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Liebe Leserinnen und Leser,
kann man dem historischen Niedrigwasser am Rhein auch etwas Gutes abgewinnen? Mit dieser Frage haben sich die Nachwuchs-Karikaturisten beschäftigt, die ich Anfang der Woche in Kassel besucht habe: bei der Sommer-Akademie der Caricatura.
Da hing eine ganze Aufstell-Wand voller Bilderwitze zu dem Thema:
- Am Grunde des Rheins ist jetzt die sagenumwobene Stadt Atlantis wieder aufgetaucht;
- Ein Fisch-Kind, das mit seiner Mutter in einer Pfütze schwimmt, fragt die Mutter, was wohl die Redewendung „gegen den Strom schwimmen“ bedeutet;
- Ein Kreuzfahrtschiff liegt auf trockenem Grund – und die Passagiere freuen sich, dass sie die nächsten zwei Wochen an Bord völlig klimafreundlich verbringen können – weil das Schiff ja nicht fährt.
Vielleicht ist Galgenhumor die beste Haltung, die man zur Klimakatastrophe haben kann – um sich nicht zu machtlos zu fühlen. Man kann natürlich auch Fakten zusammentragen, um der Politik vor Augen zu halten, wie drastisch das Problem wirklich ist. Genau dies haben unser Klima- und unser Daten-Team gemacht. Das Ergebnis steht heute im Thema des Tages.
Was meinen Sie: Fällt Ihnen ein humoristischer Blick auf das Niedrigwasser in unseren Flüssen ein? Oder ist Ihnen dabei gar nicht nach Lachen zumute? Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Dann noch ein Hinweis auf eine Leser-Mail, die wir als Reaktion auf das gestrige Thema des Tages bekamen: Wie leicht lässt sich Briefwahl in Pflegeheimen manipulieren? Michael P., selbst Pfleger in einem Heim, schrieb uns: Das Problem sei nicht mögliche Manipulation – sondern vielmehr, dass sich oft niemand um die Beantragung kümmern könne: Das Pflegepersonal ist ohnehin überlastet und überdies nicht dafür zuständig. Wenn es also keine pflegenden Angehörigen oder Berufsbetreuer gebe, dann könnten die Pflegebedürftigen ihr Wahlrecht einfach nicht wahrnehmen.
Thema des Tages: Es rinnt, wo es früher floss
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Warum junge Frauen abwandern
Faktencheck: Dobrindt-Video aus dem Kontext gerissen: Keine Vertrauensfrage von Merz
CORRECTIV ganz persönlich: Warum ein stillgelegtes Gaskraftwerk an die Ukraine verschenkt wird
Nicht nur im Rhein herrscht in diesem Sommer historisches Niedrigwasser – auch in Elbe und Donau. Boote, die auf dem Trockenen liegen und freigelegte Sandbänke lassen das Ausmaß erahnen.
Aber erahnen ist unserem Rechercheteam natürlich nicht genug. Wir wollten ganz genau wissen, wie sich das Niedrigwasser in unseren Flüssen in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dafür haben sich unsere Datenjournalisten und unser Klima-Team zusammengetan – und die verfügbaren Statistiken ausgewertet.
Das Ergebnis können Sie in unserem heute erschienenen Text lesen. Dort können Sie auch nachschauen, wie stark die Flüsse in Ihrer Region betroffen sind:

Woher die Daten kommen:
Sie stammen vom Niedrigwasser-Portal (NIWIS) der Bundesregierung. Dieses Portal erfasst die Daten zu Wasserständen und Wassermengen an 356 Messstellen.
Was sie zeigt:
Unsere Analyse erstreckt sich über die vergangenen 34 Jahre. Deshalb können wir eindrücklich zeigen, wie die Flüsse nach und nach immer weniger Wasser führten.
Das Ergebnis ist nicht überraschend, aber klar: Deutschlands Flüsse trocknen zunehmend aus.
Wozu die Entwicklung führt:
Zum einen – wie in den vergangenen Tagen von vielen Medien berichtet – zu handfesten Problemen für die Wirtschaft. Zum Beispiel, weil Schiffe nur noch schwer Waren transportieren können.
Eine aktuelle Berechnung kommt zu dem Ergebnis, dass allein das Niedrigwasser im Rhein die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr 0,3 Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) kosten dürfte.
Zum anderen führt das Niedrigwasser aber auch dazu, dass unser Trinkwasser aufwändiger gereinigt werden muss.
Das liegt daran:
Ein Teil unseres Trinkwassers stammt aus den Flüssen – und wird in Kläranlagen zu Trinkwasser aufbereitet. Wie groß genau der Anteil an Flusswasser an unserem Trinkwasser ist, lässt sich nicht ganz leicht beziffern, es lässt sich aber in dieser Erläuterung des Umweltbundesamtes in etwa nachvollziehen.
Nun ist es so, dass Chemiefirmen und andere Industrieunternehmen jede Menge Stoffe in die Flüsse einleiten dürfen: Arzneimittelrückstände oder Industriechemikalien.
Wie massiv gerade der Rhein mit unbekannten und teils gesundheitsschädlichen Stoffen belastet ist, hatten wir in dieser Recherche aufgedeckt.

Die Konsequenz liegt auf der Hand:
Weniger Wasser im Fluss, aber die gleiche Menge Chemikalien = mehr Aufbereitung nötig.
Ein Forscher, mit dem wir gesprochen haben, kommt zu diesem Ergebnis:
„Im Grunde sind unsere Flüsse derzeit nur schwach verdünntes Abwasser.“
Werner Brack, Ökotoxikologe
Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Wie geht es weiter?
Eine schnelle Entwarnung ist in den kommenden Tagen und Wochen nicht in Sicht. Laut der Bundesanstalt für Gewässerkunde ist erst ab Oktober mit einer „substanziellen Entspannung der landesweiten Niedrigwassersituation“ zu rechnen.
Bis dahin bleibt der Druck auf Flüsse, Ökosysteme und Wassernutzung hoch.
Nord-Stream-Anschläge: Zweiter Verdächtiger festgenommen
In Kroatien ist ein zweiter Verdächtiger im Fall der Nord-Stream-Anschläge festgenommen worden. Der Ukrainer soll ausgebildeter Taucher sein und an der Sprengung der Pipelines beteiligt gewesen sein. Deutschland wirft ihm unter anderem Sabotage und die Herbeiführung einer Explosion vor.
n-tv.de / tagesschau.de
Lauterbach: Zahl der Hitzetoten wohl noch höher
Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält die RKI-Schätzung von rund 14.000 Hitzetoten in diesem Sommer für eher konservativ. Auch die Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin geht von einer höheren Zahl aus. Das RKI meldet zudem, dass es auch während der Hitzewelle Anfang August eine Übersterblichkeit festgestellt hat.
deutschlandfunk.de / rp-online.de
CDU-Bürgermeister spendet 10.000 Euro an AfD
Der CDU-Bürgermeister Bernd Prange aus Sachsen-Anhalt hat nach eigenen Angaben 10.000 Euro an die AfD gespendet. Bei der Landtagswahl will er die Partei ebenfalls wählen. Der zuständige CDU-Kreisvorstand prüft nun ein Parteiausschlussverfahren.
tagesschau.de

Jung, gut qualifiziert und weg aus Sachsen-Anhalt? Lorenz Seeger schaut darauf, warum viele Frauen die Region verlassen und mit welchen Ideen Städte und Dörfer versuchen, wieder attraktiver zu werden:
tube.funfacts.de

Mit einem irreführend geschnittenen Video wird auf Tiktok behauptet, es gebe Neuwahlen. Das stimmt nicht.
correctiv.org
So geht’s auch
Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Um auch wohnungslosen Menschen die Wahl zu ermöglichen, hat ein Pilotprojekt des Pankower Wahlamts und der Diakonie den Menschen dabei geholfen, sich in das Wählerverzeichnis einzutragen. Zudem konnten sie bereits ihre Stimme per Briefwahl abgeben.
wdr.de
Endlich verständlich
Künstliche Intelligenz braucht nicht nur eine Menge Energie, sondern auch Wasser. Aber warum eigentlich? Ein Grund ist etwa die Kühlung von KI-Rechenzentren. Der indirekte Wasserverbrauch der Zentren ist aber noch höher als der direkte. Denn auch die Kraftwerke, die Strom für die Rechenzentren liefern, müssen gekühlt werden. Ein ausführliches FAQ zum Thema finden Sie bei Netzpolitik.org.
netzpolitik.org
Fundstück
Fast jeder vierte Erwachsene schläft weniger als sieben Stunden – und das ist zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Robert-Koch-Instituts. Um den Schlaf zu verbessern, könne man unter anderem auf Schlafzeiten, Lärm, Temperatur und Lichteinflüsse achten.
tagesschau.de
Anfang September reise ich erneut nach Kyiv. Die Organisatoren schicken mir gerade E-Mails mit Sicherheitshinweisen, vor allem wegen der schweren Luftangriffe, die diesen Sommer fast täglich die ukrainische Hauptstadt treffen. Im April war ich mehrere Wochen dort und sah, wie die Menschen mit verzweifeltem Mut versuchen, ein Stück Normalität in einem über vierjährigen Krieg zu bewahren. Auch damals ertönte regelmäßig der Alarm über die App. Die tödlichen Angriffe mit ballistischen Raketen haben seither massiv zugenommen.
Der Krieg, den Russland in unmittelbarer Nachbarschaft führt, betrifft auch uns. Das Ziel des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist es, die Dominanz über Europa zu erringen. Daher geht es nicht nur darum, aus Empathie der Ukraine zu helfen, sondern auch darum, unsere Freiheit zu schützen.
Umso mehr verwundert es mich, mit welchen Parolen gegen die Ukraine auch in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf gemacht wird. Vor allem die AfD beschwört eine angebliche Partnerschaft zu Russland und fordert das Ende der Ukrainehilfe.
Und diese Parolen finden Gehör. Gestern hörte ich im Deutschlandfunk, wie sich in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) Menschen empören, dass ein stillgelegtes Gaskraftwerk, das nur dafür gebaut wurde, das aus der Nordstream-Pipeline kommende Gas für den Weitertransport zu erwärmen, an die Ukraine verschenkt wird und die Demontage nun beginnen soll.
Zur Erinnerung: Es war Russland, das mit dem Angriffskrieg diese Energiepartnerschaft beendet hat. Deutschland hatte in den Jahren zuvor trotz intensiver Warnungen Russland unter Putin zum wichtigsten Energielieferanten gemacht und dem Kreml sogar nach der Annexion der Krim die Kontrolle über die Gasspeicher gegeben. Mehr Vertrauensvorschuss geht nicht. Doch Putin nutzt die Einnahmen für den Krieg gegen die Ukraine. Auch aus dieser Verantwortung heraus erklärt sich die Hilfe für die Ukraine.
Von meiner Reise nach Kyiv werde ich wieder hier berichten.

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt dürfte es sehr schwierige Mehrheitsverhältnisse im Landtag geben. Für die CDU heißt das: Um weiterhin den Ministerpräsidenten zu stellen, wäre sie womöglich für eine Mehrheit entweder auf Stimmen der Linken oder der AfD angewiesen. Doch mit beiden Parteien hat sie eine Zusammenarbeit ausgeschlossen – per Parteitagsbeschluss. Was die Menschen in Deutschland und die Anhängerinnen und Anhänger der Union darüber denken, zeigt die Grafik des Tages.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt, Katarina Huth, Pamela Kaethner
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