Ein „von der Regierung genehmigtes Kinderbuch“ mit dem Titel „Rosie sucht Geld“ soll angeblich Kinder aus armen Familien dazu bringen, eine Karriere in der Prostitution anzustreben. Das behaupten mehrere Menschen auf Telegram und Tiktok und einige Artikel auf dubiosen Webseiten. Angeblich werde das Buch in Berlin an Kinder verteilt, um ihnen die Vorteile der Prostitution aufzuzeigen. Das ist jedoch falsch.
Das Buch wurde weder an Kinder verteilt, noch soll es Kindern die Prostitution schmackhaft machen. Das Buch war als Handreichung für Eltern gedacht, deren Kinder Fragen zu Straßenprostituierten auf der Berliner Kurfürstenstraße und an anderen Orten in Berlin haben. Entwickelt wurde es 2012 von einer Berliner Arbeitsgruppe, in der unter anderem Sozialpädagogen mitarbeiteten. 2013 erschien es, sei aber trotz intensiver Werbung von Eltern kaum genutzt worden, heißt es in einer Pressemitteilung des zuständigen Bezirksamts Berlin.
„Rosie sucht Geld“ wurde der Pressemitteilung zufolge „mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung“ finanziert.
Bezirksbürgermeisterin betrachtet Buch als „romantisierend“ und will neues Aufklärungskonzept
Aus der Pressemitteilung geht auch hervor, dass das Buch inzwischen zurückgezogen wurde. Es sei „zum Ziel heftiger Angriffe auf Inhalt und Form geworden“. Dass Prostitution darin verharmlost und romantisiert werde, räumte auch die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, Stefanie Remlinger im Nachhinein ein.
Die Geschichte um Kinder, die entgegen der Bitte ihrer Eltern mit der titelgebenden Sexarbeiterin Rosie sprechen, wird aus Sicht der Kinder erzählt, die von Rosie lernen, was beispielsweise Sex ist und was Kondome sind. Das Buch spielt an der Kurfürstenstraße in Berlin-Mitte, der für seinen Straßenstrich bekannt ist.

Am 26. September 2023 veröffentlichte das Bezirksamt Berlin-Mitte die Pressemitteilung, wonach das Buch zurückgezogen werde. Auch die entsprechende Webseite des Bezirksamts soll überarbeitet und „an heutigen Bedarfen ausgerichtet“ werden, heißt es darin. Konkrete Pläne, wie Eltern bei der Aufklärung zum Thema unterstützt werden könnten, gibt es bislang jedoch nicht. Eine Sprecherin des Amts schrieb uns: „Was für eine Form der Auseinandersetzung mit dem Thema in Zukunft stattfinden soll, ist aktuell offen.“
Redigatur: Gabriele Scherndl, Matthias Bau
Korrektur, 17. Oktober 2023: Wir haben die Aussage korrigiert, das Buch „Rosie sucht Geld“ spiele am Kurfürstendamm. Das war falsch – es geht um Prostitution an der Kurfürstenstraße.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.