Schrumpft meine Stadt?

Schauen Sie auf unserer interaktiven Landkarte nach, wie sich die Bevölkerung in Ihrer Region entwickelt hat.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn die Bevölkerung in einer Region schrumpft, hat dies handfeste Auswirkungen für die Menschen. Denn dann sinkt in der Regel auch das Angebot an öffentlicher Infrastruktur – und die Bewohnerinnen und Bewohner werden unzufriedener. Und somit anfälliger für Populismus.

Unser Team CORRECTIV.Europe hat deshalb in den vergangenen Wochen eine aufwändige Datenauswertung erstellt. Herausgekommen ist eine interaktive Grafik, in der Sie nachschauen können, ob die Bevölkerung in Ihrer Region in den letzten Jahrzehnten gewachsen oder geschrumpft ist. Mehr dazu im Thema des Tages. Dazu passt dies: Unsere Jugendredaktion Salon5 ist Teil eines neuen europaweiten Projekts, um Desinformation zu bekämpfen – vor allem in ländlichen Regionen. Dafür ist auch wieder Ihr Beitrag gefragt: Wie nutzen Sie Medien, und welche genau? Hier geht es zur Teilnahme.

Gestern haben wir ja im SPOTLIGHT das Für und Wider Olympischer Spiele in Deutschland beleuchtet und Sie nach Ihrer Meinung gefragt. Danke, dass Sie sich die Zeit für die Teilnahme genommen haben – das Ergebnis lesen Sie in der Grafik des Tages.

Hier nun die Auflösung der Cartoon-Arena von letzter Woche, Thema: Online-Gewalt gegen Frauen – und Männer, die sie realtivieren. Die Karikaturisten-Krone hat diesmal Stephan Rürup gewonnen, herzlichen Glückwunsch!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Schreiben Sie mir gern, was Sie bewegt: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Schrumpft meine Stadt?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Saša Stanišić über Klingbeils Kürzungsplan

Faktencheck: Gesundheitsreform – AfD-Politiker streut Falschbehauptung zu Asylbewerbern

Gute Sache(n): Vorbereitet gegen Zecken • Milliarden Euro für soziale Zwecke • Die Straße von Hormus ist offen – vielleicht – oder auch nicht

CORRECTIV ganz persönlich: Jugendliche besuchten mit Salon5 Auschwitz und arbeiteten dort an einer Dokumentation

Grafik des Tages: SPOTLIGHT-Umfrage zur Olympia-Bewerbung deutscher Städte

Was die Daten zeigen:
Europas Gesamtbevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen – doch die Hälfte aller Städte und Gemeinden haben Einwohner verloren. 

Zwei große Trends zeigen sich in den Daten: Zum einen die Landflucht. In Spanien zum Beispiel hat jede fünfte ländliche Gemeinde zwischen 1961 und 2024 mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren. Auch in Deutschland zeigt sich die Landflucht.

Der andere große Trend ist die Wanderung von Ost nach West – und zwar innerhalb ganz Europas und auch innerhalb Deutschlands. Ein Beispiel: In der sächsischen Kreisstadt Hoyerswerda lebten 2024 nur noch etwa halb so viele Menschen wie 1991.

Weshalb wir solche Auswertungen machen:
Wir machen das nicht nur für unsere Leserinnen und Leser in Deutschland, sondern auch für Lokaljournalistinnen in ganz Europa, die Teil unseres CORRECTIV.Europe-Netzwerks sind.

Es geht uns (ähnlich wie bei unserer Sparte CORRECTIV.Lokal) also um die Stärkung des Lokaljournalismus: Die Reporterinnen und Reporter dort haben oft nicht (mehr) die Kapazitäten, aufwändige Projekte zu stemmen. 

Dabei gibt es viele Themen, die lokal wichtig sind und gleichzeitig europäische Tragweite haben. Neben den Mieten und Immobilienpreisen (über die wir hier berichteten) ist auch die Bevölkerungsentwicklung ein gutes Beispiel dafür.

Warum genau?
Schrumpft die Bevölkerung in einer Region, werden dort die Lebensbedingungen tendenziell schlechter. Dann sinken nämlich die Steuereinnahmen, es gibt Versorgungsmangel (Läden, Ärzte etc.), Schulen und andere Infrastruktur-Angebote müssen schließen.

Das führt zu mehr Unzufriedenheit in der Bevölkerung – und das wiederum macht Leute anfälliger für Populismus. Das erforscht zum Beispiel der Soziologe Steffen Mau, dessen Perspektiven in diesem Beitrag zusammengefasst werden.

Wie können Sie die Karte verwenden?
Sie geben einfach ins Suchfenster (dazu müssen Sie im Text etwas herunterscrollen) Ihren Wohnort ein – und bekommen dann angezeigt, wie sich die Bevölkerung seit 1961 entwickelt hat.

Russischer Botschafter in Deutschland einbestellt
Deutschland bestellt den russischen Botschafter ein, nachdem Russland deutschen Rüstungsfirmen gedroht hat. Der Grund: Deutschland liefert mehr Drohnen an die Ukraine. Das Einbestellen eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel. Über die Hintergründe der russischen Drohung hatte auch CORRECTIV berichtet.
tagesschau.de / correctiv.org

Japan exportiert wieder Waffen
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg erlaubt Japan den Export von Waffen. Ministerpräsidentin Sanae Takaichi löst sich damit weiter vom japanisch-pazifistischen Kurs. Gleichzeitig will Japan in seine eigene Verteidigung investieren, um sich gegen einen möglichen Angriff Chinas zu wappnen.
n-tv.de

Mehrere Gesundheitskarten
Symbolbild: Wolfgang Filser / SZ Photo / Picture Alliance

So geht’s auch
Mehrere Milliarden Euro liegen auf Konten Verstorbener, ohne dass Erben sich melden. Was damit passieren sollte? Da gibt es eine Idee, die bei der Mehrheit der Deutschen für Zustimmung sorgt: Sie könnten für soziale Zwecke genutzt werden.
spiegel.de

Fundstück
Diese Satire-Webseite beantwortet eine der brennenden Fragen der aktuellen Politik: Ist die Straße von Hormus nun geöffnet? Allerdings tut sie das ähnlich widersprüchlich wie der US-Präsident – die Antwort kann sich beim nächsten Klick schon ändern.    
is-the-strait-of-hormuz-open.pages.dev


Unser Vorhaben: Wir besichtigen mit unserer Gedenkstättenfahrt nun zum zweiten Mal die Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. Innerhalb von vier Tagen werden unsere Jugendreporterinnen und -reporter sich auf die Spuren des jüdischen Mädchens Éva Heymann aus Ungarn begeben. Heymann wurde im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert und von den Nationalsozialisten ermordet. 

Vorher hatten wir uns in verschiedenen Workshops mit Formen des Antisemitismus, jüdischem Leben und deutscher Geschichte auseinandergesetzt. Bei der Reise sollte für eine Dokumentation ermittelt werden, was mit Éva geschehen sein könnte, wie der Antisemitismus im Herzen Europas um sich gegriffen hat und wie die Verbrechen an europäischen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, queeren Menschen, behinderten Personen  oder politischen Gegnern verübt wurden.

Für mich standen während der Reise vor allem der Mut und das Engagement unserer jungen Reporterinnen und Reporter im Vordergrund. Mit Vertrauen und viel emotionaler Sensibilität hat die Gruppe sich gemeinsam dem Grauen dieser dunkelsten Jahre der Geschichte gestellt. Das war nicht leicht. Es gab viele Gespräche voller Ratlosigkeit, Verzweiflung und Wut. Von der Kamera begleitet, wurden die Jugendlichen trotzdem nicht müde, klug und professionell ihre Eindrücke wiederzugeben.

Unter den Kommentaren der Leserinnen und Leser lassen sich klare Gründe für die Olympia-Skepsis finden. So glauben viele, dass die Kosten für die Ausrichtung am Ende ein Vielfaches dessen betragen dürften, was zu Beginn kommuniziert wurde. Und das in Zeiten knapper Kassen. Hier sei das Geld besser in Schulen und Infrastruktur aufgehoben, die man wirklich vor Ort brauche – Straßen, Krankenhäuser oder Stromnetze. Zudem führe eine solche Großverstanstaltung zu problematischen Umweltfolgen. 

Einige fürchten zudem, dass Olympia zu falschen Prioritäten in der Stadtentwicklung führe. So schrieb eine Person, dass womöglich „wichtige Vorhaben dann zurückgestellt würden“, etwa die „Erschließung von Wohnraum im Kölner Norden, das zunächst als Olympisches Dorf genutzt werden würde. Wir brauchen Wohnraum jetzt!“

Doch es gab in den Kommentaren auch Pro-Argumente. Für die austragende Region selbst gäbe es nicht nur einen Image-Gewinn, sondern in den Jahren davor und danach auch ein moderates Wirtschaftswachstum. Auch wenn das für den Rest der Republik eher klein ausfallen dürfte.    

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt, Elena Müller und Pamela Kaethner.