Eichhörnchen zeigten die Tiere keine Präferenz für den natürlichen Mais. Beide Kolben wurden zufällig und gleichermaßen gefressen, sowohl von Eichhörnchen als auch von Vögeln.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Keine Hinweise, dass Nager gentechnisch veränderten Mais meiden

Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kann auf unsere Anfrage nicht bestätigen, dass Eichhörnchen genetisch modifizierten Mais ablehnen. Es gebe nach Kenntnis des Ministeriums keine wissenschaftlichen Daten oder Versuche dazu.

Die Sprecherin des Ministeriums wies uns zudem darauf hin, dass beim EU-Zulassungsverfahren für genetisch veränderte Organismen unter anderem Studien mit Nagetieren vorgelegt werden müssten. Das gelte auch für veränderte Mais; bisher seien in der EU 20 veränderte Maislinien als Lebensmittel zugelassen. Dabei würden die Tiere, gewöhnlich Ratten oder Mäuse, sowohl mit der nicht genetisch veränderten Variante als auch mit der veränderten Variante gefüttert. „Bisher gab es im Rahmen dieser Studien keine Hinweise darauf, dass die Tiere gentechnisch veränderten Mais mieden.“

Mit Blick auf Ratten bestätigte eine Studie im Jahr 2017 die These von Oliver Krüger, dass die Eichhörnchen in dem auf Facebook verbreiteten Experiment einen der Maiskolben bevorzugt haben könnten, weil er deutlich größer war als der andere: In der Studie kamen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Ratten solche Futterquellen bevorzugen, die eine größere Fläche einnehmen oder eine höhere Dichte von Futter aufweisen. So bevorzugten die Ratten in der Studie mehrere kleine Futterpellets gegenüber einem großen. Sie zogen zudem auf dem Boden ausgebreiteten Kartoffelbrei gegenüber derselben Menge, die zu einer Kugel geformt war, vor.

Redigatur: Matthias Bau, Alice Echtermann





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