Faktencheck

Nein, die EU will den Begriff „Weihnachten“ nicht abschaffen

Die EU wolle den Begriff „Weihnachten“ und die Namen Maria und Josef „streichen“, wird an mehreren Stellen in Sozialen Netzwerken und auf Webseiten behauptet. Das stimmt jedoch nicht; ein Leitfaden der EU für inklusive Kommunikation wird falsch interpretiert.

von Steffen Kutzner

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Die EU wolle Weihnachten verbieten und Maria und Josef abschaffen, wird an verschiedenen Stellen im Netz behauptet. Tatsächlich hatte die EU-Kommission lediglich einen Leitfaden für inklusivere Kommunikation erarbeitet, der jetzt falsch verstanden wird. (Bild: Pixabay / Theo Crazzolara)
Behauptung
Die EU streiche das Wort „Weihnachten“ sowie Maria und Josef.
Bewertung
Fehlender Kontext
Über diese Bewertung
Fehlender Kontext. Die EU hat in ihrem Leitfaden für inklusive Sprache weder das Wort „Weihnachten“ verboten, noch die Erwähnung der biblischen Figuren Maria und Josef. Sie empfiehlt ihren Mitarbeitenden, in der allgemeinen Kommunikation auf Begriffe zu verzichten, die einer bestimmten Religion zugeschrieben werden, damit sich alle Menschen angesprochen fühlen.

Ein Leitfaden der EU-Kommission, der für mehr Inklusion in der Kommunikation sorgen soll, sorgte Ende November für Aufregung: „Jetzt will die EU auch noch Weihnachten aus der Sprache verbannen“, erklärte der AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen in einem Beitrag auf Facebook. „Andere Kulturen könnten sich diskriminiert fühlen. Daher solle man das Heilige Paar als Malika und Julio bezeichnen“, hieß es in einem Artikel des österreichischen Exxpress. Das ist falsch: Maria und Josef sollen nicht umbenannt werden.

In den Beiträgen wird teilweise der Eindruck erweckt, die genannten Begriffe würden verboten: „EU streicht ‚Weihnachten‘ sowie ‚Maria und Josef‘“, wurde auf Facebook behauptet. Auch das stimmt nicht, es fehlt wichtiger Kontext: Die EU empfiehlt ihren Angestellten lediglich, in der allgemeinen Kommunikation eindeutig mit einer bestimmten Religion verknüpfte Begriffe und Namen zu vermeiden. 

EU-Leitfaden streicht „Weihnachten“ nicht aus der Sprache

Die Aussagen beziehen sich auf einen Leitfaden der EU-Kommission für inklusive Kommunikation mit dem Titel „Union of Equality“. Der Leitfaden, der bei RT Deutsch fälschlich zu einer „EU-Richtlinie“ erklärt wurde, soll „gemeinsame Standards“ für die externe und interne Kommunikation aller Mitarbeitenden der EU-Kommission setzen. Das betrifft zum Beispiel Pressemitteilungen oder Beiträge in Sozialen Netzwerken.

Im Leitfaden steht, man solle es vermeiden, anzunehmen, dass alle angesprochenen Personen Christinnen und Christen seien. Deshalb wird anstelle des Beispielsatzes „Die Weihnachtszeit kann stressig sein“ empfohlen, von einer „stressigen Feiertagszeit“ zu sprechen, oder neben Weihnachten auch das jüdische Fest Chanukka zu nennen, das ebenfalls am Jahresende gefeiert wird. Der Begriff „Weihnachten“ ist also auch im Alternativbeispiel enthalten; somit ist klar, dass die EU den Begriff nicht „streichen“ will. 

Auszug aus einer Übersicht dazu, wie die Vorschläge für inklusive Kommunikation konkret umgesetzt werden können (Quelle: „European Commission Guidelines for Inclusive Communication“, Seite 19)

Auch Maria und Josef sollen nicht umbenannt werden

Der Name Josef wird in dem Leitfaden gar nicht genannt, sondern John, also die englische Form von Johannes. In der englischsprachigen Variante der Bibel wird aus Josef aber nicht John; er heißt dort ebenfalls Joseph. 

Es geht also in dem Leitfaden gar nicht um das Paar Maria und Josef aus der Bibel, sondern die Namen Maria und John werden allgemein als Beispiele für christliche Namen genannt. Es geht in dem Leitfaden um zufällige Namen, die für Veranschaulichungen und Beispielsätze verwendet werden. Dabei solle man nicht auf Namen zurückgreifen, die typischerweise mit einer bestimmten Religion verknüpft sind, sondern darauf achten, neutrale Namen zu wählen. So könne man statt von Maria und John von Malika und Julio sprechen, wird empfohlen. 

Es gehe darum, bei der Kommunikation Freiräume zu schaffen, die verschiedene kulturelle Vorstellungen innerhalb der EU widerspiegeln können, heißt es im Leitfaden.

Der Leitfaden bezieht sich zudem nicht nur auf religiöse Aspekte. Es gehe darum, die Kommunikation der EU-Kommission allgemein inklusiver zu gestalten, sodass sich niemand benachteiligt fühlt, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderungen, Alter und sexueller Orientierung, heißt es im Vorwort des Leitfadens. 

Das Vorwort stammt von Helena Dalli, EU-Kommissarin für Gleichstellung. Sie erklärte am 30. November via Twitter, dass man die Bedenken über einige der genannten Beispiele prüfe und den Leitfaden gegebenenfalls überarbeiten werde. Offenbar hatte auch ein Vertreter des Vatikans dagegen protestiert, wie auf der Webseite „Vatican News“ zu lesen ist. 

Redigatur: Alice Echtermann, Till Eckert

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Leitfaden der EU-Kommission zur inklusiven Kommunikation: Link
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