Wir treffen einen Nerv

Die Sucht nach Opioiden beschäftigt viele - Eltern und Betroffene melden sich seit Dienstag bei uns

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Justus von Daniels

Warum gerade jetzt? 

Zusammen mit dem Spiegel haben wir diese Woche unsere große Umfrage zu synthetischen Drogen gestartet. Aber es ist schon seit Langem ein Thema bei uns in der Redaktion. Gerade weil regelmäßig Reportagen erscheinen, die darüber berichten, wie leicht diese Mittel zu bekommen sind und welche Gefahren dahinter stecken. Aber es gibt kein Lagebild, kaum strukturiertes Wissen darüber, wie der Handel vor Ort abläuft, wie verbreitet die Sucht ist, welche Fabriken möglicherweise illegal produzieren und wer davon profitiert.

Das Perfide an Opioiden ist: Es sind ja (meist) nur kleine Pillen, die zum Teil (ganz legal verschrieben) zu Hause im Schrank liegen; oder die ganz einfach in Chatgruppen bestellt und geliefert werden. Der Suchtfaktor ist hoch, die Gefährlichkeit kaum bekannt, vor allem für Jugendliche, die damit in Berührung kommen.

Oft sind es hoch dosierte Mittel, die die Menschen nehmen, um abzuschalten oder um dem Alltag zu entfliehen. Wenn die Mittel im Mix mit anderen Drogen eingenommen werden, kann es schnell lebensgefährlich werden.

Wir wollen das ganze Bild

Wir haben uns daher entschieden, nicht nur ein Schlaglicht auf das Thema zu werfen, sondern es strukturiert aufzubohren. Die Umfrage, die jetzt so stark gestartet ist, ist daher nur der Beginn. Wir wollen mit lokalen Medien vor Ort recherchieren, wie verbreitet das Phänomen ist, wo diese Drogen gehandelt und verkauft werden. Und wir wollen zu Gesprächen darüber einladen, was getan werden kann, um die Gefahren zu bekämpfen. Dazu gehören natürlich Suchtberatungen und Medizinerinnen, aber auch Lehrer, Polizistinnen und politisch Verantwortliche.

Wenn Sie Anknüpfungspunkte haben, oder Ideen haben wie man die Umfrage noch verbreiten könnte, schreiben Sie meiner Kollegin Kristina Ratsch gern. Wir werden Sie hier auf dem Laufenden halten.

In dieser Woche startet unser Team Correctiv.Europe übrigens einen Podcast in Kooperation mit anderen europäischen Medien, den wir Ihnen in unseren Empfehlungen vorstellen.

Und meine Kollegin Lena Köpsell gibt Ihnen am Ende dieses SPOTLIGHT einen Einblick, was los war, als wir einen internen Bericht einer EU-Behörde erhielten. Es ging darum, dass die Mitglieder der rechtsradikalen Europa-Partei ESN, der auch die AfD angehört, gegen die Grundwerte der EU wie Menschenwürde und Demokratie verstoßen. Das könnte dem Bündnis den Parteienstatus und die Finanzierung kosten.

Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende und viel Spaß mit unseren Empfehlungen der Woche! Und zum Start der Fußball-WM der Männer empfehle ich Ihnen die Fun-Facts-Folge mit Oliver Welke, falls Sie sie gestern verpasst haben sollten. 

Herzlich,

Jugend übt Parlament, dann kommt die Polizei
Eigentlich sollte alles nur ein Spiel sein. Mehr als 250 Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren simulierten von Samstag bis Dienstag den Parlamentsbetrieb im Deutschen Bundestag, eingeteilt in fiktive Parteien. Doch was zur Förderung des politischen Nachwuchses gedacht ist, endete dieses Jahr in einem Eklat. Es geht um Rechtsextremismus, Alkoholkonsum und Körperverletzung. Die Polizei ermittelt. Wie es dazu kam und was genau passiert ist, erfahren Sie hier:
Eklat im Bundestag (sueddeutsche.de)

Schiffsunglück im Roten Meer: Was ist wirklich passiert?
Auf dem Roten Meer sinkt ein Schiff mit 45 Menschen. Es gibt elf Tote und viele offene Fragen. Zwei Reporter des Stern recherchierten undercover, um herauszufinden, was wirklich hinter diesem Unfall steckt. Und was Ägyptens Behörden vertuschen. Die sieben Folgen der Podcast-Serie können Sie hier hören:
Der Untergang der Sea Story (stern.de, Podcast)

Der Chicken-Krieg
Sie waren Freunde, Geschäftspartner. Heute sitzt der eine im Gefängnis wegen Foltervorwürfen. Der andere hat sie erhoben. Dann stieg er auf zum Hähnchen-Tycoon. Zwei Läden in Berlin-Neukölln, gelegen an zwei Ecken desselben Häuserblocks, die fast gleich heißen und das Gleiche anbieten: halbe Hähnchen nach arabischem Rezept mit Hummus, Knoblauchsoße und Krautsalat. Die Geschichte über einen Streit um Macht, Geld und das Erbe einer libanesischen Familie.
Der Chicken-Krieg an der Sonnenallee (zeit.de, €)

Heilsverbrechen
Fabrizia und Pia sind zwei junge Frauen auf Sinnsuche. Sie lernen Marko Ivan Rupnik kennen, einen charismatischen Priester aus Slowenien. Beide schließen sich seiner Gemeinschaft an. Doch bald lernen sie Rupniks dunkle Seite kennen. „Heilsverbrechen“ ist ein Podcast des Deutschlandfunk. In sechs Teilen geht um schwere Vorwürfe gegen den Ex-Jesuiten Marko Rupnik.
Die Schwestern von Mengeš (deutschlandfunk.de, Podcast)


Die Vorwürfe haben es in sich: Ein ungarischer Parteiführer bezeichnete eine Roma-Gemeinschaft als „kriminelle Horden“, ein slowakischer Abgeordneter nannte britische Migranten „widerliche, herzlose, psychopathische Bestien“, und über das offizielle Profil einer polnischen Mitgliedspartei sollen antisemitische Parolen verbreitet worden sein. Der AfD wirft die Behörde vor allem Verstöße gegen Menschenwürde und Menschenrechte vor – belegt durch ein Kölner Gerichtsurteil.

Auf Basis des Gutachtens könnte die ESN-Partei nun ihren Parteienstatus verlieren – also faktisch verboten werden. Das gab es in der EU noch nie. Die Folgen wären allerdings begrenzt: Die 27 Abgeordneten der ESN-Fraktion im EU-Parlament blieben von dem Verbot unberührt. Trotzdem: Das Verbot könnte die Partei rund zwei Millionen Euro im Jahr kosten. Das EU-Fördergeld nutzt sie unter anderem für Europa-Wahlkämpfe. Verwaltet werden diese übrigens von einem AfD-Schatzmeister. Auch der Sitz der Partei ist in Deutschland.

Ein Rentnerpaar hält sich im Arm und schaut zu, wie eine Atombombe hinter einer kahlen Berglandschaft exlodiert.

So sehr leidet Ihre Region unter Dürre
Eine Analyse von CORRECTIV.Europe zeigt erstmals, wie flächendeckend Dürre in Europa auftritt: Zwei Drittel der Regionen verzeichneten seit 2012 schwere Dürrejahre. Auch in Deutschland geraten Landwirte in Existenznot.
correctiv.org

Neuer Höchststand bei Schülern mit Förderbedarf
CORRECTIV-Recherchen belegen einen Anstieg um ein Drittel in zehn Jahren. In einigen Bundesländern ist knapp jeder Zehnte ein Förderschüler. Schlusslichter bei der Inklusion sind Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.
correctiv.org

Großstädte warnen vor Reiches „Heizungsgesetz“
Das Gebäudemodernisierungsgesetz soll Eigentümern mehr Freiheiten beim Heizungstausch geben. Doch mehrere Städte warnen gegenüber CORRECTIV: Es könnte den Ausbau der Fernwärme und die Energiewende bremsen.
correctiv.org

Was Europa bewegt: (Un)Bezahlbarer Wohnraum
Wo können sich Menschen mit mittlerem Einkommen – etwa Pflegekräfte – nicht einmal mehr eine verhältnismäßig kleine Wohnung leisten? Und was bedeutet das für die betroffenen Städte und Regionen? Dazu hat CORRECTIV.Europe Anfang des Jahres eine große Recherche veröffentlicht. Die erste Folge des grenzüberschreitenden lensEU-Podcasts, an dem auch CORRECTIV.Europe beteiligt ist, liefert nun eindrückliche Beispiele aus unterschiedlichen Ländern: Das polnische Medium OKO.press hat dafür Kolleginnen aus Lettland und Kroatien eingeladen, die Einblick in die Lage vor Ort geben.
Hier können Sie die Folge auf Englisch hören. / Hier können Sie die Folge auf Deutsch und fünf weiteren Sprachen hören.

Von der rechten Denkfabrik zu Katherina Reiche
Ein Zuarbeiter der konservativen Denkfabrik Republik 21 ist zum neuen Chefredenschreiber von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) avanciert. Der Vorgang ruft Kritiker auf den Plan.
correctiv.org

Das überrollte System
Die Pillen werden über Instagram oder TikTok bestellt: Suchtkliniken schlagen Alarm wegen einer wachsenden Zahl von Opiodabhängigen. Wie groß ist das Problem wirklich? CORRECTIV und DER SPIEGEL starten eine deutschlandweite Umfrage unter Betroffenen und Angehörigen. Mehr über das Projekt und zur Umfrage lesen Sie hier. Zuvor hatten wir die Entzugskliniken in Deutschland gefragt, was sie zur Sucht nach Opioiden beobachten. Über 70 haben geantwortet, in vielen Fällen nimmt die Anzahl an Patientinnen und Patienten zu, die Benzos, Fentanyl und Co konsumieren.
correctiv.org

EU-Abgeordnete wollen sich für Verbot der AfD-Europapartei ESN einsetzen
Die EU-Aufsichtsbehörde sieht Hinweise auf schwere Verstöße gegen EU-Grundwerte bei allen neun Mitgliedsparteien der ESN – darunter die AfD. Mehrere Fraktionen wollen das Verfahren jetzt anstoßen.
correctiv.org

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Max Bernhardt, Elena Müller & Finn Schöneck