von Jacques Pezet

Laut einem Artikel von der Website „Countdown News“, der hunderte Male auf Facebook geteilt wird, will die Europäische Union „ab 2018 das Bargeld komplett abschaffen“. Als Quelle dieser Information nennt der Text „interne Papiere (…), die offenbar bereits von Kommissionspräsident Juncker abgesegnet worden sind“.

„Countdown News“ hat den Artikel eigentlich nicht selbst geschrieben, sondern Teile eines schon im April 2015 verfassten Textes von der Website „MMnews.de“ kopiert. Im Impressum von Countdown News steht das Folgende: „Der Autor/Inhaber (der Seite) übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen.“

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Im Gegensatz zu beispielsweise den Schweden, die lieber mit Kreditkarte bezahlen, hängen die Deutschen immer noch an ihrem Bargeld. Sie müssen sich aber noch keine Sorgen machen, weil Bargeld nicht ab Januar 2018 verboten sein wird. Eigentlich werden sogar noch mehr Banknoten in Umlauf kommen. In einer Pressemitteilung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom 4. April 2017, damals führte die EZB die neuen 50-Euro-Geldscheine mit dem Porträt der Europa ein, teilte sie auch mit, dass die „neue 100-€- und 200-€-Banknoten  Anfang 2019 eingeführt“ werden. Und jeder Kalender zeigt: „Anfang 2019“ kommt nach dem 1. Januar 2018… 

Was aber tatsächlich langsam verschwinden soll, sind die 500 Euro-Scheine. Wie die EZB schon im Mai 2016 erklärt hat, wird die Ausgabe des 500-Euro-Scheins „gegen Ende des Jahres 2018 mit der geplanten Einführung der 100-€- und 200-€-Banknoten der Europa-Serie eingestellt. Die anderen Stückelungen – von 5 € bis 200 € – werden beibehalten.“

Fazit: Das Bargeld in der EU wird nicht ab Januar 2018 verboten. Neue Euroscheine sollen sogar Anfang 2019 im Umlauf kommen.

Unsere Bewertung:
Lüge

Screenshot des Videos
„Teilt dieses Video in Deutschland“, fordert die Frau und behauptet, selbst in Italien zu sein. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Video gibt eine Frau, die selbst sagt, sie sei in Italien, Anweisungen an Menschen in Deutschland, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Manche Hinweise sind sinnvoll, sie werden jedoch vermischt mit teils irreführenden Tipps. 

Die blonde Frau trägt eine Schutzmaske um den Hals und filmt sich selbst: „Ich mach jetzt das Video, weil wir haben jetzt hier in Italien ein totes Kind von vier Monaten“, sagt sie aufgeregt. Sie wolle ja keine Panik verbreiten, aber: „Die sterben hier wie die Fliegen.“ Das Video wird laut Hinweisen, die Leser CORRECTIV gesandt haben, aktuell auf Whatsapp verbreitet. Auf Facebook wurde es bereits mehr als 22.000 Mal geteilt. 

Die unbekannte Frau fordert Menschen auf, starke Desinfektionsmittel zu kaufen, Kleinkinder zu Hause zu lassen und aufzuhören, Toilettenpapier zu hamstern. Das ist nicht falsch. Sie gibt in dem Video aber auch einige konkrete Handlungsanweisungen mit alarmierenden Behauptungen über das Coronavirus. Am Schluss fordert sie: „Ich möchte, dass ihr das Video jetzt teilt, so weit wie es geht innerhalb Deutschlands.“

CORRECTIV hat die Behauptungen der Frau über das Virus überprüft: Sie sind überspitzt, teilweise unbelegt oder irreführend. 

1. Behauptung: Kleidung und Schuhe sollte man draußen ausziehen und sofort waschen – mit Wäschedesinfektionsmittel.

Wäschedesinfektionsmittel schadet zwar vielleicht nicht, ist aber nicht nötig. Wie uns das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) per E-Mail mitgeteilt hat, sind Coronaviren von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt, deshalb reagieren sie empfindlich auf fettlösende Substanzen, die in Waschmitteln enthalten sind. „Im normalen Alltag können Personen in Privathaushalten ihre Wäsche wie gewohnt waschen.“ 

Für den Umgang mit Textilien im Falle einer Erkrankung rät das BfR: „Kleidung, Bettwäsche, Unterwäsche, Handtücher, Waschlappen von Erkrankten sowie Textilien, die mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, sollten bei einer Temperatur von mindestens 60°C in der Waschmaschine mit einem Vollwaschmittel gewaschen und gründlich getrocknet werden. Beim Umgang mit Wäsche von Erkrankten sollte der direkte Kontakt von Haut und Kleidung mit kontaminierten Materialien vermieden werden, die Wäsche nicht geschüttelt und im Anschluss die Hände gründlich gewaschen werden.“

2. Behauptung: Das Virus haftet bis zu neun Stunden am Boden.

Diese Aussage ist unbelegt. Es ist noch unklar, wie lange das neuartige Coronavirus auf Oberflächen überleben kann. Das BfR informiert auf seiner Webseite, die Stabilität des Virus hänge ab von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Beschaffenheit der Oberfläche. „Im Allgemeinen sind humane Coronaviren nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. In der Regel erfolgt die Inaktivierung in getrocknetem Zustand innerhalb von Stunden bis einigen Tagen.“ 

Für SARS-CoV-2 zeigten erste Laboruntersuchungen, dass es „nach starker Kontamination bis zu drei Stunden als Aerosol, bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu zwei bis drei Tage auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann“. Von Fußböden ist nicht die Rede. Die Studie ist zudem noch nicht durch ein Peer-Review-Verfahren, also durch andere Wissenschaftler, überprüft worden.

3. Behauptung: Das Virus wird auch über den Wind übertragen. Deshalb sollte man nie ohne Schutzmaske und Sonnenbrille aus dem Haus gehen.

Diese Aussage erweckt den falschen Eindruck, dass es vor allem gefährlich sei, sich draußen aufzuhalten. Wie der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast mehrfach erklärt hat, besteht jedoch eine größere Ansteckungsgefahr mit infizierten Personen in geschlossenen Räumen. 

Wenn jemand huste oder niese, würden feine Tröpfchen in der Luft stehen, erklärt Drosten. Die Reichweite betrage etwa zwei Meter. Die „kleine Virus-Wolke in der Luft“ falle in etwa fünf Minuten zu Boden. „Und wenn man durch diese Wolke in diesen fünf Minuten durchläuft und die eingeatmet hat, dann wird man sich mit einiger Wahrscheinlichkeit infizieren.“ (Podcast vom 27. Februar)

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Die Situation in geschlossenen Räumen spiele deshalb eine größere Rolle, weil sich draußen das, was man ausatme, stark verdünne „und es verdünnt sich dann natürlich auch das Virus. Außerdem hat man ja fast immer ein kleines bisschen Wind.“ (Podcast vom 23. März) Sich im Freien anzustecken ist deshalb laut Christian Drosten eher unwahrscheinlich: „Das ist nicht so, dass man sich beim Spazierengehen infiziert, wenn man sich begegnet. Das ist nicht so, dass da draußen jetzt irgendwo Virus in entscheidender Konzentration in der Luft steht.“ (Podcast vom 13. März)

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt uns: „Eine Übertragung durch die Luft ohne Tröpfchen ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens unwahrscheinlich.“ 

Laut WHO sollte man eine Schutzmaske vor allem dann tragen, wenn man selbst hustet oder niest. Die Tröpfcheninfektion ist laut Robert-Koch-Institut der häufigste Übertragungsweg des Virus. Theoretisch sei auch eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Brillen zu tragen ist also nicht falsch. Wie Masken sind sie aber völlig nutzlos, wenn man sich nicht regelmäßig die Hände wäscht. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die Aussagen sind stark zugespitzt. Die Behauptungen über den Verbreitungsweg und die Lebensdauer des Virus sind irreführend oder unbelegt. 

Beatmungsgerät im Krankenhaus
In der Sprachnachricht wird behauptet, nur junge Menschen hätten weltweit einen Anspruch auf einen Beatmungsplatz. Das ist falsch. (Symbolbild: Roland Weihrauch / dpa)

von Alice Echtermann

In einer Sprachnachricht werden mehrere falsche Behauptungen über das Coronavirus verbreitet: Es sei nicht natürlichen Ursprungs, Vitamin-D-Mangel und 5G-Mobilfunkstrahlen wären Schuld an schweren Erkrankungen und sehr alte Patienten würden gemäß „weltweiter Regeln“ nicht mehr behandelt. Das alles ist falsch. 

In einer mehr als elf Minuten langen Sprachnachricht berichtet eine unbekannte Frau einer angeblichen Bekannten namens „Claudi“ von ihren Erkenntnissen über das Coronavirus, die sie bei ihrer Arbeit in einer alternativmedizinischen Zahnklinik in der Schweiz gewonnen habe. Die Frau bittet darum, den Blog der Klinik, „swiss-biohealth.com“, zu lesen und stellt zahlreiche falsche Behauptungen über SARS-CoV-2 auf. 

Auf der Webseite von Swiss Biohealth steht dieser Hinweis dazu: „Derzeit kursieren Fake-News in Form einer Sprachnachricht, welche angeblich in unserem Namen verbreitet werden oder unsere Meinung widerspiegeln sollen. Wir distanzieren uns von allen News, welche subjektive Meinungen im Zusammenhang mit der Swiss Biohealth AG oder SDS Swiss Dental Solutions AG zum Inhalt haben.“  

CORRECTIV hat die Behauptungen der Frau einzeln überprüft. 

1. Behauptung: Alle schwerkranken Covid-19-Patienten hatten Vitamin-D-Mangel. Man sollte hohe Dosen Vitamin D und Vitamin C zu sich nehmen. 

Die Frau behauptet, eine Behandlung mit Vitamin D, Vitamin C und Kortison würde „das Immunsystem hochziehen“, so dass eine Chance bestehe, die Infektion mit dem Coronavirus zu überleben. Deshalb sollten alle Vitamin D zu sich nehmen, und zwar „mindestens die dreifache empfohlene Tagesdosis“. 

Diese Hinweise sind irreführend und vermitteln falsche Hoffnungen. 

Wir konnten bei unserer Recherche keinerlei zuverlässige Quellen finden für die Behauptung, alle schwerkranken Covid-19-Patienten hätten einen Vitamin-D-Mangel gehabt. Auf unsere Anfrage schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) per E-Mail, auch dort habe man keine Kenntnis darüber. „Da SARS-CoV-2 erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keine Studien, die untersucht haben, ob eine Vitamin-D-Supplementierung vor einer Infektion mit diesem Virus schützt. Fallberichte weisen darauf hin, dass die chronisch sehr hohe Einnahme von Vitamin-D über Präparate ohne ärztliche Kontrolle gesundheitliche Risiken bergen kann.“

Laut Robert-Koch-Instituts (RKI) ist Vitamin-D-Mangel in Deutschland recht verbreitet: 45,6 Prozent der Kinder und 56 Prozent der Erwachsenen seien nicht ausreichend damit versorgt (Stand: Januar 2019). Vor allem in den Wintermonaten, da 80 bis 90 Prozent des Vitamin D in der Haut gebildet werden, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Das heißt aber nicht, dass Menschen wegen dieses Mangels an Covid-19 erkranken. Wir haben zudem bereits in einem anderen Faktencheck recherchiert, dass es auch keine Belege dafür gibt, dass Vitamin C Viren abtöten kann. 

Es gibt laut WHO bisher weder ein Heilmittel noch eine Impfung gegen das Coronavirus. Auch wenn Vitamine grundsätzlich helfen, das menschliche Immunsystem zu stärken, sollte man nicht zu viel davon einnehmen. Die Verbraucherzentrale warnt aktuell auf ihrer Webseite davor, zu hohe Dosen Vitamin D zu sich zu nehmen. „Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) verhindern können. Nahrungsergänzungsmittel dienen auch nicht der Behandlung von Erkrankungen.“ 

Hinweis der Verbraucherzentrale
Warnung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor der Einnahme von zu viel Vitamin D. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät dazu, nicht mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag zu sich zu nehmen. Die Obergrenze von 100 Mikrogramm pro Tag sollte nicht überschritten werden, sonst könnten Nebenwirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. 

2. Behauptung: Kinder sind „außen vor“, weil die Rezeptoren, bei denen die Viren ansetzen, noch nicht entwickelt sind. 

Die Andeutung, dass Jugendliche oder Kinder nicht gefährdet seien, ist falsch. Richtig ist nach aktuellem Stand allerdings, dass Kinder offenbar seltener an Covid-19 erkranken. Es gibt bisher keine Belege, dass der Grund dafür nicht entwickelte Rezeptoren sind. 

Das RKI schreibt: „Bisherigen Daten zufolge ist die Symptomatik von Covid-19 bei Kindern deutlich geringer ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Zum tatsächlichen Beitrag von Kindern und Jugendlichen an der Transmission in der Bevölkerung liegen keine Daten vor. Aufgrund der hohen Kontagiosität des Virus und dem engen Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen untereinander erscheint es jedoch plausibel, dass Transmissionen stattfinden.“ 

In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI: „An Covid-19 können alle Menschen in Deutschland erkranken, unabhängig vom Alter und unabhängig vom Gesundheitszustand […].“ Auch jüngere und gesunde Menschen könnten sehr schwer erkranken oder sterben, betonte er (ab Minute 7:50). 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Wissenschaftler haben in einer kürzlich veröffentlichten, noch nicht abschließend bewerteten Untersuchung von 391 SARS-CoV-2-Fällen in Shenzhen (China) herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Kindern genauso hoch sei wie bei Erwachsenen. Und eine Auswertung von Fällen in China im Journal Pediatrics kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Kinder auch erkranken können: „Obwohl klinische Manifestationen der Covid-19-Fälle bei Kindern generell weniger schwer waren als bei erwachsenen Patienten, waren junge Kinder, insbesondere Kleinkinder, anfällig für eine Infektion.“

Warum Kinder seltener schwer erkranken, ist unklar. Einer der Gründe könnte sein, dass sie weniger ACE2-Rezeptoren in ihren unteren Atemwegen haben, vermutet James Diaz, Professor an der New Orleans School of Public Health, laut einem Artikel von Science Daily. Es gibt aber auch laut Medienberichten noch andere mögliche Erklärungen, zum Beispiel, dass Kinder häufiger anderen Arten von Coronaviren ausgesetzt sind, oder dass ihr Immunsystem bei einer Infektion nicht so leicht überreagiert. 

3. Behauptung: Das aktuelle Coronavirus ist eine Mutation, die nicht natürlich entstanden sein kann. 

Für diese Spekulation gibt es keinen Beleg. Die Frau in der Sprachnachricht behauptet, das RKI habe diese „unnatürliche Mutation“ bestätigt – im RKI-Steckbrief zu SARS-CoV-2 steht jedoch nichts davon. Auf die Presseanfrage von CORRECTIV erteilte das RKI keine Auskunft.

Eine große Gruppe von Wissenschaftlern – darunter auch der deutsche Virologe Christian Drosten – hat jedoch bereits am 19. Februar im Journal The Lancet ein Statement veröffentlicht und darin betont, die „Verschwörungstheorien“, dass das Virus keinen natürlichen Ursprung habe, seien haltlos. Sie würden nur Angst, Gerüchte und Vorurteile schüren. 

„Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben das Genom des Virus SARS-CoV-2 analysiert und veröffentlicht, und sie kommen mit überwältigender Mehrheit zu dem Schluss, dass dieses Coronavirus seinen Ursprung in der Natur hat, wie so viele andere Erreger“, heißt es in dem Artikel von The Lancet. Die Wissenschaftler nennen als Quellen mehrere Studien und fordern auch dazu auf, Unterstützung für ihr Statement durch eine Online-Unterschrift zu bekunden. Die Petition wurde bereits mehr als 18.600 Mal unterschrieben.  

4. Behauptung: Das Virus ist nicht wärmeempfindlich, deshalb werden die Infektionen im Frühjahr und Sommer nicht abnehmen. 

Wenn man die „Temperaturempfindlichkeit“ nur auf das Wetter bezieht, stimmt die Behauptung im Wesentlichen überein mit Prognosen von Experten: Wärmeres Wetter allein wird das Virus vermutlich nicht aufhalten. 

Professor Marc Lipsitch vom Center for Communicable Disease Dynamics (Harvard T.H. Chan School of Public Health), schrieb in einem Artikel: „Die kurze Antwort ist, dass wir eine moderate Verringerung der Ansteckungsrate von SARS-CoV-2 bei wärmerem, feuchterem Wetter erwarten können […].“ Man könne jedoch nicht davon ausgehen, dass diese allein die Ausbreitung stoppt. Denn das Virus sei neu und es gebe keine Immunität in der Bevölkerung. 

Die WHO hat ebenfalls bereits darauf hingewiesen, dass sich das Coronavirus grundsätzlich auch in heißem, feuchtem Klima ausbreiten kann. 

Das heißt aber nicht, dass das Wetter gar keine Rolle spielt. So sagte der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast (Folge 4 am 2. März, Transkript zum Download), das wärmere Wetter werde wahrscheinlich helfen, die Krankheit zu bekämpfen. „Die Fälle werden sich vermehren, aber die zunehmende Trockenheit und die UV-Strahlung werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Übertragungsereignisse verringern.“

5. Behauptung: Patienten werden nach ihren Überlebenschancen in drei Gruppen aufgeteilt, nur jüngere Menschen werden beatmet. Diese Regelung („Triage“) gilt weltweit. 

Die Frau behauptet, gemäß der „Triage“ würden die ältesten Patienten „auf die Seite gelegt zum Sterben“ und gar nicht behandelt. Die zweite Gruppe, ältere Menschen mit guter Verfassung, würden zwar behandelt, aber nicht beatmet. Nur die dritte Gruppe der jüngeren Menschen werde zugelassen für einen Beatmungsplatz. Die Frau unterstellt, dass diese dritte Gruppe die „Leistungsträger der Gesellschaft“ seien und man sie deshalb retten wolle.

Diese Darstellung ist falsch. 

Der Begriff „Triage“ stammt aus der Katastrophenmedizin; er bezeichnet die Einteilung von Patienten in Gruppen, wenn viele Menschen zeitgleich behandelt werden müssen und es nur begrenzte Möglichkeiten gibt. Weltweit gibt es hier laut Ärzteblatt verschiedene Systeme, mit drei, vier oder fünf Stufen beziehungsweise Patientengruppen.  

Wir haben die aktuelle Situation in Deutschland recherchiert. In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, noch sei es in Deutschland nicht so weit, dass solche Entscheidungen getroffen werden müssen (ab Minute 53:30). 

Das Land bereitet sich jedoch auf diesen Fall vor. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete kürzlich, sieben medizinische Fachgesellschaften hätten ein Papier veröffentlicht, das Handlungsempfehlungen für den Notfall enthält. Darin steht: „Wenn die Ressourcen nicht ausreichen, muss unausweichlich entschieden werden, welche intensivpflichtigen Patienten akut-/intensivmedizinisch behandelt und welche nicht (oder nicht mehr) akut-/intensivmedizinisch behandelt werden sollen.“ Dann müsse „analog der Triage in der Katastrophenmedizin“ entschieden werden, bei wem die Behandlung die beste Erfolgsaussichten habe. 

Eine Einteilung aufgrund des „kalendarischen Alters oder sozialer Kriterien“ schließen die Autoren aber kategorisch aus. Zudem betonen sie, dass es sich um Empfehlungen handele, die nicht juristisch geprüft wurden. 

Triage für Deutschland
Auszug aus dem Papier mit Handlungsempfehlungen im Notfall, das die FAZ exklusiv veröffentlicht hat. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin gehört ebenfalls zu den Organisationen, die das Papier verfasst haben, In der Pressekonferenz am 26. März sagte Uwe Janssens, es sei als Vorbereitung zu verstehen – und das Alter sei ganz bewusst nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Niemand in Deutschland müsse Angst haben, dass Entscheidungen mit „Daumen rauf oder Daumen runter“ gefällt würden (ab Minute 53:30). 

6. Behauptung: Mobilfunkstrahlen (5G) schwächen das Immunsystem. 

Die Frau stützt ihre Aussage darauf, dass es angeblich überall, wo SARS-CoV-2 stark ausgebrochen sei, den neuen Mobilfunkstandard 5G gebe. „Man weiß, dass Wlan und Elektrosmog vom Handy, Funkwellen, alles was über 3G hinausgeht, immens das Immunsystem nach unten fährt“, behauptet sie.

Das ist falsch. Wie uns das Bundesamt für Strahlenschutz bereits für einen früheren Faktencheck mitteilte, können alle Mobilfunksendeanlagen (also von 2G bis 5G) „höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt“. Die geltenden Grenzwerte für Strahlung seien bereits von dieser Wärmewirkung abgeleitet: „Eine messbare Erhöhung der Körperkerntemperatur infolge der Felder von Mobilfunksendeanlagen ist nicht zu erwarten.“ 

Eine negative Wirkung elektromagnetischer Felder auf das Immunsystem sei zudem nicht wissenschaftlich nachgewiesen, ebensowenig wie bei Wlan, schreibt uns das Bundesamt per E-Mail. Es gebe es eine Reihe von Studien aus Frankreich und Italien zu diesem Thema: „Ein negativer Einfluss wurde nicht gefunden.“

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Sprachnachricht enthält fast ausschließlich falsche Informationen zum Coronavirus. 

mert-guller-e0O18yMqles-unsplash
Eine Ratte schlürft an einem Kaffee-Becher. Ratten und Nagetiere gehören zu den Verbreitern des sogenannten Hantavirus. (Symbolfoto: Mert Guller / Unsplash)

von Till Eckert

In einem Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten wird behauptet, in China sei „nun auch das Hantavirus ausgebrochen“. Es gebe einen „ersten Toten“. Das Virus ist in China jedoch eine bekannte, endemische Krankheit mit etwa 100 Toten jedes Jahr.

„In China ist nun auch das Hanta-Virus ausgebrochen, erster Toter in Yunnan“, titelte die Webseite Deutsche Wirtschaftsnachrichten in einem Artikel vom 24. März. Der Text wurde bisher mehr als 6.000 Mal auf Facebook geteilt.

Mit der Überschrift wird auf die aktuelle Coronavirus-Pandemie angespielt und suggeriert, nun gebe es einen zusätzlichen Ausbruch eines gefährlichen Virus. Im Text steht zudem: „Während die ganze Welt aufgrund des anhaltenden Ausbruchs des Coronavirus in eine schwierige Situation gerät, sieht es so aus, als würde sich China auf einen weiteren großen Kampf vorbereiten – diesmal gegen das Hantavirus.“ Doch ist das wirklich so?

Text der Deutschen Wirtschaftsnachrichten. (Screenshot: CORRECTIV)

WHO: Hantavirus ist eine bekannte, endemische Krankheit in China

Als Quelle wird im Text der Deutschen Wirtschaftsnachrichten auf einen Tweet des chinesischen Staatsmediums Global Times vom 24. März verwiesen. Dort steht: „Eine Person aus der Provinz Yunnan starb am Montag auf dem Rückweg in die Provinz Shandong, als sie in einem gecharterten Bus zur Arbeit fuhr. Er wurde positiv auf das #Hantavirus getestet. Weitere 32 Personen im Bus wurden getestet.“ Von einem „Ausbruch“ steht nichts im Tweet. 

Wir haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Informationen zu einem angeblichen aktuellen „Ausbruch“ des Hantavirus befragt. Per E-Mail antwortete ein Sprecher der WHO: „Das Hantavirus ist eine endemische Krankheit in China; jährlich werden etwa 10.000 Fälle gemeldet, und leider sterben pro Jahr etwa 100 Menschen daran.“ Endemisch bedeutet, dass die Krankheit örtlich begrenzt dauerhaft vorkommt. Es sei eine meldepflichtige Krankheit in China, was bedeute, dass die lokalen Regierungen verpflichtet seien, den nationalen Behörden Fälle zu melden. 

E-Mail der WHO zum Hantavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

„Hantavirus-Fälle werden der WHO im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften in der Regel nicht gemeldet, da sie keine Ausbrüche von internationaler Bedeutung darstellen“, schreibt die WHO weiter. Das Hantavirus werde normalerweise vom Tier auf den Menschen übertragen, und nur selten von Mensch zu Mensch.  

Dass es also einen aktuellen „Ausbruch“ des Virus mit einem „ersten Toten“ in China gebe, ist falsch. Das Hantavirus ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) weltweit verbreitet, der Erreger werde hauptsächlich über Nagetiere übertragen. Die Zahlen der Erkrankungen in Deutschland variierten von Jahr zu Jahr stark. In einigen Jahren habe es wenige Hundert Fälle gegeben, in anderen „epidemische Zustände“ in bestimmten Gebieten Deutschlands. Der bisherige Höchstwert waren mehr als 2.800 Fälle im Jahr 2001. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Die Webseite „Infektionsschutz.de“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert seit mindestens 2018 auf ihrer Webseite über das Virus und Risikogebiete in Deutschland, dazu zählen ländliche Gebiete wie etwa die Schwäbische und Fränkische Alb. Erkrankte seien in Deutschland aber nicht ansteckend, da eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei den hierzulande verbreiteten Virustypen nicht zu erwarten sei. Auch das RKI schreibt, eine solche Übertragung finde nicht statt, mit Ausnahme eines Virustypus in Südamerika.

Unsere Bewertung:
Falsch. Es gibt keinen aktuellen „Ausbruch“ des Hantavirus mit „erstem Toten“ in China – es handelt sich um eine bekannte, endemische Krankheit mit mehreren Toten jährlich.

1024px-Cospudener_See_Westufer_Oktober_2014_07
Der Cospudener See im Süden Leipzigs – hier hat die Polizei am 25. März Personen kontrolliert. Der Cospudener See im Süden Leipzigs – hier hat die Polizei am 25. März Personen kontrolliert. (Bildrechte: Don-kun, Cospudener See Westufer Oktober 2014 07, CC BY-SA 3.0 )

von Steffen Kutzner

Eine Frau behauptet, sie wäre beim Inlineskaten in Leipzig von der Polizei angehalten worden, weil sie sich zu weit von ihrer Wohnung entfernt hätte. Das verstoße angeblich gegen die Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus. Eine solche Regel gab es tatsächlich – aber nur einen Tag lang.

Am 25. März erreichte uns eine E-Mail von einer Leipzigerin: Sie leitete CORRECTIV den Text einer Nachricht weiter, die eine Frau in der Messenger-App Telegram in den Gruppenchat ihres Wohnortes geschickt habe. Die Frau stamme aus dem westlich gelegenen Stadtteil Lindenau. Sie behauptet, sie sei an einem See im Süden der Stadt (Cospudener See) von der Polizei kontrolliert worden und habe die Information bekommen, sie erhalte „einen Brief von der Staatsanwaltschaft”, weil sie sich nicht mehr im Umfeld ihrer Wohnung aufhalte. Dieses Umfeld sei als ein Radius von fünf Kilometern definiert.

Der Inhalt der Nachricht ist nach CORRECTIV-Recherchen korrekt. Allerdings galt die Fünf-Kilometer-Regelung nur für einen Tag.

In der Telegram-Nachricht berichtet eine Frau, ihr seien juristische Konsequenzen angedroht worden, wenn sie sich weiter als fünf Kilometer von ihrer Wohnung entfernt. (Screenshot: CORRECTIV)

In einer Bekanntmachung des Sozialministeriums Sachsen vom 22. März wurde zur Bekämpfung des Coronavirus eine Ausgangsbeschränkung für das Bundesland verhängt. „Sport und Bewegung an der frischen Luft im Umfeld des Wohnbereichs” wurden darin explizit erlaubt. Für die räumliche Beschränkung des „Umfelds” wurde jedoch kein exakter Radius angegeben. 

Auf einer Webseite des Freistaates Sachsen zum Coronavirus, die häufig gestellte Fragen zu den Ausgangsbeschränkungen beantwortet, heißt es noch einmal, dass es „keine klare Definition” gebe, bis wohin genau der Umfeld des Wohnbereichs geht.

Screenshot von der Coronavirus-Webseite des Freistaates Sachsen. (Screenshot: CORRECTIV)

Dienstanweisung der Polizei Leipzig legte Radius von fünf Kilometern fest, wurde aber nach einem Tag zurückgezogen

Dass der Frau, die die Telegram-Nachricht verschickt hat, trotzdem juristische Konsequenzen angekündigt wurden, lag an einer internen Verfügung der Polizei Leipzig. Polizeisprecher Olaf Hoppe erklärte auf Anfrage von CORRECTIV, es habe eine Handlungsorientierung für Einsatzkräfte gegeben, die Sicherheit schaffen sollte, aber „nur Verwirrung” ausgelöst habe.

Die Antwort von Polizeisprecher Olaf Hoppe auf unsere Nachfrage per E-Mail am 26. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut einer Pressemitteilung vom 26. März hat der Leiter der Leipziger Polizeidirektion am 24. März um 16.41 Uhr eine Handlungsanleitung für die Polizisten zur Verfügung gestellt. Darin heißt es, dass „kein zu hoher Maßstab” an das Kriterium des Umfelds angelegt werden solle und ein Radius von fünf Kilometern um die Wohnadresse „angemessen” erscheine. Schon am nächsten Tag, am Abend des 25. März, sei die Anweisung zurückgenommen worden, weil sie sich als „unzweckmäßig” herausgestellt habe. 

Am Cospudener See, an dem die Verfasserin der Telegram-Nachricht nach eigener Aussage angehalten wurde, wurden laut der Pressemitteilung an diesem Tag zwischen 12 und 15 Uhr 189 Kontrollen durchgeführt und 31 Verstöße gegen die Allgemeinverfügung registriert. Da die Handlungsanweisung jedoch zurückgenommen wurde, würden die Anzeigen nun „nicht als Straftaten, sondern als Prüffälle an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben“.

Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller betonte bei der Landespressekonferenz am 26. März noch einmal: „Die fünf Kilometer gibt es nicht.” Er appellierte an den „gesunden Menschenverstand“ und erklärte, das Wohnumfeld werde „mit Augenmaß” kontrolliert. (ab Minute 24:10)

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Fazit: Die Fünf-Kilometer-Regel gibt es nicht mehr. Die Dienstanweisung der Polizei Leipzig wurde nach einem Tag wieder zurückgezogen. Es gibt weiterhin keine genaue Definition, was zum Umfeld des Wohnbereichs zählt und was nicht.

Unsere Bewertung:
Richtig. In Leipzig gab es an einem Tag Anzeigen gegen Personen, die sich mehr als fünf Kilometer von ihrer Wohnung entfernt hatten.

CORONA_Whatsapp
(Bild: CORRECTIV)

Falschmeldungen und Gerüchte über das neuartige Coronavirus verbreiten sich aktuell vor allem auf Whatsapp. Wir wollen dem etwas entgegensetzen: Schicke unseren Faktencheck-Kettenbrief an Deine Kontakte.

Bekannte haben Dir einen Kettenbrief mit möglichen Falschbehauptungen, Gerüchten oder Verschwörungen zum neuartigen Coronavirus auf Whatsapp oder Telegram weitergeleitet, und Du willst das nicht so stehen lassen? Wir haben dafür etwas vorbereitet. Kopiere einfach diesen Text und schicke ihn in Deiner Messenger-App weiter:


ACHTUNG! ⚠️ Hier auf Whatsapp werden gerade viele Gerüchte und falsche Infos zum Coronavirus verschickt! Deshalb sei wachsam 👀 falle nicht auf Fakes herein! Wenn Dir etwas komisch vorkommt und Du nicht weißt, wo die Quelle oder der Beweis für eine Behauptung sind – leite die Nachricht bitte nicht weiter! 🚫 Es gibt Organisationen, die Faktenchecks zu diesen Kettenbriefen veröffentlichen – zum Beispiel CORRECTIV. ✅ Hier findest du gesicherte Infos von offiziellen Quellen, leite diese Nachricht gerne weiter und helfe mit, Falschmeldungen einzudämmen! 👍 correctiv.org/faktencheck/coronavirus/


Mit der Weiterleitung hilfst Du aktiv, Fakes zum Coronavirus einzudämmen. Vielen Dank! Alle unsere Faktenchecks zum Thema findest Du auf unserer Schwerpunkt-Webseite.

Screenshot_Feuerlöscher
Eine Discounter-Filiale in Einbeck soll durch Feuerlöschpulver verdreckt worden sein. Das stimmt nicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Steffen Kutzner

In einem Facebook-Post teilte ein Nutzer das Video einer offenbar durch Feuerlöschpulver verunreinigten Lidl-Filiale. Die Aufnahme soll angeblich einen Markt in Einbeck zeigen, ist aber tatsächlich in Bottrop entstanden.

Am 17. März veröffentlichte ein Facebook-Nutzer ein Video, das offenbar mit einem Pulver bedeckte Waren eines Lidl-Marktes zeigt. Der Aufnehmende erklärt, ein Kunde sei „eskaliert” und habe mit einem Feuerlöscher die Waren vollgesprüht. In der Videobeschreibung heißt es: „Traurig was passiert in Einbeck”. Das Video wurde in den ersten zwei Tagen 73.000 Mal aufgerufen und mehr als 2.700 Mal geteilt. 

Die Aufnahme ist zwar aktuell, zeigt aber keine Filiale im niedersächsischen Einbeck, sondern eine in Bottrop (Nordrhein-Westfalen).

Die Polizeidienststelle Recklinghausen bestätigte uns gegenüber per E-Mail, dass am Dienstagabend (17. März) laut Zeugenaussagen ein zunächst friedlicher Kunde im Discounter einen Feuerlöscher von der Wand genommen und dessen Inhalt über die Waren im Eingangsbereich und in der Frischeabteilung versprüht habe. 

Danach habe er nach Aussage der Zeugen den Laden verlassen. „Die Polizisten konnten den Mann im Nahbereich des Discounters schlafend antreffen. Er war betrunken”, heißt es in der Mail der Polizeidienststelle. Es sei Anzeige wegen Sachbeschädigung erhoben worden.

Auszug aus der Antwort-Mail der Polizeidienststelle Recklinghausen. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch die Pressestelle von Lidl Deutschland bestätigte uns den Vorfall per E-Mail und wies darauf hin, dass er sich in Bottrop ereignete.

Fazit: Das Video ist zwar aktuell, zeigt aber keine Filiale in Einbeck, sondern in Bottrop.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Aufnahme zeigt einen Discounter in Bottrop, nicht in Einbeck.

CNRcollage
Dieser gefälschte Screenshot wird bei Whatsapp und in anderen Messenger-Diensten verbreitet. Richtig ist: Die Supermärkte haben weiter normal geöffnet. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Bei Whatsapp verbreitet sich ein gefälschter Screenshot eines angeblichen Focus-Artikels. Darin wird über tagelange Schließungen von Supermärkten berichtet. Der Focus hat klargestellt: „Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Fake“.

Auf einem im Internet verbreiteten Screenshot eines angeblichen Focus-Online-Artikels steht, die großen Supermarktketten in Deutschland würden neue Öffnungszeiten einführen und künftig nur noch montags und freitags öffnen. Das ist falsch und der Artikel stammt nicht von Focus Online. Es handelt sich um gezielte Desinformation.

Die Focus-Online-Redaktion hat dazu am 16. März in einem Artikel geschrieben: „Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Fake! Ein derartiger Artikel ist nie auf unserer Seite erschienen. Auch die dort abgebildeten Informationen entsprechen in keinem Falle der Wirklichkeit.“

Focus Online stellt auf seiner Webseite klar, dass kein Artikel über angeblich geschlossene Supermarkt veröffentlicht wurde. (Screenshot am 26. März: CORRECTIV)

Supermärkte sind weiter normal geöffnet

Die großen Supermarktketten in Deutschland haben auf die Verunsicherung vieler Kunden reagiert und weisen auf ihren Webseiten ausdrücklich auf ihre weiterhin normalen Öffnungszeiten hin. Unter anderem äußerten sich dazu Aldi, Edeka, Netto, Kaufland und Penny. Aldi schreibt: „Hinweis: Unsere Filialen bleiben weiterhin geöffnet. Aktuell wird eine Falschmeldung über Whatsapp verbreitet, in der eine angebliche Schließung aller Aldi Märkte ab Montag thematisiert wird.“ 

Hinweis auf der Website der Supermarktkette Aldi Nord. (Screenshot am 26. März: CORRECTIV)

Auf den gefälschten Screenshot bei Whatsapp haben uns Leser hingewiesen. Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Um sie effektiv zu bekämpfen, sind wir auf Hilfe angewiesen. In unserem CrowdNewsroom zum Coronavirus kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Screenshot ist eine Fälschung. Die Supermärkte in Deutschland haben weiterhin normal geöffnet.

Untitled collage (1)
Ein Facebook-Beitrag der Seite „Görlitz bewegt sich“ mit diesen Fotos erweckt den falschen Eindruck, Asylbewerber seien „heimlich“ in die Stadt gebracht worden. Das ist falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Facebook-Seite behauptet, in der Stadt Görlitz seien während der Maßnahmen zur Verlangsamung des Coronavirus „heimlich Migranten“ angekommen. Das ist falsch. Am 10. März kamen 23 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen nach Görlitz, so wie sonst auch regelmäßig.

Die Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“ teilte am 10. März zwei Fotos eines Reisebusses und aussteigender Menschen mit dem Kommentar: „Wo kommen denn die ‘Schutzsuchenden’ so plötzlich her? Still und heimlich heute auf der Struve Straße… Der erste Bus von wievielen? Ach ja wir haben den ersten Corona Fall. Da ist kein Platz mehr für andere Themen“. Der Beitrag wurde knapp 4.000 Mal geteilt. 

Andere Facebook-Nutzer teilten die Bilder in den darauffolgenden Tagen mit ähnlichen Behauptungen. „Still und heimlich“ seien „Migranten“ über Nacht mit Bussen im sächsischen Görlitz gelandet. Die Maßnahmen gegen den Coronavirus würden das vertuschen. „Alle sind abgelenkt durch Corona und klammheimlich werden die Migranten eingeflogen“, schrieb ein Nutzer (3.400 Mal geteilt). Ein anderer Nutzer vermutete: „Coronavirus Panik macht blind…versammeln darf man sich auch nicht, das wiederum macht für die Regierung alles etwas einfacher“ (knapp 300 Mal geteilt)

Keine „heimliche“ Ankunft 

Das Landratsamt Görlitz stellt in einer Antwort auf eine Presseanfrage von CORRECTIV klar, dass es sich um die normale regelmäßige Zuweisung von Asylbewerbern aus Erstaufnahmeeinrichtungen handele. Eine Sprecherin des Landratsamt Görlitz schreibt per E-Mail: „Nach Rücksprache mit der Ausländerbehörde des Landkreises Görlitz kann ich Ihnen mitteilen, dass monatlich durch die Landesdirektion Sachsen Asylbewerber aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden. Dies erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel.“ Der sogenannte Königsteiner Schlüssel legt fest, wie viele Asylsuchende ein Bundesland aufnehmen muss. 

Weiter schreibt die Görlitzer Behörde: „Am Dienstag, 10. März 2020, wurden dem Landkreis Görlitz 23 Personen zugewiesen. Die Organisation (auch der Bustransport) der Zuweisung erfolgt durch die Landesdirektion Sachsen.“  Nach ihrer Ankunft würden die Personen in die Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises Görlitz verteilt. 

Die E-Mail des Landratsamts Görlitz vom 24. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass die Ankunft der Personen keinesfalls heimlich oder in der Nacht stattfand, wie von den Facebook-Nutzern behauptet, belegen auch die von ihnen selbst verbreiteten Bilder.  Bereits am 12. März berichtete die Sächsische Zeitung (Artikel zahlungspflichtig) über die falschen Gerüchte im Internet und die Klarstellung der Behörden. 

Die Facebook-Gruppe „Görlitz bewegt sich“

Die Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“, die die Fotos offenbar zuerst verbreitete, bezeichnet sich selbst als Verein mit dem Ziel: „Gemeinsam, friedlich, neutral für unsere Zukunft, unsere Heimat und unsere Kultur, gegen die Fehlpolitik!“ 2016 berichtete die Sächsische Zeitung über die dahinter stehende „asylkritische Initiative“ in Görlitz. 

Auf der Facebook-Seite werden Bilder von Lastwagen mit der Beschriftung „Führerhaus“ und islamkritische Inhalte geteilt. Das Profilbild der Seite unterstellt Angela Merkel, sie wolle dem Land die Identität rauben, um es zu islamisieren. Diese verbreiteten Narrative der Desinformation („Deutschland wird ein islamischer Staat“ und  „Migration verdrängt deutsche Traditionen“) haben wir bereits in Hintergrundartikeln analysiert. 

Ein von der Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“ geteiltes Foto. (Screenshot: CORRECTIV).
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Am 10. März kamen regulär 23 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen nach Görlitz. Laut Landratsamt Görlitz werden regelmäßig Personen auf die Städte aufgeteilt.

Schutzmaske gegen Coronavirus
Italien hat Masken in der Türkei gekauft – doch die Lieferung wurde zwei Wochen lang blockiert. (Symbolbild: Pixabay / Orna Wachman) 

von Alice Echtermann

Ein Facebook-Nutzer behauptet, die Türkei habe Italien in der Corona-Krise geholfen, aber niemand würde darüber berichten. Die italienische Luftwaffe habe 200.000 Masken und medizinische Geräte in der Türkei abgeholt. Diese Darstellung ist irreführend, weil Kontext fehlt.

In einem Facebook-Post am 22. März behauptet ein Nutzer, die italienische Luftwaffe habe 200.000 Masken, Corona-Testkits, Beatmungsgeräte und anderes medizinisches Material in der Türkei abgeholt. „Die Türkei hat geholfen und keiner will es wissen! Was für eine traurige Welt unsere Medien uns verkaufen!“, schreibt er. Der Beitrag wurde bereits mehr als 7.900 Mal geteilt. 

Der Nutzer lässt hier jedoch relevanten Kontext weg, wodurch ein falscher Eindruck entsteht. 

Facebook-Beitrag über die Türkei
Der Facebook-Beitrag vom 22. März. (Screenshot am 24. März: CORRECTIV)

Laut einem Bericht der italienischen Zeitung Corriere vom 19. März hatte die Türkei den Export von 200.000 Masken nach Italien tagelang blockiert. Die italienische Firma Comitec hatte die Masken demnach bei einer türkischen Firma namens Ege Maske für 670.000 Euro gekauft. Am 4. März sei die Charge ausgeliefert worden, seitdem lag sie beim Zoll in Ankara und durfte nicht das Land verlassen. Der italienische Premierminister Conte habe den türkischen Präsidenten Erdogan angerufen, bisher ohne Erfolg. 

Export von Masken und Schutzausrüstung aus der Türkei seit dem 4. März genehmigungspflichtig

Der Hintergrund: Die Türkei hat ihre Exportbestimmungen für medizinische Schutzausrüstung am 4. März verändert. Seitdem muss die Ausfuhr von Schutzausrüstung wie Masken, Overalls, Schutzbrillen oder Handschuhe vorab vom türkischen Gesundheitsministerium genehmigt werden, berichteten die deutsche Ausgabe der Zeitung Hürriyet und weitere türkische Medien

Die Türkei ist mit solchen Regelungen nicht allein. Deutschland zum Beispiel hat am 5. März sogar ein Exportverbot für medizinische Schutzgüter erlassen.

Wie TRT Haber am 23. März berichtete, wurde die Blockade der Masken-Lieferung nach Italien schließlich „nach hochrangigen und diplomatischen Kontakten“ der beiden Länder überwunden. 

Das passt zusammen mit offiziellen Mitteilungen aus Italien. Am 21. März schrieb das italienische Außenministerium auf seiner Webseite, man habe die Lieferung von 200.000 Masken in der Türkei „entsperrt“. Sie würden nun entweder das Land verlassen, oder man würde sie selbst abholen. 

Mitteilung Außenministerium Italien
Auszug aus der Mitteilung des italienischen Außenministeriums am 21. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch auf Twitter teilte Außenminister Luigi di Maio diese Nachricht am 22. März mit, und in einer weiteren Mitteilung des Ministeriums vom 23. März steht ebenfalls, man habe die Lieferung „endlich entsperrt“. 

Es handelte sich also bei den 200.000 Masken – anders als man aus dem Facebook-Beitrag herauslesen könnte – nicht um eine humanitäre Hilfslieferung der Türkei an Italien. Zudem waren es ausschließlich Masken, keine Beatmungsgeräte. Die Türkei half insofern, als dass sie die Ausfuhr der Masken genehmigte. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

 

Eine Google-Rückwärtssuche nach dem Foto, das in dem Facebook-Beitrag verwendet wurde, führt zu möglichen Quellen der Behauptung: mehrere türkischsprachige Accounts auf Twitter. Darin ist die Rede von einer angeblichen Lieferung von 200.000 Masken, Testkits und anderen medizinischen Gütern aus der Türkei nach Italien. Es kann auch hier nur die Lieferung der 200.000 Masken gemeint sein, andere Berichte konnten wir bei unserer Recherche nicht finden.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es fehlt Kontext. Italien hat 200.000 Masken in der Türkei gekauft.  

vitamins-4930971_640
Vitamin C ist in vielen Lebensmitteln enthalten. Aber hilft es gegen das Coronavirus? Dafür gibt es keine Belege. (Symbolbild: Luisella Planeta Leoni / Pixabay)

von Lea Weinmann

In einem Facebook-Beitrag und auf Instagram wird behauptet, Vitamin C könne in hoher Dosierung Viren abtöten. Dafür gibt es keine Belege. Generell ist Vitamin C gut für das Immunsystem, die Einnahme extrem hoher Dosen ist dafür laut Experten jedoch nicht nötig.

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, Vitamin C könne in hoher Dosierung Viren abtöten. Der Beitrag wurde am 10. März veröffentlicht und bisher mehr als 4.100 Mal (Stand: 24. März) auf Facebook geteilt. Er zeigt ein Foto eines älteren Mannes im Anzug, der sich als Dr. med. Michael Spitzbart bezeichnet. „Vitamin C tötet Viren höchst effektiv ab“, schreibt er in dem Text dazu. Allerdings benötige man dafür angeblich „viel höhere Dosen, als das gemeinhin empfohlen wird“, schreibt Spitzbart weiter. Ein weiterer Facebook-Beitrag, der seine Behauptungen und das Foto am 19. März aufgegriffen hat, wurde bisher mehr als 4.300 Mal geteilt. Auch auf Instagram hat Spitzbart den Beitrag veröffentlicht.

Für die Behauptungen gibt es nach Recherchen von CORRECTIV keine Belege. Dieter Hoffmann, Doktor am Institut für Virologie an der Technischen Universität München, schreibt uns auf Anfrage per E-Mail: „Bisher gibt es meines Wissens keine Hinweise, dass Vitamin C Viren direkt inaktiviert.“ Auch zu der Behauptung, dass Vitamin C direkt gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 wirkt, sind dem Experten „keine Daten bekannt“.

Dieter Hoffmann vom Institut für Virologie an der Technischen Universität München schreibt per E-Mail, ihm seien keine Hinweise bekannt, dass Vitamin C Viren direkt inaktiviere. (Screenshot: CORRECTIV)

Es gibt jedoch laut Hoffmann „Hinweise, dass Vitamin C Immunfunktionen verbessert und dadurch Dauer und Schwere von Atemwegsinfektionen reduziert“. Hoffmann verweist dazu auf eine Art Leserbrief im Journal of Antimicrobial Chemotherapy von Dezember 2003. Darin werden Hinweise aus Studien zur positiven Wirkung von Vitamin C auf das Immunsystem und Auswirkungen bei Atemwegserkrankungen zusammengefasst. Es wird gefordert, dass man erforschen möge, ob Vitamin C auch bei SARS-Erkrankungen hilfreich sein könnte. Das SARS-Virus gehört ebenso wie das neuartige SARS-CoV-2 zu den Coronaviren (Robert-Koch-Institut: „Was sind Coronaviren?“).

Vitamin C ist gut für den menschlichen Körper

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wirkt Vitamin C antioxidativ, das heißt, dass es schädliche Verbindungen im menschlichen Körper abfängt und so die Zellen und Moleküle im Körper vor Schäden schützt. Das schreibt uns eine Sprecherin der DGE auf Anfrage per E-Mail: „Eine gute Versorgung mit Vitamin C ist wichtig für ein funktionierendes Immunsystem. Eine unzureichende Zufuhr kann sich unter anderem in einer erhöhten Infektanfälligkeit äußern.“

Die E-Mail der Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. (Screenshot: CORRECTIV)

Ob Vitamin C – wie behauptet – in hoher Dosierung gegen das neuartige Coronavirus wirkt, kann auch die DGE-Sprecherin nicht beantworten: „Das Coronavirus ist bisher nicht ausreichend erforscht. Zu möglichen positiven Wirkungen des Vitamins auf das Coronavirus ist daher keine Aussage möglich.“

Experten: Vitamin-C-Zufuhr bei ausgewogener Ernährung ausreichend

Spitzbart empfiehlt in seinem Facebook-Beitrag „zur Prophylaxe die orale Aufnahme von drei Gramm pro Tag“, „im Erkrankungsfall“ gar bis zu 30 Gramm täglich.

Das geht weit über die offiziellen Empfehlungen der DGE hinaus: Demnach sind für Erwachsene zwischen 95 Milligramm (Frauen) und 110 Milligramm (Männer) Vitamin C täglich ausreichend, bei Kindern ist die empfohlene Tagesdosis geringer. Diese Dosis erreiche man schon mit einem Apfel am Tag, schreibt die Sprecherin der DGE: „Bereits ein Glas Orangensaft und eine Portion gegarter Brokkoli (150 Gramm) oder eine Portion gegarter Rosenkohl (150 Gramm), eine Kiwi und ein Apfel liefern 150 Milligramm des Vitamins.“

Dieter Hoffmann vom Institut für Virologie bestätigt per E-Mail: „Insgesamt sind wir bei ausgewogener Ernährung gut mit Vitamin C versorgt. Ob in dieser Situation zusätzliche Zufuhr einen nützlichen Effekt hat, ist zweifelhaft.“

Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt in einem Beitrag auf ihrer Webseite ausdrücklich vor Anbietern, die Nahrungsergänzungsmittel zur Behandlung von Covid-19 bewerben: „Da dieser Virus erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es noch keine Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen gegen ihn beweisen.“ Die Autoren raten deutlich davon ab, besonders große Mengen an Vitaminen zu sich zu nehmen.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

China testet Vitamin-C-Infusionen zur Behandlung von Lungenentzündungen 

Am Zhongnan Krankenhaus im chinesischen Wuhan läuft zwar derzeit eine wissenschaftliche Studie zur Behandlung der durch das neuartige Coronavirus verursachten Lungenentzündungen mit Vitamin-C-Infusionen. Die Ergebnisse sollen jedoch erst Ende September dieses Jahres veröffentlicht werden.

Der österreichische Verein Mimikama hat zu dem Beitrag ebenfalls einen Faktencheck veröffentlicht und führt darin einen Beitrag in der Fachzeitschrift Expert Review of Anti-infective Therapy von Dezember 2019 an. Die Autoren thematisieren darin In-vitro-Studien, bei denen sehr hohe Dosen von Vitamin C tatsächlich eine „viruzide“ Wirkung aufwiesen, also Viren abtöteten. Die Autoren halten es aber für „höchst unwahrscheinlich“, dass Vitamin C außerhalb der Laborbedingungen Viren direkt abtöten könne.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege, dass Vitamin C Viren abtöten kann.

technology-2500010_1920
Offenbar versuchen Betrüger, aus der Coronavirus-Krise Kapital zu schlagen. (Symbolbild: Pixabay) 

von Alice Echtermann

Derzeit teilen viele Menschen in sozialen Netzwerken Warnungen, dass Menschen in Schutzanzügen herumlaufen und sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Die Meldung hat einen wahren Kern. Es ist allerdings unklar, welches Ausmaß die Masche wirklich hat.

Während sich das neuartige Coronavirus weiter ausbreitet, verstärken über soziale Netzwerke verbreitete Warnungen die Ängste der Menschen. Aktuell geht die Nachricht um, Menschen in Schutzanzügen würden sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben und versuchen, sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. 

Ein Facebook-Beitrag dazu vom 19. März wurde bereits mehr als 8.100 Mal geteilt. Auch in Messenger-Diensten wie WhatsApp wird die Nachricht verbreitet, wie uns Leser per E-Mail mitteilten. Das Problem an dieser Nachricht ist, das sie unspezifisch ist – sie enthält keinen genauen Ort. 

Nachricht auf Whatsapp
Diese Nachricht auf Whatsapp wurde CORRECTIV von Lesern geschickt. (Quelle: privat)

Wie real diese Gefahr ist, ist schwer einzuschätzen. Einzelne Vorfälle, vor denen Polizei und Medien warnten, könnten zu falschem Alarm andernorts geführt haben. Fest steht aber: Warnungen der Polizei vor einer solchen Betrugsmasche gibt es. 

Warnung in Nienburg stammte vom Landkreis 

In dem Facebook-Beitrag geht es konkret um Nienburg. Tatsächlich warnte der Landkreis Nienburg am 20. März vor Personen, die sich als Gesundheitsamt-Mitarbeiter ausgeben. Mehrere Medien griffen die Warnung auf, zum Beispiel Radio Bremen

Der Pressesprecher des Landkreis Nienburg, Cord Steinbrecher, schrieb uns per E-Mail, dass eine Person in Quarantäne von Menschen in Schutzkleidung aufgesucht wurde, die einen Abstrich nehmen wollten – es habe aber nachweislich durch das Gesundheitsamt keinen Einsatz dort gegeben. „Parallel erreichten uns zwei weitere Hinweise mit ähnlichen Schilderungen. Wir haben uns daraufhin entschieden, die uns zur Verfügung stehenden Kanäle (BIWAPP, Internetseite und Twitter) zu nutzen, um die Bevölkerung vor dieser Gefahr zu warnen.“ BIWAPP ist eine Bürgerinfo- und Warn-App. 

Auf Nachfrage teilte die Polizei Nienburg CORRECTIV per E-Mail mit: „Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg ist in einem solchen Sachverhalt alarmiert worden, die eingesetzten Beamten konnten aber vor Ort keine Feststellungen treffen. Am Wochenende haben sich aus polizeilicher Sicht in unserem Zuständigkeitsbereich keine weiteren derartigen Sachverhalte ereignet bzw. sind uns nicht gemeldet worden.“

Lokale Polizeidienststellen warnen vor verschiedenen Tricks

Überall in Deutschland gibt es aktuell Berichte über mutmaßliche Betrugsmaschen, die oft vor allem ältere Menschen zum Ziel haben. Manchmal scheint es eine Variante des telefonischen „Enkeltricks“ zu sein – zum Beispiel in Mannheim. Manchmal kommen offenbar Menschen vorbei und behaupten, sie müssten Tests durchführen.

So berichtete die Leipziger Polizei am 18. März von einem konkreten Fall, bei dem Unbekannte einem Mann am Telefon sagten, ein Verwandter sei infiziert und man müsse ein Team von Coronavirus-Testern vorbeischicken. Es seien dann tatsächlich Personen in Schutzanzügen aufgetaucht und hätten unter anderem einen Mundabstrich gemacht. Es sei jedoch nichts gestohlen worden. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Die Polizei Leipzig stellte deshalb klar: „Sowohl Ärzte als auch Teams des Gesundheitsamtes kommen im Stadtgebiet Leipzig nicht zu potentiell infizierten Personen nach Hause und nehmen dort auch keine Abstriche! Ebenso wird ein so genannter ‘Schweißtest’ an den Unterarmen bei einer Coronainfizierung nicht durchgeführt.“

Von einer anderen Variante schreibt die Polizei Konstanz: In Anrufen sei behauptet worden, Geldscheine seien mit dem Coronavirus verseucht und müssten ausgehändigt werden. 

Oft kein konkreter Verdacht

Eine Suche im Presseportal zeigt, dass diverse weitere Polizeistellen Warnungen herausgegeben haben, zum Beispiel in:

Wichtig ist aber auch: Nicht immer liegt den Warnungen ein konkreter Fall zugrunde. Die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke schreibt zum Beispiel, das LKA warne zwar vor einer neuen Betrugsmasche, aber: „Derartige Fälle aus dem Kreis Minden-Lübbecke sind gegenwärtig weder der Kreispolizeibehörde noch dem Krisenstab des Kreises bekannt.“

Und die Polizei Konstanz schreibt, eine Meldung, nach der Menschen in Schutzanzügen herumlaufen würden, habe sich nicht bestätigt: „Sämtliche Überprüfungen der Polizei verliefen negativ, es konnten keine Personen angetroffen oder Nachweise erlangt werden, dass tatsächlich solche Personen unterwegs waren.“

Unsere Bewertung:
Richtig. Es gibt Warnungen von Polizeidienststellen und einzelnen Städten, dass Betrüger sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Das Ausmaß der Masche ist unklar. 

Image from iOS
Diese Falschmeldung leiten aktuell viele Menschen bei Whatsapp weiter (Screenshot: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

Viele Menschen verbreiten aktuell eine falsche Warnung vor aus der Luft verbreiteten Desinfektionsmitteln bei Whatsapp. Die Polizei München hat bereits öffentlich reagiert: Es handele sich um eine Falschmeldung. Auch das Innenministerium spricht von „Fake News“.

Die bei Whatsapp versandte Warnung vor Hubschraubern, die angeblich Desinfektionsmittel versprühen sollen, erfüllt typische Merkmale einer per Kettenbrief verbreiteten Falschnachricht: Sie schürt Ängste und warnt vor etwas. „Heute Abend ab 23:30 Uhr sollte niemand auf der Straße sein. Türen und Fenster sollten geschlossen bleiben, da 5 Hubschrauber Desinfektionsmittel in die Luft sprühen, um das Coronavirus auszurotten. Bitte verbreiten Sie diese Informationen an alle Ihre Kontakte!“ 

Die Zeitangaben sind scheinbar konkret, jedoch bei genauerem Hinsehen beliebig. Weder Ort noch Datum sind angegeben. Und zuletzt folgt wie bei allen Kettenbriefen der Aufruf, die Nachricht zu verbreiten. 

Nicht nur in Deutschland teilten viele Menschen die Warnung, sondern auch in Österreich. Sowohl die Polizei München als auch die Polizei Wien haben bereits öffentlich auf Twitter reagiert und klargestellt: Es handelt sich um eine Falschmeldung. „Nein! Hubschrauber versprühen keine Desinfektionsmittel über Bayern“, schrieb die Polizei München in einem Tweet am 22. März. „Insbesondere über Messenger-Dienste werden derzeit gezielt Falschmeldungen und böswillige Gerüchte verbreitet.“ 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Die Polizei Wien meldete auf Twitter: „Achtung Fake News. Da wir hier und via Notruf vermehrt besorgte Anfragen dazu bekommen: Es werden keine Hubschrauber über Wien fliegen und es werden auch keine Chemikalien versprüht!“  

Tweet der Polizei Wien vom 19. März 2020 (Screenshot: CORRECTIV).

Tweet der Polizei Wien vom 19. März 2020 (Screenshot: CORRECTIV).

Auf Anfrage von CORRECTIV schrieb ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am 23. März: „Bei der von Ihnen erwähnten Behauptung handelt es sich nach unserer Einschätzung um ‘„Fake News’“. Ein Versprühen von Desinfektionsmitteln per Hubschrauber ist nicht geplant. Sollten heute Abend Hubschrauberflüge stattfinden, dann nur im Rahmen der üblichen Einsätze (z.B. Rettungseinsätze).“

Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Bundesinnenministerium, Polizei München und Polizei Wien handelt es sich um eine Falschmeldung.