„Eilmeldung“, heißt es zu einem Tiktok-Video vom 7. Januar 2023. In dem Video fährt ein LKW-Konvoi eine Autobahn entlang. Dabei steht: „Polnische Trucker kommen nach Deutschland“ und „Bauernprotest“ – offenbar sollen die Trucks also an den bundesweiten Protesten von Landwirtinnen und Landwirten in Deutschland teilnehmen, denen sich auch LKW-Speditionen angeschlossen haben.
Über 50.000 Mal wurde allein dieser Beitrag angezeigt, auch andere Beiträge auf Tiktok und X zeigen das Video mit Bezug auf die Bauernproteste.

Stettin: Straßentransportverband bestätigt, dass die LKW-Demo nicht nach Deutschland fuhr
In manchen der Aufnahmen ist das Wasserzeichen des Tiktok-Nutzers witekx77 zu sehen. Er veröffentlichte das Video schon am 23. Dezember 2023. Einen Tag davor postete er zudem ein weiteres Video der Demonstration, das ebenfalls im falschen Kontext verbreitet wird.
Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck stellt sich der Tiktok-Nutzer als Piotr Krzyżankiewicz, Vizepräsident des Vorstands des Westpommerschen Straßentransportverbands in Stettin vor. Er sagt, das Video zeige eine Demonstration am 22. Dezember 2023, die sich gegen die LKW-Konkurrenz aus der Ukraine und polnische Steuerregelungen richte. Mit den Bauernprotesten in Deutschland habe sie nichts zu tun. Und: Die LKW hätten Polen bei der Demo nicht verlassen.
Das bestätigt auch ein weiterer Vertreter des Verbandes schriftlich. Der Westpommersche Straßentransportverband (ZSPD) veröffentlichte auch einen Aufruf zur Demo und eine Beschreibung der Route auf seiner Webseite.
Vergleich mit Google Maps belegt: Video entstand in Stettin, Polen
Durch diese Route lässt sich auf Google Maps der genaue Ort nachvollziehen, an dem das Video aufgenommen wurde: Auf der Łabuda-Brücke in Stettin, etwa 30 Autominuten von der deutschen Grenze entfernt.

Über die Demonstration gab es auch mehrere polnische Medienberichte samt Fotos. Die Reihung der LKW in dem Tiktok-Video ist dieselbe wie in diesen Bildern. Das Video hat also nichts mit den Bauernprotesten in Deutschland zu tun und ist älter als in Sozialen Netzwerken behauptet wird.

Ob sich polnische LKW mittlerweile an den Protesten in Deutschland beteiligen, ist unklar. Krzyżankiewicz vom ZSPD schloss im Telefonat mit CORRECTIV.Faktencheck nicht aus, dass der Verband in Zukunft teilnehmen werde. Zum Zeitpunkt des Gespräches gab es dafür aber noch keine konkreten Pläne.
Redigatur: Kimberly Nicolaus, Steffen Kutzner
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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