Gesellschaft

Video von „genderfreier Schule“ ist KI-generiert

Ein Video erweckt den Eindruck, an einer Schule könnten Kinder ihre Identität frei wählen – etwa als „rosa Stift“, „mündliche 1“ oder als „schulbefreit“. Doch das Video ist KI-generiert.

von Steffen Kutzner

Ein KI-generiertes Video verbreitet eine erfundene Geschichte über den Umgang mit Identitäten an einer Schule (Quelle: M_ming / Pixabay)
Behauptung
Ein Video zeige, dass an einer Schule die Kinder nicht mehr als Jungen und Mädchen betrachtet werden, sondern als Lernende mit wechselnder Selbstwahrnehmung. Sie könnten sich dort auch als Gegenstände oder als „schulbefreit“ identifizieren.
Einordnung
Das Video wurde mit KI erstellt. Keines der 16 von uns angefragten Landesbildungsministerien bestätigte eine Schule mit einem solchen Konzept.

In einem Video auf Tiktok und Instagram ist ein angeblicher Nachrichtenbeitrag zu sehen. Darin erklärt eine vermeintliche Lehrerin, dass man an ihrer Schule nicht mehr von Jungen und Mädchen spreche, sondern von „Lernenden mit wechselnder Selbstwahrnehmung“. Die Kinder könnten frei entscheiden, welche Identität sie annehmen. Ein Mädchen sagt vermeintlich: „Frau Dietrich sagt, wir können alles sein, was wir wollen. Ich dachte immer, ich bin ein Mädchen, aber jetzt weiß ich, dass ich auch ein rosa Stift sein kann.“

archive.is/Screenshot-des-Videos


Video war zunächst als KI-generiert gekennzeichnet

Das früheste Video, das wir gefunden haben, stammt von Mai 2026. Der Ersteller kennzeichnete es selbst als KI-generiert. Bei späteren Veröffentlichungen auf anderen Plattformen fehlt dieser Hinweis teilweise. 

Auch das Video selbst weist typische Auffälligkeiten KI-generierter Aufnahmen auf: Die Mundbewegungen der dargestellten Personen sehen unnatürlich aus, die Stimmen wirken mechanisch, die Kopfbewegungen willkürlich.

archive.is/frühestes-Video
facebook.com/Video-ohne-KI-Hinweis


Bildungsministerien der Länder bestätigen kein solches Konzept

Wir haben alle 16 Landesbildungsministerien gefragt, ob ihnen in ihrem Bundesland eine Schule mit einem Konzept bekannt ist, wie es in dem KI-Video dargestellt wird. 13 haben geantwortet und keines davon bestätigte die Existenz einer solchen Schule. „Schulen können nicht selbstständig festlegen, wie sie mit Fragen der Geschlechtsidentität oder Ansprache von Schülerinnen und Schülern umgehen“, hieß es auf unsere Anfrage etwa aus dem niedersächsischen Kultusministerium. 

Es gälten Vorgaben etwa aus dem Landesschulgesetz und allgemeine verfassungsrechtliche Grundsätze. So steht etwa im Sozialgesetzbuch, dass in der Erziehung „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen, Jungen sowie transidenten, nichtbinären und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berücksichtigen“ seien.

Für den Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt an Schulen gibt es zudem Leitlinien. Rheinland-Pfalz verwies uns beispielsweise auf eine Handreichung zur Akzeptanz und Inklusion geschlechtlicher Vielfalt. Aber dass Kinder sich als Gegenstände identifizieren oder sich durch ihre Selbstwahrnehmung von der Schulpflicht befreien könnten, steht darin nicht.

web.archive.org/Handreichung-zu-Gendervielfalt
bildungsportal-niedersachsen.de
gesetze-im-internet.de/SGB


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Caroline Lindekamp, Gabriele Scherndl

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