Faktencheck

Spekulationen von „Truth24“ zu Missbrauchs-Fall in Wangen

„Truth24” behauptet, bei dem Tatverdächtigen eines vermutlich sexuell motivierten Übergriffs auf ein dreijähriges Mädchen in Wangen handelt es sich „um einen Armutsmigranten, wohl aus dem unmittelbar benachbarten Flüchtlingsheim.” Diese Aussage beruht auf „reinen Spekulationen”, so die Staatsanwaltschaft Ravensburg.

von Caroline Schmüser

Die Tat ereignete sich auf einem Wohnmobil-Parkplatz in Wangen im Allgäu. (Symbolbild)© Unsplash / Remy_Loz

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Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Aussagen von „Truth24“ um reine Spekulationen. Dass das Alibi des Tatverdächtigen von einer Einrichtung ausgesprochen wurde, habe der Staatsanwalt nie bestätigt.

„Truth24“ spielt Ermittler: Am 12.04.2018 kam es laut Polizei Konstanz zu einem vermutlich sexuell motivierten Übergriff auf ein dreijähriges Kind. Und „Truth24“ schreibt: „Laut Truth24 Informationen handelt es sich um einen Armutsmigranten, wohl aus dem unmittelbar benachbarten Flüchtlingsheim.“

Bei den Aussagen von „Truth24“ handelt es sich um reine Spekulationen. Das Gespräch mit dem Staatsanwalt Wolfgang Angster wurde von „Truth24“ falsch dargestellt, teilte uns dieser am Telefon mit.

CORRECTIV berichtet über die Fakten – und bei welchen Informationen es sich um Spekulationen des „Truth24“-Autors handelt.

Der Fall

Am 12.04.2018 kam es auf dem Wohnmobilparkplatz in der Straße „Am Klösterle“ in Wangen zu einem vermutlich sexuell motivierten Übergriff auf ein dreijähriges Kind. Ein Mann hatte ein Mädchen, das sich in der Nähe des elterlichen Wohnmobils aufhielt, in einer Hecke auf den Boden gedrückt und sich auf sie gelegt.

Als er von einem Zeugen lautstark angesprochen wurde, ließ er von dem Mädchen ab und flüchtete zu Fuß. Das Kind erlitt bei dem Übergriff mehrere Kratzer.

Später konnten die Polizeibeamten einen 19-Jährigen antreffen, auf den die Beschreibung von Zeugen grob zutraf. Bei den Zeugen, die eine Täterbeschreibung abgaben, handelt es sich laut Staatsanwalt Angster um das dreijährige Mädchen sowie einen achtjährigen Jungen.

Der Tatverdächtige

Die Polizei nahm den 19-Jährigen vorläufig fest. Weitere Indizien zur Schuld des Tatverdächtigen gebe es aus Sicht der Staatsanwaltschaft derzeit jedoch nicht, so Angster. Der 19-Jährige soll möglicherweise ein Alibi haben. Außerdem würde er die Tat abstreiten. Die Ermittlungen laufen weiter, mögliche Spuren würden gesichert.

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Die Aussage von „Truth24“, der Tatverdächtige sei „nicht Deutsch“, konnte uns Angster bestätigen.

Das Alibi

Die Behauptung von „Truth24“, bei dem Tatverdächtigen handle es sich um einen „Armutsmigranten, wohl aus dem unmittelbar benachbarten Flüchtlingsheim“, dreht sich rund um das mögliche Alibi des 19-Jährigen.

So soll Angster gegenüber dem „Truth24“-Autor gesagt haben, dass eine Einrichtung das Alibi gegeben habe. Und da es unweit des Wohnmobilparkplatzes eine Flüchtlingsunterkunft gibt, ist für „Truth24“ klar: Der Tatverdächtige ist ein Bewohner des Asylbewerberheims.

Woher „Truth24“ zusätzlich noch wissen will, der 19-Jährige sei vor Armut geflüchtet, wird nicht erläutert.

Das Telefonat

Staatsanwalt Angster wehrt sich gegen die Darstellung, er habe gegenüber „Truth24“ von einer Einrichtung gesprochen. Der „Truth24“-Anrufer habe laufend Vermutungen geäußert, auf die Angster aber unverbindlich geantwortet habe.

So soll der Anrufer zwar gefragt haben, ob es sich beim Alibi-Geber um eine Einrichtung handle – dem habe Angster aber weder zugestimmt, noch widersprochen. Auch auf die Nachfragen von „Truth24“, ob es sich beim Alibi-Geber um ein Flüchtlingsheim, eine Schule oder einen Arbeitgeber handeln könne, habe er so geantwortet, also weder bejaht noch verneint.

Die Ermittlungen

Weitere Details zum Tathergang sowie zum Verdächtigen könne Angster zum Schutz der Beteiligten nicht herausgeben. „Je geringer der Tatverdacht, desto weniger bin ich dazu bereit“, so Staatsanwalt Angster.