Faktencheck

Nein, das Titanic-Magazin zeigte im Oktober keine Selenskyj-Karikatur auf dem Cover

Im Internet kursieren Fotos eines angeblichen Titelbilds des Satiremagazins Titanic. Eine Karikatur soll den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zeigen, der Geld und Waffen einsaugt. Auch russische Medien verbreiten das Bild – doch es ist eine Fälschung.

von Gabriele Scherndl

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Das ist nicht das Titelbild der Oktober-Ausgabe des Titanic-Magazins (Quelle: Facebook; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Das deutsche Satiremagazin Titanic habe im Oktober 2022 eine Karikatur des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf dem Titelbild gezeigt.
Bewertung
Manipuliert. Das Bild ist eine Fälschung und zeigt nicht die tatsächliche Titelseite der Oktober-Ausgabe des Titanic-Magazins. Auch in der Vergangenheit ist kein solches Titanic-Titelbild erschienen.

Das angebliche Cover eines deutschen Magazins kursiert international. Die Satirezeitschrift Titanic soll auf dem Titelblatt ihrer Ausgabe vom Oktober 2022 den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zeigen. In Sozialen Netzwerken ist die Karikatur von Selenskyj zu sehen – mit weit aufgesperrtem Mund, in den er Geld, Waffen und zwei Menschen einsaugt. Darunter steht: „Ewiger Appetit“. Ein Nutzer schrieb dazu auf Englisch auf Twitter: „Selenskyj ist ein supermassives schwarzes Loch, das die Wahrheit, den Wohlstand und den Frieden vernichtet.“ 

Doch das Bild ist eine Fälschung. Weder die Oktober-Ausgabe, noch irgendeine andere Titanic-Ausgabe hatte dieses Titelblatt. 

Ein angebliches Titanic-Cover zeigt einen gierigen Selenskyj, der Waffen und Geld einsaugt.
Dieses angebliche Titanic-Cover kursiert im Internet. Es ist manipuliert, das Magazin hatte im Oktober eine andere Titelseite. (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Auf der Webseite der Titanic ist ein Bild des echten Oktober-Covers, darauf abgebildet sind eine zerstörte Stadt und der britische König Charles, dazu der Titel: „So litt Deutschland unter der britischen Krone!“. Die Titanic veröffentlichte davon Ende September auch ein Bild auf Twitter. Ein Blick ins Heft-Archiv zeigt, dass die Karikatur auch davor nie auf einem Cover der Titanic war. Auf Anfrage von Reuters sagte Titanic-Chefredakteurin Julia Mateus, das Bild sei nie auf einem Cover des Magazins gewesen. Eine Suche nach dem Titel „Ewiger Appetit” auf der Titanic-Webseite bringt ebenfalls keine Ergebnisse.

Titanic veröffentlichte das echte Oktober-Cover auf Twitter, es dreht sich um die britische Monarchie.
Das Satiremagazin Titanic zeigte im Oktober nicht Selsenskyj auf dem Cover, es drehte sich um die britische Monarchie. (Quelle: Twitter; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Der Vergleich mit anderen Titelbildern der Titanic zeigt außerdem Fehler in der Montage: Unter der Monatsangabe Oktober steht nicht die Ziffer zehn, wie ansonsten bei Oktoberausgaben, sondern die Ziffer elf. 

Angebliches Titelbild kursiert seit 24. Oktober und auf vielen russischen Kanälen

Die Originalquelle des manipulierten Bildes konnten wir nicht finden, doch es kursiert mindestens seit dem 24. Oktober 2022. Durch das Wasserzeichen „Voblya News“ in einem Facebook-Beitrag stoßen wir etwa auf den russischen Telegram-Kanal „Voblya“. Dort wurde es an dem Tag um 12:20 Uhr das angebliche Titanic-Cover geteilt. 

Über eine Bilder-Rückwärtssuche finden wir das Cover auch auf der Plattform Lifejournal, wo es am selben Tag schon Vormittags veröffentlicht wurde – allerdings ohne das Wasserzeichen. Ab dem 24. Oktober verbreitete sich das Bild über verschiedene Kanäle: Es wurde in MemeForen, auf Facebook und auf dem russischen Sozialen Netzwerk VKontakte geteilt. Auch der staatliche russische Fernsehkanal NTV teilte das angebliche Titelbild mit der Behauptung, es sei ein echtes Titanic-Cover.

Manipuliertes Titanic-Titelbild soll offenbar Stimmung gegen die Ukraine machen

Offenbar soll damit Stimmung gegen Hilfen für die Ukraine gemacht werden. So heißt es auf der VKontakte-Seite des Fernsehmoderators Wladimir Solowjow, der als wichtiger Propagandist des Kremls gilt: „Generell verschlechtert sich die Haltung gegenüber der Ukraine und den Forderungen Kiews in Europa, wie Karikaturisten immer wieder zeigen.“

Der Fall ist nicht der erste, in dem Selenskyj mit einem „schwarzen Loch“ verglichen wird. Mitte Oktober teilte Solowjow ein gefälschtes Video von einem angeblichen Nachrichtenbeitrag, in dem anstelle einer Aufnahme vom Ton eines schwarzen Lochs eine Rede von Selenskyj geschnitten wurde. Moderiert wurde der Beitrag von Evrod Cassimy und Rhonda Walker – die beiden sind jene zwei Personen, die auf dem gefälschten Titanic-Cover von Selenskyj eingesogen werden, wie das russische Faktencheck-Team von Provereno Media aus Russland berichtet.

Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

Redigatur: Kimberly Nicolaus, Viktor Marinov

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