Gesellschaft

Gefälschter Welt-Artikel: Nein, die ARD hat Caren Miosga nicht wegen einer Aktien-Software abgesetzt

In einem gefälschten Welt-Artikel wird behauptet, die neue Sendung mit Caren Miosga wurd eingestellt, weil Miosga sich begeistert über eine Aktien-Software geäußert habe und sich Banken daran gestört hätten. Alles daran ist erfunden.

von Steffen Kutzner

Caren Miosga Titelbild Bitcoin
Caren Miosgas neue Sendung soll wegen ihrer Äußerungen zu einer Aktiensoftware abgesetzt worden sein. Das ist erfunden. (Symbolbild: Jörg Carstensen / Picture Alliance)
Behauptung
Laut eines Welt-Artikels sollen Banken dafür gesorgt haben, dass die ARD die Sendung von Caren Miosga abgesetzt hat. Der Grund sei, dass sie erklärt habe, wie Geld mit einer Aktienhandelssoftware zu verdienen sei.
Bewertung
Manipuliert. Der Artikel ist gefälscht und Miosgas Sendung ist auch nicht abgesetzt.

Caren Miosga hat seit Januar eine eigene Talkshow im ARD, aber laut einem Artikel im Design der Welt, ist damit bereits Schluss: „Während einer Sendung begeisterte sie sich für die ProQuantum-Plattform, die automatisch mit Aktien handelt, und verkündete ihren Erfolg beim Verdienen erheblicher Beträge. Dies löste jedoch eine negative Reaktion seitens der Banken aus.“ Angeblich sei ihre Sendung deshalb abgesetzt worden, heißt es in dem Artikel, der aussieht, als wäre er bei Welt erschienen. Aber der Artikel ist gefälscht und alle Behauptungen darin sind erfunden.

Der gefälschte Artikel imitiert die Webseite der Welt (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Dass es sich um eine Fälschung handelt, ist an mehreren Details erkennbar. Am offensichtlichsten dürfte der Tippfehler im Titel sein, wo die ARD „ADR“ genannt wird. Auch die URL ist nicht die von Welt (www.welt.de), sondern eine völlig andere. Auch dass als Autor einmal Frank Stocker, Finanzredakteur bei Welt, und einmal jemand namens Jérôme Nussbau angegeben ist. Einen Journalisten namens Jerome Nussbaum gibt es, er hat aber laut einer Google-Suche noch nie für die Welt geschrieben. 

Sendung Miosgas wird aktuell nicht ausgestrahlt – wegen Ostern

Auch eine Google-Suche nach dem Titel des angeblichen Welt-Artikels führt zu keinen relevanten Treffern, allerdings zu der Erkenntnis, dass Caren Miosgas Sendung tatsächlich Ende März nicht im Fernsehen läuft: Wegen der Osterpause, wie etwa Merkur berichtet. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Sendung abgesetzt wurde.

Die im Artikel genannte Software ProQuantum tauchte bereits mehrfach in Zusammenhang mit betrügerischen Artikeln auf, die mit Prominenten warben. So wurde auch fälschlicherweise behauptet, Jan Böhmermann habe dafür geworben. Auch dabei handelte es sich um einen gefälschten Welt-Artikel, der angeblich von Frank Stocker verfasst wurde.

Wir haben Frank Stocker kontaktiert und ihn gefragt, inwieweit Welt oder er selbst den Betrugsversuchen mit seinem Namen nachgehen. Er schrieb uns, dass sein Name aktuell häufiger für derlei Fakes genutzt werde. Eine Chance, solche Identitätsdiebstähle zu verhindern, gebe es jedoch kaum. Immerhin: „Bisher habe ich zu diesen Fake-Seiten noch keine Rückmeldungen in der Art erhalten, dass jemand glaubte, die entsprechenden ‚Artikel‘ seien wirklich von mir oder dass sie jemand für echt hielt.“

Redigatur: Matthias Bau, Max Bernhard

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.