Euros für Ärzte

Franken für Ärzte

Wie viel Geld haben Ärzte, Kliniken und andere Akteure des Gesundheitswesens von Pharmakonzernen erhalten? Ende Juni wurde dies erstmals im Detail bekannt – zumindest für einen Teil der finanziellen Verbindungen. Gemeinsam mit „Spiegel Online“ hat Correctiv die bundesweiten Daten in einer Datenbank zugänglich gemacht. Nun machen wir gemeinsam mit dem „Beobachter“ auch die Zahlungen an Schweizer Ärzte öffentlich.

von Sylke Gruhnwald , Daniel Drepper , Christina Elmer , Stefan Wehrmeyer

© Ivo Mayr

Das Magazin „Beobachter“ hat die veröffentlichten Zahlungen von 59 Pharmafirmen aufbereitet, in Zusammenarbeit mit CORRECTIV und „Spiegel Online“. In unserer Datenbank können Patienten und interessierte Bürger nachschlagen, wohin im Jahr 2015 wie viel Geld geflossen ist – und wofür es gezahlt wurde.

Insgesamt gingen von den 59 Pharmaunternehmen rund 138 Millionen Franken (umgerechnet 127 Millionen Euro) an Ärzte und andere medizinische Fachleute sowie an Institutionen. Mit dem Geld wurden Honorare für Beratungen und Dienstleistungen gezahlt, Fortbildungen gesponsert und Auslagen erstattet, es wurden Reise- und Übernachtungskosten übernommen sowie Tagungs- und Teilnahmegebühren für Fortbildungen finanziert.

Gerade einmal 38 Franken hat der Pharmadienstleister Strongbones für Reisen und Übernachtungen erhalten, die gemeinnützige Organisation Excemed dagegen vier Millionen Euro. Die Spannweite der Zahlungen an Schweizer Einrichtungen, Ärzte und medizinische Fachleute ist riesig. Meist ist intransparent, wofür das Geld geflossen ist. Nur eins ist klar: Auch in der Schweiz spendieren Pharma-Firmen der Gesundheitsbranche jede Menge Reisen und Honorare. Studien zufolge kann das die Ärzte bei Ihren Entscheidungen beeinflussen.

Spitzenreiter unter den Ärzten ist der Westschweizer Krebsspezialist Matti Aapro, tätig an der Waadtländer Privatklinik Genolier. Von Novartis hat er rund 97.000 Franken an „Beratungs- und Dienstleistungskosten“ erhalten, 32.281 Franken davon für Reise und Unterkunft. Aapro reagierte auch auf mehrfache Anfragen des Beobachters nicht. Weit weniger, nämlich 13,31 Franken, hat Otsuka Pharmaceutical aus Glattbrugg einem Chefarzt der Psychiatrie Baselland an Übernachtungs- und Reisekosten bezahlt. Weder die Pharmafirma noch der Arzt konnten den Betrag auf Anfrage erklären.

Datenbank legt 63 Millionen Franken offen

Mit rund 15,5 Millionen Franken erhielten Ärzte, Apotheker und andere Fachleute des Gesundheitswesens nur einen kleinen Teil der Zahlungen. Ein weitaus größerer Anteil entfiel auf Institutionen und den Bereich Forschung und Entwicklung, der klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen umfasst. Zu dieser Kategorie enthalten die Transparenzlisten der Pharmafirmen allerdings keine detaillierten Angaben. Hier bleiben die Geldempfänger anonym. Auch in Deutschland bleibt unter Verschluss, welche Ärzte die Honorare für Anwendungsbeobachtungen bekommen – und wie viel.

Für Ärzte und Organisationen basiert die Initiative wie in Deutschland auf Freiwilligkeit. Rund 4200 Ärzte und andere medizinische Fachleute aus der Schweiz haben der namentlichen Veröffentlichung zugestimmt und damit einen Beitrag für mehr Transparenz geleistet. Zusammen haben sie 8,7 Millionen Franken von Pharmaunternehmen erhalten. Die nun veröffentlichte Datenbank zeigt diese Geldflüsse im Detail, ebenso wie die Zahlungen an medizinische Institutionen, die knapp 54 Millionen Franken umfassen.

Damit sind nun erstmals tiefe Einblicke in die finanziellen Verbindungen zwischen der Schweizer Pharmaindustrie und dem Gesundheitswesen möglich. Eine umfassende Analyse hingegen nicht, dafür haben noch zu wenige Akteure ihre Daten offengelegt. Daher endet die Suche in der Datenbank nicht selten mit offenem Ergebnis: Wer darin nicht auftaucht, hat der Veröffentlichung entweder widersprochen oder erst gar nichts erhalten. Warum in Deutschland zwei Drittel aller Ärzte und medizinischen Fachleute die Zahlungen der Pharmafirmen nicht offenlegen wollen, haben wir vor wenigen Wochen beschrieben

Correctiv.org, „Spiegel Online“ und „Beobachter“ haben die verfügbaren Daten in den vergangenen Wochen zusammengetragen, denn die versprochene Transparenz der Pharmafirmen ist bislang keine. Wer wissen will, ob sein Hausarzt oder Krankenhaus von der Pharmaindustrie Gelder für Reisen oder Kongresse erhält, musste diese Informationen bislang auf den Webseiten der Pharmafirmen zusammensuchen, in einzelnen PDFs, oft nicht einmal durchsuchbar. Deshalb haben wir diese Informationen in einer Datenbank zusammengetragen. Dort können Ärzte und Organisationen nach Namen, Ort oder Postleitzahl gefunden werden.

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