Wir treffen einen Nerv
Die Sucht nach Opioiden beschäftigt viele - Eltern und Betroffene melden sich seit Dienstag bei uns

Nach zwei Tagen haben wir schon fast 1.000 Einträge. Von verzweifelten Eltern, von Suchtberatern, von Menschen, die selbst Fentanyl oder andere Opioide als Suchtmittel einnehmen. Wir treffen mit dem Thema offenbar einen Nerv.
Warum gerade jetzt?
Zusammen mit dem Spiegel haben wir diese Woche unsere große Umfrage zu synthetischen Drogen gestartet. Aber es ist schon seit Langem ein Thema bei uns in der Redaktion. Gerade weil regelmäßig Reportagen erscheinen, die darüber berichten, wie leicht diese Mittel zu bekommen sind und welche Gefahren dahinter stecken. Aber es gibt kein Lagebild, kaum strukturiertes Wissen darüber, wie der Handel vor Ort abläuft, wie verbreitet die Sucht ist, welche Fabriken möglicherweise illegal produzieren und wer davon profitiert.
Das Perfide an Opioiden ist: Es sind ja (meist) nur kleine Pillen, die zum Teil (ganz legal verschrieben) zu Hause im Schrank liegen; oder die ganz einfach in Chatgruppen bestellt und geliefert werden. Der Suchtfaktor ist hoch, die Gefährlichkeit kaum bekannt, vor allem für Jugendliche, die damit in Berührung kommen.
Oft sind es hoch dosierte Mittel, die die Menschen nehmen, um abzuschalten oder um dem Alltag zu entfliehen. Wenn die Mittel im Mix mit anderen Drogen eingenommen werden, kann es schnell lebensgefährlich werden.
Wir wollen das ganze Bild
Wir haben uns daher entschieden, nicht nur ein Schlaglicht auf das Thema zu werfen, sondern es strukturiert aufzubohren. Die Umfrage, die jetzt so stark gestartet ist, ist daher nur der Beginn. Wir wollen mit lokalen Medien vor Ort recherchieren, wie verbreitet das Phänomen ist, wo diese Drogen gehandelt und verkauft werden. Und wir wollen zu Gesprächen darüber einladen, was getan werden kann, um die Gefahren zu bekämpfen. Dazu gehören natürlich Suchtberatungen und Medizinerinnen, aber auch Lehrer, Polizistinnen und politisch Verantwortliche.
Wenn Sie Anknüpfungspunkte haben, oder Ideen haben wie man die Umfrage noch verbreiten könnte, schreiben Sie meiner Kollegin Kristina Ratsch gern. Wir werden Sie hier auf dem Laufenden halten.
In dieser Woche startet unser Team Correctiv.Europe übrigens einen Podcast in Kooperation mit anderen europäischen Medien, den wir Ihnen in unseren Empfehlungen vorstellen.
Und meine Kollegin Lena Köpsell gibt Ihnen am Ende dieses SPOTLIGHT einen Einblick, was los war, als wir einen internen Bericht einer EU-Behörde erhielten. Es ging darum, dass die Mitglieder der rechtsradikalen Europa-Partei ESN, der auch die AfD angehört, gegen die Grundwerte der EU wie Menschenwürde und Demokratie verstoßen. Das könnte dem Bündnis den Parteienstatus und die Finanzierung kosten.
Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende und viel Spaß mit unseren Empfehlungen der Woche! Und zum Start der Fußball-WM der Männer empfehle ich Ihnen die Fun-Facts-Folge mit Oliver Welke, falls Sie sie gestern verpasst haben sollten.
Herzlich,
Ihr Justus von Daniels
Menschenrechtsverbrechen bei Gasprojekt in Mosambik?
Dem französischen Gas-Konzern Total Energies wird Beihilfe zu Völkerrechtsverbrechen in Ostafrika vorgeworfen, die 2021 passiert sein sollen. Es geht um das sogenannte Container-Massaker in Mosambik 2021. Und auch der deutsche Konzern Siemens Energy gerät in Bedrängnis: Für das Flüssiggas-Projekt „Mozambique LNG“ will Siemens Energy Gasturbinen und weitere Bauteile liefern. ZDF frontal konnte vor Ort mit Opfern des Massakers sprechen – im Rahmen einer internationalen Recherche mit acht weiteren Medien unter der Leitung von Forbidden Stories.
Europäische Konzerne in Ostafrika (zdf.de, Video)
Jugend übt Parlament, dann kommt die Polizei
Eigentlich sollte alles nur ein Spiel sein. Mehr als 250 Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren simulierten von Samstag bis Dienstag den Parlamentsbetrieb im Deutschen Bundestag, eingeteilt in fiktive Parteien. Doch was zur Förderung des politischen Nachwuchses gedacht ist, endete dieses Jahr in einem Eklat. Es geht um Rechtsextremismus, Alkoholkonsum und Körperverletzung. Die Polizei ermittelt. Wie es dazu kam und was genau passiert ist, erfahren Sie hier:
Eklat im Bundestag (sueddeutsche.de)
Schiffsunglück im Roten Meer: Was ist wirklich passiert?
Auf dem Roten Meer sinkt ein Schiff mit 45 Menschen. Es gibt elf Tote und viele offene Fragen. Zwei Reporter des Stern recherchierten undercover, um herauszufinden, was wirklich hinter diesem Unfall steckt. Und was Ägyptens Behörden vertuschen. Die sieben Folgen der Podcast-Serie können Sie hier hören:
Der Untergang der Sea Story (stern.de, Podcast)
Der Chicken-Krieg
Sie waren Freunde, Geschäftspartner. Heute sitzt der eine im Gefängnis wegen Foltervorwürfen. Der andere hat sie erhoben. Dann stieg er auf zum Hähnchen-Tycoon. Zwei Läden in Berlin-Neukölln, gelegen an zwei Ecken desselben Häuserblocks, die fast gleich heißen und das Gleiche anbieten: halbe Hähnchen nach arabischem Rezept mit Hummus, Knoblauchsoße und Krautsalat. Die Geschichte über einen Streit um Macht, Geld und das Erbe einer libanesischen Familie.
Der Chicken-Krieg an der Sonnenallee (zeit.de, €)
Heilsverbrechen
Fabrizia und Pia sind zwei junge Frauen auf Sinnsuche. Sie lernen Marko Ivan Rupnik kennen, einen charismatischen Priester aus Slowenien. Beide schließen sich seiner Gemeinschaft an. Doch bald lernen sie Rupniks dunkle Seite kennen. „Heilsverbrechen“ ist ein Podcast des Deutschlandfunk. In sechs Teilen geht um schwere Vorwürfe gegen den Ex-Jesuiten Marko Rupnik.
Die Schwestern von Mengeš (deutschlandfunk.de, Podcast)
Hinter den Kulissen des Weißen Hauses
Die wichtigsten Berater des US-Präsidenten haben sich zu einer Reihe von Sitzungen im Lagezentrum des Weißen Hauses versammelt, um eine Affäre einzudämmen, die auch ihren Chef Donald Trump erfasste. In einer exklusiven Geschichte zeichnet das New York Times Magazine nach, wie im Herzen der US-Politik um den Umgang mit einer der schwersten Skandale der Geschichte gerungen wurde.
Trump-Berater in Panik: Die Epstein-Akten (nytimes.com)
Vergangenen Freitag haben wir ein brisantes Gutachten zugespielt bekommen: Auf fast 300 Seiten dokumentiert die EU-Aufsichtsbehörde mögliche Verstöße gegen die EU-Grundwerte wie Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Es geht um die rechte ESN-Partei, der auch die AfD angehört.
Die Vorwürfe haben es in sich: Ein ungarischer Parteiführer bezeichnete eine Roma-Gemeinschaft als „kriminelle Horden“, ein slowakischer Abgeordneter nannte britische Migranten „widerliche, herzlose, psychopathische Bestien“, und über das offizielle Profil einer polnischen Mitgliedspartei sollen antisemitische Parolen verbreitet worden sein. Der AfD wirft die Behörde vor allem Verstöße gegen Menschenwürde und Menschenrechte vor – belegt durch ein Kölner Gerichtsurteil.
Auf Basis des Gutachtens könnte die ESN-Partei nun ihren Parteienstatus verlieren – also faktisch verboten werden. Das gab es in der EU noch nie. Die Folgen wären allerdings begrenzt: Die 27 Abgeordneten der ESN-Fraktion im EU-Parlament blieben von dem Verbot unberührt. Trotzdem: Das Verbot könnte die Partei rund zwei Millionen Euro im Jahr kosten. Das EU-Fördergeld nutzt sie unter anderem für Europa-Wahlkämpfe. Verwaltet werden diese übrigens von einem AfD-Schatzmeister. Auch der Sitz der Partei ist in Deutschland.
Das Verfahren ist mit einem deutschen Parteienverbot übrigens kaum vergleichbar. Ein interessanter Unterschied ist zum Beispiel, dass auf EU-Ebene neben Kommission, Parlament und Rat auch Bürgergruppen einen Antrag stellen können.


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