Anlagebetrug

Teak-Träume: Tausende Anleger fürchten um ihr Geld

Tausende Personen haben rund 200 Millionen Franken in Teakbäume investiert, in der Hoffnung auf Gewinne. Jetzt ist die Firma, die das Investment angeboten hat, pleite. Einer scheint davon besonders zu profitieren.

von Janina Bauer

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Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: unsplash.com

Auf einer Bank im Wald des Tessiner Dörfchens Pura sitzt eine Dame mit grauen Locken. Sie tätschelt dem Hund auf ihrem Schoss den Kopf und schaut sich um. Die Wolken hängen tief, die Bäume rascheln im Wind und kündigen Regen an. Eva Gross, wie wir sie hier nennen, runzelt die Stirn. Sie sagt: „Ich bin im Moment total verunsichert.” 

Nicht das nahende Gewitter sorgt die 71-Jährige, sondern: Bäume. Nicht die einfachen Tessiner Laubbäume, die sie an diesem Septembertag umgeben, sondern Teakbäume, die weit weg auf der anderen Seite der Welt wachsen. Das Hartholz Teak gilt als edel, ist vor allem in Asien für die Möbelherstellung nachgefragt. 850 Teakbäume hat Gross gekauft, für umgerechnet rund 80.000 Franken. Ein grosser Teil ihrer Altersvorsorge, die sie jetzt gerne geniessen würde. 

Für Gross hat das Angebot nach einer „wirklich guten Sache” geklungen: Eine Nidwaldner Firma, die ihr die jungen Bäume verkaufte,  übernehme deren Pflege auf Plantagen in Costa Rica und Ecuador und würde sich nach 10 bis 20 Jahren, wenn das Holz die höchsten Marktpreise erzielt, um den Verkauf kümmern. Die Erlöse würden bei Eva Gross auf dem Konto landen – im besten Fall das eingezahlte Kapital plus einer jährlichen Rendite von bis zu 12 Prozent. Ein Investment, das nicht nur ihrer Rente, sondern auch der Umwelt gut täte und Arbeitsplätze schaffe, so lautete das Versprechen. 

Bis heute keine Erlöse

Zweifel hatte Eva Gross nicht: „Ich dachte: Es ist ja ein Schweizer Unternehmen, das kann ja nur seriös sein. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass etwas nicht stimmen könnte.”  

Gut zehn Jahre nach ihrem ersten Kauf, im Dezember 2025, dann der grosse Schock. Die Life Forestry Switzerland AG (LFS), so der Name des Unternehmens aus Stans, ist pleite. Nur 805 Franken befinden sich bei Konkurseröffnung auf dem Konto der LFS. 

Das Bild zeigt das Gesicht von Eva Gross, 71.
Die 71-jährige Eva Gross hat einen grossen Teil ihrer Altersvorsorge in Teakbäume angelegt. Foto: Frank Purschwitz/SRF, Bearbeitung: CORRECTIV

Eva Gross hat nach eigenen Angaben bis heute nicht einen Rappen gesehen: Weder von ihrem angelegten Kapital, noch von den versprochenen Erlösen aus dem Holzverkauf. 

Und sie ist nicht allein: CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau haben herausgefunden, dass es allein in der Schweiz rund 800 Anlegerinnen gibt, die mit ihrem Geld von der LFS Teak-Bäume gekauft und dieser dann zur Inwertsetzung anvertraut haben. In ganz Europa sind es über 6000, die insgesamt rund 200 Millionen Franken überwiesen haben. 

Teak-Träume: „Leider war ich zu vertrauensvoll”

CORRECTIV.Schweiz hat die Schweizer Anleger mithilfe des CrowdNewsrooms befragt. 130 Personen haben geantwortet und uns vertraulich Dokumente geschickt: Baumeigentumsurkunden, Rechnungen, Verträge. Manche haben 3000 Franken in Teakbäume gesteckt, andere Millionenbeträge – und den meisten von ihnen geht es wie Eva Gross: Sie haben die in Aussicht gestellten Erlöse nie erhalten, fürchten nun sogar den Verlust des eingesetzten Kapitals. Nur wenige haben überhaupt Teilbeträge von Erlösen erhalten.

Sie schreiben: „Leider war ich zu vertrauensvoll.” Oder: „Ich bin froh, wenn gegen diese Schindluderei vorgegangen wird.”

Spurensuche in Costa Rica

Gemeinsam haben CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau recherchiert. Wir wollten wissen: Wie konnte es zum Konkurs der Life Forestry Switzerland AG (kurz LFS) kommen? Wo stecken die rund 200 Millionen Franken der Anleger? Und wie steht es um die Teak-Bäume, die ja die eigentlichen Werte darstellen? 

Wir haben uns durch Handelsregister gewühlt, Dokumente ausgewertet und uns vor Ort in Costa Rica umgesehen. Am Ende führen fast alle Spuren zum ehemaligen Chef der LFS: Carl-Lambert Liesenberg, ein umtriebiger Unternehmer. Profitiert er womöglich vom Konkurs der eigenen Firma?

Unternehmer Carl-Lambert Liesenberg steht neben einem jungen Baum. Er umfasst dessen Stamm mit den Händen.
Carl-Lambert Liesenberg leitete die Life Forestry Switzerland AG seit 2009 und ist nun auch für deren Liquidation verantwortlich. Foto: Weltwoche, Bearbeitung: CORRECTIV

Der 62-Jährige gebürtige Deutsche stiess 2009 als Geschäftsführer zur LFS. 2017 übernahm er sie als Eigentümer und alleiniger Verwaltungsrat – und ist nun auch für deren Liquidation verantwortlich. Mit seiner Familie lebt er heute unweit von Stans in einer Villa am Vierwaldstättersee. Jetzt muss sich der sechsfache Vater grossen Vorwürfen stellen. 

Unter anderem von einem seiner besten Kunden: Matthias Mitscherlich. Der 77-Jährige lebt mit seiner Frau Barbara nur ein Dorf weiter in einer grosszügigen Dachgeschosswohnung. 

„Das Geld ist extrem ärgerlich”

An einem Dienstagnachmittag im September steht das Ehepaar am Küchentresen, auf dem Tisch daneben liegen mehrere gut gefüllte Aktenordner. Barbara Mitscherlich sagt: „Am meisten hässig macht mich, wie viel Zeit, Energie, Streit und schlaflose Nächte wir wegen dieser ganzen Scheisse hinter uns haben.” 

Ihr Mann Matthias blättert in den Akten: „Das Geld ist extrem ärgerlich, schlimmer ist aber, so über den Tisch gezogen zu werden. Und noch schlimmer, dass ich gegen den Rat meiner Familie immer noch nachgelegt habe.” Der Jurist und ehemalige Chef eines grossen Industriedienstleisters hat etappenweise 24.654 Teakbäume gekauft und deren Bewirtschaftung der LFS übertragen. Für insgesamt 2,5 Millionen Euro. 

Herr und Frau Mitscherlich stehen in ihrem Esszimmer.
Schlaflose Nächte und Streit: Barbara und Matthias Mitscherlich befürchten, viel Geld verloren zu haben.
Foto: Frank Purschwitz/SRF, Bearbeitung: CORRECTIV

Bis heute hat er nach eigenen Angaben kein Geld gesehen. Mehrere Gespräche, die Mitscherlich mit Carl-Lambert Liesenberg geführt habe, hätten nirgendwo hingeführt. Mitscherlich ist überzeugt, betrogen worden zu sein. Anfang September erstattete er deswegen Strafanzeige gegen den Ex-Chef der LFS: Knapp 300 Seiten, das meiste davon Beweismittel.

Auf Anfrage bestätigt die zuständige Staatsanwältin aus Nidwalden, dass in der Sache bereits diverse Strafanzeigen und Privatklagen möglicher Geschädigter eingegangen sind. Die Abteilung für Wirtschaftsdelikte führt Strafverfahren gegen den Verwaltungsrat Liesenberg und eine weitere Person wegen Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte – und habe kürzlich fünf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Gericht: „Täuschung und Schädigung der Kunden”

Die deutsche Justiz hält diese Vermutung für widerlegt. In Deutschland leben die meisten Kunden der Life Forestry Switzerland, mehrere Gerichte haben sich bereits mit der Firma beschäftigt. Das Geschäftsmodell der LFS war von vornherein „auf Täuschung und Schädigung der Kunden angelegt”, befand im Oktober 2025 das Landgericht Frankfurt an der Oder im Rahmen eines Zivilprozesses. 

Bereits 2024 bestätigte das höchste deutsche Gericht für Zivilsachen, der Bundesgerichtshof, dass deutsche Anlegerinnen Recht auf Rückzahlung ihrer investierten Beträge haben. Danach forderten über hundert Personen das von ihnen investierte Geld zurück. Bezahlt wurde nicht. Aber die offenen Forderungen waren wohl ein Grund für den Konkurs. So geht es aus den Konkursakten vor, die CORRECTIV.Schweiz vorliegen. 

Wo ist das Geld?

Aus den Akten geht ebenfalls hervor, dass die eidgenössische Steuerverwaltung das Konkursverfahren ausgelöst hat. Wegen offener Steuerforderungen in Höhe von rund 400.000 Franken, die von der LFS seit 2020 nicht beglichen wurden. 

Offen ist, warum. Die Konkursakten deuten darauf hin, dass der LFS offenbar wirklich das Geld ausging. Zum Konkursstichtag befanden sich lediglich 805 Franken auf dem Firmenkonto. Dabei hat die LFS in 20 Jahren rund 200 Millionen Franken eingenommen. Wo ist das Geld?

Drohnenbild der Plantage La Aldes im Norden Costa Ricas.
Die Plantage La Aldea im Norden Costa Ricas von oben. CORRECTIV.Schweiz hat vor Ort recherchiert.
Foto: Alonso Solano/SRF, Bearbeitung: CORRECTIV

Gegenüber dem Kantonsgericht Nidwalden, welches das Konkursverfahren eröffnete, sagte Carl-Lambert Liesenberg, das Geld sei „für die Bewirtschaftung (Anmerkung der Redaktion: der Plantagen), Marketing und Administration gebraucht” worden.

Costa Rica im September. Es ist Regenzeit im Norden des Landes, die Luft ist drückend, die Wege sind verschlammt. Schneller als 50 Kilometer pro Stunde kommt das Auto in der Region Pocosol, nahe der Grenze zu Nicaragua, nicht voran. Dort befinden sich die meisten der rund 60 Plantagen, auf denen die Bäume der Anleger stehen. Sie umfassen eine Fläche so gross wie der Bielersee. 

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CORRECTIV.Schweiz konnte dank den Zusendungen der Anleger einen Grossteil davon lokalisieren – und besuchte sechs Plantagen. Der erste Eindruck: Die LFS hat tatsächlich Geld in die Pflanzung und Aufzucht von Teakbäumen investiert. Nachbarn zeigen sich allerdings verwundert, dass das Holz nicht geerntet wird.

Der Holzfäller Huotan José Martinez, der seit über zehn Jahren direkt neben der Plantage „La Aldea” lebt, sagt: „Meiner Meinung nach sind einige Plantagen bereits seit letztem Jahr erntebereit. Ich denke, sie haben es nicht ausgeforstet, weil der Teak-Markt eingebrochen ist. Das Holz wird in Costa Rica nicht mehr so nachgefragt.” 

Letzteres bestätigt uns auch ein weiterer Händler, der vor einigen Jahren Teakholz der LFS kaufte, um es nach Indien zu exportieren: Das Geschäft lohne sich heute nicht mehr. 

Kunden wurden „bewusst in die Irre geführt”

In der Umfrage von CORRECTIV.Schweiz geben mehrere Anleger an, bei der LFS nachgefragt zu haben, wann ihre Bäume endlich geerntet werden würden – insbesondere, weil die Laufzeit ihrer Verträge bereits abgelaufen war. Liesenberg soll sie stets vertröstet haben: Die Ernte verzögere sich wegen der Pandemie, der gestiegenen Transportkosten, der schwierigen Marktbedingungen. 

Oder hat der LFS-Chef vielmehr gemerkt, dass er nicht die in Aussicht gestellten Preise erzielen kann – und seine Anleger möglicherweise Geld verlieren würden? Davon ist Matthias Mitscherlich überzeugt. Er sagt: „Der Preis, den wir für die Bäume gezahlt haben, war völlig irreal.” Zum selben Schluss kam auch das Landgericht Frankfurt an der Oder im Oktober 2025. In seinem Urteil schreibt es, das Kapitalmarktpublikum sei „bewusst in die Irre geführt worden” – und zwar mit „von vorneherein völlig unrealistischen Renditen und Holzerträgen” und „überhöhten Kaufpreisen”. 

Sollte es trotz der LFS-Liquidation zur Ernte kommen und das Holz verkauft werden, wird es wohl nur einen Bruchteil der von der LFS prognostizierten Erlöse erwirtschaften, glaubt Mitscherlich. Er plant bereits mit einem Verlust. 

Anlegerin wird unter Druck gesetzt

Unterdes tritt in der Schweiz ein neuer Unternehmer auf den Plan und versucht, den Anlegern die Sorgen zu nehmen. Sein Slogan: „Ihre Teakbäume in erfahrenen Händen.” Der Mann namens Patrick H. bietet Anlegern in einem Vertrag an, „die Bewirtschaftung, Ernte und Vermarktung der Teakbäume im Eigentum der ehemaligen Kunden der LFS AG” zu übernehmen. Gegen eine Provision von 15 Prozent. Er behauptet: Seine LFS Bewirtschaftungs AG habe rechtlich nichts mit der ehemaligen LFS zu tun. Dabei ist er ein alter Bekannter: Unter Liesenberg war er jahrelang stellvertretender Geschäftsführer bei der LFS in Stans. 

In einem 40-minütigen Telefonat hat Patrick H. versucht, auch Eva Gross zur Unterzeichnung seines Vertrags zu überreden. Die Rentnerin sagt: „Es ist schon massiv gewesen, wie dieser Mensch mich unter Druck gesetzt hat.” Sollte sie nicht unterschreiben, würde ihr der Totalverlust drohen: „Er sagte, unsere Bäume würden nach Ende der Laufzeit an den Grundstückseigentümer zurückfallen. Wir könnten dann selbst schauen, wie wir an unser Geld kommen.” Auf Anfrage wollte Patrick H. keine Fragen beantworten. 

Drohnenbild der Plantage Monte Cristi im Norden Costa Ricas.
Die Plantage Monte Cristi von oben: Was wird mit den Bäumen, die darauf wachsen, geschehen?
Foto: Alonso Solano/SRF, Bearbeitung: CORRECTIV

Wenn die Millionen der Anlegerinnen in die Plantagen gesteckt wurden, wie Liesenberg behauptet, stellt sich die Frage: An wen wurde das Geld überwiesen? Denn wie CORRECTIV.Schweiz nach Recherchen im costa-ricanischen Grundbuch zeigen kann, gehören die Plantagen nicht etwa der insolventen Life Forestry Switzerland. Stattdessen besitzen zwei costa-ricanische Firmen das Land, auf dem die Bäume wachsen – laut Grundbuch umfasst es eine Fläche von über 40 Quadratkilometern und hat einen im Grundbuch verzeichneten offiziellen Wert von umgerechnet 16 Millionen Franken. 

Eine ist die Life Forestry Costa Rica S.A. Ein Nidwaldner Geschäftspartner von Liesenberg leitet sie.  Die andere nennt sich Central American Real Estate S.A., kurz CARE. Im Vorstand sitzen Carl-Lambert Liesenberg und seine Ehefrau Jule. Pikant: Vor dem Kantonsgericht Nidwalden behauptete Liesenberg, er habe mit den Unternehmen in Costa Rica nichts zu tun. Hat Liesenberg also als Chef von Life Forestry Switzerland das Geld der Investoren an ein Unternehmen überwiesen, in dem er selbst im Vorstand sitzt? Dann hätte er womöglich davon profitiert, wenn – wie vom Gericht in Frankfurt an der Oder festgestellt – überhöhte Preise gezahlt worden wären – auf Kosten der Investoren.

Fest steht: CARE gehört das Land – und wohl auch die darauf stehenden Bäume, sollten diese nicht bis zum Vertragsende der Anlegerinnen gefällt werden. Eventuelle Verkaufserlöse, die danach entstünden, flössen an CARE.

Plantagen werden besetzt

Das könnte gut passieren. Denn beim Besuch in Costa Ricas Zona Norte im September findet CORRECTIV.Schweiz heraus, dass die Plantagen besetzt sind. Von rund 600 Personen. Die Situation ist angespannt. Vor einer der Plantagen machte eine Gruppe Männer mit Macheten klar, dass die im Auftrag von CORRECTIV.Schweiz arbeitende Journalistin das Grundstück verlassen soll. 

An anderen Orten zeigen sich die Besetzer offener – unter der Bedingung der Anonymität. Die Menschen, darunter Alte, Junge, Frauen und Kinder,  haben Planen zwischen den Teakbäumen aufgespannt, darunter stapeln sie ihr spärliches Hab und Gut: Ein paar Töpfe, Früchte, Plastiktüten mit Kleidung. 

Zelte der Plantagenbesitzer.
Ein paar Besetzer geben CORRECTIV.Schweiz Einblick in ihr Provisorium.
Foto: Alonso Solano/SRF, Bearbeitung: CORRECTIV

Die meisten Besetzerinnen stammen aus Nicaragua. Gegenüber CORRECTIV.Schweiz erzählen sie, ihnen sei gesagt worden, dass die Eigentümer der Plantagen pleite und das Land verlassen sei. Weil sie selbst mittellos und ohne Besitz seien, entschieden sie sich, das Land zu besetzen: Um sich einen Ort zum Leben zu sichern. 

Die Situation der Besetzerinnen ist prekär. Zudem sind sie offenbar falsch informiert worden, gehört das Land doch bestehenden Unternehmen. Es ist offen, wie es vor Ort weitergehen wird. Nach Informationen von CORRECTIV.Schweiz sind die costa-ricanischen Behörden bereits über die Besetzung informiert. Fest steht: Die Ernte der Teakbäume scheint nochmals erschwert. 

Umtriebiger Unternehmer

Was sagt Carl-Lambert Liesenberg zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen? CORRECTIV.Schweiz und Rundschau treffen den 62-Jährigen Mitte September zu einem Hintergrundgespräch in Oerlikon. Informationen aus dem Gespräch dürfen wir nicht publizieren – und auch weitere schriftliche Anfragen lässt er unbeantwortet. 

Es macht jedoch den Eindruck, als herrsche für ihn Business as usual. CORRECTIV.Schweiz findet mehr als ein Dutzend Unternehmen, die auf Liesenberg angemeldet sind, die meisten bündeln sich bei einer gemeinsamen Büroadresse in Luzern. Auch im Ausland ist er aktiv, besonders in Tansania. 

Anleger fürchtet, betrogen worden zu sein

Sein Geschäftsmodell in dem ostafrikanischen Land gleicht jenem in Costa Rica: Nur bietet er dort Investments in Pfefferpflanzen an. Und er legt noch eine Schippe drauf: Er zeigt sich in Diplomatenkreisen, gründet die schweizerisch-tansanische Handelskammer mit und versucht, mit der Anpflanzung von Bambushainen eine Förderung im Wert von mehreren Millionen Franken zu erhalten. Unklar ist: Woher stammt das Kapital?

Im Jahresabschluss der LFS aus dem Jahr 2023 sind Darlehen in Höhe von 25 Millionen Franken bilanziert: Allein 3,6 Millionen an Carl-Lambert Liesenberg persönlich, der Rest verteilt auf seine Unternehmen in der Schweiz und in Tansania sowie an Geschäftspartner in Ecuador. 

Im Jahresabschluss der LFS von 2023 werden offene Darlehen in Höhe von 25 Millionen Franken ausgewiesen. Ausgestellt unter anderem an Carl-Lambert Liesenberg persönlich. Bearbeitung: CORRECTIV

Unsere Fragen hierzu lässt Liesenberg unbeantwortet. Stattdessen veröffentlicht er eine Pressemeldung, in der er sich als Opfer von Anwälten darstellt, die mit den verunsicherten Kunden Millionenbeiträge verdienten. Liesenberg zufolge sind die Kunden der LFS nach wie vor Eigentümer der Bäume. Von der Insolvenz der LFS seien einzig Bewirtschaftung, Ernte und Verkauf betroffen. 4.000 Kunden sollen ihm zufolge Verträge mit einem ehemaligen Mitarbeiter (gemeint ist Patrick H.) geschlossen haben, Ernte und Verkauf stünden kurz bevor.

Liesenberg betont: Keinesfalls handle es sich bei den Kunden der LFS um Investoren, bei den gezahlten Beträgen mithin nicht um Geldanlagen. Das Schweizer Bundesgericht sah dies schon 2015 anders: Mit Abschluss des „Kauf- und Dienstleistungsvertrags“ mit der LFS könne von „einer dem Eigentümer ähnlichen Stellung“ nicht gesprochen werden. So sehen es auch die Kunden, mit denen CORRECTIV.Schweiz gesprochen hat.

Grossanleger Matthias Mitscherlich vermutet, dass Liesenberg das Geld der Anleger veruntreut hat. Er hofft, dass die Staatsanwaltschaft Nidwalden in ihren Ermittlungen die Geldflüsse nachvollziehen kann. In seiner Strafanzeige fordert er: Liesenberg soll ihm 2,5 Millionen Euro zurückzahlen. 

Text: Janina Bauer

Recherche: Janina Bauer und Res Gehriger (SRF Rundschau)

Mitarbeit: Mercedes Agüero R. 

Grafik: Ivo Mayr, Sebastian Haupt

Redaktion: Marc Engelhardt

Faktencheck: Hanna Fröhlich