Guttenberg und das Trump-Lager

Karl-Theodor zu Guttenberg gilt als Hoffnungsträger der Union. Wir haben seine Firmenbeteiligungen durchleuchtet.

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Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist eine ganze Menge los – und das bei der Hitze! Zunächst zum Thema des Tages: 

Er gilt als Hoffnungsträger in der Union, er kommentiert in Talkshows die Weltpolitik. Aber zu wem unterhält Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geschäftliche Kontakte? Unsere Recherche zeigt eine lange Liste an Firmen, in die Guttenberg investiert ist – und Verbindungen zu MAGA-Unterstützer Peter Thiel.

Und wir haben heute diese Nachrichten veröffentlicht:

  • VW will bis zu 100.000 Stellen in Deutschland streichen – und womöglich vier deutsche Werke schließen.
  • Die Bundesregierung plant schon wieder den Stopp eines Förderprogramms, das die Integration Zugewanderter unterstützt.
  • Im Missbrauchskomplex um Borussia Dortmund gibt es deutlich mehr Ermittlungsfälle, als bisher bekannt – bis zum Ende des Jahres soll der Abschlussbericht vorliegen.
  • Neues auch zum Missbrauch in der katholischen Kirche: Ein Bericht beleuchtet die Folge eines prominenten Geistlichen aus dem Ruhrgebiet.

Letzte Sache für heute: Noch bis Mitternacht läuft unsere aktuelle Spendenaktion – wir wollen es mit Ihrer Unterstützung schaffen, Kandidierenden-Checks in jedem Wahlkreis als festen Bestandteil der Demokratie zu etablieren. Jeder Euro rückt uns einem neuen Wahlkreis näher. Hier entlang zur Spende.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, hoffentlich mit einem kühlen Unterschlupf. Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Guttenberg und das Trump-Lager

Der Tag auf einen Blick: Karl-Theodor zu Guttenberg gilt als Hoffnungsträger der Union. Wir haben seine Firmenbeteiligungen durchleuchtet.

Neueste CORRECTIV-Recherchen: VW-Vorstand plant Radikalkur – bis zu 100.000 Arbeitsplätze gefährdet • BVB: Bericht zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen soll Ende des Jahres vorliegen • Bistum Essen: Kardinal Hengsbach war Täter und pflegte enge Kontakte zu Ratzinger • Förderung für den Studienzugang Zugewanderter vor dem Aus

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Böllerverbot – oder nicht?

CORRECTIV Events: Offene Redaktionskonferenz in Gelsenkirchen

Faktencheck: Landverkauf an Israel? Bild von Grenzschild in Albanien ist nicht echt

Gute Sache(n): Tipps gegen die Hitze • Recht auf Reparatur kommt • Anonymer Spender zahlt für Schwimmbadeintritt

CORRECTIV ganz persönlich: Klimawandelleugner bekommen Bühne in Halle

Grafik des Tages: Immer mehr Hitzewellen – ja, das ist der Klimawandel

Mit diesen Sätzen beginnt die Guttenberg-Recherche unserer Reporterin Annika Joeres. Wir haben sie heute Morgen veröffentlicht, sie zieht seither schon weite Kreise in sozialen Netzwerken. Hier können Sie den Text lesen.

Peter Thiel bezeichnete Karl-Theodor von Guttenberg 2018 als seinen „persönlichen Freund“ Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV; Fotos: Kaname Yoneyama / AP / picture alliance, Gert Eggenberger / picture alliance / picturedesk.com

Das zeigt die Recherche:
15 Jahre nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister macht Guttenberg Geschäfte mit einflussreichen Investoren aus dem Silicon Valley und umstrittenen Unternehmen. 

Seine Wege kreuzten auch mehrfach Unterstützer der US-amerikanischen MAGA-Bewegung oder Trump-Vertraute wie den Strippenzieher der neuen US-Rechten Peter Thiel.

Wie wir recherchiert haben:
Wir haben mit Hilfe der Unternehmensdatenbank Northdata, mit Einträgen in Handelsregistern, durch Wirtschaftsmeldungen und durch Guttenbergs eigene Angaben Firmen ausfindig gemacht, mit denen der CSU-Politiker unmittelbar verbunden ist. 

Was die Datenbanken zeigen:
Guttenberg ist aktuell an dutzenden Unternehmen beteiligt oder bekleidet dort Positionen. Sein jüngstes Engagement verbindet ihn auch mit Peter Thiel: Seit diesem Frühjahr sitzt Guttenberg im Verwaltungsrat von Bitpanda, einem Wiener Krypto-Unternehmen. Thiel ist der größte Investor bei Bitpanda.

Annika Joeres hat außerdem ausgegraben …
… dass sich Thiel und Guttenberg seit Jahren kennen, sie feierten zum Beispiel schon zusammen in den USA bei „grilled Bratwurst“ – und sie vernetzten sich bei Events, bei denen sich unter anderem libertäre Amerikaner im exklusiven kleinen Kreis treffen. 

Diese Veranstaltungen wurden in den vergangenen Tagen bekannter, weil auch CDU-Fraktionsführer Jens Spahn mehrfach daran teilnahm – wie wir kürzlich berichteten.

Weshalb das relevant ist:
Weil die Netzwerke einflussreicher Politiker und Politikerinnen etwas darüber aussagen, welchen politischen Ideen und Vorhaben sie geistig nahe stehen.

Gewerkschaftsbund legt alternative Vorschläge zur Rentenreform vor 
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat Alternativvorschläge zur Rentenreform der Bundesregierung vorgelegt. Diese sehen laut Handelsblatt ein steigendes Niveau der gesetzlichen Rente vor, ergänzt durch eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge. Beides gemeinsam soll demnach im Ruhestand 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens sichern – ohne steigendes Rentenalter. Der DGB hatte kritisiert, dass in der Rentenkommission der Bundesregierung weder Arbeitgeber noch Gewerkschaften vertreten waren. 
handelsblatt.de / dlf.de 

EU-Kommission will Schutzstatus für wehrfähige Ukrainer beenden 
Die EU-Kommission will ukrainischen Männer im wehrfähigen Alter keinen automatischen Anspruch auf Schutz in der EU mehr gewähren. Damit reagiert die EU-Kommission auf die Bitte der Regierung in Kiew. Die Mitgliedsstaaten müssen noch zustimmen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuletzt bereits ähnliches gefordert.
tagesschau.de

VW-Vorstand plant Radikalkur – bis zu 100.000 Arbeitsplätze gefährdet
Der Autobauer könnte bis zu vier Werke schließen und bis zu 100.000 Stellen streichen. Zudem prüft der Vorstand eine Zerlegung des Konzerns.
correctiv.org

CORRECTIV.Faktenforum beim LAUT UND KLAR Festival, Düsseldorf
Das CORRECTIV.Faktenforum ist am 2. Juli beim LAUT UND KLAR Festival in Düsseldorf dabei. Vor Ort geht es darum, wie Faktenchecks funktionieren, woran Desinformation erkennbar wird und warum verlässliche Informationen für eine starke Demokratie unverzichtbar sind.
Anmeldung

Nahe Zvërnec waren am 6. Juni Betonfundamente eines Zaunes zu sehen
Nahe Zvërnec waren am 6. Juni Betonfundamente eines Zaunes zu sehen (Foto: Vlasov Sulaj / Nurphoto / Picture Alliance)

So geht’s auch
Handy, Staubsauger, Waschmaschine – für Elektrogeräte wie diese soll es bald ein Recht auf Reparatur geben. Und zwar weit über die Garantiezeit hinaus. Die Umsetzung der EU-Richtlinie könnte noch im Sommer erfolgen.  
spiegel.de 

Fundstück
Im hessischen Schwalmstadt können sich alle Kinder und Jugendliche über kostenlosen Eintritt ins Freibad freuen: Ein unbekannter Bürger übernimmt während der Sommerferien die Kosten für alle Badegäste bis 15 Jahre. Der Spender will damit Daheimgebliebenen eine Freude machen, berichtet die HNA.
hna.de


Die Verbindung zwischen EIKE und Heartland besteht bis heute. Und dieses transatlantische Netzwerk braucht Bühnen. Heute bekommt es eine in Halle. Auf meine Presseanfrage an die Halle Messe, ob sie wissen, dass auf der Veranstaltung Klimaforschung bestritten und Verschwörungserzählungen verbreitet werden, verwies die Betreiberin des Veranstaltungsorts auf ihre „Neutralität“. Man sei „privater“ und „neutraler Raumvermieter“, prüfe keine „wissenschaftlichen Gesinnungen“, distanziere sich „weder explizit noch implizit“ von den Inhalten der EIKE-Konferenz. 

Bemerkenswert: Die Halle Messe gehört derselben Unternehmensgruppe wie die Messe Gießen. Dort wurde 2025 ebenfalls mit dem Verweis auf rechtliche Zwänge und politische Neutralität die Vermietung an eine AfD-Veranstaltung verteidigt – obwohl ein befragter Rechtsprofessor betonte, private Messebetreiber dürften solche Veranstaltungen zulassen, müssten es aber nicht.

Die statistischen Zusammenhänge sind eindeutig: So hat etwa die Anzahl der Hitzewellentage in Europa stark zugenommen, wie die heutige Grafik zeigt. Dabei werden nur jene Tage gezählt, an denen die Temperaturen über mehrere Tage und Nächte hintereinander ungewöhnlich heiß sind.

Übrigens: Der Deutsche Wetterdienst hat seit Einführung des Hitzewarnsystems vor über 20 Jahren noch nie so früh im Jahr eine Hitzewarn-Periode dieser Länge registriert.    
deutschlandfunk.de

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.