In eigener Sache

Tag des Lokaljournalismus: Rückgrat der lokalen Öffentlichkeit stärken

In ganz Deutschland stellt eine Initiative die Bedeutung von Lokaljournalismus in den Mittelpunkt. CORRECTIV ist als Projektpartner dabei, mit seinem Lokal-Netzwerk sowie mit dem Konzept, Café und Journalismus zu verbinden.

von Justus von Daniels

Lokaljournalismus Tag

Am 5. Mai 2026 stellen dutzende Zeitungen und Medien in ganz Deutschland mit dem „Tag des Lokaljournalismus“ die Kraft regionaler Berichterstattung in den Mittelpunkt. Die Initiative wird getragen von der Ippen-Gruppe, der dpa, zahlreichen Zeitungsverlagen sowie Partnern wie CORRECTIV als gemeinwohlorientiertem Medienhaus. Damit soll deutlich werden: Lokaljournalismus ist Rückgrat einer demokratischen Öffentlichkeit vor Ort – dort, wo Entscheidungen spürbar werden.

Diese Öffentlichkeit entsteht nicht von selbst. Sie braucht Austausch und Strukturen, die über einzelne Redaktionen hinausreichen. CORRECTIV hat ein Netzwerk für gemeinsame Recherchen, für den Austausch von Wissen und für Zusammenarbeit auf lokaler Ebene aufgebaut. Und CORRECTIV schafft Räume für die Begegnung mit Journalismus. Denn Journalismus ist im besten Fall ein Ort für das gesellschaftliche Gespräch.

CORRECTIV.Lokal: Netzwerk mit über 2.000 Mitgliedern

Mit CORRECTIV.Lokal vernetzen wir über 2000 Medienschaffende in ganz Deutschland und stärken ihre investigative Arbeit vor Ort. 2018 sind wir mit 20 Partnern gestartet. Seitdem machen wir mit datengetriebenen Recherchen lokale Missstände sichtbar, die in ganz Deutschland auftreten. Damit können Debatten angestoßen werden, die weit über die lokale Ebene hinausreichen, auch wenn sie die Menschen direkt vor Ort betreffen. Ob es um den Zustand des Grundwassers vor Ort geht, um die örtliche Hilfe bei häuslicher Gewalt oder um die Auswirkungen des Immobilienmarktes auf das Leben in der Stadt: Wir bringen zusammen, was sonst oft getrennt arbeitet: Redaktionen, die Lokaljournalismus weiterentwickeln wollen, die Wissen und Erfahrungen teilen wollen, um die Geschichte erzählen zu können, die über ihren Ort hinausgeht.

Wir blicken dabei auf über 1.000 lokale Veröffentlichungen zurück, für die wir rund 40 Recherche-Rezepte geschrieben haben – das sind Vorschläge, wie aus unseren Recherche-Ergebnissen lokale Berichte entstehen können. So wird lokaler Journalismus gestärkt.

Für die Mitglieder des Netzwerkes bedeutet das mehr als Austausch: Zugang zu Ressourcen für investigative Recherchen, eine aktive Community, aus der heraus Recherchen entwickelt werden und ein Raum, in dem neue Formen von Lokaljournalismus entstehen.

Spotlight.Gelsenkirchen: Kaffee und Journalismus vor Ort

Ein Beispiel dafür ist SPOTLIGHT Gelsenkirchen. Ein Cafe in der Innenstadt von Gelsenkirchen, das gleichzeitig redaktioneller Raum für den gleichnamigen Newsletter für die Stadt ist. Hier entsteht ein unabhängiger, gemeinwohlorientierter Lokaljournalismus, der die Stadtgesellschaft aktiv einbindet – Lokal und Journalismus: Menschen kommen in einer Redaktion zusammen, vielleicht zufällig und erzählen ihre Geschichte. Oder sie besuchen eine unserer Veranstaltungen, zu denen wir regelmäßig in das Ladenlokal einladen, um über lokale Themen zu sprechen und darüber, wie sie zu lösen wären. Dort entsteht jeden Tag ein Newsletter, der vor allem auf die Entscheidungen des Stadtrates blickt und prüft, was für die Menschen vor Ort entschieden wird.

Ein zentraler Ort für unser Netzwerk ist die jährliche CORRECTIV.Lokal Konferenz. Vom 16. bis zum 18. Oktober 2026 kommen Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland in Magdeburg zusammen – rund 350 Medienschaffende. Der Ort ist bewusst gewählt: dorthin zu gehen, wo Journalismus unter Druck steht, heißt, Realität ernst zu nehmen. Die Konferenz schafft Raum für Streit, Ideen und neue Allianzen.

Schon die letzte Konferenz hat gezeigt, wohin das führen kann: Aus intensiven Debatten entstanden sieben Forderungen zur Stärkung des Lokaljournalismus – formuliert von hunderten Journalistinnen und Journalisten, gerichtet an Medienhäuser und die gesamte Branche.

CORRECTIV versteht sich dabei als Infrastruktur für investigative Zusammenarbeit und als Impulsgeber für einen Lokaljournalismus, bei dem es auch auf die Begegnung und den Austausch vor Ort ankommt.