Soll Deutschland Olympia-Land werden?
Was halten Sie davon, dass sich einige Städte und Regionen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewerben wollen?

Liebe Leserinnen und Leser,
in meinem Briefkasten, zu Hause in Köln, steckte vor ein paar Wochen ein offizieller Wahlschein der Stadt: Ich wurde aufgefordert, abzustimmen, ob ich dafür bin, dass sich Köln als Teil der Region Rhein-Ruhr für die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewerben soll (hier nachzulesen). Und zwar 2036, 2040 oder 2044. Gestern lief die Antwortfrist aus, die Kölnerinnen und Kölner stimmten zu gut 57 Prozent mit ja. Solche Abstimmungen gab es auch in anderen Städten – in NRW gab es überall Zustimmung.
In unserer Morgenkonferenz haben wir heute angeregt darüber diskutiert: Ist das wirklich eine gute Idee mit den Olympischen Spielen in Deutschland? Was dazu wichtig zu wissen ist, steht im Thema des Tages. Wir wollen auch Ihre Meinung dazu erfahren. Hier können Sie an unserer Umfrage teilnehmen.

Anderes Thema: Heute ist die jährliche „Polizeiliche Kriminalstatistik“ erschienen. Das ist DIE offizielle behördliche Quelle zu allen Fragen rund um Kriminalität – die auch als Diskussionsgrundlage für viele Debatten an Stammtischen und in Sozialen Netzwerken dient: Wie kriminell sind Ausländer? Gibt es mehr Vergewaltigungen und mehr Messermorde?
Weil es aber etwas tricky ist, zu verstehen, was diese Statistik (die „PKS“) wirklich aussagt und was nicht, hat unser Faktencheck-Team heute ganz aktuell einen neuen CORRECTIV-„Spickzettel“ dazu erstellt: Was zeigt die PKS, was nicht? Hier können Sie ihn herunterladen.
Die Spickzettel sind unser neuer Service exklusiv für SPOTLIGHT-Leserinnen und -Leser, um bei Diskussionen stets gut mitreden zu können.
Außerdem können Sie uns heute wieder Vorschläge für die „Leserfrage der Woche“ schicken, die wir in Ihrem Auftrag eine Behörde oder ein Unternehmen beantworten lassen. Schicken Sie Ihre Vorschläge bitte an unseren Leser-Reporter: tristan.devigne@correctiv.org. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!
Thema des Tages: Soll Deutschland Olympia-Land werden?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Denkanstoß: Polizeiliche Kriminalstatistik – Bittere Wahrheiten für Rechtsaußen
CORRECTIV.Faktenforum: Keine neuen Regeln für Bargeldeinzahlungen beschlossen
CORRECTIV ganz persönlich: Lügen über die Polizeiliche Kriminalstatistik haben kurze Beine
Grafik des Tages: Deutsche Firmen, die KI fürs Militär entwickeln und integrieren
Die Olympischen Spiele sind nicht nur ein sportliches und gesellschaftliches Spektakel, sondern auch ein wirtschaftliches.
Bestenfalls – so zumindest die Theorie – bringen sie einer Region unter dem Strich viel Tourismus-Geld ein und stärken ihr Image. Schlechtestenfalls kosten sie einfach irre viel Geld und belasten darüber hinaus die Umwelt (wie zum Beispiel hier diskutiert wird).
Deshalb haben mehrere Städte und Regionen ihre Bürger abstimmen lassen:
Wie gesagt, aktuell ließen die beteiligten Städte der Region Rhein-Ruhr abstimmen, davor aber auch schon Kiel und München. Überall war die Mehrheit dafür.
Allein diese Abstimmung hat also schon Kosten verursacht. Das ist einerseits sinnvoll – Demokratie kostet nun einmal Geld. Und dass 1,6 Millionen Menschen in der Rhein-Ruhr-Region mitgestimmt haben, ist ein gutes Zeichen dafür, dass viele Leute sich demokratisch beteiligen, wenn sie das Thema interessiert.
Andererseits gibt es Stimmen, die sagen: Das seien reine Show-Abstimmungen gewesen, weil die Bürgerinnen und Bürger – zum Beispiel in Köln – einfach nur platt gefragt wurden: Sind Sie dafür, dass wir Olympia-Ausrichter werden? Ohne, dass Ihnen eine valide Entscheidungsgrundlage gegeben wurde, also: Was kostet das Spektakel? Was glauben wir, dass es uns bringen wird?
Von den Rhein-Ruhr-Städten hat lediglich Dortmund eine Kostenschätzung vorgelegt, hier nachzulesen: Sie rechnet mit Kosten von rund zehn Millionen Euro.
Dass solche Infos überwiegend fehlen, kritisierte zum Beispiel der Satiriker Jan Böhmermann – und zog deshalb den Zorn des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester auf sich. Der ging wegen der Böhmermann-Kritik zur BILD und beschwerte sich dort im Interview:
„Wir neigen in Deutschland dazu, immer Nein zu sagen – mit dem Hinweis, dass wir eh nichts auf die Kette kriegen. Herr Böhmermann gehört zu dieser Nein-Fraktion. Wir brauchen mehr Menschen mit einer positiven Haltung und einem grundsätzlichen ‘Ja’.“
Torsten Burmester
Kölner Oberbürgermeister
Dazu wiederum sagte Böhmermann jetzt in seinem Podcast: Naja, Demokratie muss schon auch aushalten, dass jemand eine andere Meinung hat als die, die man sich als Politiker in einer Abstimmung wünscht.
Wie steht es denn um die zu erwartenden wirtschaftlichen Effekte?
Unsere Gelsenkirchener Lokalredaktion hat diese Frage in ihrem Newsletter beantwortet (denn auch Gelsenkirchen ist an den Rhein-Ruhr-Bewerbungsplänen beteiligt; 75 Prozent stimmten dort mit „Ja“), und unsere Jugendredaktion hat das Für und Wider hier einfach erklärt.
Ergebnis: Es gibt einige Studien, die untersucht haben, wie sich Olympische Spiele oder andere sportliche Großevents wirtschaftlich auf die Gastgeberregion auswirken. Viele kommen zu dem Schluss: Langfristige wirtschaftliche Effekte Olympischer Spiele gibt es kaum. Das sagen auch Wissenschaftler von Deutschlands Wirtschaftsinstituten. Zum Beispiel das ifo-Institut:
„Die Effekte, die es gab, waren immer lokal begrenzt und nie langfristig.“
Klaus Wohlrabe
Stellvertretender Leiter des ifo-Zentrums für Makroökonomik
Ein allgemeiner „Olympia-Booster“, der die deutsche Wirtschaft nachhaltig aus der Stagnation hebt, sei historisch kaum belegbar.
Wir von CORRECTIV hatten im Zusammenhang mit einem anderen Sport-Großereignis zu Kosten und Nutzen recherchiert – und zwar zur Fußball-EM 2024. Damals nämlich stellte sich heraus, dass die Kosten viel höher lagen als erwartet – wie wir hier aufgeschrieben haben.

Natürlich darf sich trotzdem jede und jeder wünschen, dass in der eigenen Stadt Olympische Spiele ausgerichtet werden. Besser wäre aber, dass die Stadtverantwortlichen eine valide Entscheidungsgrundlage liefern – mit realistischen Kostenschätzungen. Gerade in Zeiten leerer Haushaltskassen, in denen an vielen Ecken und Enden gespart werden muss.
USA kapern iranisches Schiff
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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant, den europäischen Energiemix mit Mini-Atomkraftwerken zu ergänzen. Fachleute kritisieren das Vorhaben: Die Mini-AKWs seien zu teuer und hätten die gleichen Sicherheitsrisiken wie herkömmliche Atomkraftwerke. Das CDU-geführte Bundesministerium für Wirtschaft und Energie räumt ein, dass ein Wiedereinstieg in die Atomenergie nicht bevorsteht, warnt jedoch davor, die Technologie der Mini-AKWs zu vernachlässigen.
tagesschau.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Schadstoffbelasteter Boden der Deutschen Bahn: Gerichtsprozess wegen illegaler Entsorgung
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correctiv.org

Cum Ex? Da war doch was. 2018 veröffentlichte Correctiv in Kooperation mit Medien aus zwölf Ländern über Jahre erarbeitete Rechercheergebnisse zu einem riesigen europäischen Steuerbetrug. In dieser Fokusfolge spricht die frühere Staatsanwältin Anne Brorhilker über die daraus für uns alle entstandenen Milliardenverluste – und macht einen Vorschlag, wie sich Steuerkriminalität begegnen ließe.
tube.funfacts.de
Gute Nachrichten! Es gibt weniger Straftaten in Deutschland (-5,6 Prozent). Und das zum zweiten Mal in Folge. Im Jahr 2025 gab es weniger Straßenkriminalität, Gewaltverbrechen und auch Raubdelikte. Und auch wichtig: Sowohl die Gesamtzahl als auch der Anteil ausländischer Tatverdächtiger sinkt, so die neue Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Rechte Blogs wollen das nicht wahrhaben: Aber generell ist es so sicher wie seit den 90er-Jahren nicht mehr.

Es gibt jedoch ein „Aber“. Die Zahlen bei Sexualstraftaten steigen. Ausländer sind hier deutlich überrepräsentiert. Woran liegt das? Und gibt es einen Zusammenhang von Sexualstraftaten und Migration?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist nur ein Ausschnitt dessen, was an Kriminalität „wirklich“ passiert. Kriminologen warnen vor vorschnellen Interpretationen der Zahlen, weil dieser Ausschnitt aus mehreren Gründen verzerrt ist. Die CORRECTIV.Faktencheck-Redaktion hat das hier etwas ausführlicher erklärt.
Da ist zum einen die Anzeigebereitschaft – in der PKS landet nur, was auch angezeigt wird. Und Studien zeigen: Migranten haben ein dreimal so hohes Risiko angezeigt zu werden wie Täter ohne Migrationshintergrund.
Zweitens ist es ziemlich schief, „Deutsche“ und „Nicht-Deutsche“ miteinander zu vergleichen. Migranten sind zum Beispiel deutlich jünger als Deutsche, laut Statistik etwa zehn Jahre jünger. Die meisten Straftaten begehen junge Menschen unter 30 Jahren. Und von denen gibt es einfach mehr in der Gruppe der Ausländer. Auch deshalb sind sie in der PKS überrepräsentiert.
Aber diese Einordnungen können den Anstieg bei Sexualstraftaten nicht erklären – und nur teilweise den deutlich erhöhten Anteil der „nicht-deutschen“ Tatverdächtigen. Liegt es dann doch an der gestiegenen Migration?
Nein. Die Zahlen geben das nicht her – aus mehreren Gründen. Bei Partnerschaftsgewalt landet ein großer Teil gar nicht in der PKS. Das, was hier angezeigt wird, liegt „im einstelligen Prozentbereich“, so Expertinnen. Deshalb sollte man mit Interpretationen der Zahlen vorsichtig sein.
Eine andere Erklärung liegt viel näher: Im Zuge der Metoo-Debatte wurde die Strafbarkeit von sexualisierter Gewalt ausgeweitet, vor allem durch die Reformen des Gewaltschutzgesetzes 2016 und 2021. Es gibt also neue Paragrafen, die die Zahlen in diesem Bereich erhöhen. Das macht einen direkten Vergleich mit den Vorjahren schwierig – wie auch CORRECTIV.Faktencheck hier zeigt.
Und nicht nur die Strafbarkeit hat sich geändert – auch das Anzeigeverhalten: „In der Gesellschaft ist zunehmend starkes Unrechtsbewusstsein sowie zunehmendes Wissen über die Strafbarkeit von Sexualstraftaten und über Opferrechte festzustellen. Das hat die Anzeigebereitschaft erhöht.“, so das Bundeskriminalamt.
Das soll aber nicht heißen, dass Migration hier gar keine Rolle spielt. Sie ist nur eben sehr viel kleiner als rechte Kreise gern behaupten. Unter Migranten und besonders unter Geflüchteten sind Einstellungen etwas weiter verbreitet, die Gewalt legitimieren. Das hat einen ähnlich hohen Einfluss auf ihre „Kriminalitätsbelastung“ wie ihre schlechteren sozialen Lebensumstände.
Wenn, dann ist das der „kulturelle Faktor“, der mit dazu beiträgt, dass Nicht-Deutsche bei Sexual- und Gewaltstraftaten häufiger in Erscheinung treten. Kriminologen nennen das „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen“. Bei Migranten können sie häufiger sein als bei Deutschen ohne Einwanderungsgeschichte. Besonders bei Menschen, die aus patriarchalen Herkunftsländern kommen oder bei denen Gewalt im Elternhaus normal war.
Aber: Dieser Faktor ist deutlich kleiner als oft behauptet. Viel entscheidender dürften die gestiegene Anzeigenbereitschaft und die Verzerrungen der PKS-Zahlen sein. Was man angesichts der Debatten um Migration und Kriminalität nicht aus den Augen verlieren darf: Ein Großteil der Bevölkerung lebt völlig unbescholten. Etwa 95 Prozent der Ausländer – und 98 Prozent der Deutschen – haben im vergangenen Jahr keinerlei Straftaten begangen. Das ist die Normalität. Und über den Rest kann und wird natürlich trotzdem gesprochen werden.
Carsten Wolf ist Fachautor für Migration und arbeitet als freier Journalist sowie als Redakteur beim Mediendienst Integration.

CORRECTIV.Faktenforum

Ein virales Tiktok-Video behauptet, ab Mai 2026 sollten neue Regeln für Bargeldzahlungen gelten. Beträge ab 300 Euro würden demnach automatisch erfasst und an Behörden gemeldet. Doch für diese Behauptung gibt es keinen Nachweis. Weder gesetzliche Grundlagen noch offizielle Stellen bestätigen eine solche Maßnahme. Erst für Einzahlungen ab 10.000 Euro verlangen die meisten Banken einen Nachweis, etwa einen Kaufvertrag.
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Endlich verständlich
Seit vielen Jahren werden die Mieten in größeren Städten immer teurer. Seit vielen Jahren verspricht die Politik, dagegen vorzugehen. Ein Mittel: Bauen bauen bauen. Doch das löst das Problem nicht unbedingt – es kann sogar gegenteilige Wirkung entfalten, wenn die Mieten in den Neubauten zu hoch liegen. Was würde wirklich helfen? Experte und Buchautor Peter Burk bespricht das im Interview des Deutschlandfunks.
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So geht’s auch
Nur ein Prozent des schwedischen Abfalls landet auf Deponien – weltweit ein Spitzenwert. Das skandinavische Land hat eines der effizientesten Müllsysteme. Wie es funktioniert:
kommunalwirtschaft.online / instagram.com
Fundstück
Der Krieg im Iran dominierte die Schlagzeilen in den vergangenen Wochen. Zur Illustration nutzen Medien häufig Kartendarstellungen. Doch mitunter – besonders bei Weltkarten – erscheint der Iran sehr viel kleiner, als er tatsächlich ist. Warum Karten so sehr verzerren, und wie groß der Iran tatsächlich ist, können Sie hier lesen und ausprobieren:
chip.de
Mit den Lügen anderer kann ich umgehen. Mein Job als Faktencheckerin ist: Lügen erkennen, gewissenhaft recherchieren und Quellen penibel offenlegen – ich würde keinen anderen Job machen wollen. Daher macht es mich auch besonders wütend, wenn etwa Politiker oder Influencer ihre Unterstützer für dumm verkaufen wollen.
Das passiert etwa besonders häufig, wenn es um die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) geht. Ein umfangreiches Zahlenwerk zu Fällen, Opfern und Tatverdächtigen, das das Bundeskriminalamt einmal im Jahr veröffentlicht. Jetzt ist die neue PKS erschienen und frei zugänglich auf den Seiten des Bundeskriminalamtes. Ich bin sicher: Falschbehauptungen werden auf dem Fuße folgen.
So wie vergangenes Jahr: Da checkten wir etwa die Behauptung, Körperverletzungen durch Ausländer seien angeblich um mehr als 6.000 Prozent (sic!) gestiegen. Völlig aus der Luft gegriffen, wie ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen zeigte: Die Verbreitenden gaben sogar die PKS als Quelle an, doch der angebliche Anstieg von 6.000 Prozent war frei erfunden! Wer so etwas in den Raum stellt, traut Nutzerinnen und Nutzern nicht zu, die Zahlen zu checken – was sie wollen, sind Shares und Likes.
Aber dafür gibt es ja Leute wie mich, die das gerne machen. Im Faktencheck-Team haben wir diesmal schon vor Veröffentlichung der neuen PKS eine Einordnung gängiger Falschaussagen veröffentlicht. Wir wollen zeigen, dass es immer die gleichen Lügen sind, die Desinformateure erzählen, und Ihnen helfen, sie zu erkennen. Falls Ihnen weitere Falschbehauptungen begegnen: Schreiben Sie uns im Faktenforum oder auf Whatsapp – wir schauen uns das an.

Immer mehr deutsche Firmen entwickeln Künstliche Intelligenz für militärische Zwecke. Sie treiben den Wandel in der Kriegsführung mit an. Die Grafik des Tages zeigt, dass vor allem um München herum viele Unternehmen in diesem Feld tätig sind. Warum und welche wichtige Frage dabei noch offen ist, lesen Sie in dieser jüngst veröffentlichten Recherche:
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.
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