2 Milliarden – einfach weg
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das größte Bauprojekt in der Geschichte der Marine gestoppt. Leider recht spät.

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Liebe Leserinnen und Leser,
es sollte das größte Bauprojekt in der Geschichte der deutschen Marine werden: 18 Milliarden Euro, um sechs riesige Fregatten zu bauen. Jetzt hat Verteidigungsminister Boris Pistorius das Projekt ziemlich spontan einkassiert. Das Problem: Zwei Milliarden Euro wurden schon ausgegeben – und die Bauteile kann man jetzt wahrscheinlich für nichts anderes mehr benutzen. Mehr im Thema des Tages.
Jetzt noch mal zur Rente: Seit gestern Abend haben mich mehr als 100 E-Mails von Ihnen dazu erreicht. Ich kann zwar leider nicht alle beantworten, habe sie aber gelesen – hier eine kurze Zusammenfassung. Viele von Ihnen fanden gut, dass wir die Pläne nicht gleich kommentiert und zerredet haben. Einige sind der Ansicht, eine große Reform müsse nun mal sein – aber vor allem müsse die Regierung doch dafür sorgen, dass künftig ALLE ins gesetzliche Rentensystem einzahlen. Zum Beispiel auch Beamte.
Und ein paar von Ihnen wiesen zu Recht darauf hin, dass ich die „abschlagsfreie Rente ab 63“ nicht ganz korrekt dargestellt habe. Denn ganz so abschlagsfrei ist sie ohnehin jetzt schon nur für ganz wenige, wie etwa hier nachzulesen ist.
Haben Sie eigentlich schon unseren neuen Podcast gehört, „CORRECTIV Was zählt“ – und haben Sie Feedback dazu? Dann schicken Sie es gern an diese Adresse: waszaehlt@correctiv.org. Übrigens: Wenn Sie unseren Podcast gut finden, dann helfen Sie uns sehr, wenn Sie ihm bei Spotify oder einer anderen Plattform mit fünf Sternen bewerten – denn Sie wissen ja bestimmt: „Likes“ sind die Währung unserer Zeit 🙂
Thema des Tages: 2 Milliarden – einfach weg
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Mein Kollege Martin Murphy war gestern Abend gerade bei einer Veranstaltung in Berlin und netzwerkte mit Leuten aus der Wirtschaftswelt. Da platzte die Nachricht herein: Verteidigungsminister Pistorius kassiert das größte Bauprojekt ein, das die deutsche Marine sich jemals vorgenommen hat.
Die Leute auf der Veranstaltung wurden blass, erzählte Martin heute in unserer Morgenkonferenz – denn der Stopp des Projekts bedeutet einen empfindlichen Schlag für die deutsche Wirtschaft. Es geht um das Fregatten-Projekt F126.
Geplant war Folgendes:
Insgesamt sechs riesige Fregatten sollten gebaut werden – die größten Kampfschiffe Europas. An der ersten davon, der Fregatte „Niedersachsen“, wird schon seit Anfang 2024 gebaut – darüber berichtete die Bundeswehr hier (damals war der Plan noch, vier solcher Schiffe zu bauen, danach wurden die Pläne ausgeweitet).
Und genau das ist das Problem:
Der Baustopp jetzt – Jahre nach der Entscheidung für das Projekt und mitten im Bau – bedeutet nämlich für uns Steuerzahlende: Wir bleiben auf den bereits getätigten Ausgaben sitzen. Das sind gut zwei Milliarden Euro. Gerade erst vergangene Woche wurden 145 Millionen Euro vom Bund an die Werft gezahlt.
Um welche Bauteile es dabei genau geht, weshalb man damit nichts Sinnvolles mehr wird anfangen können, und wie es überhaupt zu Pistorius’ recht spontaner Entscheidung kam, steht in unserem aktuellen Text.

Wie es nun weitergeht:
Das Verteidigungsministerium will nun statt der Riesenfregatten etwas kleinere Schiffe bauen lassen: acht Fregatten des Typs Meko-200. Was genau das ist, erklärt das Verteidigungsministerium hier. Schon Anfang des Jahres hatte der Bundestag zugestimmt, dass die Marine vier dieser kleineren Fregatten bauen lassen sollte – weil damals schon absehbar war, dass die oben genannten Riesen-Schiffe viel länger im Bau brauchen als ursprünglich geplant.
Ist Pistorius ein Sparfuchs?
Es ist schon das zweite Großprojekt, das der Verteidigungsminister innerhalb weniger Tage stoppen ließ. Zuletzt verkündete er das Ende des gemeinsamen Kampfjet-Entwicklungsprojekts FCAS. Dabei ging es allerdings noch um sehr viel mehr Geld, und zwar 500 Milliarden Euro.
Mit dem Aus für die Mega-Fregatten reagiert er nun unseren Informationen zufolge darauf, dass es Bau-Verzögerungen gab – und auch darauf, dass die Kosten immer weiter aus dem Ruder liefen.
Noch besser wäre es allerdings gewesen, Pistorius hätte schon mindestens ein Jahr früher diese Entscheidung getroffen. Damals ließ sich nämlich schon absehen, dass das Projekt deutlich langwieriger und teurer würde als zunächst gehofft. Dann hätte er den Geldbeutel des Steuerzahlers noch etwas mehr geschont.
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