Der Spion aus der Luft

Eine CORRECTIV-Recherche zeigt, hinter wie vielen Sabotageakten die Polizei ausländische Geheimdienste vermutet.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

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manchmal ist es reiner Zufall, dass nicht mehr passiert ist: Bei einem Prozess in Litauen gegen fünf mutmaßliche Versender von Brandsätzen in Kurierpaketen wurde gestern klar, dass nur eine Verspätung ein Feuer an Bord des DHL-Frachtflugzeuges verhindert hatte. 

Über einen ähnlichen Fall, einen Anschlag auf Bahnschienen, hatte mein Kollege Alexej Hock bereits vor einigen Wochen berichtet. Damals war das mutmaßliche Anschlagsziel ein US-Militärkonvoi – dass es diesen nicht traf, lag an einer spontanen Umleitung aufgrund einer Verspätung. 

Nun zeigt seine neue CORRECTIV-Recherche, dass die deutsche Polizei in rund 100 Fällen von Sabotage oder Drohnen-Überflügen einen fremden Staat als Drahtzieher vermutet. Mehr dazu lesen Sie im Thema des Tages. 

Nachdem vor einigen Tagen zehntausende Menschen versucht hatten, in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, ist die Debatte über (ir)reguläre Migration nach Europa wieder entbrannt, inklusive Schuldzuweisungen. Wie Migration als „Waffe“ von Staaten genutzt werden kann, haben meine Kolleginnen Silvia Stöber und Anna Pawłowska-Jarmoła kürzlich hier nachgezeichnet. Und wie man ideologiefrei über Migration sprechen kann, hat Chefredakteurin Anette Dowideit in ihrem neuen Buch aufgeschrieben. Es erscheint am 25. August, hier können Sie es vorbestellen. 

Thema des Tages: Der Spion aus der Luft

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Faktencheck: Video zeigt feiernde Fußballfans, keine Menschen in Ceuta

Gute Sache(n): Über tausend Juristinnen und Juristen fordern AfD-Verbot • Stromcheck vorm Urlaub senkt Verbrauch und Risiken • Murmeltier-Bilder sollen Forschung retten

CORRECTIV ganz persönlich: Journalismus geht auf die Bühne: Wie ich den Mann traf, der mich umbringen wollte

Grafik des Tages: Niedrigwasser führt zu Energieengpässen in mehreren Ländern

Steckt Russland dahinter?
Drohnensichtungen, verdächtige Kameras, Manipulationen an Kriegsschiffen – was manchmal noch klingt wie Auszüge aus einem Spionageroman, ist für Polizei und Bundeswehr fast schon Alltag. Immer wieder kommt es zu Sabotageakten an und um die Infrastruktur der Armee oder auch der Bahn. Und immer wieder geraten ausländische Agenten als Drahtzieher in Verdacht. Nun gibt es eine genauere Vorstellung darüber, wie häufig deutsche Behörden tatsächlich dem Verdacht der Beteiligung eines fremden Staates nachgehen. 

Hinter dem Delikt der „Agententätigkeit zu Sabotagezwecken“ stecken häufig Drohnen-Sichtungen über Militäreinrichtungen oder kritischer Infrastruktur. US-Basen wie der Luftwaffenstützpunkt Ramstein waren im vergangenen Jahr mehrfach betroffen. Foto: picture alliance / Daniel Kubirski
Hinter dem Delikt der „Agententätigkeit zu Sabotagezwecken“ stecken häufig Drohnen-Sichtungen über Militäreinrichtungen oder kritischer Infrastruktur. Foto: picture alliance / Daniel Kubirski

Wie oft die Polizei wegen des Verdachts der „Agententätigkeit zu Sabotagezwecken“ ermittelt, zeigt eine Abfrage von CORRECTIV bei den Landeskriminalämtern (LKA) der Länder. Dabei kam heraus, dass im vergangenen Jahr mindestens 104 Delikte an den zuständigen Kriminalpolizeilichen Meldedienst für Politisch motivierte Kriminalität übermittelt worden sind. 

Vorfälle mit Drohnen kommen am häufigsten vor 
Die Statistik über Agententätigkeit zu Sabotagezwecken wird in manchen Bundesländern von Drohnen-Vorfällen dominiert. So listet allein das LKA Rheinland-Pfalz für das Jahr 2025 insgesamt 21 Delikte auf – allesamt mit Bezug auf Russlands Krieg gegen die Ukraine und mit dem Tatmittel Drohne. Bei zehn dieser Vorfälle werden US-Militäreinrichtungen als Ziel angegeben, darunter die Militärbasis Ramstein.

Doch es gibt auch Fälle, bei denen Drohnen keine Rolle spielen. Eine frühere CORRECTIV-Recherche ergab, dass bei zwölf von rund 100 Anschlägen auf Verkehrsinfrastruktur ausländische Drahtzieher vermutet werden. Bei den Anschlägen reicht das Spektrum von durchtrennten Kabeln an Bahnstrecken über Metallklammern auf den Schienen bis hin zu Cyber-Angriffen.

Was passiert mit den Erkenntnissen?
Tatsächliche strafrechtliche Folgen abzuleiten, scheint schwierig. Eine Aussage über den tatsächlichen Ermittlungsausgang trifft diese Statistik nämlich nicht. So wurde zum Beispiel das Verfahren im Zusammenhang mit der Drohnen-Sichtungen bei der Bundeswehr-Weihnachtsfeier in Celle inzwischen eingestellt, weil die Drohnenpiloten nicht ermittelt werden konnten, wie die Generalstaatsanwaltschaft Celle auf Anfrage mitteilte.

Deshalb gilt wohl erstmal, weiter Daten zu sammeln: Um einen möglichst umfassenden Überblick über mögliche Sabotage- und Ausspähversuche zu erhalten, erstellt das Bundeskriminalamt zusätzlich zu den Meldungen der LKAs regelmäßig eigene Lagebilder mit weiteren Erkenntnissen.

Bundesregierung plant neuen Zivildienst 
Das Bundesfamilienministerium will die Grundlagen für einen neuen Zivildienst schaffen. Dafür habe es in den vergangenen Monaten 23 große Unternehmen und Verbände nach ihren Kapazitäten befragt. Nach der Sommerpause sollen die neuen Pläne vorgestellt werden. Hintergrund ist der seit Anfang des Jahres geltende neue Wehrdienst. Falls sich nicht genügend Freiwillige finden lassen, kann der Bundestag sich für eine Bedarfswehrpflicht entscheiden. In diesem Fall müsste es auch einen entsprechenden Ersatzdienst geben. 
deutschlandfunk.de

EU-Innenminister loben Spaniens Umgang mit Migrantenandrang auf Ceuta
Nach einer Krisensitzung wegen des Massenandrangs von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in der vergangenen Woche haben die EU-Länder Einigkeit demonstriert. Europa habe den Test für die Sicherheit seiner Außengrenzen „für den Moment definitiv bestanden“, sagte EU-Innenkommissar Magnus Brunner. Zuvor hatten mehrere Staaten Spanien schwere Vorwürfe gemacht, darunter insbesondere Italien. Was den Massenansturm auf die Exklave ausgelöst hat, ist indes noch nicht aufgeklärt.     
tagesspiegel.de

Am 4. Juli feierten weltweit – wie etwa auf dem Bild in den Niederlanden – Marokkanerinnen und Marokkaner den Sieg ihrer Fußballmannschaft bei der WM gegen Kanada. Das zeigt auch ein aktuell auf Tiktok verbreitetes Video, das fälschlich in Zusammenhang mit Geschehnissen in Ceuta gebracht wird
Symbolbild: Georgios Kostomitsopoulos / Nurphoto / Picture Alliance

Endlich verständlich 
Wer gedanklich schon im Urlaub ist, übersieht oft, wie viele Geräte zu Hause Strom verbrauchen. Auch im Stand-by-Modus ziehen viele Geräte weiterhin Energie. Ein Stromcheck vor der Abreise senkt Kosten und Risiken. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier. 
zdfheute.de

Fundstück 
US-Wissenschaftler haben einen Onlyfans-Account eröffnet, auf dem sie exklusiv Murmeltier-Bilder anbieten. Die Plattform ist sonst für kostenpflichtige erotische Inhalte bekannt. Das Forscherteam sucht nach neuen Einnahmequellen, da US-Präsident Donald Trump die Wissenschaftsetats stark gekürzt hat. Bisher haben sie ein paar Hundert Dollar eingenommen – der große Erfolg bleibt also noch aus.
watson.de


Mit diesen Worten beginnt eine wahre Geschichte: Ich traf meinen Mörder, besser gesagt, den Mann, der mich umbringen sollte. Ich machte mit der Enthüllung geheimer Waffenlieferungen der türkischen Regierung an islamistische Gruppen weltweit Schlagzeilen und wurde dadurch zur Zielscheibe des Erdoğan-Regimes. Es folgte eine Verurteilung zu 27 Jahren Haft, ein Attentat vor laufenden Kameras und schließlich das Exil in Berlin.

Jahre später erhielt ich einen Brief aus einem Gefängnis in Buenos Aires: Der Mann, der mich töten sollte, will sprechen. Ich entschied mich, ihn zu treffen. Dabei stieß ich auf ein verborgenes Netzwerk aus Macht, Geheimdiensten, organisierter Kriminalität und Terror.

Basierend auf meinem Buch bringen wir diese Geschichte jetzt erstmals als Live-Erzählung auf die Bühne. Mit persönlichen Berichten, exklusiven Videoausschnitten, Bildern und dokumentarischem Material wollen wir das Publikum mit hinter die Kulissen nehmen.

In Deutschland sind Kraftwerksausfälle nach Meinung einiger Fachleute ebenfalls nicht gänzlich ausgeschlossen. Zum einen, weil Niedrigwasser die Lieferungen von Rohstoffen über Flüsse behindert. Zum anderen, weil auch Kohle- und Gaskraftwerke gekühlt werden müssen.
zeit.de

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert und Sebastian Haupt.