Nicht genügend Schutz gegen Hitze

Trinkbrunnen, Hitzewarnungen oder nur Verhaltenstipps: CORRECTIV hat bei Städten nachgehakt, wie gut sie sich auf Hitze vorbereiten. Bei vielen ist der Schutz von Bewohnerinnen und Bewohnern noch mangelhaft.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Elena Kolb

in den nächsten Tagen soll es in ganz Deutschland wieder heiß werden. Der Deutsche Wetterdienst kündigt einigenorts Temperaturen von 39 Grad an. Mir bereitet das große Sorge, denn schon bei der letzten Hitzewelle Ende Juni starben in Deutschland laut Informationen des Robert Koch-Instituts mehr als 5.000 Menschen an den Folgen der Hitze. 

Deshalb haben wir in der CORREECTIV Klima-Redaktion überprüft, wie deutsche Städte ihre Bewohnerinnen und Bewohner eigentlich vor Hitze schützen. Es zeigt sich: Teils schlecht und vor allem überhaupt nicht systematisch. Während manche Städte einfach Verhaltenstipps für heiße Tage verschicken, legen andere klare Verantwortlichkeiten fest. Es ist dort festgeschrieben, welche Behörde für kostenloses Trinkwasser sorgen muss oder wer Pflegeeinrichtungen bei Hitzewarnungen informiert. 

Maßnahmen für Hitzeschutz sind Teil von Klimaanpassungen. Zusätzlich zum Klimaschutz müssen wir in Deutschland genau darüber verstärkt sprechen: mit welchen Konzepten Menschen vor den Auswirkungen der Erderwärmung geschützt werden können. Mehr dazu lesen Sie heute im Thema des Tages. 

Außerdem heute im SPOTLIGHT: Der mutmaßliche CSD-Attentäter war vorab als islamistischer Gefährder eingestuft. Trotzdem konnte er die Tat verüben. Was genau die Einstufung als Gefährder bedeutet, lesen Sie in „Endlich Verständlich“. Und wie Bundesregierung und Fachleute die Prävention gegen islamistische Radikalisierung verstärken wollen, steht in „Tag auf einen Blick“.

Außerdem möchte ich Ihnen noch zwei frische Texte aus unserem Hause empfehlen, die Sie in den „Neuesten CORRECTIV-Recherchen“ finden: Dort geht es um Stellenabbau bei BMW und den Stellenumbau auf der Regierungsbank.
   
Passen Sie während der heißen Tage gut auf sich auf! Und schreiben Sie mir gern, ob Sie sich in Ihrer Stadt (auch langfristig) gut vor Hitze geschützt fühlen: elena.kolb@correctiv.org.

Thema des Tages: Nicht genügend Schutz gegen Hitze

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Stellenabbau bei BMW

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Über Flucht und Migration seit 2015

Faktencheck: Roboter greift Menschen an: Video ist inszeniert

Gute Sache(n): Erklärt: Welche Maßnahmen gibt es gegen ‚‚Gefährder“? • EU bläst die Luft aus Chipstüten heraus • Fast 70 Jahre alte Flaschenpost wiedergefunden

CORRECTIV ganz persönlich: Meine Geschichte bei den „Exile Talks“

Grafik des Tages: Verheerende Waldbrände in Südeuropa: Der Blick von oben

Städter leiden besonders unter Hitze
Das liegt daran, dass die Luft dort schlechter zirkulieren kann, als auf dem Land. Außerdem heizt sich dunkler Asphalt schnell auf und speichert Hitze länger als Freiflächen. 

In den kommenden Tagen soll es in Deutschland wieder extrem heiß werden. Bei hohen Temperaturen werden besonders versiegelte Plätze in Städten zu Hitzefallen (Foto: picture alliance / photothek.de | Florian Gaertner).

Sieben Städte ohne Plan
CORRECTIV hat exemplarisch in 15 deutschen Städte überprüft, welche Hitzeschutz-Maßnahmen diese umsetzen und ob sie einen Hitzeaktionsplan haben. Sieben der Städte – Bonn, Freiburg, Ludwigshafen, Magdeburg, Neuss, Regensburg und Speyer – können noch keinen solchen Plan vorweisen, setzen aber trotzdem schon einzelne Maßnahmen um. 

Was ist ein Hitzeaktionsplan? 
Ein Hitzeaktionsplan allein bedeutet aber auch noch keinen wirksamen Schutz, denn die Maßnahmen unterscheiden sich teils deutlich. Manche Städte verschicken zum Beispiel nur Verhaltenstipps für heiße Tage. Andere – wie zum Beispiel Wiesbaden – sind schon weiter: 

Dort ist für jede Maßnahme klar festgelegt, wer verantwortlich ist und wann sie greift. Im Frühjahr schon werden dort Checklisten an Kitas für den Hitzeschutz versendet. Leverkusen verbindet kurzfristige Maßnahmen mit langfristigen Schritten, wie der Begrünung von Dächern oder dem Pflanzen von Stadtbäumen. 

Kurzfristige Planung mit langfristiger kombinieren
Wir haben eine Expertin gefragt, was einen effektiven Hitzeaktionsplan ausmacht. Besonders wichtig ist ihrer Einschätzung nach, klare Verantwortlichkeiten festzulegen. Außerdem müssten kurzfristige Maßnahmen, wie Verhaltenstipps oder das Schaffen von Schattenplätzen mit langfristigen Maßnahmen kombiniert werden. Zum Beispiel mit dem klimaresilienten (Um)Bau von Städten. Denn die Klimakrise verstärkt Hitzewellen – es wird in Deutschland in Zukunft immer mehr heiße Tage geben. Betonflächen entsiegeln, Dächer begrünen oder mehr Stadtbäume pflanzen können gegen das Aufheizen der Stadt helfen. 

Der Unterschied zwischen Klimaschutz und Klimaanpassungen
Hitzeschutz ist ein Teil von sogenannten Klimaanpassungen. Klimaanpassung bedeutet, dass die Gesellschaft vor den Auswirkungen der Klimakrise geschützt werden muss. Dazu gehört zum Beispiel auch, Dämme für den Schutz vor Hochwasser zu bauen oder im Wald andere Baumarten zu pflanzen, die besser mit dem veränderten Klima zurechtkommen. Es ist sehr wichtig, dass Klimaanpassungen parallel zum Klimaschutz umgesetzt werden. Klimaschutz soll verhindern, dass sich die Erde weiter aufheizt.

Schützt Ihre Stadt Sie vor Hitze? 
Als Teil ihres Hitzekonzepts veröffentlichen viele Städte mittlerweile digitale Karten mit kühlen Orten: Dort sind zum Beispiel Trinkwasserbrunnen, klimatisierte Gebäude oder andere kühle Orte wie zum Beispiel Kirchen verzeichnet. Die Karten ersetzen zwar keine langfristige Hitze-Vorsorge, können aber an besonders heißen Tagen eine wichtige Orientierung bieten. Gibt es für Ihre Stadt eine solche Karte? Eine Auswahl finden Sie hier in unserer Recherche

Bundeskabinett beschließt Reform für Erneuerbare Energien
Heute hat das Bundeskabinett die Änderungsvorschläge von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche für das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Netzpaket auf den Weg gebracht. Ziel ist es, Kosten zu sparen: Die Förderung für kleine Solaranlagen entfällt. Auch die Entschädigung wird eingeschränkt, wenn Wind- und Solaranlagen ihren Strom nicht ins Netz einspeisen dürfen. Opposition und Energieverbände werfen Reiche vor, sie bremse den Klimaschutz und die Energiewende aus. 
zdfheute.de

Prien will Deradikalisierungsangebote stärker fördern
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) stellt den Ländern nach dem CSD-Anschlag mehr Geld für Deradikalisierungsangebote in Aussicht. Fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm ‚‚Demokratie leben!“ sollen dafür verwendet werden. Auch der Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba fordert mehr Geld für Prävention: Er geht davon aus, dass sich künftig tendenziell mehr junge Männer radikalisieren könnten. 
zeit.de / spiegel.de

Kanzler Friedrich Merz mit seinem Vertrauten Thorsten Frei
Menschen trauern nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin und legen Blumen im Tiergarten nieder (Foto: Christian Ditsch / EPD-Bild / Picture Alliance)
Menschen trauern nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin und legen Blumen im Tiergarten nieder (Foto: Christian Ditsch / EPD-Bild / Picture Alliance)

So geht’s auch 
Ab August tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die Verpackungsmüll verringern soll. Das betrifft auch Verbraucherinnen und Verbraucher: Verpackungen sollen kleiner werden und weniger Luft enthalten. Zudem sollen Hersteller verstärkt recycelte Materialien verwenden. 
watson.de

Fundstück
Die Absenderin einer fast 70 Jahre alten Flaschenpost aus dem Rhein ist gefunden. Ein Landschaftsgärtner entdeckte die alte Sektflasche vor einer Woche und ermittelte mithilfe des Einwohnermeldeamts die Verfasserin. Die heute 90-Jährige erinnert sich leider nicht mehr an die Flaschenpost, doch laut dem Brief suchte sie damals einen Brieffreund. Der Fund wird vermutlich im Stadtmuseum oder am Rheinufer ausgestellt.
spiegel.de


Ich heiße Elmaddin Shamilzade, bin freier Journalist aus Aserbaidschan und einer dieser Storyteller. Warum also habe ich meinen Schreibtisch verlassen und mich auf eine Bühne gestellt – obwohl ich weder politischer Aktivist noch Schauspieler bin?

Ich habe mich entschieden, an „Exile Talks. Stand Up!“ teilzunehmen, weil die Geschichte, die ich erzählt habe, nicht nur meine eigene ist. Sie zeigt, was Menschen in Aserbaidschan widerfahren kann, wenn sie protestieren und versuchen, ihre Stimme hörbar zu machen. Alles begann in einem abgelegenen Dorf, dessen Bewohner auf die verheerenden ökologischen Folgen staatlicher Entscheidungen aufmerksam wurden. Weil sie weder Zugang zu unabhängigen Medien noch zu demokratischen Institutionen hatten, blieb ihnen nur ein Weg: über soziale Medien andere zu warnen.

Wir reisten als Journalisten dorthin. Was danach geschah, wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben. Wenig später war ich gezwungen, Aserbaidschan zu verlassen. Eine Rückkehr würde mich heute in ernsthafte Gefahr bringen.

Vor meinem Auftritt war ich unglaublich nervös – nicht zuletzt, weil ich als Erster auf die Bühne musste. Doch die Aufmerksamkeit und das ehrliche Interesse des Publikums gaben mir Sicherheit. Die herzliche Resonanz und die Gespräche im Anschluss machten diesen Abend für mich unvergesslich. Es war das erste Mal, dass ich meine Geschichte vor einem so großen Publikum erzählt habe.

An diesem Abend wurde mir etwas klar: Den meisten Menschen ist das Schicksal anderer keineswegs gleichgültig. Sie wissen oft einfach nichts davon. Deshalb brauchen wir mehr Plattformen, mehr Räume für Storytelling und mehr Gelegenheiten, die Geschichten der Menschen aus Aserbaidschan in die Welt zu tragen.

Wie sich die Waldbrände in Europa langfristig entwickelt haben, lässt sich hingegen aus der Grafik des Tages erkennen. Diese verdeutlicht einen gefährlichen Trend: In den vergangenen Jahren sind im Schnitt deutlich mehr Flächen betroffen als zuvor. Mitverantwortlich dafür sind die zunehmend auftretenden Hitzewelle und Dürreperioden, die dem Feuer einen guten Nährboden liefern. Der Beginn der Waldbrandsaison hat sich inzwischen deutlich nach vorn im Jahr verschoben.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.