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Wirtschaft

Held, Dieb oder Spion?

Eine Schlüsselszene entlarvt, mit welcher Härte der Kampf geführt wird. Dr. Peter Giger, Schweizer Staatsbürger, Staatsanwalt, Mitglied der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei. Und Josef Talheimer, Deutscher, schwerbehindert, Mitarbeiter eines Schweizer Bankhauses. Sie treffen in einem Büro der Staatsanwaltschaft Zürich aufeinander. Sie sind zwei der vier Männer, die im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung stehen, bei der es anfangs um 50 Millionen Euro geht, bald aber um systematischen Betrug an deutschen Steuerbehörden. Am Ende wird von Wirtschaftskrieg die Rede sein.

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von Jörg Göbel , Oliver Schröm , Sylke Gruhnwald , Michael Haselrieder , Carlos Hanimann

Dieser Text ist das Ergebnis gemeinsamer Recherchen von Correctiv, der Zeit, dem ZDF-Magazin Frontal21 und der Schweizer Digital-Redaktion Republik. Das Team hat Gerichtsunterlagen, geheime Ermittlungsakten, bankinterne Unterlagen und Emails ausgewertet und Dutzende Interviews mit Beschuldigten, Wissenschaftlern und Insidern geführt.

Dem Bankangestellten Josef Talheimer ist an diesem 20. Juni 2014 speiübel. „Mir geht es gesundheitlich sehr schlecht“, sagt er. Talheimer bittet den Staatsanwalt Giger, das Verhör abzubrechen. „Ich bin in der vergangenen Woche mehrfach gestürzt“, erzählt er. In seiner Gefängniszelle sei das gewesen. Talheimer befindet sich seit fünf Wochen in Untersuchungshaft.

Giger gibt sich unbeeindruckt. „Nach meiner Wahrnehmung sind Sie gut einvernahmefähig“, sagt der Staatsanwalt. Die Einvernahme dauere doch erst gut eine Stunde, hält Giger Talheimer vor. „Sie können also mit ihrer Offenlegung beginnen.“

Talheimer bittet den Staatsanwalt um Verständnis. „Das Problem ist, dass ich wirklich im Moment viele Dinge durcheinanderbringe. Ich möchte hier meine Aussagen besonders korrekt treffen. Dazu sehe ich mich nicht in der Lage.“

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ZDF/Frontal 21

Talheimer leidet an Schlaflosigkeit, seit Wochen. Er hat sich mehrfach übergeben müssen. Die anderen Häftlinge in der Sechs-Mann-Zelle schauten angewidert weg, wenn er über dem Klo hing.

Talheimer ist von Geburt an schwerbehindert. Die Nabelschnur hatte sich um seinen Hals gelegt, sein Gehirn nicht genügend Sauerstoff bekommen. Als Säugling war er halbseitig gelähmt. Noch heute hält er seine rechte Hand wie abgeknickt. Beim Gehen zieht er das rechte Bein nach. Aber seine Sprache ist klar und flüssig, er hat Jura studiert und arbeitet seit langem für Banken in der Schweiz.

Sein Gesundheitszustand hat sich im Gefängnis verschlechtert. Talheimer fehlt die Physiotherapie, um seine Muskulatur zu stärken. Er benötigt eine spezielle Matratze. Doch im Gefängnis von Dielsdorf, 40 Autominuten von Zürich entfernt, wird sie ihm verweigert.

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Der Gefängnisarzt lässt ihm Tabletten gegen die Gliederschmerzen verabreichen. Drei Mal täglich reicht ihm eine Hand in Latexhandschuhen durch eine Klappe in der Zellentür einen Klarsichtschieber mit den Pillen. Er muss sie sofort einnehmen, anschließend den Mund aufmachen und die Zunge herausstrecken, damit sich der Wärter davon überzeugen kann, dass Talheimer die Tabletten auch geschluckt hat.

Talheimer wird schlecht von den Tabletten. Sie machen ihn auch müde, ohne dass er schlafen kann. Und appetitlos. Der Jogginganzug, den er in der Haftanstalt meist trägt, ist ihm inzwischen zwei Nummern zu groß.

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ZDF/Frontal 21

Der Staatsanwalt bleibt hart. „Sie sprechen nach wie vor druckreif.“ Talheimers Aussagen seien doch stringent. „Sie werden nach weiterer Haft nicht fitter sein als heute.“

Talheimer ringt weiter um Nachsicht, vergeblich. „Sie verpassen eine weitere Chance, Ihren Darstellungen durch Offenheit wieder Glaubwürdigkeit zu geben“, hält ihm der Staatsanwalt vor. „Es kann für Sie nicht so schwierig sein, auf der Zeitachse die Ereignisse ungeschminkt darzutun. Sie beginnen nicht einmal damit!“

Der Erzfeind

Josef Talheimer, der in Wirklichkeit einen anderen Namen hat, könnte aus deutscher Sicht ein Held sein. Talheimer half, eines der größten Steuerverbrechen der Nachkriegsgeschichte aufzudecken. Für seine früheren Vorgesetzten im Baseler Bankhaus Sarasin allerdings ist er ein Dieb. Und für den Staatsanwalt Giger ist Talheimer gar ein Spion, der sich mit dem „Erzfeind“ einließ. Der Erzfeind ist ein Wirtschaftsjurist aus Stuttgart, Eckart Seith.

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Seith hat einen bekannten und schwer reichen Klienten: Erwin Müller, Chef von 600 Drogeriefilialen und kleinen Kaufhäusern mit 34.000 Mitarbeitern. Müllers Vermögen wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Müller investierte über die Sarasin-Bank in komplizierte Aktiendeals, angeblich ohne zu wissen, dass es sich um so genannte Cum-Ex-Geschäfte handelte. Bei diesen Deals ging es darum, vom deutschen Fiskus Geld zu bekommen, das einem eigentlich nicht zusteht. Vereinfacht gesagt wurde eine Steuer einmal gezahlt, aber mehrfach zurückerstattet. Dem deutschen Staat wurden so über die Jahre viele Milliarden geraubt. Für Banken und Finanzberater war es ein Bombengeschäft, für die Anleger auch.

Bei Müller aber ging die Sache schief. Als der deutsche Fiskus misstrauisch wird, stoppt er die Auszahlungen. Das Geschäftsmodell bricht zusammen. Von Müllers Einlage, immerhin fast 50 Millionen Euro, ist nun alles weg. Das aber will der Unternehmer nicht akzeptieren. 

Müller engagiert den Wirtschaftsanwalt Eckart Seith. Seith fordert die Sarasin-Bank auf, 47.129.254,72 Euro an Müller zurückzuzahlen. Doch diese zahlt nicht.

Seith fällt auf, dass Erwin Müller bei der Beratung zu dem Groß-Investment nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt wurde. Er versucht, mehr über Müllers Cum-Ex-Deal zu erfahren. Die Sarasin-Bank aber gibt die erforderlichen Unterlagen nicht heraus. Seith muss auf anderem Weg an die Informationen kommen.

Später wird umstritten sein, wer zuerst auf wen zuging. Auf jeden Fall aber finden im März 2013 in der Altstadt des Schweizer Städtchens Schaffhausen der Wirtschaftsanwalt Seith, der Sarasin-Mitarbeiter Josef Talheimer und ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter der Bank zusammen. Sie haben das italienische Restaurant „St. Lucia“ ausgewählt. Dort ziehen sie sich in den Weinkeller zurück, einen Raum mit Wandbemalungen und ohne Fenster. Der Wein ist gut, und nach zehn Minuten ist man beim Du.

Fünf Jahre später, am 5. März 2018, wird die Staatsanwaltschaft Zürich aufgrund dieses Treffens und weiterer Zusammenkünfte Anklage gegen Seith, Talheimer und den weiteren früheren Sarasin-Mitarbeiter erheben. Die Strafverfolger wollen beweisen, dass die drei Deutschen sich der Wirtschaftsspionage und des Verstoßes gegen das Bankgeheimnis schuldig gemacht haben.

Es gibt viel zu besprechen im Restaurant „St. Lucia“ in Schaffhausen. Talheimer erzählt, wie die Cum-Ex-Geschäfte funktionieren. Er weiß, wovon er redet, Talheimer firmierte als „Head of Compliance“. Mit einem sechsköpfigen Team wacht er bei dem Geldhaus darüber, dass Gesetze und Regeln eingehalten werden. Bei der Sarasin-Bank werden sie nicht eingehalten.

Er habe die Deals geprüft, erzählt er Müllers Wirtschaftsanwalt Eckart Seith. Und er habe vor den gewaltigen Risiken gewarnt. Cum-Ex-Deals, habe er seinen Vorgesetzten erklärt, könnten die Bank ins Verderben reißen. Man habe nicht auf ihn gehört, erzählt Talheimer weiter. Nach dem Schreiben von Seith habe die Sarasin-Bank immerhin ein unabhängiges Gutachten anfertigen lassen, von der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Freshfields. Ein Gutachten? – Seith wird hellhörig.

Einige Wochen nach dem Treffen im Restaurant „St. Lucia“ beginnt Talheimer, Seith mit internen Unterlagen der Sarasin-Bank zu versorgen. Der Compliance-Verantwortliche wird zum Whistleblower. Unter den Dokumenten, die Seith erhält ist auch das Cum-Ex-Gutachten von Freshfields.

Die Prüfungsgesellschaft kommt darin zu dem Schluss, dass der Drogerieunternehmer Erwin Müller durch die Sarasin-Bank falsch beraten wurde. Daher habe Müller, der als „EM“ bezeichnet wird, Anspruch auf Schadensersatz. Der entscheidende Satz des Gutachtens lautet: „Somit ist EM berechtigt, eine Stornierung der Anlage zu fordern, unabhängig von der Frage, ob die Steuererstattung letztlich gewährt wird oder nicht.“ Es sei daher „hoch wahrscheinlich“, dass Müller eine Klage gewinnen werde.

Für die Sarasin-Bank ist das Gutachten von Freshfields eine streng vertrauliche Beurteilung. In den Händen von Müllers Anwalt Seith wird es zur Waffe gegen die Bank.

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In Ulm verklagt Eckart Seith die Sarasin-Bank auf Schadensersatz. Seith schreibt auch an das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn. Und an die Bafin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Frankfurt. Beide Behörden informiert er über Cum-Ex-Geschäfte, unterfüttert seine Angaben mit Dokumenten der Sarasin-Bank. Er löst eine Lawine aus. 

Die Staatsanwaltschaft Köln leitet ein Verfahren wegen bandenmäßiger Steuerhinterziehung und Betrugs ein. 2014 lässt sie weltweit Privatwohnungen und Büros durchsuchen, auch Räumlichkeiten der Sarasin Bank in Basel und Zürich. Es ist der Beginn eines gigantischen Wirtschaftsstrafverfahrens. Mittlerweile ermitteln die Behörden in über 400 Fällen. Es geht gegen Banken, Broker und Berater. Seit 2005 sollen sie den deutschen Staat um mehr als 30 Milliarden Euro geschröpft haben. Im Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages ist die Rede von „organisierter Kriminalität“.

Seith wendet sich aber auch an die Schweizer Justiz. Bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich erstattet er Strafanzeige gegen Manager der Sarasin-Bank. In Zürich allerdings scheint man kein großes Interesse daran zu haben, etwas zu unternehmen. Die Anzeige erhält das Aktenzeichen A-2/2013/56, wird aber vom zuständigen Staatsanwalt nicht weiter verfolgt. Der Staatsanwalt, so nennt man das in der Schweiz, schubladisiert die Anzeige. Sein Name: Dr. Peter Giger.

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Eckart Seith weiß nicht, dass seine Anzeige nicht weiter verfolgt wird. Ein Jahr später erkundigt er sich schriftlich bei Staatsanwalt Giger nach dem Stand der Ermittlungen. Giger schreibt zurück: Der Fall werde „bearbeitet, sobald es die Prioritätenordnung zulässt“.

Giger setzt die Prioritäten etwas anders. Er jagt nicht die Bank, sondern den Whistleblower Talheimer.

Giger entscheidet, Seiths Anzeige gegen die Sarasin-Manager an die Bank weiterzuleiten. „Anbei sende ich Ihnen, wie gewünscht, die Strafanzeige zur Einsichtnahme.“ Später wird deshalb gegen Giger ermittelt. Er habe, so der Vorwurf, Amtsgeheimnisse verletzt.

Ende 2013 erstattet die Sarasin-Bank Anzeige gegen Unbekannt wegen der entwendeten Unterlagen. Sie kann das nur deshalb tun, weil Giger ihr Seiths Anzeige überlassen hat, in der aus internen Sarasin-Dokumenten zitiert wird. Auch für die Gegenanzeige ist wieder der Staatsanwalt Giger zuständig.

Die Verhaftung

Giger und die Sarasin-Bank machen nun gemeinsame Sache gegen Josef Talheimer. Der hat inzwischen gekündigt und will künftig für die Bank Julius Bär arbeiten. An seinem letzten Arbeitstag bei Sarasin, dem 17. Januar 2014, räumt Talheimer seinen Schreibtisch auf. Er wirft viele Unterlagen weg, einige schreddert er auch. In seinem Kopf herrscht Chaos. Einige Dokumente hat er schon an Seith übergeben. Soll er jetzt noch weitere mitnehmen? Es ist seine letzte Gelegenheit.

Er druckt ein paar Unterlagen aus. Das ist gar nicht so einfach – der Drucker steht im Flur, wo jederzeit Kollegen vorbeikommen können. Außerdem erscheinen ständig Leute in seinem Büro, die sich verabschieden wollen. Talheimer zieht sich in ein Besprechungszimmer zurück. Er überlegt, was er tun soll. Einen Teil der Unterlagen schreddert er. Aber ein paar nimmt er doch mit nach Hause.

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Josef Talheimer ahnt nicht, dass die Druckerdaten ihn später verraten werden.

Die Schlinge zieht sich zu. Die Bank hat ihn mittlerweile in Verdacht und lässt ihn von Privatdetektiven überwachen. Diese beobachten am 12. Mai 2014, wie Talheimer, Seith und der andere frühere Sarasin-Mitarbeiter sich erneut in Schaffhausen im Restaurant „St. Lucia“ treffen. 

Am Morgen danach, früh um 7.10 Uhr, taucht in Talheimers Büro der Staatsanwalt Giger mit zwei Polizisten auf. „Sie sagten: ‘Guten Morgen, Polizei, Sie sind verhaftet’“, erinnert sich Talheimer. Talheimers Büro wird durchsucht, seine beiden Handys beschlagnahmt, er wird abgeführt und zur Kantonspolizei Zürich gebracht.

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Die erste Vernehmung startet der Staatsanwalt Peter Giger gleich am Tag der Festnahme. Talheimer bleibt an diesem Tag gelassen. Er streitet ab, interne Dokumente der Sarasin-Bank ausgedruckt und weitergegeben zu haben. Doch die Druckerdaten verraten ihn.

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Die Untersuchungshaft setzt Josef Talheimer zu. Ein Teil der Medikamente, die er bekommt, sind starke Schmerzmittel – Opioide. Aber das erfährt er erst viel später, lange nach seiner Haftentlassung. Ahnungslos stimmt er der Tablettengabe zu, von den Nebenwirkungen weiß er wenig: Schläfrigkeit, verschwommene Sicht, Verwirrtheit.

Talheimer will raus aus dem Gefängnis, raus aus seiner Sechser-Zelle. Er will auch, dass die Verhöre durch Peter Giger aufhören. Immer wieder lässt der Staatsanwalt ihn in Handschellen vorführen, als könne der gehbehinderte Talheimer flüchten. Wochen vergehen, Monate.

„Ich würde alles tun, um dieses Verfahren zu verkürzen. Ich würde es zugeben, wenn es so gewesen wäre“, sagt Talheimer in jener Vernehmung vom 20. Juni 2014, nachdem er sein Leiden ausführlich dargelegt hat.

„Ich muss hier raus. Ich würde Ihnen alles sagen.“

„Ich will Sie auf gar keinen Fall zu Zugeständnissen bewegen, die nicht der Wahrheit entsprechen“, antwortet Giger. Dann setzt er Talheimer mit seinem Wissen von der bespitzelten Zusammenkunft unter Druck: „Was in aller Welt haben Sie bei Seith zu suchen!“, ruft Giger.

Talheimer „weint“, vermerkt die Assistentin des Staatsanwalts an diesem Tag in ihrem Vernehmungsprotokoll.

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Einen Montag später ist Talheimer zermürbt. Er gibt zu, die Unterlagen übergeben zu haben. Wer am Steuer gesessen habe, will Staatsanwalt Giger wissen, und wechselt ins Englische: „Who was sitting in the driver’s seat?“ Giger weiß nicht, ob Talheimers ehemaliger Sarasin-Kollege die Treffen im Restaurant angeregt habe oder Müllers Anwalt Eckart Seith.

„Seith“, antwortet Talheimer und sagt aus, es sei dabei auch um Geld gegangen. Ein Prozent der Klagesumme, also rund eine halbe Million Euro, habe man ihm und seinem früheren Kollegen als Provision versprochen. Eckart Seith bestreitet das heute. „Es floss kein Geld und es gab auch keine Zusage darüber.“

Staatsanwalt Peter Giger lässt nun zuerst Talheimers Ex-Kollegen verhaften. Mit Müllers Anwalt Seith ist es nicht so einfach. Dass Seith von Deutschland an die Schweiz ausgeliefert würde, ist nach Lage der Fakten so gut wie ausgeschlossen.

Aber Eckart Seith ist nicht in Deutschland. Er segelt auf seinem Zweimaster vor Mallorcas Südküste, als er von der Festnahme des Talheimer-Kollegen in der Schweiz hört. Dessen Frau meldet sich, besorgt. Seith ist nun ebenfalls alarmiert. Er muss damit rechnen, dass auch gegen ihn ein Haftbefehl vorliegt. Für Seith ist klar: Passkontrollen am Flughafen von Palma de Mallorca sollte er besser meiden. Er chartert ein Privatflugzeug, eine Piper Mustang. Ein Freund aus Deutschland fliegt die Maschine nach Stuttgart-Echterdingen. Seiths Rückflug mit Air Berlin verfällt.

Der Rechtsanwalt kämpft nun nicht mehr nur für seinen Mandanten Erwin Müller. Er kämpft längst auch für sich selbst. Als er Giger fragt, ob er in die Schweiz reisen könne, um einige Mandanten zu besuchen, ist die Antwort vielsagend. „Die von Ihnen gewünschten Auskünfte und Garantien pflegen wir nicht abzugeben.“ Seith geht fest davon aus, dass Giger auch gegen ihn ermittelt.

Über Monate verfasst Seith nun immer neue Schriftsätze an die Schweizer Justiz. Er setzt Nadelstiche, aber auch nicht mehr. Erst im August 2015 schlägt der Rechtsanwalt zu.

Seith hat erfahren, dass der Staatsanwalt seine Anzeige gegen Sarasin-Manager an die Bank weitergereicht hatte. „Das war, als gebe man einem Täter die Tatwaffe zurück, die er am Tatort liegen gelassen hat“, sagt Seith heute. Gigers Verhalten erfülle den Straftatbestand Bruch von „Amtsgeheimnis und Amtsmissbrauch“. Seith zeigt Giger an. Der äußert sich, schickt dem Obergericht Zürich eine Stellungnahme auf 87 Seiten.

Die Sache zieht sich, doch im September 2016 wird Staatsanwalt Giger von seinem Behördenleiter von dem Fall abgezogen. Die offizielle Begründung: „Ressourcenplanung“. Ein Nachfolger übernimmt. Seitdem wird gegen Giger ermittelt.

Gigers Stellungnahme gegenüber dem Züricher Obergericht enthüllt unterdessen, dass der Wirtschaftskrimi um die Cum-Ex-Geschäfte der Sarasin-Bank inzwischen die Politik beschäftigt. Er habe Rückendeckung, lässt Giger durchblicken, und zwar von ganz oben. Die Schweizer Justizministerin sei informiert und habe zugestimmt, das Verfahren gegen die Deutschen auszuweiten. Es gehe nicht mehr nur um Verletzung von Geschäfts- und Bankgeheimnissen. 

Mit Erlaubnis der Justizministerin darf Giger nun ein viel schärferes Schwert schwingen: Wirtschaftlicher Nachrichtendienst, heißt der Vorwurf im Schweizer Juristenjargon, auf deutsch: Wirtschaftsspionage. In einer Email an CORRECTIV und die Recherchepartner spricht das Schweizer Justizdepartment später gar von einer „politischen Straftat“.

Die Einschüchterung

Im Mai 2017 entscheidet das Landgericht Ulm, dass die Sarasin-Bank dem Drogerieunternehmer Erwin Müller fast 50 Millionen Euro Schadensersatz zahlen muss. Es ist ein Triumph. Auch für Müllers Anwalt Eckart Seith.

Zwei Wochen später bekommt Seith nächtlichen Besuch. Überwachungskameras seiner Villa zeichnen auf, wie ein Mann über die Gartenmauer steigt, mit moderner Funktechnik die Haustür scannt. Er speichert in dem Gerät die elektronischen Signale des Autozündschlüssels. 

Danach geht er zu Seiths BMW 640i Cabrio, startet das Auto und fährt es rund 200 Meter weiter auf eine kleine Lichtung. Dort zerstört er Technik und Inneneinrichtung des Autos. Ein Profi, der einen Wagen klaut, ihn aber in Tatortnähe lässt und zerstört. „Wir haben ja einigen diese illegalen Geschäfte vermasselt“, sagt Seith. „Und dass man sich damit keine Freunde macht, war klar. Es gab auch schon andere Bedrohungen, aber das schien mir jetzt mal das deutlichste Zeichen.“

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Am 5. März 2018 erfährt Eckart Seith, dass er in der Schweiz angeklagt ist. Seith, Talheimer und dessen früherer Sarasin-Kollege. Drei Deutsche, die dazu beitrugen, dass die Cum-Ex-Geschäfte zu Lasten deutscher Steuerzahler durchleuchtet und juristisch aufgearbeitet werden. Ihnen drohen in der Schweiz Haftstrafen von mehr als drei Jahren. 

Seith ist heute 60 Jahre alt. Er bestreitet, dass er Josef Talheimer zum Diebstahl von Dokumenten angestiftet habe. Es gehe hier um etwas ganz Anderes: Die Zürcher Staatsanwaltschaft schütze eine Bank, die mit fragwürdigen Methoden seinen deutschen Mandanten Müller über den Tisch gezogen habe. Doch anstatt dem nachzugehen, mache sie nun Jagd auf jene, die den Cum-Ex-Betrug aufgedeckt hätten. „Hinter einem formal korrekten Erscheinungsbild steht die Auftragsjustiz der heimischen Finanzindustrie“, sagt er. „Das ist Strafjustiz, Einschüchterung, jeder Europäer soll wissen, dass er ins Gefängnis kommt, wenn er Fehlverhalten einer Schweizer Bank aufdeckt.“

Er habe sich nicht strafbar gemacht – und auch Josef Talheimer nicht. „Es ging um die Aufdeckung von Straftaten, und es ging um die Durchsetzung begründeter Schadenersatzansprüche“, sagt er. Das Geschäftsgeheimnis einer Bank sei nur dann geschützt, wenn sie rechtmäßig handle. Das bestätige ein Gutachten der zwei Strafrechts-Experten Martin Kilias und Daniel Jositsch. Darin schreiben sie, dass die Unterlagen der Bank Sarasin „Vorgänge über illegale Geschäftspraktiken betrafen“. Die aber seien nicht schutzfähig.

Staatsanwalt Peter Giger hält offenbar selbst wenig von den Cum-Ex-Geschäften. Als er sich in einem Brief an die Bundesanwaltschaft wendet, um diese über die laufenden Verfahren in Kenntnis zu setzen, schreibt er über Cum-Ex-Deals: „eine eher fragwürdige Finanzanlage“, die die Bank Sarasin „an sehr reiche Kunden“ vertrieben habe. „Diese fußt auf einer Steuerumgehung. Die Kunden der Bank J. Safra Sarasin AG erlitten sehr große Schäden, als der deutsche Staat die einschlägige Steuerlücke schloss.“

Josef Talheimer ist heute 51 Jahre alt. Er saß sechs Monate in Untersuchungshaft, verlor deswegen seinen Job beim Bankhaus Julius Bär. Inzwischen arbeitet er als Anwalt in einer großen deutschen Stadt. In seinen Augen wird er in der Schweiz verfolgt, weil er als Whistleblower half, das Cum-Ex-System bei Sarasin und anderen Banken aufzudecken. „Man wird Whistleblower, indem man ein Unrecht sieht, indem man – wie in meinem Fall – glasklar vor Augen Straftaten sieht, und mit aller Vorsicht zunächst und dann mit der gebotenen Deutlichkeit versucht, auf diese Missstände hinzuweisen und einfach nur ein Schulterzucken erntet.“

Die Vorgeschichte:

Oliver Schröm gehörte 2014 zu den ersten Journalisten, die auf Basis interner Unterlagen über die Cum-Ex-Geschäfte von Drogeriekönig Müller und anderen deutschen Investoren berichteten. Daraufhin geriet auch er ins Visier des Züricher Staatsanwalts Peter Giger, der ihn der Wirtschaftsspionage verdächtigte.
Oliver Schröm erreichen Sie per Email unter oliver.schroem(at)correctiv.org.
Falls Sie Hinweise haben und anonym bleiben wollen, können Sie unseren elektronischen Briefkasten nutzen. Oder schicken Sie Ihre Hinweise per Post: CORRECTIV, Singerstrasse 109, 10179 Berlin

Illustration: Vincent Burmeister
Grafik: Benjamin Schubert
Originalfotos: Karsten Raduenz

© Ivo Mayr

Euros für Ärzte

Der Doktor und sein Sponsor

Die Pharmaindustrie rühmt sich dafür, dass sie ihre Zahlungen an Ärzte und Spitäler veröffentlicht. Aber: Bei fast der Hälfte dieser Gelder bleibt intransparent, wer sie bekommt.

von Sylke Gruhnwald , , Oleg Lavrovsky , Stefan Wehrmeyer

Dieser Text erscheint auch beim Schweizer Beobachter und begleitet die Aktualisierung unserer „Euros für Ärzte“-Datenbank für die Schweiz.


Rund 155 Millionen Franken zahlten Pharmafirmen in der Schweiz im vergangenen Jahr an Ärzte, Spitäler und Gesundheitsorganisationen. Das sind gut 16 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Solche Pharmazuwendungen an Ärzte sind problematisch. Sie beeinflussen den Entscheid, welche Medikamente verschrieben werden. Das haben verschiedene Studien klar nachgewiesen. 

Die 59 in der Schweiz tätigen Pharmafirmen haben den sogenannten Pharma­Kooperations­Kodex unterzeichnet. Darin verpflichten sie sich, alle Geldzahlungen an medizinisches Personal und Einrichtungen offenzulegen. Mit diesem Kodex kamen sie einer gesetzlichen Regelung zuvor. Jetzt wurden die Zahlen zum zweiten Mal publiziert. 

Doch wer wissen möchte, ob sein Arzt oder sein Spital Zahlungen von der Pharma entgegengenommen hat, muss fast 60 Websites aufrufen und sich durch jede einzelne durchackern. Denn jede Firma publiziert die Zahlen für sich. Aus diesem Grund hat der Beobachter in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Konsumentenschutz und dem deutschen Recherchezentrum CORRECTIV alle Zahlen, Namen und Bezeichnungen zusammengetragen. In der Datenbank kann man die Schweizer Zahlen ab sofort nachschlagen. 

Ärzte kassieren Millionen

9,4 Millionen Franken flossen 2016 direkt an insgesamt fast 5.000 Ärzte in der Schweiz. Novartis, Pfizer, Roche & Co. zahlten etwa Gebühren für Fachtagungen oder übernahmen Reise­- und Übernachtungskosten sowie andere Spesen. Geld gab es auch, wenn Ärzte als Referenten auftraten oder Pharmafirmen beraten haben – zum Beispiel in einem sogenannten Advisory Board, einem Beirat. 

Wie viele Ärzte an der Transparenzoffensive mitmachen und die Pharmagelder veröffentlichen lassen, ist allerdings unklar. Die Industrie regelt das so kompliziert, dass es nicht rekonstruiert werden kann. Bekannt ist nur, dass zusätzlich 4,6 Millionen Franken an geschätzt 3.500 namentlich nicht genannte Ärzte fließen. Sie weigerten sich, mit ihren Namen zu den Geldern zu stehen. 

Rund ein Viertel der Ärzte wollten ihren Namen geheimhalten, sagt der Branchenverband Scienceindustries. Die Auswertungen des Beobachters und des Konsumentenschutzes legen aber den Schluss nahe, dass dieser Anteil höher ist. Demnach dürfte fast jeder dritte Arzt nicht mit seinem Namen dazu stehen, dass er von der Pharmaindustrie Geld nimmt. 

Jürg Granwehr, Leiter Pharma bei Scienceindustries, zieht trotzdem ein positives Fazit: „Was den Anteil der Zuwendungsempfänger betrifft, die ihren Namen veröffentlichen, stellen wir eine positive Entwicklung fest. Trotzdem sind wir noch nicht flächendeckend am Ziel. Nach wie vor müssen wir Überzeugungsarbeit leisten.“ 

Sponsorengelder für Institutionen

Der grösste Teil der Gelder – 92 Millionen Franken – ging aber an Spitäler sowie an Organisationen wie Ärztenetzwerke, Weiterbildungsveranstalter oder Patientenorganisationen. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte Sponsorengelder. Wofür sie genau eingesetzt wurden und wer im Einzelnen davon profitiert hat, ist nicht klar. Immerhin sind bei 4.148 Zahlungen die Institutionen namentlich aufgeführt. In mehr als 900 Fällen aber haben Organisationen verhindert, dass ihr Name publik wird. 

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Das führt teils zu skurrilen Situationen. So legt Pfizer Sponsorenbeiträge an Spitäler und Institutionen im Umfang von mehr als drei Millionen Franken nur anonymisiert offen. Und der Schweizer Ableger der Pharmafirma Servier zahlte einer nicht bekannten Institution 123.394 Franken Reisekosten und Übernachtungsspesen. Ob für eine oder mehrere Personen, ist unbekannt. 

Mit Transparenz hat das wenig zu tun. Das findet auch Walter Reinhart, ehemaliger Chefarzt des Kantonsspitals Graubünden. „Wenn die Reisespesen das Zehnfache des Vortragshonorars betragen, wirft das Fragen auf“, sagt der Vorsitzende der Kommission Zusammenarbeit Ärzteschaft – Industrie der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Er engagiert sich seit vielen Jahren für mehr Transparenz. Trotzdem will Reinhart der Selbstregelung der Pharmaindustrie die Chance zugestehen, sich zu verbessern. Er erwarte grundsätzlich vollständige Transparenz, sagt er. Aber: „Wenn sich der Anteil der offengelegten Zahlungen nicht verbessert, wird die Transparenz­initiative zur Alibiübung.“ 

Leidiges „Forschungsgeheimnis“

Die Pharmaindustrie macht nur halbherzig mit. Nur bei rund 85 der 155 Pharmamillionen legt sie die Empfänger offen. Denn in den Listen der Industrie gibt es neben den anonym ausgewiesenen Geldern für Ärzte und Gesundheitseinrichtungen eine weitere Rubrik: „Forschung und Ent­wicklung“. Darunter fallen 48,7 Millionen Franken, die an nicht namentlich bekannte Spitäler, Organisationen und Institutionen geflossen sind. 

Bei der Pharmabranche heisst es dazu, man könne das wegen des Forschungsgeheimnisses nicht einzeln offenlegen. Unter „Forschung und Entwicklung“ fallen aber nicht nur klinische Studien, sondern auch die für Marketingzwecke gern benutzten ärztlichen „Erfahrungsberichte“ oder „Anwendungsbeobachtungen“ – sprich: unwissenschaftliche Erhebungen. 

Dabei erkundigen sich die Ärzte bei ihren Patienten im Zuge einer Therapie nach Wohlbefinden und Nebenwirkungen. Was die Patienten nicht wissen: Den Fragebogen liefert die Pharmafirma, der Arzt wird entschädigt. Wie viel Geld in wissenschaftliche Studien und wie viel in Marketingerhebungen fließt, verschweigen die Pharmafirmen. 

Auch wenn Zuwendungen an Institute und Organisationen gehen, bleiben Fragen offen. Die Europäische Lungenliga (ERS, in Lausanne) etwa erhält 2,3 Millionen Franken, die Europäische Krebs­Gesellschaft (ESMO, in Lugano) gar 10,3 Millionen. Welche Ärzte profitieren letztlich davon? Werden mit diesen Geldern Kongresse und Tagungen für Ärzte vergünstigt? Oder Beratungs-­ und Referentenhonorare an Mediziner verschleiert? 

Furcht vor dem Transparenzgesetz 

Jürg Granwehr vom Branchenverband Scienceindustries sagt dazu lediglich: „Wir sehen gewisse Herausforderungen.“ Man wolle mit „adäquatem Aufwand möglichst große und verlässliche Transparenz“ schaffen. Der Branchenverband prüfe, die eigene Regelung zu  „optimieren“.

Einige Pharmafirmen beginnen umzudenken. Sie geben nur noch Gelder, wenn Ärzte und Spitäler namentlich dazu stehen. Das tun sie nicht ganz freiwillig. Im Hintergrund droht eine gesetzliche Regelung, falls mit der Selbstregulierung keine wirksame Transparenz durchsetzbar ist. Wie etwa in den USA, wo alle Pharmazuwendungen in einer zentralen Datenbank veröffentlicht werden. Einer solchen Regelung möchten Pharmafirmen in der Schweiz zuvorkommen. 

Die Stiftung für Konsumentenschutz hat eine klare Forderung. „Die Pharmafirmen müssen alle Empfänger aufführen, auch wenn diese nicht einverstanden sind“, verlangt Ivo Meli, Leiter Gesundheit. „Leider hat die Selbstregulierung zu viele Schlupflöcher.“ Deshalb müsse der Bund nun eine verbindliche Regulierung ein­führen. Intransparente Geldflüsse im Gesundheitswesen seien besonders heikel, weil nicht nur die Gesundheit von Patienten betroffen sein könne, sondern auch die Sozialkosten der Allgemeinheit.

Weitere Mitarbeit: Anina Frischknecht, Elio Bucher, Romain Ghibellini (Stiftung für Konsumentenschutz) und Datalets.ch.

© Ivo Mayr

Euros für Ärzte

Franken für Ärzte

Wie viel Geld haben Ärzte, Kliniken und andere Akteure des Gesundheitswesens von Pharmakonzernen erhalten? Ende Juni wurde dies erstmals im Detail bekannt – zumindest für einen Teil der finanziellen Verbindungen. Gemeinsam mit „Spiegel Online“ hat Correctiv die bundesweiten Daten in einer Datenbank zugänglich gemacht. Nun machen wir gemeinsam mit dem „Beobachter“ auch die Zahlungen an Schweizer Ärzte öffentlich.

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von Sylke Gruhnwald , Daniel Drepper , Christina Elmer , Stefan Wehrmeyer

Das Magazin „Beobachter“ hat die veröffentlichten Zahlungen von 59 Pharmafirmen aufbereitet, in Zusammenarbeit mit CORRECTIV und „Spiegel Online“. In unserer Datenbank können Patienten und interessierte Bürger nachschlagen, wohin im Jahr 2015 wie viel Geld geflossen ist – und wofür es gezahlt wurde.

Insgesamt gingen von den 59 Pharmaunternehmen rund 138 Millionen Franken (umgerechnet 127 Millionen Euro) an Ärzte und andere medizinische Fachleute sowie an Institutionen. Mit dem Geld wurden Honorare für Beratungen und Dienstleistungen gezahlt, Fortbildungen gesponsert und Auslagen erstattet, es wurden Reise- und Übernachtungskosten übernommen sowie Tagungs- und Teilnahmegebühren für Fortbildungen finanziert.

Gerade einmal 38 Franken hat der Pharmadienstleister Strongbones für Reisen und Übernachtungen erhalten, die gemeinnützige Organisation Excemed dagegen vier Millionen Euro. Die Spannweite der Zahlungen an Schweizer Einrichtungen, Ärzte und medizinische Fachleute ist riesig. Meist ist intransparent, wofür das Geld geflossen ist. Nur eins ist klar: Auch in der Schweiz spendieren Pharma-Firmen der Gesundheitsbranche jede Menge Reisen und Honorare. Studien zufolge kann das die Ärzte bei Ihren Entscheidungen beeinflussen.

Spitzenreiter unter den Ärzten ist der Westschweizer Krebsspezialist Matti Aapro, tätig an der Waadtländer Privatklinik Genolier. Von Novartis hat er rund 97.000 Franken an „Beratungs- und Dienstleistungskosten“ erhalten, 32.281 Franken davon für Reise und Unterkunft. Aapro reagierte auch auf mehrfache Anfragen des Beobachters nicht. Weit weniger, nämlich 13,31 Franken, hat Otsuka Pharmaceutical aus Glattbrugg einem Chefarzt der Psychiatrie Baselland an Übernachtungs- und Reisekosten bezahlt. Weder die Pharmafirma noch der Arzt konnten den Betrag auf Anfrage erklären.

Datenbank legt 63 Millionen Franken offen

Mit rund 15,5 Millionen Franken erhielten Ärzte, Apotheker und andere Fachleute des Gesundheitswesens nur einen kleinen Teil der Zahlungen. Ein weitaus größerer Anteil entfiel auf Institutionen und den Bereich Forschung und Entwicklung, der klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen umfasst. Zu dieser Kategorie enthalten die Transparenzlisten der Pharmafirmen allerdings keine detaillierten Angaben. Hier bleiben die Geldempfänger anonym. Auch in Deutschland bleibt unter Verschluss, welche Ärzte die Honorare für Anwendungsbeobachtungen bekommen – und wie viel.

Für Ärzte und Organisationen basiert die Initiative wie in Deutschland auf Freiwilligkeit. Rund 4200 Ärzte und andere medizinische Fachleute aus der Schweiz haben der namentlichen Veröffentlichung zugestimmt und damit einen Beitrag für mehr Transparenz geleistet. Zusammen haben sie 8,7 Millionen Franken von Pharmaunternehmen erhalten. Die nun veröffentlichte Datenbank zeigt diese Geldflüsse im Detail, ebenso wie die Zahlungen an medizinische Institutionen, die knapp 54 Millionen Franken umfassen.

Damit sind nun erstmals tiefe Einblicke in die finanziellen Verbindungen zwischen der Schweizer Pharmaindustrie und dem Gesundheitswesen möglich. Eine umfassende Analyse hingegen nicht, dafür haben noch zu wenige Akteure ihre Daten offengelegt. Daher endet die Suche in der Datenbank nicht selten mit offenem Ergebnis: Wer darin nicht auftaucht, hat der Veröffentlichung entweder widersprochen oder erst gar nichts erhalten. Warum in Deutschland zwei Drittel aller Ärzte und medizinischen Fachleute die Zahlungen der Pharmafirmen nicht offenlegen wollen, haben wir vor wenigen Wochen beschrieben

Correctiv.org, „Spiegel Online“ und „Beobachter“ haben die verfügbaren Daten in den vergangenen Wochen zusammengetragen, denn die versprochene Transparenz der Pharmafirmen ist bislang keine. Wer wissen will, ob sein Hausarzt oder Krankenhaus von der Pharmaindustrie Gelder für Reisen oder Kongresse erhält, musste diese Informationen bislang auf den Webseiten der Pharmafirmen zusammensuchen, in einzelnen PDFs, oft nicht einmal durchsuchbar. Deshalb haben wir diese Informationen in einer Datenbank zusammengetragen. Dort können Ärzte und Organisationen nach Namen, Ort oder Postleitzahl gefunden werden.

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Kommentar: Pseudo-Transparenz

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Ihre Geldspritze, Herr Doktor. Die 2015er-Daten aus Österreich

Gruppenbild am Strand: im Kreis stehen Fußballfunktionär Scheich Salman Alkhalifa und der mutmassliche Kreditbetrüger Ahsan Ali Syed einträchtig nebeneinander.© Screenshot www.westerngulfadvisory.com

Artikel

Wo ist der ominöse Freund des Fußball-Scheichs?

Im Februar landete der bahrainische Sportfunktionär Scheich Salman Alkhalifa bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten auf Platz zwei. Beim nächsten Mal wird er womöglich erneut kandidieren. Doch der Mann ist umstritten. Nach Recherchen von CORRECTIV und dem Schweizer Magazin „Beobachter” verbürgte sich der Scheich in seiner Heimat für einen mutmasslichen Finanzbetrüger. Den suchen Schweizer Staatsanwälte bis heute.

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von Sylke Gruhnwald , Bassel Alhamdo , Frederik Richter

Ahsan Ali Syed ist seit fast zehn Jahren ein gesuchter Mann. Zunächst standen Firmen rund um den Globus Schlange bei seiner Investmentgesellschaft „Western Gulf Advisory“ (WGA). Der indische Unternehmer bot maroden Firmen Kredite in Millionenhöhe gegen Vorausgebühr an. Doch Geld sahen viele von ihnen nie. Nachdem die Vorausgebühr bezahlt war, ließ Ali Syed nichts mehr von sich hören.

Seit mehr als fünf Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Zürich gegen den untergetauchten Ali Syed. In der Schweiz ist er zur Verhaftung ausgeschrieben. Seine Konten sind eingefroren. Sein beschlagnahmtes Vermögen soll an die Gläubiger verteilt werden. Wo aber steckt Ali Syed?

Eine Spur führt in den kleinen Inselstaat Bahrain zu Fußballfunktionär Scheich Salman Al Khalifa. Der unterlag bei der Wahl zum Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa am 26. Februar 2016 seinem Rivalen Gianni Infantino nur knapp und landete auf Platz zwei. Salman ist als Präsident der Asiatischen Konföderation (AFC) und Vize-Präsident der Fifa weiterhin einer der mächtigen Funktionäre im Fußball. Ein neuer Versuch, bei der nächsten Wahl doch noch Fifa-Chef zu werden, ist nicht ausgeschlossen. Im Weg stehen könnte allerdings sein bisher nicht beachteter Einsatz für den mutmasslichen Kreditbetrüger Ahsan Ali Syed.

Privatjets, Pferde und Personenschützer

Salman ist ein Cousin des Königs von Bahrain. Die Königsfamilie der Alkhalifas dominiert Politik und Wirtschaft. Bahrain zählt neben Dubai zu den wichtigsten Finanzzentren im Nahen Osten. Schon einige Betrüger konnten von den glitzernden Bürotürmen der Hauptstadt Manama aus ihre Unwesen treiben. Auch für Ali Syed stellte Bahrain einen sicheren Ort dar, vermutlich bis heute.

Ali Syed taucht etwa 2008 in Bahrain auf. Am 11. Februar des Jahres wird seine Investmentfirma WGA im dortigen Handelsregister angemeldet. Sieben Monate später gründet er einen Schweizer Ableger.

Öffentlichkeitswirksam inszeniert sich Ali Syed als solventer und spendabler Milliardär. Mit seinem Privatjet pendelt er zwischen Bahrain und dem Kanton Zug in der Schweiz, begleitet von Personenschützern. Er gibt vor, Pferdeliebhaber zu sein, wie viele Mächtige in der Golfregion; das Unternehmenslogo seiner „Western Gulf Advisory“ ziert ein Pferdekopf.

Sein bestes Argument aber ist sein vermeintlicher Reichtum: Im WGA-Geschäftsbericht von 2009 schreibt Ali Syed, 850 Millionen Dollar stünden für Investitionen bereit. Die Staatsanwaltschaft in Zürich geht von folgender Masche aus: Er bietet verzweifelten Unternehmern Kredite in Millionenhöhe an – und verlangt dafür eine Vorausgebühr. Zahlreiche Firmen von Australien bis Brasilien überweisen die verlangte Gebühr auf WGA-Konten bei der Credit Suisse in Zürich. Den Kredit bekommen viele aber nie ausgezahlt. Die Verluste der Opfer sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen, schätzen die Schweizer Ermittler.

In Europa stilisiert sich Ali Syed derweil als Retter maroder Fußballclubs. Im Sommer 2010 versucht er, den englischen Premier-League-Club Blackburn Rovers für rund 300 Millionen Pfund zu übernehmen.

2010 will Ali Syed den britischen Fussballclub Blackburn Rovers kaufen

Doch die BBC recherchiert und veröffentlicht am 30. August 2010 einen Bericht über die mangelnde Kreditwürdigkeit Syeds. Die Journalisten listen unbezahlte Strafzettel, Steuer- und Mietschulden auf, die seit seinem Umzug nach Großbritannien im Jahr 2001 aufgelaufen sind. Das aufwändig geschaffene Hochglanz-Image bekommt Risse. Der Deal mit den Blackburn Rovers platzt im Oktober.

Daraufhin versucht Ali Syed sein Glück in Spanien. Im Januar 2011 erhält er den Zuschlag, den Fußballverein Racing Santander zu übernehmen. Die Fans feiern ihn bei seinem ersten Besuch im Stadion. Doch der sportliche Erfolg bleibt aus: Ende der Saison 2011/12 steigt der Fußballclub ab. Die Spieler können nicht mehr bezahlt werden. Ein Gericht in Spanien spricht den Verein später wieder den vorherigen Besitzern zu.

Zur gleichen Zeit beginnen Ali Syeds Gläubiger, ihr Geld zurückzufordern. Unterstützung finden sie in dem neuseeländische Privatdetektiv Mark van Leewarden. Der tönt im April 2011 in der Presse, dass im Auftrag seiner Klienten die Konten der WGA bei der Credit Suisse in Zürich eingefroren seien. Im Mai 2011 meldet die Credit Suisse einen Geldwäscheverdacht an die Schweizer Behörden. Die Staatsanwaltschaft Zürich nimmt die Ermittlungen gegen Ali Syed auf. Der Fall zählt zu einem der ältesten Fälle auf dem Schreibtisch von Staatsanwalt Marcel Scholl: „Opfer von Ali Syed finden sich auf der ganzen Welt verstreut. Das erschwert unsere Ermittlungsbemühungen massiv.“

Der Trick mit der Vorausgebühr

Einer, der gegen Ali Syed öffentlich auftritt, ist der australische Immobilienunternehmer Keith Johnson. In der Hoffnung auf einen Kredit von Ali Syed überwies er eine Vorausgebühr in Höhe von 3,6 Millionen Dollar, ohne danach den versprochenen Kredit zu erhalten. Im Dezember 2011 entscheidet ein privates Schiedsgericht in Bahrain immerhin, dass Ali Syed die Vorausgebühr an den Immobilienunternehmer zurück zahlen muss. Begleitet von Berichten in der internationalen Presse reist Johnson Anfang 2012 nach Bahrain, um auch den dortigen Strafverfolgern Papiere zu übergeben.

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Stolz präsentiert Ahsan Ali Syed das Trikot der Fußballnationalmannschaft Bahrains mit dem Logo seiner Firma.

Quelle: Screenshot von www.westerngulfadvisory.com

Just in dem Moment, als die Gläubiger Ali Syed in Bahrain unter Druck setzen, stellt sich Fußballfunktionär Scheich Salman öffentlich auf seine Seite. Im April 2012 veröffentlicht die staatliche Nachrichtenagentur „Bahrain News Agency“ (BNA) ein Loblied Salmans auf Ali Syed. Man habe „volles Vertrauen“ in dessen Firma WGA. Außerdem lobte er Ali Syeds Bemühungen um den bahrainischen Fussball. Die Einlassung Salmans wirkt wie eine wohl platzierte Botschaft an Kunden und Geschäftspartner: man werde weiter mit Ali Syed arbeiten. „Wir wollen noch stärker mit WGA arbeiten, an Sponsoring in anderen Feldern arbeiten und noch größere Partnerschaften eingehen“, heißt es in der staatlichen Nachrichtenagentur.

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Die herrschenden Alkhalifas kontrollieren in Bahrain den Sport, die Mitglieder der Königsfamilie leiten die wichtigsten Verbände. Ali Syed stützte dieses System, indem seine Firma die Sportprojekte der königlichen Familie förderte. Unter anderem sponserte er die bahrainische Fußballnationalmannschaft. Bei Pferderennen mit den Königlichen, Besuchen bei Autorennen auf der bahrainischen Formel-1-Strecke, beim Beachsoccer am Strand – Ali Syed lässt keine Gelegenheit aus, seine Nähe zur Herrscherfamilie zu dokumentieren.

Es gibt ein Gruppenfoto aus dem Jahr 2010: Darauf legt Scheich Salman wohlwollend den Arm auf Ali Syeds Schulter. Auch dieses Bild veröffentlichte seine Firma WGA  stolz auf der Unternehmenswebseite. Und in Anzeigen von Flug-Magazinen rühmt sich WGA, man sei ein „zuverlässiger Berater für königliche Individuen und Familien“. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP lässt sich Ali Syed zitieren mit den Worten: „Ich bin stolz auf Bahrain. Ich bin stolz auf die Herrscherfamilie. Sie machen einen Superjob und Bahrain ist so stabil wie Spanien.“ Das ist im März 2011. Zu diesem Zeitpunkt hat der Arabische Frühling Bahrain längst erreicht. Demonstranten ziehen durch die Straßen und werden niedergeschossen. Dass Menschenrechte und Pressefreiheit in Bahrain nichts zählen, störte den windigen Unternehmer nicht.

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Ali Syeds Firma präsentierte sich gern als zuverlässiger Partner von Königsfamilien.

Screenshot www.westerngulfadvisory.com

Noch im Sommer 2012 treten Mitglieder der Königsfamilie öffentlich mit Ali Syed auf – zu einem Zeitpunkt als gegen Ali Syed auch in Bahrain schon Gläubiger bei Gericht Ansprüche angemeldet haben. So kommt Scheich Salman zu einer Feier, auf der Ali Syed den Erfolg des von ihm gesponserten Fußballvereins Muharraq feiert – der hat soeben die Champions League der Golfstaaten gewonnen.

Der australische Unternehmer Johnson rechnet inzwischen nicht mit einer Wiedergutmachung, weil noch heute Bahrain schützend seine Hand über Ali Syed hält: „Uns wurden Gelder zugesprochen, aber die Regierung Bahrains hat verhindert, dass wir sie mitnehmen konnten. Ich glaube, kein Gläubiger kann Geld aus Bahrain herausbekommen.“

Fifa-Vize Scheich Salman schweigt zu konkreten Fragen

Scheich Salman wollte gegenüber CORRECTIV Fragen über seine Beziehung zu dem mutmasslichen Betrüger nicht konkret beantworten. Die bahrainische Regierung reagierte nicht auf schriftliche Anfragen zu dem Fall.

Bis heute findet sich Ali Syed auf freiem Fuß. Als er am 9. Juli 2013 seinen Wohnsitz in der Schweiz offiziell abgemeldet hat, hinterließ er eine Adresse in Bahrain. Die Staatsanwaltschaft Zürich will ein Rechtshilfegesuch an Bahrain stellen. 

Viele vermuten, dass sich Ali Syed wegen seiner exzellenten Verbindungen zur Königsfamilie bis heute in Bahrain aufhält. Die Nachrichtenagentur BNA erwähnte ihn noch im März 2015 als Besitzer eines Rennpferdes. Überprüfen lässt sich das nicht, denn Bahrain lässt kaum ausländische Journalisten ins Land. Die Alkhalifas wollen sich bei ihren Geschäften nicht auf die Finger schauen lassen. Ganz wie die Fifa.

Die Recherche erscheint gleichzeitig bei unserem Kooperationspartner, dem Schweizer Magazin „Der Beobachter“.

Mitarbeit: Stefan Wehrmeyer, Giulio Rubino