Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat eine sogenannte Kleine Anfrage an die noch amtierende Bundesregierung gestellt, Überschrift: Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen. In 551 Fragen möchten Friedrich Merz und Alexander Dobrindt im Namen ihrer Fraktionen wissen, wie unabhängig eine Reihe von Organisationen von Parteipolitik sind.

Neben den „Omas gegen Rechts“, der Amadeu Antonio Stiftung und anderen NGOs sind auch wir von CORRECTIV Teil dieser Fragen – 34 Fragen drehen sich nur um uns. Im Thema des Tages beantworten wir, was es mit der Anfrage auf sich hat und wie wir damit umgehen.

Wir haben uns außerdem entschlossen, jene 34 Fragen zu uns einfach mal selbst zu beantworten – weil die Bundesregierung sie zu großen Teilen gar nicht beantworten könnte. Hier geht es zu unseren Antworten.

Außerdem im SPOTLIGHT: Im „Bundestagswahl-Spezial“ beantwortet Leserreporterin Jule Scharun, was Sie bei unserer Umfrage geantwortet haben: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Ausgang der Bundestagswahl? Und in der „Werkbank“ zeigt unsere Jugendredaktion Salon5 (die im Gegensatz zu unserer Recherche-Redaktion tatsächlich staatliche Förderung erhält), wie Jugendliche den Ausgang der Wahl beurteilen.

Was denken Sie über den Vorstoß der Union zur politischen Neutralität von NGOs? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Ja, wir sind politisch unabhängig

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Bundestagswahl-Spezial: Hoffnung als Stütze der Demokratie

Faktencheck: Foto aus Hessen: Wahlurnen dürfen aus Pappe sein

Gute Sache(n): Lieferkettengesetz beschnitten: So funktioniert Lobbyismus • Verbrenner-Aus kann deutscher Automobilindustrie helfen • KI-Webseite: So fahrradfreundlich kann Ihre Stadt aussehen

CORRECTIV-Werkbank: Was unsere Jugendredaktion leistet

Grafik des Tages: Bundestagswahl: Wer alles nicht wählen durfte

Die Fragen drehen sich um alle möglichen Nicht-Regierungsorganisationen wie zum Beispiel die Tierschutzorganisation Peta, die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, oder um die Amadeu Antonio-Stiftung, die Aufklärungsarbeit über rechtsextreme Strömungen macht. 

Friedrich Merz im Anzug vor einer blauen Wand mit dem CDU-Logo – mit Mikrofon in der Hand
Friedrich Merz kurz vor der Bundestagswahl (Foto: Sebastian Bach / Fußball-News Saarland / Picture Alliance)

Eine ganze Reihe von Medien (hier etwa der Spiegel) fasste die Aktion so zusammen: Gemeinnützige Organisationen sollen unter Druck gesetzt werden.

Auch wir von CORRECTIV werden thematisiert. Dabei passen wir eigentlich nicht in die Auflistung. Denn unsere Recherchen werden ja überhaupt nicht staatlich mitfinanziert, sondern rein durch Spenden. Mehr dazu steht hier.

Was möchte die Union wissen?
Sie hat die Regierung gefragt, ob all die genannten Organisationen parteipolitisch unabhängig arbeiten. Diese Frage stellt sie in vielen Facetten. Zum Beispiel lautet eine, ob die „Omas gegen Rechts“ schon einmal wegen parteipolitischer Betätigung abgemahnt wurden.

Was steht dahinter?
Was ganz genau der Auslöser für die „kleine Anfrage“ war, darüber lässt sich nur spekulieren – und Spekulationen sind nicht unser Metier bei CORRECTIV.

Jedenfalls scheint es, als hätten sich einige in der CDU gehörig darüber aufgeregt, dass vor ein paar Wochen bei bundesweiten Demonstrationen gegen Rechtsaußen auch die CDU in der Kritik stand. Auf vielen Plakaten beschwerten sich damals Demonstrierende, dass die Union im Bundestag mit der AfD gestimmt hatte – und unter anderem wurde vor der CDU-Parteizentrale in Berlin demonstriert.

Daraufhin hatte Merz die Demonstrierenden kurz vor der Wahl als „grüne und linke Spinner“ bezeichnet (hier der Videoausschnitt).

In der Einleitung zur „Kleinen Anfrage“ steht das auch genauso: „Hintergrund sind Proteste gegen die CDU Deutschlands, die teils von gemeinnützigen Vereinen oder staatlich finanzierten Organisationen organisiert oder unterstützt wurden.“

Was steht eigentlich dahinter?
Es liegt nahe, dass Nicht-Regierungs-Organisationen hier alle in einen Topf geworfen und als diffuse Bedrohung dargestellt werden sollen. Dieses Bild von der bösen, parteipolitisch voreingenommenen NGO versucht die AfD schon seit Jahren zu zeichnen. 

Vor ein paar Tagen dann malte die zunehmend rechtsaußen positionierte Springer-Zeitung WELT in einem Meinungsbeitrag weiter an diesem verschwörungstheoretischen Bild: Es gebe einen „Deep State“, fabulierte der Autor; die NGOs seien ein „Staat im Staate“, der mithilfe von Steuergeldern die Demokratie wesentlich bestimmen würde. Man könnte darüber schmunzeln – wäre da nicht der Umstand, dass die Union jetzt in ihrer „kleinen Anfrage“ genau diesen Meinungsbeitrag zitiert – und ihren Fragenkatalog mit der wirren Theorie begründet.

Dahinter steht immer die große Frage, ob man NGOs vielleicht den Status als gemeinnützige Organisationen entziehen könnte. Das nämlich könnte sie ihre Existenz kosten.

Was hat das Ganze mit CORRECTIV zu tun?
Eigentlich nichts. Wir sind ein Medienhaus, unabhängig und überparteilich. Wir erhalten für unsere Recherchen keine staatlichen Fördergelder. Gefördert werden bei uns lediglich Medienbildungsprojekte – wie zum Beispiel unsere Jugendredaktion Salon5. Die haben aber nichts mit den investigativen Recherchen zu tun.

Wir haben auch nicht zu den Demos gegen die Union aufgerufen oder uns daran beteiligt.

In der „kleinen Anfrage“ wird aber eine kürzlich erschienene Recherche von uns zitiert, und zwar dieser Text über die Rechtstreiber in der CDU. Die Frage dazu an die Bundesregierung lautet, wie sie die Recherche vor dem Hintergrund des gemeinnützigkeitsrechtlichen Neutralitätsgebots bewerte.

Mit anderen Worten: Ob die Regierung nicht auch finde, dass wir nicht über die CDU hätten recherchieren dürfen.

Was wir jetzt tun:
Wir klären auf. Darüber, dass wir nicht nur über die CDU und die AfD recherchieren, sondern ebenso über die SPD (siehe Cum-Ex-Skandal und Gazprom-Lobby), die Grünen (eigentlich alles, was unser Klimateam recherchiert – hier ein Beispiel).

BKA zu Karneval: Keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne
Morgen beginnt der Straßenkarneval. Auf einer Webseite der Terrororganisation „Islamischer Staat“ wird dazu aufgerufen, die Feierlichkeiten anzugreifen. Die Sicherheitsbehörden bewerten das als „gezielte Panikmache“, so der Kölner Stadt-Anzeiger. Dem BKA liegen derzeit keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne vor.
ksta.de

Lokal: Mehrere Verletzte am Bielefelder Landgericht 
Vor dem Landgericht fielen offenbar Schüsse. Dort finden derzeit die Gerichtsverhandlungen in einem Rockerprozess statt.
ruhrnachrichten.de

Recherche: PFAS-Chemikalien deutschlandweit ein Problem
PFAS sind Chemikalien, die in vielen Produkten Anwendung finden, aber teils stark gesundheits- und umweltschädlich sind. Und: Sie sind extrem langlebig. Wie stark die Belastung in Deutschland ist, hat der NDR gemeinsam mit WDR und der SZ recherchiert.
ndr.de

Die meisten unserer Leserinnen und Leser äußern sich positiv über das gute Ergebnis der Linke. Viele haben auch die Hoffnung, dass demokratische Parteien wie die SPD und die CDU mit einer gemeinsamen Koalition Stabilität in die Politik zurückbringen können.

Eine ebenso nennenswerte Hoffnung der Leserinnen und Leser sind die hohe Wahlbeteiligung und das Wahlverhalten der diesjährigen Wahl: Auch, wenn über ein Fünftel für die AfD votiert hat, besteht doch immer noch eine große demokratische Mehrheit. 79 Prozent haben sich für die Parteien im demokratischen Spektrum entschieden.

Aufnahme eines Wahllokals.
Symbolbild: Jörg Carstensen / DPA / Picture Alliance

So geht’s auch
Schadet das geplante Verbrenner-Aus dem deutschen Automobilstandort? Die Sorge, die in Politik und Medien häufig zu hören ist, teilen Forschende eines Projektes unterschiedlicher Institute aus Deutschland und Europa nicht – im Gegenteil. Ihnen zufolge ist die Umstellung auf E-Mobilität eine große Zukunftschance für die deutsche Autoindustrie. Wichtig sei dabei Planungssicherheit.
mdr.de 

Fundstück
Ihre Straße soll fahrrad- oder fußgängerfreundlicher werden? Unsere Leserin Clara S. hat eine Idee, wo Sie sich Inspiration holen können: Auf dieser Webseite wandelt eine KI die Straßenzüge nach dem Vorbild niederländischer Stadtplanung um.
dutchcyclinglifestyle.com


Wie wichtig unsere Arbeit ist, zeigt auch, wie Menschen unter 25 Jahren gewählt haben (25 Prozent Linke, 21 Prozent AfD). Für viele eine Überraschung – für uns passt es zu den Erkenntnissen einer Umfrage, die wir mit über 140 Jugendlichen und jungen Menschen kurz vor den Wahlen gemacht haben. Wir haben gefragt, welche Themen sie gerade am meisten beschäftigen. Die Teilnehmenden waren im Schnitt 18 Jahre alt und kamen aus ganz Deutschland.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Robin Albers, Till Eckert, Sebastian Haupt und Jule Scharun.