Rekordhoch bei Schulabbrechern

Mehr als 64.000 Jugendliche haben im vergangenen Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen – ein Anstieg von über einem Drittel innerhalb von drei Jahren.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

wenn Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das ein Problem – und zwar nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familien. Und es ist auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. 

Unser Bildungsteam wollte deshalb wissen, wie groß das Phänomen Schulabbruch in Deutschland ist – und ob es zunimmt. Und wenn ja, woran es liegt. Das Ergebnis der Recherche lesen Sie heute im Thema des Tages.

Und sonst? Gestern haben wir auf der re:publica in Berlin mit dem Fun Facts-Team live eine Folge aufgenommen, präsentiert hat Kabarettistin Sarah Bosetti. Thema: das Patriarchat – und warum auch viele Männer aus den verkrusteten Strukturen raus wollen. Vorher haben wir auf der Bühne eine spannende Diskussion geführt – und zwar zur berechtigten Frage, ob wir es denn wirklich schaffen, mit dem Comedy-Nachrichtenformat auch mal andere Zielgruppen zu erreichen als jene, die uns sowieso schon zuhören. (Antwort: vielleicht!)

Fun Facts auf der re:publica: Podiumsdiskussion mit Moderator Frederik von Castell (Medium Magazin), Kabarettistin Sarah Bosetti, Neurowissenschaftlerin Maren Urner, CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit und Kabarettist Sebastian 23. Foto: Carli Bess Kutschera

Jetzt noch ein Tipp. Vielleicht haben Sie schon mitbekommen, dass Sie das Fun-Facts-Projekt (dessen Partner wir sind) auch durch den Kauf von Klopapier unterstützen können: Von der gemeinwohlorientierten Marke Goldeimer gibt es eine Fun Facts-Sonderedition – und davon fließt ein Euro pro Packung ans Projekt.

Wenn Sie auch finden, dass es eine unterstützenswerte Idee ist, Fakten per Comedy ans Publikum zu bringen, dann könnten Sie zum Beispiel auch Ihre Firma fragen, ob sie vielleicht fürs Büro einen Vorrat davon anschaffen mag. Oder haben Sie Kontakt zu einer Supermarktkette, die bereit wäre, eine Sonderaktions-Fläche dafür einzurichten? Melden Sie sich gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Rekordhoch bei Schulabbrechern

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Demnach muss es also eine der wichtigeren Aufgaben unseres Bildungssystems sein, all jene mitzunehmen, bei denen droht, dass sie den Schulabschluss nicht schaffen. 

Gelingt das?
Offensichtlich gelingt uns das in Deutschland zunehmend schlechter. Unsere Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl hat akribisch Zahlen aus den Bundesländern eingesammelt, ihre Kollegin Miriam Lenz hat sie ebenso akribisch gegengecheckt und unsere Datenjournalistin Rose Mintzer-Sweeney hat das Ganze in Grafiken übersetzt.

Herausgekommen ist diese Zahlen-Analyse:

Jugendliche sitzen in einer Schulklasse
Schüler in der Mittelstufe. Foto: Sylvio Dittrich / picture alliance / imageBROKER |

Das Wichtigste:
Die Zahl der Jugendlichen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Schuljahr 2024/25 betraf das bereits in fünf Bundesländern mindestens jeden zehnten Schulabgänger. 

Demnach beendeten mehr als 64.000 Schülerinnen und Schüler ihre Schulzeit ohne Abschluss. Das entspricht etwa der gesamten Einwohnerzahl von Weimar.

Zum Vergleich: Im Schuljahr 2023/24 waren es noch 62.000, im Schuljahr 2021/22 noch 47.500. Das entspricht einer Steigerung von gut einem Drittel innerhalb von drei Jahren.

So unterschiedlich sieht es in den Bundesländern aus:
Die höchsten Quoten haben Sachsen-Anhalt (hier haben 13,4 Prozent des Jahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen), danach Thüringen (11,9 Prozent), das Saarland (11,5 Prozent), Bremen (10,6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (10,4 Prozent).

Die niedrigste Quote ohne Schulabschluss hat im Schuljahr 2024/25 Hessen mit 6,3 Prozent, gefolgt von Bayern mit 6,6 Prozent.

Was sagt die Politik?
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte zu Beginn ihrer Amtszeit das Ziel ausgegeben, die Schulabbrecherquote bis 2035 zu halbieren. Der Trend geht aber bislang weiter in die gegenteilige Richtung.

Woran es liegt:
Laut den Fachleuten, mit denen wir gesprochen haben, an Lehrermangel, nicht besetzten Stellen, Fluktuation, zu wenig Schulsozialarbeiterinnen, fehlenden Schulpsychologen. 

China bildet russische Soldaten in modernen Kriegsführungstechniken aus 
China hat offenbar russische Soldaten ausgebildet. Das geht aus einem Dokument westlicher Geheimdienste hervor. Demnach führte die chinesische Armee verdeckte Trainingsprogramme für Hunderte russische Soldaten an verschiedenen Orten durch. Teile der ausgebildeten Soldaten wurden später im Ukraine-Krieg eingesetzt. Bisher galt China als neutral und als Vermittler im Konflikt. 
spiegel.de

Neue Maßnahmen im Katastrophenschutz: Lob und Kritik 
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stellen heute ein neues Paket für den Bevölkerungsschutz vor. Zehn Milliarden Euro sollen in Feldbetten, Spezialfahrzeuge und die Ausbildung fließen. Sicherheitsexpertin Helena Quis kritisiert, dass die grundlegende Frage ungeklärt bleibe: „Auf welche Art von Krise bereiten wir uns vor?“ Für die neue Stabsstelle für Katastrophenschutz spricht sie hingegen Lob aus.
tagesschau.de

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m August 2023 knickte in Gnoien im Landkreis Rostock ein Windrad während eines Sturms um, weil die Fernsteuerung beschädigt war
Foto: Jens Büttner / DPA / Picture Alliance

So geht’s auch 
Viel Zeit in der Natur macht zufriedener. Eine Studie aus Cambridge mit 50.000 Teilnehmenden zeigt, dass man sich nach Naturkontakt wohler fühlt und lebensfroher ist. Diese Ergebnisse könnten auch für die Gesundheitspolitik wichtig sein. 
wdr.de

Fundstück 
Ein US-Biotech-Unternehmen plant, ausgestorbene Vogelarten wie den Dodo wiederzubeleben. Es hat ein künstliches Vogelei vorgestellt, in dem die Vögel künftig gezüchtet werden sollen. Die Mission: Ausgestorbene Arten zurückbringen und dem Artenschwund entgegenwirken. Einige Experten sehen das kritisch, befürworten jedoch die Technologie hinter den künstlichen Vogeleiern.
zdfheute.de

Autor Box Marcus Bensmann

Ein interessanter Moment ereignete sich, als ein Zuschauer feststellte, dass sich nach dem Film eigentlich nur eine Konsequenz zeige: Die geheimen Archive des Vatikans, die seit fast 100 Jahren Berichte über Missbrauchsfälle von Klerikern enthalten, müssten einer unabhängigen Untersuchung zugänglich gemacht werden. Diesen Wunsch äußerte im Film auch der Kirchenhistoriker Hubert Wolf aus Münster, der die Geheimnisse der vatikanischen Archive bestens kennt.

Der Zuschauer fragte, ob das ZDK diese Forderung unterstützen und vielleicht zusammen mit anderen Laienorganisationen weltweit Papst Leo XIV. um die Einsetzung einer solchen Kommission bitten würde.

Direkt im Kino wollte die Vizepräsidentin Nothelle diese Frage nicht beantworten. Am Montagmorgen stellte ich die Frage erneut an das Zentralkomitee der Katholiken.

„Wird das Zentralkomitee der Katholiken alleine oder zusammen mit anderen Laienorganisationen Papst Leo XIV. bitten, die Archive des Vatikans, insbesondere des Dikasteriums, die ‚Fonti Reservati, über den Umgang des Vatikans mit Meldungen von Missbrauchsfällen durch Priester von 1900 bis heute zu öffnen? Wenn ja, wie und wann wird diese Bitte formuliert?“

Ich erhielt zwar eine freundliche E-Mail vom Generalsekretär des ZDK, Marc Fings, doch darin keine Antwort auf die konkrete Frage. Ich wiederholte meine Frage noch dreimal, aber ohne Erfolg. 

Dabei zeigen Recherche und Film, wie naheliegend diese Frage ist. Es ist bemerkenswert, dass das ZDK, das gerade den Katholikentag unter dem Motto „Mut“ veranstaltet hatte, offenbar eben diesen nicht aufbringt, sie zu beantworten.

Wir werden sie weiter stellen und zwar direkt an den Papst, und jeder kann sich als Journalist in der redaktionellen Gesellschaft daran beteiligen. Wenn Sie wissen möchten, warum das wichtig ist, fragen Sie in Ihrem Programmkino, ob es unseren Film zeigen will. Er ist jetzt im Verleih verfügbar (hier per Mail anfragen). 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller