Der Eiffelturm in Paris wird in Frankreich oft als „Eiserne Dame“ bezeichnet, denn er besteht vor allem aus Eisen. Mitte Januar 2024 tauchten auf Tiktok dennoch mehrere Aufnahmen auf, die das Bauwerk teils vollständig in Flammen zeigen (hier, hier oder hier). Die Beiträge wurden insgesamt mehr als 200 Millionen Mal gesehen, darunter stehen Kommentare von Nutzerinnen und Nutzern auf Deutsch, Japanisch und Russisch.
„Wann ist das denn passiert“, fragt einer. „Bro der besteht nur aus Eisen wie soll der so brennen“, kommentiert ein anderer. Die Verbreiter der Videos beantworten diese Fragen selten – manche kommentieren sogar, die Aufnahmen seien real. Indes verbreiten sich die Bilder in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder X weiter, manche mit dem Hashtag #PrayForParis.
Live-Webcams zeigen unversehrten Eiffelturm
Aktuelle Medienberichte über das angebliche Feuer gibt es weder auf Google, noch auf Duckduckgo. Angezeigt werden stattdessen Faktenchecks oder Medienberichte von 2003 über einen Brand auf der Spitze des Turms.
Aktuelle Beiträge auf der offiziellen Facebook-Seite des Eiffelturms zeigen ihn unversehrt. Auch ein Blick auf in Echtzeit übertragende Webcams bestätigt: Nirgendwo sind Spuren eines Brandes zu sehen (Stand 26. Januar).
Doch was zeigen die Tiktok-Videos dann?

Einige der Aufnahmen haben wir genauer untersucht – sie sind manipuliert.
Flammen bis zur Spitze? Protest-Bilder vor dem Eiffelturm wurden per Computer erstellt
Den mit Abstand verbreitetsten Beitrag veröffentlichte am 18. Januar der Tiktok-Account KazakhstanDazhasalgan. In einem Kommentar darunter behauptet der Verbreiter, die Aufnahmen seien von 2022. Zu sehen sind drei Aufnahmen von Menschenmengen vor dem Eiffelturm, während Flammen bis zur Spitze des 330 Meter hohen Turms aufsteigen. Auf einem Bild sind Männer mit Helmen zu erkennen, die scheinbar Feuerwehrleute oder Polizisten darstellen sollen. Der Account verbreitet jedoch weitere Videos von brennenden Gebäuden, von denen einige als Fälschungen gekennzeichnet sind.
Auf X heißt es unter einem Beitrag mit denselben Fake-Bildern, sie seien „fiktiv“ und stammten aus einem Tiktok-Video, das nicht mehr verfügbar ist. Der Autor des Kanals hat uns dies bisher nicht bestätigt, überprüfen lässt sich der Urheber also nicht. An den Details in den Bildern ist jedoch erkennbar, dass es sich sehr wahrscheinlich um computergenerierte Aufnahmen handelt.

CORRECTIV.Faktencheck fragte darum bei Joachim Denzler, dem Leiter der Computer Vision Group am Institut für Informatik der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und bei der Pressestelle der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nach.
„Man kann mit hoher Sicherheit sagen, dass es KI-generierte Bilder sind“, antwortete Joachim Denzler. In den Bildern seien Artefakte wie komische Gesichter, seltsame Objekte oder Streifen im Himmel zu sehen. Zudem gebe es geometrische Ungereimtheiten, der Eiffelturm wirke zum Beispiel sehr nah, gehe aber durch Bäume und Häuser hindurch.
Auch die Pressestelle der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bestätigte nach Rücksprache mit einem Experten des Instituts für Informatik, dass es sich um KI-generierte Bilder handele. Der Eiffelturm bestehe aus einem Stahlgerüst und könne nicht lichterloh brennen, wie abgebildet. Auf dem Bild links unten falle zudem auf, dass eine Straßenlaterne in der Luft schwebe und der Pfosten fehlt.
CORRECTIV.Faktencheck entdeckte zudem weitere Unstimmigkeiten: Die Straßen rund um den Eiffelturm sehen anders aus als auf dem Bild links, wie ein Rundgang durch die benachbarten Straßen auf Google Maps zeigt. Bei den Einsatzkräften auf dem Bild in der Mitte fehlt die Aufschrift „Police“ auf der Rückseite der Jacke und der Armbinde. Zudem ragt eine Art Metallrohr unnatürlich ins Bild. Am Bild rechts fällt auf, dass die Scheinwerfer auf der Spitze des Turms eingeschaltet sind, was bei so einem Brand unwahrscheinlich ist.

Clip der brennenden zweiten Etage wurde 2023 von einem armenischen Unternehmen veröffentlicht
Ein Tiktok-Clip vom 21. Januar mit mehr als 8 Millionen Aufrufen zeigt die angeblich brennende zweite Etage des Turms. Der Account behauptet in den Kommentaren, dass die Szene echt sei.

Über eine Bildersuche mit Google Lens gelangt man zu einem Youtube-Video vom 18. Juli 2023 mit dem Titel „Eiffel Tower burning VFX #vfx #3dsmax #news #cgi“. Die Abkürzung CGI steht für computergenerierte Bilder und „3dsmax“ für ein Animationsprogramm. Der Kanal weist in den Kommentaren explizit darauf hin, dass es sich um visuelle Effekte handele.
Laut Beschreibung handelt es sich um den Youtube-Kanal der Firma „Augmented One“ in Armenien. „Ziel dieses YouTube-Kanals ist es, dem armenischen Publikum fundierte technische Kenntnisse im Bereich 3D-Design und visuelle Effekte zu vermitteln“, heißt es dort.

Eine Bilder-Rückwärtssuche hilft auch bei Video Nummer drei weiter, das nur vereinzelt auf Tiktok und Facebook kursiert. Es zeigt die brennende Spitze eines Gebäudes. Videos und Bilder aus anderen Perspektiven finden sich in Medienberichten über den Brand von Notre-Dame in Paris im Jahr 2019.
Mit dem Eiffelturm hat es nichts zu tun.

Redigatur: Viktor Marinov, Steffen Kutzner
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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