Faktencheck

Tritt von hinten: Bild von Angriff in Frankreich ist gefälscht

In Frankreich kam es am 17. und 18. Oktober zu Ausschreitungen und Plünderungen. In den Sozialen Netzwerken soll ein Bild zeigen, wie ein Mann einem anderen von hinten in den Rücken springt. Den Vorfall gab es, doch das Bild ist KI-generiert.

von Matthias Bau

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Zu einem echten Vorfall in Nizza verbreitet sich in Sozialen Netzwerken dieses gefälschte Bild (Quelle: X, Collage und KI-Hinweis: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein Bild zeige eine Szene bei Ausschreitungen und Plünderungen in Frankreich. Darauf springt ein Mann einem anderen in den Rücken.
Einordnung
Den Angriff gab es zwar, er ereignete sich in Nizza. Das Bild, das sich in den Sozialen Netzwerken verbreitete, ist aber KI-generiert.

Am 17. und 18. Oktober kam es in Frankreich landesweit zu Protesten, die sich gegen Lernbedingungen an Schulen und hohe Lebenshaltungskosten richteten. Laut Angaben der Polizei nahmen daran 550.000 Menschen teil; die Organisatoren sprachen von 800.000 Teilnehmenden. Während der Großteil der Demonstrationen friedlich verlief, berichten Polizei und Medien von Ausschreitungen und Plünderungen am Rande oder im Nachgang. 

In den Sozialen Netzwerken kursiert seit dem 17. Oktober international ein Bild, das zeigen soll, wie ein Mann einem anderen in den Rücken springt. Das Gesicht des angeblichen Angreifers ist deutlich zu erkennen. Auf X schreibt ein Nutzer dazu, „vom Hass zerfressen, kommt der Angriff natürlich von hinten“. 

Doch das Bild ist keine authentische Aufnahme des Angriffs. Das zeigen Videoaufnahmen des tatsächlichen Vorfalls.

france24.com/proteste-18-oktober
deutschlandfunk.de/proteste-frankreich 
perma.cc/beitrag-1
perma.cc/beitrag-2 
perma.cc/beitrag-3 
perma.cc/beitrag-4


Video zeigt den ganzen Angriff – Angreifer sah anders aus

Eine Bilderrückwärtssuche führt zu einem Video, das den Angriff in Teilen zeigt. Das Gesicht des Angreifers ist darin nicht zu erkennen. Allerdings liefert es Hinweise auf den Ort des Geschehens: Der angegriffene Mann tritt in dem Video aus einem Geschäft namens „Micromania“. 

Eine Stichwortsuche mit den Schlagworten „Micromania“, „Proteste“ und „Frankreich“ auf Englisch und Französisch führt uns zu mehreren Medienberichten, die über den Fall berichten. Der öffentlich-rechtliche Radiosender Ici etwa führte am 18. Oktober ein Interview mit dem Angegriffenen, der darin lediglich Pierre genannt und als Mitarbeiter eines Video- und Comicgeschäfts in Nizza vorgestellt wird. Er erklärt, er habe sein Geschäft vor Randalierern und Plünderern schützen wollen: „Irgendwann bin ich einfach nach vorne gegangen, um zu verhindern, dass Leute reinkommen. Das war alles“, sagte er gegenüber Ici. 

In dem Artikel ist zudem ein längeres Video des Vorfalls eingebettet. Es zeigt, wie ein Jugendlicher Pierre zunächst provoziert. Dieser läuft ihm nach und wird von hinten angegriffen, als er zum Geschäft zurückkehren will. Mehrere Menschen helfen ihm daraufhin. 

In dem Video ist das Gesicht des Angreifers zu erkennen. Anders als auf dem verbreiteten Bild hat er weder einen Schnurrbart noch trägt er eine Kapuze, unter der lockige Haare zu sehen sind. Stattdessen trägt er eine Sturmhaube, die seinen Kopf bis auf das Gesicht bedeckt.

www.ici.fr/bericht-über-angriff


Prüfwerkzeuge erkennen KI-Wasserzeichen im Bild

Offenbar wurde also eine einzelne Aufnahme aus dem Video im Nachhinein manipuliert und dem Angreifer ein anderes Gesicht gegeben. Eine technische Überprüfung liefert Hinweise auf den Einsatz von KI: Zwei Prüfwerkzeuge von Google und OpenAI weisen das Bild als „mit KI-generiert“ beziehungsweise „mit KI bearbeitet“ aus, denn sie erkennen ein digitales Wasserzeichen von OpenAI.

In den vergangenen Tagen kursierten bereits mehrere KI-generierte Bilder, die angeblich Proteste in Frankreich zeigen sollten.

openai.com/digitales-wasserzeichen-erkennen
synthid.com/digitales-wasserzeichen-erkennen
correctiv.org/faktencheck-nackte-rentner
correctiv.org/faktencheck-feuerwehrmann-nicht-angezuendet 


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Caroline Lindekamp, Sara Pichireddu