So wäre es, würde Putin Europa regieren

Falls Sie sich fragen, warum es denn so schlimm wäre, unter russischer Dominanz zu leben: Wir zeigen, was Putins Regime konkret bedeutet.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

haben Sie Angst vor Putin? Vielleicht klingt diese Frage für Sie merkwürdig, wo man doch heutzutage vor so Vielem Angst hat: vor der Klimakatastrophe, vor dem Rechtsruck, vor Künstlicher Intelligenz … und einige auch davor, dass zu viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland kommen.

Die Sorge, dass Russland irgendwann in mittlerer Zukunft vielleicht Europa politisch dominieren könnte, spielt in den Köpfen vieler Leute eine vergleichsweise kleine Rolle – sie kommt höchstens hoch, wenn Putin mal wieder Drohnen über Europa kreisen lässt. Dabei ist Russlands aggressiver außenpolitischer Kurs ja der Grund, weshalb Europa so massiv aufrüstet und weshalb über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert wird – was wiederum ein Auslöser für die großen Jugenddemonstrationen ist.

Deshalb wollten wir von CORRECTIV ganz klar nachzeichnen: Was würde es denn heißen, wenn ein solches Regime bei uns den Ton angeben würde? Dazu haben wir jetzt ein Buch veröffentlicht – und eine Reihe von Texten. Darin zeichnen wir nach, wie krass in Russland die Menschenrechte von jenen, die gegen das System Putin aufbegehren, mit Füßen getreten werden. Darum geht es im Thema des Tages.

Und jetzt sind Sie wieder gefragt: Stimmen Sie über das Thema für die nächste SPOTLIGHT-Cartoon-Arena ab! Zu welchem aktuellen politischen Thema wünschen Sie sich den nächsten Wettstreit unserer Karikaturisten? Zur Abstimmung stehen das „migrantische Milieu“, das Aufatmen nach den Wahlen in den USA und die Enteignungs-Debatte. Hier entlang – oder per Klick aufs Bild:

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und freue mich auf Ihre E-Mails: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: So wäre es, würde Putin Europa regieren

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Gaza: Trumps „Friedensrat“ will sich mit Bundesregierung zu möglicher Polizeimission austauschen

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Warum der Strom in Deutschland teuer bleibt

CORRECTIV Events: Besuchen Sie uns

Faktencheck: Open File: Anlageberater und -betrüger auf Youtube

Gute Sache(n): Fünf Maßnahmen, die Bürger entlasten und das Klima schützen • Erklärt: Wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren • Kai Pflaume pflückt Weltrekord

CORRECTIV ganz persönlich: Unsere neue Umfrage: Was können Jugendliche sich noch leisten?

Grafik des Tages: Menschen wegen unbezahlbarer Mieten auf der Straße

Was geschieht, wenn ein Staat das Recht durch Gewalt ersetzt? Wenn Gerichte nicht mehr unabhängig sind und Folter zum Instrument staatlicher Herrschaft wird? 

Davon erzählen wir in unserem neuen Schwerpunkt „Botschaften aus dem Neo-Gulag“. Wir haben heute eine Themenseite veröffentlicht, auf der Sie alle unsere Texte lesen können. Und ein Buch, das Sie hier bestellen können.

Das ist das Coverbild des Buches. Darauf ist der russische Staatschef Putin zu sehen.

Darum geht es:
Wir lassen darin vor allem Menschen sprechen – und zwar solche, die selbst Opfer von Putins brutalem System geworden sind.

Zum Beispiel den Ukrainer Maxim Ivanovych Boiko, dessen Geschichte wir protokolliert haben (hier entlang).

Maxim war für sein Heimatland als Sanitäter im Einsatz, in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Er erzählte uns, wie er gefangen genommen und in einen früheren russischen Gulag gesteckt wurde. Die Gulags waren die Straf- und Arbeitslager der früheren Sowjetunion. Unsere Recherchen zeigen, dass diese Lager jetzt wieder genutzt werden, um Kriegsgefangene einzusperren – und zu foltern.

Das berichtet Maxim auf eindrückliche Weise. Er erzählt, wie er beim Verhör geschlagen und getreten wurde:

„Die Schläge dauerten den ganzen Tag, jeder von uns kam mehrfach an die Reihe. Bei mir simulierten sie auch eine Erschießung. Dafür schossen sie knapp über meinen Kopf hinweg. Ich war zu dem Zeitpunkt allerdings schon wie benommen und hörte fast nichts.“

Kein Einzelfall:
Unser Reporter Marcus Bensmann ordnet in diesem Text ein, wer so alles in diesen „Neo-Gulags“ eingesperrt wird – vor allem eben Kriegsgefangene. Er beschreibt auch, wie ukrainische Kinder nach Russland verschleppt werden und was dort mit ihnen passiert.

Aber warum ist so etwas möglich?
Das beschreibt unser Kollege Sergey Lukashevsky in diesem Text. Sergey ist der Chef des Exilmediums Radio Sacharow, das zu unserer Sparte CORRECTIV.Exile gehört und stetig von Deutschland aus über die Lage in Russland recherchiert.

In seiner Analyse erklärt er, wie Putin über die Jahre seiner Herrschaft hinweg ein ausgeklügeltes System entwickelte – mit dem er heute den gesamten Staat kontrolliert: Es geht um die Ernennung von Richtern, um Putins Kontrolle über den Geheimdienst und über die Armee.

Warum es so wichtig ist, über all das zu berichten:
Dass Deutschland und Europa sich gegen Putins Regime absichern und dafür auch viel Geld ausgeben, gefällt längst nicht jedem in unserem Land. Es gibt regelmäßig Umfragen zu diesem Thema, zuletzt die des ARD-Deutschland-Trends im September. Das war kurz, nachdem am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne gefunden worden war.

Die Umfrage zeigte, dass 56 Prozent der Deutschen die Sicherheit durch Russland sehr stark oder stark bedroht sehen. Aber auch, dass 39 Prozent diese Bedrohung wenig oder gar nicht wahrnehmen. 

Wir erleben diese Stimmung häufig auf Veranstaltungen, oft (aber nicht nur) in Ostdeutschland. Dort hört man dann aus dem Publikum zum Beispiel, es sei falsch, dass so viel deutsches und europäisches Geld in die Ukraine fließt. Und gerade AfD-Anhänger sehen die Bedrohung kaum – die populistische Partei steht für einen Kuschelkurs mit Russland. Nicht als einzige: Auch das BSW und in Teilen die Linke sind eher für Austausch mit Russland.

Wir in der Redaktion sind der Ansicht:
Man kann es natürlich so sehen, dass man sich mit einem Aggressor besser gut stellen sollte. Unsere Rolle als Medien ist allerdings, die Risiken, die von einem solchen Regime ausgehen, so klar wie möglich aufzuzeigen.

Auf unserer Themenseite veröffentlichen wir jetzt nach und nach weitere Erfahrungsberichte.

Härtere Strafen für Einsatz von K.o.-Tropfen 
Der Bundestag plant schärfere Strafen für den Einsatz von K.o.-Tropfen. Täter, die die Substanzen für Vergewaltigungen oder Raub nutzen, sollen künftig mindestens fünf Jahre Haft erhalten. Zudem sollen K.o.-Tropfen im Strafgesetzbuch auf einer Stufe mit Waffen und Messern stehen.
tagesschau.de

Tiktok schadet seinen Nutzern 
Tiktok gefährdet die Gesundheit seiner Nutzer durch die Videoempfehlungen auf der Plattform. Vorläufige Ermittlungen der EU-Kommission zeigen, dass der Algorithmus selbst schutzbedürftigen Nutzern einen endlosen Strom personalisierter Videos vorsetzt. Dieser könne psychische Probleme verstärken, so die Brüsseler Behörde. Der Plattform drohe nun eine Strafe. 
tagesspiegel.de

Nach Treffen im Weißen Haus: Möglicher Deal zum Ukraine-Krieg 
US-Präsident Donald Trump hat sich im Weißen Haus mit dem Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew getroffen. Trump stellte einen möglichen Deal im Ukraine-Krieg in Aussicht, nannte jedoch keine Details. In der kommenden Woche sind Gespräche über ein Ende des russischen Krieges mit Vertretern aus Kiew, Moskau und Washington in Abu Dhabi geplant.
deutschlandfunk.de

Zerstörte Gebäude in Gaza im Oktober 2026 (Ramez Habboub / SIPA / Picture Alliance)

Faktencheck Klima: Zwischen Wissenschaft und Desinformation, Online
Wie erkennt man Falschbehauptungen zum Klimawandel? Im nächsten Online-Workshop des CORRECTIV.Faktenforum am 9. November geht’s darum, wie Klimawandelleugner Zweifel säen und wie sich wissenschaftliche Fakten verständlich vermitteln lassen.
Anmeldung

Exile Talks Movie Night, Berlin
Der nächste Exile Talk wird zur Movie Night: Am 12. November zeigen wir in Berlin einen Film über Kaschmir und sprechen mit zwei Filmschaffenden aus der Region über die politische Lage und die Einschränkungen der Presse- und Kunstfreiheit in Indien.
Anmeldung

LesArt Festival: „Ich bin doch kein Rassist, aber …“, Dortmund
Unsere CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit und Reporterin Lara Grewe sprechen beim LesArt Festival am 12. November über das neue Buch „Ich bin doch kein Rassist, aber …“ und wie eine ehrliche Debatte über Migration gelingen kann.
Anmeldung

In Youtube-Kommentaren loben Nutzerinnen und Nutzer vermeintliche Anlageberater, die ihnen in kürzester Zeit unglaubliche Gewinne bescheren. Wir haben in einer Stichprobe 10 Millionen Kommentare analysiert und sind auf ein Netzwerk gestoßen, das immer wieder zwei Namen erwähnt: Julian Joaquin Ruiz und Susanne Marie Denby. 

Ein Kommentar sieht zum Beispiel so aus: „Es ist unglaublich, wie sehr uns das System momentan im Stich lässt. Ich bin schließlich Susanne Marie Denbys Beispiel gefolgt, weil ich selbst keinen vernünftigen Weg finden konnte. Ihre Ehrlichkeit hat mir wirklich geholfen, den ganzen Lärm auszublenden und mein Portfolio auszubauen.“

Wir wollen besser verstehen, wie das Netzwerk funktioniert und wie verbreitet es ist. Dafür haben wir eine Umfrage angelegt, bei der Sie uns unterstützen können. 

Hier können Sie bei der Umfrage mitmachen, es dauert weniger als fünf Minuten: correctiv.link

So geht’s auch 
Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) nennt fünf Maßnahmen, die Bürger entlasten und zugleich das Klima schützen können. Sie kosten deutlich weniger als klimaschädliche Subventionen und die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geplante Stromsteuersenkung für alle. Welche Maßnahmen das sind und wie sie wirken, lesen Sie im Artikel der Taz. 
taz.de

Endlich Verständlich
Der KI-Boom treibt den Bau neuer Rechenzentren voran. Die Digitalwirtschaft hielt den Wasserverbrauch bisher für unkritisch. Doch eine aktuelle Studie des Öko-Instituts zeigt, wie stark Rechenzentren die Wasserversorgung in Deutschland belasten könnten. Bis 2030 könnten sie jährlich 27 Milliarden Liter Wasser verbrauchen – so viel wie eine Großstadt mit 580.000 Einwohnern. Wie sich der Wasserbedarf der Rechenzentren auf null reduzieren lässt, erfahren Sie im Handelsblatt.
handelsblatt.com

Fundstück 
Der TV-Moderator Kai Pflaume hat laut ARD einen Weltrekord aufgestellt. Während er die ersten sechs Sendungen von „Wer weiß denn sowas“ moderierte, lief er nebenbei 42,195 Kilometer. Damit sicherte sich Pflaume auch einen Guinness-Weltrekord – noch nie hat jemand bei der Moderation einer Show eine längere Strecke zurückgelegt.
tagesspiegel.de


Dazuzugehören ist ganz schön teuer – gerade für Jugendliche. Um zu erfahren, wie teuer genau, frage ich Salon5-Jugendreporter Ryan. Er antwortet: „Jugendliche brauchen mittlerweile Erwachsenen-Geld, um Jugendliche-Sachen machen zu können.“ Das Problem: Jugendliche haben eben kein „Erwachsenen-Geld“ zur Verfügung – wie Ryan sagen würde.

Deswegen recherchiere ich weiter. Mein Kollege Max und ich starten eine Umfrage. Dort können Jugendliche teilen, was sie in ihrer Freizeit machen, wenn sie kein Geld ausgeben können oder möchten. Und wie leicht es ihnen fällt, ihren Freunden auch mal zu sagen: „Das kann ich mir gerade nicht leisten!“ Ein Blick auf die ersten Antworten verrät: Leicht ist das für viele nicht. Zuzugeben, dass es gerade nicht drin ist, gemeinsam essen zu gehen, in der Stadt zu bummeln oder ins Kino zu gehen, ist für viele mit Scham verbunden. Einige der Jugendlichen geben an, sich Geld zu leihen, um Zeit mit Freundinnen und Freunden zu verbringen.

Das liegt daran, dass kostenlose Freizeit-Angebote für Jugendliche rar sind: Aus dem öffentlichen Raum werden sie oft vertrieben. Gleichzeitig spart der Bund bei der Finanzierung von Jugendzentren. Alles andere kostet.

Über diesen Link können Jugendliche an unserer Umfrage teilnehmen und vertraulich ihre Erfahrungen teilen. Schicken Sie ihn gerne weiter!

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Minou Becker, Tristan Devigne, Till Eckert, Pamela Kaethner, Sebastian Haupt und Silvia Stöber.