Problematisch laut Staatsanwaltschaft: Das Video zeigt unter anderem, wie Ersthelfer eine Herz-Rhythmus-Massage an der Verletzten durchführen. (Symbolbild)© CPR Training von Rama unter Lizenz CC BY-SA 2.0 fr

von Caroline Schmüser

Am S-Bahnhof Jungfernstieg in Hamburg tötete ein Mann mit einem Messer seine Ex-Frau und das gemeinsame Kind. Im Nachhinein wurde auf YouTube ein Video veröffentlicht, das kurz nach der Tat aufgenommen wurde. Gegen die Verbreiter des Videos wird nun rechtlich vorgegangen. Laut dem Blog „Jürgen Fritz“ geschieht dies unrechtmäßig.

Am 12.04.2018 ereignete sich in Hamburg eine schreckliche Tat: Ein Mann stach am S-Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer auf eine Frau und deren 1-jähriges Kind ein. Das Kind verstarb sofort, die Mutter erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den Opfern handelt es sich um die Ex-Frau des 33-jährigen Mannes aus dem Niger sowie das gemeinsame Kind.

Der Blog „Jürgen Fritz“ schreibt, der Täter habe „seinem einjährigen Kind den Kopf abgetrennt“. Als Quelle für diese Information nennt „Jürgen Fritz Blog“ ein YouTube-Video. Dieses Video wird schon seit mehreren Tagen von rechten Blogs wie „Truth24“ und „Schlüsselkind“ geteilt und kommentiert. Die Staatsanwaltschaft würde versuchen, dieses Detail zu vertuschen, und mit „harter Hand gegen diejenigen vorgehen, die sie für die Verbreitung des Videos verantwortlich machen“.

So kam es zu einer Hausdurchsuchung bei dem Mann, der das Video des Tatorts auf YouTube ursprünglich veröffentlicht hatte. Im Netz kursieren derzeit ein angeblicher Durchsuchungsbeschluss und ein Durchsuchungsprotokoll.  Die Dokumente enthalten auch nähere Details zum Tathergang. „Jürgen Fritz Blog“ nennt die Hausdurchsuchung „illegitim“.

Wir haben mit der Hamburger Staatsanwaltschaft und der Polizei Hamburg über die Vorwürfe gesprochen, und uns bei unabhängigen Experten zur Rechtslage kundig gemacht. Hier die Antworten.

Details zu Verletzungen gegen Persönlichkeitsrechte

Die Information, das Kind sei vom Täter enthauptet worden, entnimmt „Jürgen Fritz Blog“ einem YouTube-Video. Das Video wurde kurz nach der Tat am Tatort aufgenommen und zeigt den Körper des leblosen Kindes sowie die in einer Blutlache liegende Mutter, außerdem Zeugen, Lebensretter und Polizeibeamte. Der Filmende hält die Kamera immer wieder auf die Opfer und sagt an einer Stelle: „He cut off the head of the baby”.

Laut dem Autor Jürgen Fritz hatten die Polizei und Staatsanwaltschaft Hamburg nicht gewollt, dass die Öffentlichkeit erfahre, dass das einjährige Baby „geköpft wurde“. „Eine offizielle Bestätigung dazu gab es nicht und die sollte es wohl auch nicht geben“, so der Blog.

Auf Anfrage teilte uns die Oberstaatsanwältin Nana Frombach der Staatsanwaltschaft Hamburg mit, dass das Kind „aufgrund schwerer Schnittverletzungen am Hals verstarb.“ Mehr Details zum Tathergang sowie zu den Verletzungen der Opfer könne die Staatsanwaltschaft nicht geben.

Dies sei jedoch nicht unüblich, sondern habe rechtliche Gründe: Zum einen würden die Ermittlungen noch laufen, zum anderen könne man dies wegen dem „Schutz der Persönlichkeitsrechte des Kindes“ nicht mitteilen. Das Persönlichkeitsrecht gilt auch über den Tod einer Person hinaus.

„Erst wenn es zu einer gerichtlichen Anklage kommt, werden Details zum Tathergang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, erklärte Frombach.

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Behörden gehen gegen Veröffentlicher des Videos vor

Jürgen Fritz kritisiert nun, dass gegen die Männer, die das Video publik machten, strafrechtlich vorgegangen wird. An dem Video sei „nichts, aber auch gar nichts justiziabel“, heißt es im Artikel.

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders: Das Video steht im Verdacht, die Persönlichkeitsrechte der Verstorbenen zu verletzen. So macht sich laut Strafgesetzbuch strafbar, wer „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt“, und auch wer solche Bildaufnahmen „gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht“.

Obertaatsanwältin Nana Frombach teilte uns telefonisch mit, besonders problematisch sei, dass der entblößte Bauch der Verletzen und die Durchführung der Reanimationsmaßnahmen von Ersthelfern klar zu sehen seien. Die Frau rang während der Aufnahme außerdem mit dem Tod.

Das leugnet Jürgen Fritz. Er behauptet, „die am Tatort agierenden Ersthelfer bei der Durchführung der Herz-Rhythmus-Massage“ seien nicht zu sehen – das ist aber falsch. CORRECTIV kann nach Sichtung des Videomaterials die Aussage Frombachs bestätigen.

Eine weitere Begründung von Jürgen Fitz lautet, man sehe kein Gesicht und keine Verletzungen.

Juristisch umstritten

Die Begründung von Jürgen Fritz ist wohl nicht haltlos. Nora Lorentz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienrecht der Universität Köln, schätzte den Fall für uns sein.

Die Aussage „nichts, aber auch gar nichts justiziabel” ginge zu weit, so Lorentz. Eine Strafbarkeit der Verbreiter des YouTube-Videos sei nicht vollkommen ausgeschlossen. Aber sie sei auch nicht unbedingt zwingend und sogar zweifelhaft.   

Der Fall betreffe rechtlich, so Lorentz, eine Strafbarkeit nach § 201a StGB. Es würden sich jedoch zwei Probleme stellen: Zum einen, ob neben lebenden auch sterbende oder gestorbene Personen vom betreffenden Paragraphen umfasst seien. Dies sei in der juristischen Literatur umstritten.

Fraglich sei außerdem, ob die Frau oder das Kind auf dem Video entsprechend erkennbar waren. Auch zu dieser Sachlage gäbe es unterschiedliche Meinungen: Von einigen Juristen würde eine klare Erkennbarkeit gefordert, andere würden wiederum behaupten, die abgebildete Person müsse nicht zwingend vollständig erkennbar sein.

Unsere Bewertung:
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen die Veröffentlicher. Eine Strafe wurde noch nicht ausgesprochen, die Staatsanwaltschaft hält die Aufnahmen aber für problematisch. An der Strafbarkeit der beiden Männer bestehen juristische Zweifel.

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Dieser Flyer kursiert auf Sozialen Netzwerken. Er ist echt – es handelt sich um ein Projekt aus 2016, an dem das Bundesfamilienministerium jedoch nicht direkt beteiligt war. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Auf Facebook wird das Bild von einem alter Flyer verbreitet, auf dem „Kein Sex mit Nazis“ steht. Der Flyer ist echt – er wurde als Begleitzettel für Kondome auf einem Festival verteilt. Es handelte sich um die Aktion eines Jugendforums, das Bundesfamilienministerium war nicht direkt beteiligt.

Ein Facebook-Nutzer teilte das Bild eines Flyers auf Facebook, auf dem „Kein Sex mit Nazis“ steht. Darunter ist zu lesen, dass es sich um eine Anti-Rassismus-Kampagne des Jugendforums Kronach handele, die vom Bundesfamilienministerium gefördert werde.

Nutzer haben das Bild bei Facebook als potenzielle Falschmeldung gemeldet. Wir haben es überprüft.

Flyer ist echt – er wurde 2016 auf einem Festival verteilt

Wir haben das Bundesfamilienministerium mit dem Flyer konfrontiert. Per E-Mail schrieb uns Sprecher Michael Matzke: „Der Flyer war ein Begleitzettel für eine Aktion des Jugendforums der PfD [Anmerkung der Redaktion: Partnerschaft für Demokratie] Kronach. Im Rahmen des Festivals ‘Festung rockt 2016’, das am 28.05.2016 stattfand, wurden 1.000 Kondome verteilt. Über dieses unkonventionelle Give-Away wurden Gespräche mit den jugendlichen Teilnehmer*innen des Festivals über Demokratie, Rechtsextremismus und die Problematik eines zunehmenden Rassismus angeregt. Die Resonanz des Publikums war durchweg positiv.“

E-Mail des Bundesfamilienministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine direkte Förderung der Aktion durch das Bundesfamilienministerium sei allerdings nicht erfolgt. Die „Partnerschaften für Demokratie“ werden laut Sprecher Matzke im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Es gebe bundesweit 300 solche Partnerschaften. Über die Verwendung der Fördermittel entscheide dabei das federführende Amt, in dem Fall die Kommunen, selbst. 

„Eine direkte Förderung der Aktion durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist nicht erfolgt“, schreibt Matzke.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Solche Flyer gab es – sie wurden 2016 auf einem Festival verteilt, wurden aber nicht direkt vom Bundesfamilienministerium gefördert.

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Auf Facebook werden irreführende Behauptungen zur angeblichen Gesundheitsgefahr von Masken verbreitet. (Symbolbild: Unsplash / Vera Davidova)

von Lea Weinmann , Bianca Hoffmann

Seit Wochen wird im Netz behauptet, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen gesundheitsschädlich sei. Auf Facebook kursiert nun ein Beitrag, in dem es heißt: Masken schwächten das Immunsystem und förderten Atemwegserkrankungen. Die Behauptungen sind teils falsch, teils unbelegt.

In einem Beitrag auf Facebook vom 12. Mai wird behauptet, Masken würden krank machen und unser Immunsystem schwächen. Bisher wurde der Beitrag etwa 4.500 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptungen darin sind irreführend

Der Facebook-Beitrag zeigt ein Bild, in dem steht: „Bakterien, Viren sowie Keime aus der Mundhöhle gelangen durch die Maske in die Lunge und sorgen für Atemwegserkrankungen.“

Screenshot des Beitrags, der am 12. Mai auf Facebook geteilt wurde. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
Screenshot des Beitrags, der am 12. Mai auf Facebook geteilt wurde. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

In dem Text, den der Nutzer dazu geschrieben hat, wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann zitiert. Er habe angeblich über die Masken gesagt, dass sie krank machen würden, weil durch sie verhindert werde, dass Viren, Pilze und Bakterien in den Körper eindringen. Das habe zur Folge, dass das Immunsystem geschwächt werde. 

Die Aussage aus dem geteilten Bild und der dazugehörige Text widersprechen sich, sind aber auch für sich genommen falsch und unbelegt. 

Erste Behauptung: Bakterien, Viren und Keime aus der Mundhöhle gelangen durch die Mund-Nasen-Bedeckung in die Lunge und sorgen für Atemwegserkrankungen

„Hierfür gibt es keine Hinweise“, schreibt Dominic Dellweg, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), auf unsere Anfrage per E-Mail. Normalerweise atme der Mensch durch die Nase ein – wegen der Filterfunktion der Nase und aus Gründen der Atemgaserwärmung und Anfeuchtung. „Eine Maske wird nicht dazu führen, dass Erreger, die bereits in Mund oder Nasenhöhle sind, in die Lunge getragen werden“, schreibt Dellweg.

Es ist allerdings richtig, dass sich durch das Tragen an der Mund-Nasen-Bedeckung Bakterien bilden können. Marieke Degen, Pressesprecherin des Robert Koch-Institutes schrieb in einer E-Mail an CORRECTIV, dass es zu einer Kontamination der Maske mit der Mund-Rachen-Flora kommen könne. „Systemische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht.“

Es ist also möglich, dass sich durch die angesammelte Feuchtigkeit in der Maske Keime vermehren können, allerdings nicht in der Lunge, sondern an der Maske und im Mund-Rachen-Raum. 

Ob das dauerhafte Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung das Risiko für Atemwegserkrankungen erhöhen könnte, wurde in einer Studie von 2015 untersucht. Darin ging es eigentlich um die Effizienz von Stoffmasken. Mitarbeiter vietnamesischer Krankenhäuser sollten für die Studie während ihrer gesamten Schicht einen Mundschutz tragen. Eine Gruppe nutzte einen medizinischen Mundschutz, die andere Gruppe einen Stoffmundschutz. Einer Kontrollgruppe wurde freigestellt, ob sie einen Mundschutz tragen wollte – mit dem Resultat, dass sie die Maske weniger lange trugen und außerdem häufiger zu dem medizinischen Mundschutz griffen (PDF, Seite 6). 

Das Ziel der Studie war es, zu vergleichen, ob die zwei Maskenarten gleich effektiv sind. Das Ergebnis nach vier Wochen: Die Rate von Atemwegserkrankungen und grippeähnlichen Erkrankungen war in der Gruppe mit Stoffmasken am höchsten (PDF, Seite 1).

In der Diskussion zur Studie heißt es: „Die physikalischen Eigenschaften einer Stoffmaske, die Wiederverwendung, die Häufigkeit und Wirksamkeit der Reinigung sowie die erhöhte Feuchtigkeitsspeicherung können möglicherweise das Infektionsrisiko für HCWs [Anm. d. R.: Health Care Workers] erhöhen“ (PDF, Seite 6).

In dem Text in dem auf Facebook geteilten Bild wird jedoch nicht erklärt, um welche Art von Maske es geht. Die Studie aus Vietnam bezieht sich zudem auf den speziellen Fall, dass eine Stoffmaske stundenlang bei der Arbeit im Krankenhaus getragen wird.

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt.

Zweite Behauptung: Mund-Nasen-Bedeckung „tötet“ das Immunsystem, weil sie verhindert, dass Viren, Bakterien und Keime in den Körper gelangen 

In dem Text zum Bild auf Facebook wird behauptet, man „töte“ mit den Masken das eigene Immunsystem, weil dadurch der „Zugang“ zu Viren, Pilzen und Bakterien geschwächt sei. Das steht komplett im Widerspruch zur ersten Behauptung und ist zudem nicht korrekt. 

„Durch die Mund-Nasenmaske werden Erreger abgefiltert und erreichen so nicht mehr die oberen und unteren Atemwege“, schreibt Dominic Dellweg von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin per E-Mail. Ein Erreger, der nicht in das Körperinnere eindringe, werde auch keine Immunantwort hervorrufen. 

Jedoch: „Eine Schwächung der Immunantwort in dem Sinne, dass das Immunsystem auf ein Antigen schwächer reagiert, ist nicht zu erwarten.“

Fazit: Die Behauptung, dass das Immunsystem geschwächt werde, ist falsch. 

Rund um das Thema Masken verbreiten sich in der Corona-Krise zahlreiche irreführende oder falsche Behauptungen, zu denen wir bereits Faktenchecks veröffentlicht haben. Beispielsweise haben wir die falschen Behauptungen geprüft, unter Masken sammele sich gesundheitsschädliches CO2 oder Masken seien gefährlich für Kinder. Die Behauptungen, dass Masken die Sauerstoffversorgung verschlechtern und Lungenkrankheiten fördern, kursierten kürzlich zudem auch in Form eines Flyers auf Facebook und Whatsapp. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Tragen einer Maske schwächt das Immunsystem nicht. Unklar ist, ob Stoffmasken das Risiko, krank zu werden, erhöhen können.

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Symbolbild: Pillen. (Quelle: Bru-nO/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Auf Facebook und Youtube wird derzeit behauptet, Ernährungsministerin Julia Klöckner wolle Vitamin D verbieten. Das ist weder richtig, noch möglich. Sie will lediglich die Höchstwerte in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU vereinheitlichen.

In einem Youtube-Video wird behauptet, Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (CDU), wolle Vitamin D verbieten. Klöckner finde den Zugang zu Vitamin D „zu einfach“ und man bekomme „zu hohe Dosen“ (ab Minute 7:02). 

Das ist so jedoch nicht richtig. Klöckner möchte den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln regulieren und einheitliche Höchstmengen festlegen. Das Youtube-Video des Kanals „Rohe Energie“ wurde seit Anfang Mai 2020 mehr als 216.000 Mal angeklickt. Es handelt sich um einen Blog für vegane Ernährung. In der Beschreibung des Videos werden zahlreiche Links zu Webseiten gesetzt, die Vitamin-Produkte verkaufen. 

Auch der Arzt Michael Spitzbart griff die Behauptung am 11. Mai in einem Facebook-Beitrag auf. Er hatte in der Vergangenheit wiederholt irreführende oder falsche Behauptungen verbreitet – zum Beispiel, dass Vitamin C Viren „abtöten“ könne.

Vitamin D zu verbieten, wie es im Titel des Youtube-Videos heißt, ist nicht möglich, weil der Körper Vitamin D von selbst bildet. Die Behauptung basiert auf dem Vorschlag Klöckners, laut dem für den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln – also auch Vitamin-D-Präparaten – EU-Richtlinien eingeführt werden sollen. 

Am 20. April 2020 hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Pressemitteilung herausgegeben, in der Klöckners Forderungen an die EU-Kommission festgehalten sind. Es geht dabei um „verbindliche europäische Regeln für Nahrungsergänzungsmittel“ und „Höchstgehalte für Vitamine und Mineralstoffe“. 

Es ging also um Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und nicht nur um Vitamin-D-Präparate. Eine starke Überdosierung von Vitamin D durch solche Präparate kann gesundheitsschädlich sein. Es drohen laut Bundesinstitut für Risikobewertung unter anderem Nierenverkalkung und Nierensteine. Wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen 2018 mitteilte, gibt es gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte weder auf Bundes- noch auf EU-Ebene.

Reaktion auf falsche Werbeversprechen

Klöckner reagiert mit ihrem Vorstoß auch auf Behauptungen von Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln, diese würden Schutz vor dem Coronavirus bieten.  Gesundheitsbezogene Werbung wie die Aussage „schützt vor Viren“ sei verboten. „Man spielt nicht mit der Angst der Menschen. Diese Geschäftemacher dürfen keinen Erfolg haben!“, wird Klöckner zitiert. 

Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums: „Es gibt kein Nahrungsergänzungsmittel, das eine Infektion mit dem Virus verhindern kann. […] Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen gegen COVID-19 beweisen.“

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Ein Kooperationspartner des Youtube-Kanals, die Xucker GmbH, hat sich offenbar von dem Video distanziert. So findet sich in der Beschreibung auf Youtube der Hinweis, man empfinde „die falschen Behauptungen darin als problematisch“. „Die frühere Zusammenarbeit mit dem veganen Blog ‘Rohe Energie’ ist in Folge dieses Videos beendet.“

Vitamin D wurde in der Vergangenheit schon häufiger als vermeintliches Heil- oder Schutzmittel gegen SARS-CoV-2 angepriesen. Überprüft haben wir die Behauptungen etwa hier und hier. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten irgendeinen Einfluss auf eine Infektion mit dem Coronavirus hat. Das gelte auch für alle anderen Infekte, schrieb uns Jürgen Floege, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, im Zusammenhang mit einer anderen Recherche im April 2020.

Auszug aus der E-Mail von Jürgen Floege, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Julia Klöckner möchte nicht Vitamin D verbieten, sondern hat die EU-Kommission aufgefordert, einheitliche Höchstwerte für Nahrungsergänzungsmittel festzulegen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Julia Klöckner will Vitamin D nicht verbieten, sondern den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln regulieren.

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Drohte das sächsische Kultusministerium Eltern mit „Kindesentzug“ durch das Ordnungsamt, wenn sie einer Unterschriftenpflicht nicht nachkommen? Die Behauptung kursiert im Netz und ist größtenteils richtig – das Ministerium ruderte jedoch zurück. (Symbolbild: Pexels / CC0)

von Till Eckert

Im Netz kursiert die Behauptung, das sächsische Kultusministerium habe Eltern mit „Kindesentzug“ gedroht, wenn verpflichtende Unterschriften einer Gesundheitsbestätigung für die Schule fehlen. Das stimmt großteils – das Ministerium spricht von einer „unglücklichen Formulierung“.

In mehreren Blog-Artikeln wird berichtet, Sachsen drohe Eltern mit Kindesentzug, wenn sie ihren Kindern nicht eine tägliche Gesundheitsbestätigung in die Schule mitgeben sollten (hier und hier). Als Beleg dafür wird jeweils ein Elternbrief des sächsischen Kultusministeriums vom 16. Mai angegeben. Er ist unterschrieben von Christian Piwarz, Staatsminister für Kultus in Sachsen.

Auf Seite zwei geht es um eine tägliche Gesundheitsbestätigung für Kinder, die man auf der Coronavirus-Webseite Sachsens herunterladen kann. Sie muss im Rahmen der Corona-Maßnahmen täglich unterschrieben von Eltern abgegeben werden. Sie bestätigen damit, dass das Kind oder die Personen, die mit ihm zusammen leben, keine Covid-19-Symptome zeigen.

Die Artikel beziehen sich auf einen Unterpunkt im Brief des Kultusministeriums. Darin ist zu lesen: „Sie als Eltern sind verpflichtet, Ihr Kind umgehend von der Schule abzuholen, wenn Ihre Unterschrift für den konkreten Tag fehlt. Sofern Sie dem nicht nachkommen, ist die Schule in letzter Konsequenz verpflichtet, das Ordnungsamt einzuschalten – bis zur Inobhutnahme Ihres Kindes.“ 

Aus dem Brief des sächsischen Kultusministeriums an Eltern. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Seite Wochenblick spekuliert in ihrem Artikel, dass mit dieser Regelung angeblich „Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen gefügig gemacht werden“ sollen. Mit der Teilnahme an Demonstrationen durch die Eltern hat das Ganze aber nichts zu tun. Es geht um die Dokumentation des Gesundheitszustands der Kinder.

Kultusministerium: Brief ist echt, Formulierung „unglücklich“

Sprecherin Susann Meerheim vom Kultusministerium bestätigte CORRECTIV die Echtheit des Briefs telefonisch. Man habe Eltern damit jedoch vor allem sensibilisieren und keine Drohung aussprechen wollen: „Das mit der ‘Inobhutnahme’ war eine unglückliche Formulierung, die wir in unserem Blog inzwischen wieder gerade gezogen und aktualisiert haben“, sagt Meerheim. 

In dem Blog ist unter der Frage „Was passiert, wenn Eltern der Verpflichtung nicht nachkommen?“ aktuell zu lesen: „Das wiederholte Fehlen der Unterschrift kann unter Umständen auch ein Signal für häusliche Probleme, ggf. sogar eine Vernachlässigung sein, das heißt: der andauernden oder wiederholten Unterlassung fürsorglichen Handelns. In solchen Fällen kann in letzter Konsequenz gemäß § 50a Abs. 1 SächsSchulG die Einschaltung des Jugendamtes erfolgen.“

Meerheim sagt, man verstehe die Sorgen der Eltern, es gehe dabei allerdings nicht um Haftungsfragen, sondern um die Information für die Einrichtungen, ob die Kinder gesund sind.

Gerichtliche Verfahren zu Verhältnismäßigkeit der Gesundheitsbestätigung dauern an

Der Elternbrief löste dennoch eine Debatte aus. Auch der MDR berichtete darüber. Ein Vater hatte dem Medienbericht zufolge den Sinn einer Gesundheitsbestätigung in Frage gestellt; sie stelle einen Eingriff in die Grundrechte dar. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte sie daraufhin für „unverhältnismäßig“ erklärt. Das Kultusministerium fechtet diese Entscheidung jedoch an. 

Das Verwaltungsgericht Chemnitz schätzt die Unterschriftsabgabe laut MDR in einem zweiten Fall, in dem eine Frau geklagt hatte, als zumutbar für Eltern ein. Ein Antrag der Frau auf vorläufigen Rechtsschutz wurde abgelehnt. Das Chemnitzer Gericht bestätigte uns gegenüber einen entsprechenden Beschluss vom 25. Mai per E-Mail. „Inhaltlich hat das Verwaltungsgericht Chemnitz die Abgabe der Gesundheitsbestätigung für verhältnismäßig und zulässig erachtet“, schreibt Sprecher Jeannot Reichert.

Ein gerichtlicher Streit um die Gesundheitsbestätigung dauert demnach an. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Der Elternbrief ist echt, das Kultusministerium spricht von einer „unglücklichen Formulierung“.

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Symbolbild: Ziege. (Quelle: NickyPe/Pixabay)

von Steffen Kutzner

John Magufuli, der Präsident Tansanias, hat in einer auf Youtube kursierenden Rede behauptet, dass in seinem Land unter anderem eine Papaya, ein Huhn und eine Ziege positiv auf das Coronavirus getestet worden wären. Es gibt viele Gründe für Zweifel an dieser Aussage.

Tansanias Präsident John Magufuli hat behauptet, in seinem Land seien unter anderem Proben einer Papaya, einer Ziege und eines Frankolinhuhns mit erfundenen Namen versehen und im Labor positiv auf das Coronavirus getestet worden. 

Getestet worden seien Magufulis Behauptungen zufolge auch Proben von Motoröl und einem Schaf, die negativ gewesen seien, sowie einer Zibetfrucht und eines Kaninchens. Diese seien ohne eindeutigen Befund gewesen, sagt er in einer Rede, die am 7. Mai auf Youtube hochgeladen und seither 60.000 Mal aufgerufen worden war. Auch die Nachrichtenagentur Reuters griff die Behauptung Magufulis auf. 

In einem Facebook-Post, in dem die Rede aufgegriffen wurde, wird behauptet, Christian Drosten hätte den Test entwickelt. „Es war schon immer eine große Diskussion, wie genau der PCR-Test bezüglich Covid-19 ist“, schreibt der Nutzer. Es gebe Befürchtungen, der Test sei „nicht effektiv“. Da jedoch nicht klar ist, welcher Test in Tansania eingesetzt wurde, ist die Behauptung, es sei dieselbe Art von Tests wie in Deutschland, nur Spekulation. 

In einem Faktencheck hat CORRECTIV drei deutsche Universitätskliniken zu dem dort eingesetzten PCR-Test befragt. Alle teilten mit, dass der Test sehr genau sei. „Falsch positive“ Ergebnisse, also der Nachweis des Coronavirus wenn es eigentlich gar nicht vorhanden ist, seien „nahezu ausgeschlossen“, so die Experten. 

Magufulis Aussagen fehlt zudem entscheidender Kontext: Die gängigen PCR-Tests auf den Coronavirus SARS-CoV-2 wurden für die Anwendung bei Menschen konzipiert. 

PCR-Tests liefern bei Papayas keine zuverlässigen Ergebnisse

Karsten Becker, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald, schreibt auf eine Anfrage von CORRECTIV: „PCR-basierte Tests können die Nukleinsäure des Virus vom Testprinzip her in den verschiedensten Materialien nachweisen“. Allerdings könne das Untersuchungsmaterial die Testreaktion negativ beeinflussen und insbesondere zu falsch-negativen Befunden führen. Denn die Reaktion in den Tests müsse „immer für das zu untersuchende Material evaluiert werden, bevor man valide Testergebnisse bekommen kann“, so Becker. 

Auszug der E-Mail von Karsten Becker, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald. (Screenshot: CORRECTIV)

Das bedeutet: Wird ein Test, der eigentlich für die Verwendung beim Menschen entwickelt und evaluiert wurde, für Ziegen, Papayas und Motoröl verwendet, ist das Testergebnis – ob positiv oder negativ – in jedem Fall zweifelhaft.

Infektion von Pflanzen „in höchstem Maße unwahrscheinlich“ 

Abgesehen davon, dass die PCR-Tests nicht für Papayas ausgelegt sind, ist Magufulis Schlussfolgerung, die Papaya sei offenbar vom Coronavirus befallen, fragwürdig. 

Uwe Truyen, Professor für Tierhygiene und Tierseuchenbekämpfung an der Universität Leipzig schrieb uns: „Dass ein Virus Säugetiere und Pflanzen befällt und sich in beiden Wirten vermehren kann, ist nie beschrieben worden und in meinen Augen auch völlig unmöglich.“

Auszug aus der E-Mail von Uwe Truyen. (Screenshot: CORRECTIV)

Und auch Christina Wege, Leiterin der Forschungseinheit Molekulare und Synthetische Pflanzenvirologie der Universität Stuttgart, erklärt dazu: „Meines Wissens gibt es keinen einzigen Fall, in dem ein Säugetiervirus in einer Pflanze aktiv ist bzw. eine Pflanze aktiv befällt und sich darin vermehrt/ausbreitet.“ 

Auszug der E-Mail von Christina Wege, Leiterin der Forschungseinheit Molekulare und Synthetische Pflanzenvirologie der Universität Stuttgart. (Screenshot: CORRECTIV)

Hühner nicht infizierbar, Ziegen noch ungeprüft

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hat zum Coronavirus und Tieren bereits erste Erkenntnisse durch Infektionsstudien in Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen gewonnen. Schon am 2. April veröffentlichte das Institut eine Pressemitteilung, in der es heißt, Flughunde und Frettchen seien empfänglich für eine Infektion, Schweine und Hühner dagegen nicht. 

Eine Pressesprecherin des FLI erklärt gegenüber CORRECTIV, der Grund dafür sei, dass die für eine Infektion notwendigen Zellrezeptoren bei Vögeln nicht gut passen würden. Damit ist die Aussage von John Magufuli, es sei auch ein Frankolinhuhn positiv getestet worden, ebenfalls zweifelhaft. 

Auszug aus der E-Mail des FLI. (Screenshot: CORRECTIV)

Warum der Kontext von Proben wichtig ist

Ein Kontext, den John Magufuli in seiner Rede weglässt, ist, dass ein positiver Test nicht zwingend bedeutet, dass eine Infektion da vorliegt, wo die Probe entnommen wurde. Das Virus kann laut Studien auch auf Karton, Edelstahl oder Kunststoff nachgewiesen werden, das bedeuten aber nicht, dass diese Stoffe „infiziert“ wären. Sondern nur, dass das Virus auf der Oberfläche vorhanden ist, weil zum Beispiel jemand vorher darauf gehustet hat. Dasselbe gilt für Papayas, deren Isolation Magufuli ironisch vorschlägt. (ab 1:56 im Video) 

Auch das FLI weist darauf hin, dass ein alleiniger Nachweis des Virus im Fell oder auf den Schleimhäuten einer Ziege nicht gleichbedeutend sei mit einer Infektion. Eine Übertragung sei zum Beispiel auch durch Anniesen möglich. „Eine solche Übertragung bedeutet nicht, dass eine Infektion in dem Tier angeht und es zu einer relevanten Virusvermehrung kommen muss.“

Auszug aus der E-Mail des FLI. (Screenshot: CORRECTIV)

Falsche Handhabung als Fehlerquelle

Magufuli unterstellt in seiner Rede, dass entweder die Mitarbeiter des Labors bestochen wurden, oder dass die importierten Testkits manipuliert sein müssen. Er forderte die WHO auf, etwas dagegen dieses „schmutzige Spiel“ zu unternehmen. (ab 2:35 im Video

Zur Fehlerquelle von falschen Testergebnissen haben wir im April für einen Faktencheck deutsche Universitätskliniken um Einschätzung gebeten. Corinne Klett vom Zentralinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Klinikum Stuttgart schrieb dazu: „Als Fehlerquelle kommt vor allem die Präanalytik in Frage, also bspw. ungenügende Abstrichtechnik, Probenverwechslung oder auch zu lange Lagerung bzw. Transportzeiten.“

Welche Tests in Tansania verwendet wurden, ist unklar

Laut ZDF wurden die Tests vom Africa CDC und der Stiftung des Alibaba-Gründers Jack Ma bereit gestellt. CORRECTIV hat die Africa Centres for Disease Control and Prevention ebenfalls angeschrieben, um herauszufinden, welche Art von Coronatests benutzt worden sein sollen und von welchem Hersteller sie stammten. Wir haben jedoch keine Antwort erhalten. Auch das Medical Stores Department antwortete uns nicht auf diese Fragen. Das Medical Stores Department ist die tansanische Behörde, die im Land für die Verteilung von medizinischem Equipment an Krankenhäuser zuständig ist.

Jedoch wären die Angaben der Behörden Tansanias auch mit Vorsicht zu genießen. Präsident Magufuli leugnet laut Medienberichten die Gefährlichkeit des Virus und hat für die Bekämpfung von Covid-19 Gebete, eine Kräutermischung und das Inhalieren von Wasserdampf empfohlen. Die Faktenchecker von Africa Check haben das bereits als nutzlos entlarvt.

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Am 25. Mai hatte Tansania laut WHO 509 bestätigte Corona-Fälle und 21 Tote. Seit 17 Tagen wurden keine neuen Fälle mehr gemeldet. Tansania ist eines der wenigen Länder Afrikas, die nicht täglich neue Zahlen an die WHO melden. Die US-Botschaft in Tansanias größter Stadt Daressalam bewertete das Risiko, sich dort mit Covid-19 zu infizieren am 13. Mai als „extrem hoch“; Krankenhäuser seien „seit Wochen überfüllt“.

Fazit

Die Aussagen John Magufulis lassen sich nicht belegen, zumal unklar ist, welche Art von Tests verwendet wurde. Ein positiver Test bedeutet zudem nicht zwingend, dass eine Infektion da vorliegt, wo die Probe entnommen wurde.

Die gängigen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 sind nicht für die Anwendung an Papayas oder Ziegen ausgelegt, sondern für Menschen, daher sind die Ergebnisse bei dieser Anwendung zweifelhaft. Das FLI und Wissenschaftler verschiedener Universitäten bestätigten uns, dass eine natürliche Übertragung des Coronavirus in das Innere von Pflanzen und Früchten sehr unwahrscheinlich sei. Auch Hühner seien nachweislich nicht infizierbar. Ob Ziegen infiziert werden können, ist bisher noch unklar, laut FLI aber unwahrscheinlich.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es ist unklar, welche Tests verwendet wurden.

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Symbolbild. (Quelle: Dagmar Bendel/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Gera habe eine Polizistin mit dem Einsatz der Waffe gedroht, behaupten Nutzer auf Facebook und Youtube. Tatsächlich ist die Aussage der Frau in dem Video schwer zu verstehen. Sie drohte, Pfefferspray einzusetzen.

Auf Youtube wurde am 17. Mai ein Video hochgeladen, in dem eine Polizistin einen Demonstranten mit den Worten zurückdrängt: „Gehen Sie zurück oder ich setze [undeutlich] ein!“ Über die Stelle, die nicht ganz klar verständlich ist, wird von einigen Nutzern behauptet, die Polizistin habe „die Waffe“ gesagt. Etwa im Titel dieses Videos, das bei Minute 8:04 dieselbe Szene aus einer anderen Perspektive zeigt. Auch der Deutschland Kurier veröffentlichte eine Version des Videos auf Youtube, die bis zum 27. Mai über 70.000 Mal angeklickt wurde. 

Tatsächlich drohte die Polizistin jedoch den Einsatz von „Pfeffer“, also Pfefferspray, an. 

Das Video entstand offenbar bei einer Demonstration in Gera am 16. Mai. Der Ort wird in der Beschreibung mehrerer Youtube-Videos genannt. Eine Pressereferentin der Stadtverwaltung bestätigte gegenüber CORRECTIV, dass es an diesem Tag eine genehmigte Demonstration mit 50 angemeldeten Teilnehmern geben sollte. Die Demonstration sei jedoch noch vor Beginn von dem Verantwortlichen abgebrochen worden. Es demonstrierten dennoch etwa 200 Teilnehmer.

Screenshot der E-Mail der Stadtverwaltung Gera. (Screenshot: CORRECTIV)

Polizei Thüringen dementiert Androhung der Waffe 

Die Polizei Thüringen äußerte sich noch am 16. Mai auf Twitter zu dem Vorfall. Demnach sei die Polizistin „von einem Versammlungsteilnehmer körperlich und verbal angegangen“ worden und „drohte daraufhin unmittelbaren Zwang an“. Weiter schrieb die Polizei: „In gewissen Kreisen wird diese Ansage als Androhung der Schusswaffe ausgelegt, was wir aufgrund der aktuell vorliegenden Informationen nicht bestätigen können.“ 

Tweet der Polizei Thüringen vom 16. Mai zu dem Vorfall im Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb ein Sprecher der Landespolizeidirektion Thüringen, dass die Beamtin „Gehen Sie zurück, oder ich setze Pfeffer ein!“ gesagt habe. 

Auszug aus der E-Mail der Landespolizeidirektion Thüringen (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Verschiedene Videos zeigen die Situation

Auf Youtube sind mehrere Videos zu finden, die die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeichnet haben, unter anderem hier. In den Videos ist deutlich zu erkennen, dass ein Demonstrant plötzlich schnell auf eine Polizistin zugeht, die ihn daraufhin zurückdrängt. In einem kurzen Gerangel ruft sie: „Gehen Sie zurück, oder ich setze Pfeffer ein.“ Bei einer verlangsamten Wiedergabegeschwindigkeit von 0,75 ist das Wort „Pfeffer“ zum Beispiel in diesem am 16. Mai hochgeladenen Video auf Youtube deutlich zu hören. Dazu schrieb der Kanalinhaber: „Der für heute geplante Stadtspaziergang in Gera für Grundrechte und gegen Corona Maßnahmen wurde durch die Polizei mit Androhung von Waffengewalt? (Pfeffergas) aufgelöst (Minute 8.50).“ 

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Falsch. Die Polizistin drohte mit dem Einsatz von „Pfeffer“, nicht der Waffe.

SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF 2019
Bill Gates am 22. Januar 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Einen Tag später gab er dem Fernsehsender CNBC ein Interview. (Symbolfoto: picture alliance/KEYSTONE)

von Cristina Helberg

In der Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“ wird ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Bill Gates verbreitet. Angeblich habe er in einem Interview verraten, er wolle alle Menschen impfen und so einen Gewinn von 2.000 Prozent machen. Das ist irreführend verkürzt.

„Bill Gates hat am Mittwoch bei CNBC verraten, warum er uns alle impfen will: Für einen Gewinn von 2000 Prozent“, schrieb am 20. Mai ein Nutzer in die deutsche Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“. Dazu veröffentlichte er einen zehn Sekunden langen Videoausschnitt als angeblichen Beleg. Der Post wurde laut den Angaben bei Telegram mehr als 116.00 Mal gesehen. Wir haben die Behauptung geprüft. 

Das Video ist ein Ausschnitt eines Fernsehinterviews des US-amerikanischen Senders CNBC mit dem Microsoft-Gründer Bill Gates am 23. Januar 2019 beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. 

Die Reporterin fragt Bill Gates zu Beginn des Videos mit Verweis auf einen kürzlich von ihm erschienen Artikel: „Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten 10 Milliarden Dollar in Impfungen investiert und Sie haben die Rentabilität der Investition ausgerechnet. Könnten Sie uns die Zahlen erklären?“

Bill Gates antwortet darauf: „Es ist ziemlich beeindruckend, wenn man diese Impfstoffe nimmt, sie sehr preiswert macht, […] ein Liefersystem entwickelt, so dass sie wirklich die Abdeckung da draußen bekommen, rettet man buchstäblich Millionen von Leben. […] Wir sehen eine phänomenale Erfolgsgeschichte. Es waren hundert Milliarden, die die Welt insgesamt investiert hat, unsere Stiftung etwas mehr als 10 Milliarden, aber wir haben das Gefühl, dass es einen Mehrwert von mehr als zwanzig zu eins gegeben hat. Wenn man sich also nur den wirtschaftlichen Nutzen anschaut, ist das eine ziemlich starke Zahl im Vergleich zu allem anderen, der menschliche Nutzen in Millionen von geretteten Leben […]“. 

Der Teil der Antwort, in dem deutlich wird, dass Bill Gates als Wertsteigerung den immateriellen Wert geretteter Leben betrachtet, ist in der Telegram-Nachricht abgeschnitten. So wird suggeriert, Bill Gates wolle durch Impfprogramme extrem hohe finanzielle Gewinne machen. 

Die Reporterin fragt in dem Interview weiter nach: „Ich denke, die Zahlen, die Sie durchgespielt haben, waren, wenn Sie das Geld in den S&P 500 [Anmerkung der Redaktion: Aktienindex von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen] investiert und die Dividende reinvestiert hätten, würden Sie auf etwa 17 Milliarden Dollar kommen, aber Sie denken, es sind 200 Milliarden Dollar? 

Bill Gates antwortet: „Hier, ja. Wissen Sie, kleinen Kindern zu helfen, zu leben, die richtige Ernährung zu bekommen, einen Beitrag für ihre Länder zu leisten, das hat eine Rückvergütung, die über jeden typischen finanziellen Ertrag hinausgeht”.

Bill Gates veröffentlichte Artikel in Wall Street Journal 

Bei dem von der Reporterin zu Beginn erwähnten Artikel, handelt es sich um einen Text, den Bill Gates wenige Tage vor dem CNBC-Interview, am 16. Januar 2019, im Wall Street Journal veröffentlicht hatte.

Darin schreibt er über seine Investitionen in drei internationalen Gesundheitsorganisationen: Die Impfallianz Gavi, den Global Fund und die Global Polio Eradication Initiative (GPEI). Diese hätten mit ihrem Ziel, Leben zu retten und Leid zu beenden, nicht nur alle Erwartungen übertroffen, sondern seien auch in einem traditionellen Sinn von Investitionen erfolgreich gewesen: „Sie haben eine Menge Wohlstand geschaffen, denn wenn die Menschen nicht krank im Bett liegen, können sie zur Arbeit oder zur Schule gehen.“

Darauf folgt ein Gedankenexperiment von Gates, in dem er auf ein Rechenmodell des Copenhagen Consensus Center verweist. 

„Nehmen wir an, unsere Stiftung hätte nicht in Gavi, den Global Fund und GPEI investiert und stattdessen diese 10 Milliarden Dollar in den S&P 500 gesteckt und versprochen, den Rest 18 Jahre später den Entwicklungsländern zukommen zu lassen. In der vergangenen Woche hätten diese Länder etwa 12 Milliarden Dollar erhalten, inflationsbereinigt, oder 17 Milliarden Dollar, wenn wir die reinvestierten Dividenden mit einbeziehen.“

Weiter rechnet Gates vor, eine Investition der 10 Milliarden Dollar in Energieprojekte in den Entwicklungsländern hätte eine Rendite von 150 Milliarden Dollar gebracht. Eine Investition der Summe in Infrastruktur 170 Milliarden Dollar. 

„Durch Investitionen in globale Gesundheitsinstitutionen haben wir jedoch all diese Renditen übertroffen: Die 10 Milliarden Dollar, die wir für die Bereitstellung von Impfstoffen, Medikamenten, Moskitonetzen und anderen Hilfsgütern in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellten, brachten einen geschätzten sozialen und wirtschaftlichen Nutzen von 200 Milliarden Dollar“, so Gates. 

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Die Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“, in der die falsche Behauptung verbreitet wurde, hat mehr als 22.000 Abonnenten. „QAnon“ ist ein Netzwerk US-amerikanischer Verschwörungsanhänger, die glauben, es gebe einen „Tiefen Staat“ („Deep State“) von Eliten, und Donald Trump gehe gegen diese vor. Teil dieses Mythos ist auch die Behauptung, eine Elite aus Politikern und Stars entführe Kinder in unterirdische Lager, um sie dort sexuell zu missbrauchen und das Stoffwechselprodukt Adrenochrome aus Ihnen zu sammeln und sich so zu verjüngen. 

Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang Falschmeldungen auf, zum Beispiel Bilder dieser angeblichen Untergrundlager, die wir unter anderem hier geprüft haben.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Zitat ist irreführend verkürzt. Bill Gates bezieht sich auf einen theoretischen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert durch Gesundheitshilfe.

Keime
Dieses Foto kursiert auf Facebook. Es zeigt angeblich Keime, die von einem Mundschutz stammen und belegen sollen, dass das Tragen einer Maske gesundheitsgefährdend sei. (Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

Auf Facebook kursiert ein Foto einer Petrischale voller Keime. Es soll beweisen, dass ein Mundschutz der Gesundheit schade. Im Text dazu werden Symptome beschrieben, die nach dem Tragen auftreten sollen. Die Behauptungen sind teilweise unbelegt und irreführend.

Auf Facebook kursiert seit mehreren Wochen ein Foto, das angeblich eine Petrischale voller Keime zeigt. In dem Text dazu wird behauptet, dass sich diese Keime nach dem siebenstündigen Tragen einer Atemmaske angesammelt hätten. Laut dem Bild handelte es sich vermutlich um einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske). Mit dem Text Angeblich sollen uns diese Masken schützen! Leider ist das Gegenteil der Fall wird suggeriert, dass ein solcher Mundschutz gesundheitsschädlich sei. Zudem werden mehrere Symptome aufgezählt, die das Tragen angeblich hervorruft, so wie Atemnot oder Hautprobleme. 

Das Bild wurde von verschiedenen Personen auf Facebook geteilt, zum Beispiel hier und hier. Beide Beiträge wurden am 16. Mai veröffentlicht und insgesamt mehr als 46.000 Mal geteilt.  Auch in der Telegram-Gruppe Geheimnis der Gesundheit mit mehr als 6.500 Mitgliedern wurde es geteilt. CORRECTIV überprüfte die Behauptungen: Sie sind unbelegt und teilweise falsch. 

Erste Behauptung: Am Mundschutz sammeln sich zahlreiche Keime

In dem Text zu dem Foto einer Petrischale voller Keime wird behauptet, dass von einem Mundschutz, der sieben Stunden lang getragen wurde, ein Abstrich genommen wurde und nach 24 Stunden in einem Brutschrank zahlreiche Keime entstanden seien. Es wird suggeriert, dass diese Keime gefährlich seien.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) schrieb dazu per E-Mail auf eine Anfrage von CORRECTIV: „Welche Keime das sind, ist aus der Kultur alleine nicht zu erkennen. Die Kulturplatte würde aber auch so aussehen, wenn man darauf spucken würde. Im Mundraum und den Atemwegen sind eben viele Bakterien bei jedem von uns. Man bezeichnet das als die normale ,Flora’. Diese Bakterien haben aber keinen Krankheitswert.”

E-Mail von der Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Mundschutz muss regelmäßig gewechselt werden

Wie wir in einem Faktencheck bereits recherchiert haben, ist der richtige Umgang mit dem Mund-Nasen-Schutz wichtig. Wenn die Maske nach längerem Tragen feucht sei, sollte sie gewechselt werden, schrieb uns Marieke Degen vom Robert-Koch-Institut. Es könne zu einer Kontamination der Maske mit der Mund-Rachen-Flora kommen – also mit Bakterien. „Systematische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht”, schrieb sie zudem.

Der Mundschutz muss regelmäßig gewechselt und – im Falle einer wiederverwendbaren Maske aus Stoff – gereinigt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, selbstgenähte Masken nach der Nutzung in einem Beutel luftdicht verschlossen aufzubewahren oder sofort zu waschen. Idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad. 

Bewertung: Das Foto der Petrischale belegt nicht, dass sich gesundheitsgefährdende Keime in der Maske sammeln.

Zweite Behauptung: Mundschutz ruft Atemnot hervor durch Einatmen des ausgeatmeten CO2 

Diese Behauptung haben wir bereits in einem anderen Faktencheck überprüft. Sie ist falsch. 

Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts schrieb dazu per E-Mail an CORRECTIV: „Dass man mehr CO2 einatmet, stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“ 

Und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erklärte uns, dass ein Mund-Nasen-Schutz aus Stoff die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht ändere. „Alle Moleküle der Raumluft, und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid, können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.“

Der Ursprung der Behauptung über CO2 ist eine Studie an der Technischen Universität München aus dem Jahr 2005, die sich mit der „Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal“ beschäftigte. Die Studie kam damals zu dem Ergebnis, dass CO2 beim Ausatmen durch eine OP-Maske nur teilweise entweichen könne. „Dieser Effekt führte zu dem Ergebnis, dass die Probanden Luft einatmeten, deren CO2-Gehalt höher war als derjenige der umgebenden Raumluft“, schrieb die Autorin. Dadurch steige die Kohlendioxid-Konzentration im Blut. (PDF, S. 35)

Das könne zu einer Zunahme der Reaktionszeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit führen. Die Autorin der Studie empfahl Herstellern von OP-Masken deshalb, ihre Produkte durchlässiger für Kohlendioxid zu machen. (PDF, S. 41 und 42)

Die Studie beschäftigte sich ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also dem klassischen Mund-Nasen-Schutz (PDF, S.18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Masken wurde nicht untersucht. Sowohl der medizinische Mund-Nasen-Schutz als auch die filtrierenden Halbmasken sind durch das Deutsche Institut für Normierung (DIN) zertifiziert und zugelassen. Beide Zertifizierungen wurden zuletzt 2009 überarbeitet, also vier Jahre, nachdem die Studie an der TU München erschienen ist.

Bewertung: Die Behauptung ist falsch, durch das Tragen eines Mundschutzes atmet man nicht zu viel CO2 ein. 

Dritte Behauptung: Mundschutz löst Bronchialbeschwerden und Gerstenkörner aus

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin  schrieb CORRECTIV per E-Mail, dass Bronchialbeschwerden beispielsweise bei einer normalen Baumwollmaske nicht auftreten. „Die zum Maskenbau benutzten Stoffe sollten ,biokompatibel’ sein, so nennt es die EN 14683 Norm.“ 

„Biokompatibilität“ ist in der Norm eine Anforderung, die die Verträglichkeit ohne negative oder unerwünschte Nebenwirkungen zusichern soll. Das heißt, um zugelassen zu werden, müssen medizinische Masken frei von Nebenwirkungen sein – das schließt Bronchialbeschwerden ein. 

Selbstgenähte Stoffmasken sind nicht zertifiziert und können aus verschiedenem Material sein, daher kann nicht geprüft werden, ob sie Beschwerden verursachen können.

Auszug aus der Norm EN 14483. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Text wird zudem behauptet, dass das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ein Gerstenkorn, also eine akute Entzündung durch eine bakterielle Infektion am Augenlid, hervorrufen könne. Dass dies eine Nebenwirkung des Masketragens sein könnte, verneint die DGP. Ein Mund-Nasen-Schutz berührt beim ordnungsgemäßen Tragen auch nicht die Augen. 

Bewertung: Die Behauptungen sind laut DGP größtenteils falsch. Ein medizinischer Mundschutz muss Normen entsprechen, daher löst er keine Bronchialbeschwerden und auch kein Gerstenkorn aus.

Vierte Behauptung: Hautjucken und Pickelbildung sind Symptome nach dem Tragen eines Mundschutzes

Auf Anfrage von CORRECTIV schrieb die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, dass Hautjucken entstehen könne, wenn jemand auf das Material des Mund-Nasen-Schutzes allergisch sei. Hier weist die DGP nochmals auf die Biokompatibilität hin. 

Zudem könne jede Hautbedeckung am Körper zu Pickelbildung führen. „Das ist im Gesichtsbereich keine Ausnahme, aber auch kein besonderes Problem.“

Auszug aus der E-Mail der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Bewertung: Die Behauptung ist teilweise falsch, weil Kontext fehlt. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz führt nur bei Allergien gegen das Material des Mundschutzes zu Hautjucken. Zudem können bei jeder Art von Hautbedeckung Pickel auftreten.

Fazit: Die Behauptungen sind unbelegt und teilweise falsch. Das Foto der Petrischale belegt nicht, dass sich gesundheitsgefährdende Keime in der Maske sammeln. Die pauschale Behauptung, durch das Tragen eines Mundschutzes atme man mehr CO2 ein, ist falsch. Zudem treten die beschriebenen Symptome nicht auf, wenn keine Allergie besteht und der Mund-Nasen-Schutz ordnungsgemäß getragen wird.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto belegt nicht, dass ein Mundschutz die Gesundheit gefährdet; die Behauptungen sind zudem irreführend.

Header
Blanko-Version der satirischen Benachrichtigungskarte. (Collage: CORRECTIV)

von Steffen Kutzner

Auf Whatsapp und Twitter macht ein Foto einer Benachrichtigungskarte die Runde, die angeblich von der WHO stammt. Die Karte verbindet mehrere Verschwörungstheorien miteinander und ist vermutlich als Satire gedacht, wird aber missverstanden.

Auf Whatsapp, Facebook und Twitter wird das Foto einer Benachrichtigungskarte geteilt, die das Logo der WHO trägt und angeblich über den verpassten Besuch eines Impfteams informiert. Das Kartendesign erinnert an die Benachrichtigungskarten, die Paketboten hinterlassen, wenn der Empfänger nicht angetroffen wurde. Das Blau der WHO und das des Logistikunternehmens Hermes ähneln sich zudem sehr, wie auch eine Bilderrückwärtssuche mit der Suchmaschine Yandex zeigt.

Es handelt sich bei der Karte um Satire, die jedoch von manchen Nutzern offenbar missverstanden wird. Leserinnen und Leser schickten uns das Bild per Whatsapp zu. Auf Facebook wurde das Bild gepostet mit den Worten: „Warten wir in Ruhe ab, wie lange es dauert bis auch diese #Theorie durch die #Wirklichkeit bestätigt wird!“

Anspielung auf verschiedene Verschwörungstheorien

Auf der Karte wird auf verschiedene Mythen rund um das Coronavirus angespielt. So könne man Termine für die Impfung unter einer fiktiven Kundenhotline vereinbaren, die angeblich zu Microsoft gehört – ein Seitenhieb auf Bill Gates, der Gegenstand etlicher Falschmeldungen ist, zu denen wir etwa hier und hier Faktenchecks veröffentlicht haben. 

Die auf der Karte angegebene Webseite existiert nicht, unter der Telefonnummer erreicht man ein Faxgerät und der Barcode ist mit zwei von drei getesteten Smartphone-Apps zwar lesbar, führt aber zu keinem hinterlegten Produkt. Die Telefonnummer enthält zudem vier Mal die Nummer 23, die Verschwörungstheoretiker mit dem angeblichen Geheimbund der Illuminaten in Zusammenhang stellen

Sollte man erneut nicht angetroffen werden, so heißt es auf der Karte, würde die Impfdosis noch sieben Werktage aufbewahrt werden, „danach werden wir 5G gegen Sie einsetzen.“ Auch der neue Mobilfunkstandard 5G war in den letzten Monaten immer wieder Anlass für Falschmeldungen, die wir unter anderem hier und hier überprüft hatten.

Foto der Benachrichtigungskarte, die auf Whatsapp kursiert. (Quelle: This is it/Twitter)

Dass die Karte nicht wirklich von der WHO stammt, lässt sich auch daraus ableiten, dass „SARS-CoV-2“ falsch geschrieben ist und sich auf angebliche „Besatzungsmächte“ bezogen wird, die am 15. Mai einen „Beschluß“ [sic] zur Impfpflicht gefasst hätten. Die angebliche Kontrolle der BRD durch die Besatzungsmächte des Zweiten Weltkrieges und die Vorstellung einer ebenfalls auf der Karte erwähnten „BRD GmbH“ stammt aus dem Kontext der so genannten Reichsbürger. Der Verfassungsschutz schreibt dazu: „In ihrer Gesamtheit ist die Szene der ‘Reichsbürger’ und ‘Selbstverwalter’ als staatsfeindlich einzustufen.“

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland, außer gegen die Masern, nicht. Auch existiert noch kein Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Der 15. Mai war das Datum, das Verschwörungstheoretiker wie Attila Hildmann als Beginn der so genannten Neuen Weltordnung ausgerufen hatten.

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Die Benachrichtigungskarte wurde zuerst am Abend des 17. Mai 2020 von dem Twitter-Account „This is it“ gepostet, der kurz danach unter demselben Tweet auch die Blanko-Version veröffentlichte. Laut Profil des Accounts gehört er einem nicht namentlich genannten freien Satire-Autor „von Postillon bis extra3“. 

Fazit: Die Benachrichtigungskarte ist offensichtlich als Seitenhieb auf die vielen verschiedenen Verschwörungstheorien gemeint, die im Zuge der Corona-Pandemie kursieren. 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Benachrichtigungskarte ist Satire.

Symbolbild Maske
Auf Facebook und Whatsapp verbreiten sich teilweise falsche Behauptungen zum Tragen von Masken. (Symbolbild: Adam Nieścioruk / Unsplash)

von Lea Weinmann

In den Sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Flyer, der vor angeblichen Gesundheitsgefahren beim Tragen von Masken warnt. Die Behauptungen darin sind falsch oder stark verkürzt dargestellt. Der Autor des Papiers zweifelt die Existenz des Coronavirus generell an, sagt er gegenüber CORRECTIV.

Das Foto eines Informationspapiers zum Thema Masken verbreitet sich auf Facebook. Auf diesem Flyer werden verschiedene angeblich gesundheitsschädliche Gefahren aufgelistet, die beim Tragen von Masken entstehen würden. Der Facebook-Beitrag wurde am 15. Mai veröffentlicht und bisher mehr als 3.700 Mal geteilt.

Auch über Whatsapp wird der Aushang offensichtlich verbreitet. Die Behauptungen darin sind jedoch teilweise falsch.

Ein Foto dieses Flyers verbreitet sich auf Facebook und Whatsapp. Die Behauptungen zum Tragen von Masken sind jedoch teilweise falsch. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Maskentypen, die allesamt während der Covid-19-Pandemie zum Einsatz kommen: Community- oder Stoffmasken (auch Mund-Nasen-Bedeckung genannt), medizinische OP-Masken (auch Mund-Nasen-Schutz genannt) und die filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken). Die beiden letzteren sind für den Einsatz im medizinischen Bereich vorgesehen.

Unser Faktencheck bezieht sich deshalb vorrangig auf die Stoffmasken, die meist aus handelsüblichen Stoffen genäht werden und für den privaten Gebrauch gedacht sind.

Erste Behauptung: Man atme seine Atemluft wieder ein und habe dadurch mehr Kohlendioxid und Stickoxide im Blut

Das ist falsch.

In dem Aushang sind keine Belege für diese Behauptungen genannt. Sie könnten aber auf einer 15 Jahre alten Studie beruhen. Tatsächlich erschien im Jahr 2005 – also lange vor der Corona-Pandemie – eine Studie an der Technischen Universität (TU) München, die sich mit der „Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal“ beschäftigte.

Studie untersuchte zwei Modelle von OP-Masken

Die Studie kam damals zu dem Ergebnis, dass das CO2 beim Ausatmen durch die OP-Maske nur teilweise entweichen könne. „Dieser Effekt führte zu dem Ergebnis, dass die Probanden Luft einatmeten, deren CO2-Gehalt höher war als derjenige der umgebenden Raumluft.“ Dadurch steige die Kohlendioxid-Konzentration im Blut (PDF, Seite 35). Die Autorin der Studie empfahl Herstellern von OP-Masken damals, ihre Produkte durchlässiger für Kohlendioxid zu machen (PDF, Seite 41 und 42).

Die Untersuchung beschäftigte sich allerdings ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also dem klassischen Mund-Nasen-Schutz (PDF, Seite 18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Stoffmasken wurde nicht untersucht. Seit 2005 gab es keine weitere Studie mehr, die zu ähnlichen Ergebnissen kam.

Außerdem schreibt die Autorin selbst am Ende: „Eine kompensatorische Erhöhung der Atemfrequenz oder ein Abfall der Sauerstoffsättigung wurde dabei nicht nachgewiesen.“

Verschiedene Experten widersprechen der Behauptung

Dominic Dellweg, Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), schreibt auf Anfrage von CORRECTIV: „Die Maske ändert die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht. Alle Moleküle der Raumluft; und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid; können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.“

Eine eng anliegende Maske habe keinen „wesentlichen Totraum“ – Totraum meint die Menge an Luft, die nach der Ausatmung in der Maske bleibt und wieder eingeatmet wird. Wenn eine Maske eng am Gesicht anliege, sei dieser zu vernachlässigen, schreibt Dellweg: „Daher kommt es nicht zu einem Anstieg von CO2 im Blut.“ Auch Stickstoff beziehungsweise Stickoxid-Konzentrationen würden durch die Maske nicht beeinflusst, da Stickstoff gar nicht am Gasaustausch [Anm. d. Red: also dem Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid beim Atmen] teilnehme.

Die München Klinik, ein Verbund städtischer Krankenhäuser in der Landeshauptstadt, hat die Behauptung zu Kohlendioxid in einem Facebook-Beitrag ebenfalls als falsch bewertet. CO2 sei ein Gas, das nicht am Stoff hängen bleibe. Mit jedem Atemzug komme genug frische, sauerstoffreiche Luft in die Lungen, heißt es in dem Beitrag vom 19. Mai.

Die München Klinik erklärt am 19. Mai auf Facebook: Die Behauptung, unter Masken sammele sich gefährliches CO2, sei falsch. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) widerspricht auf Anfrage von CORRECTIV per E-Mail: „Dass man mehr CO2 einatmet stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“

Zweite Behauptung: Man atme weniger Sauerstoff ein, die Lunge sei nicht mehr „belüftet“, das fördere Lungenkrankheiten

Diese Behauptung ist teilweise falsch, teilweise unbelegt.

Richtig ist, dass man beim Tragen von Stoffmasken schlechter Luft bekommt – das kann jeder nachvollziehen, der beim Einkaufen schon eine Maske benutzt hat. Die RKI-Sprecherin bestätigt das in ihrer E-Mail. Mund-Nasen-Bedeckungen, also Stoffmasken, umfassten eine sehr weite Bandbreite von Materialien und Verarbeitungsweisen, schreibt sie. Mehrlagige, sehr dichte und enganliegende Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen, könne gerade für ältere Menschen oder für Menschen mit Lungenkrankheiten sehr anstrengend sein.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Stuttgart schreibt in einer Stellungnahme zum Thema Masken Anfang Mai: „Eine geringere Luftdurchlässigkeit ist in der Regel mit einer besseren Filterleistung verbunden, erhöht aber auch die Belastung der Atempumpe. Bei der Materialauswahl sollte darauf geachtet werden, dass längeres (dauerhaftes) Atmen durch die anliegende Maske möglich ist.“

Per E-Mail ergänzt DGP-Experte Dellweg: „Jede Atemmaske hat einen gewissen Luftwiderstand. Gesunde Menschen können diesen erhöhten Widerstand aber problemlos kompensieren, eine Minderbelüftung der Lunge findet so nicht statt. Somit werden auch keine Lungenkrankheiten gefördert.“

Patienten mit schweren Lungen- oder Herzerkrankungen sollten sich jedoch individuell durch ihren Arzt beraten lassen – um zu klären, ob der Atemwiderstand einer Maske die Atmung behindere.

Unklar ist, ob das langzeitige Tragen von Atemmasken insgesamt das Risiko, krank zu werden, erhöhen könnte. In einer Studie von 2015, die den Gebrauch von Stoffmasken im Vergleich zu medizinischen Masken untersuchte, sollten Mitarbeiter vietnamesischer Krankenhäuser während ihrer gesamten Schicht einen Mundschutz tragen. Eine Gruppe nutzte einen medizinischen Mundschutz, die andere Gruppe einen Stoffmundschutz. Einer Kontrollgruppe wurde freigestellt, ob sie einen Mundschutz tragen wollte. Das Ergebnis nach vier Wochen: Die Rate aller Atemwegserkrankungen und grippeähnlichen Erkrankungen war in der Gruppe mit Stoffmasken am höchsten (PDF, Seite 1).

In der Diskussion zur Studie heißt es: „Die physikalischen Eigenschaften einer Stoffmaske, die Wiederverwendung, die Häufigkeit und Wirksamkeit der Reinigung sowie die erhöhte Feuchtigkeitsspeicherung können möglicherweise das Infektionsrisiko für HCWs [Anm. d. R.: Health Care Workers] erhöhen“ (PDF, Seite 6).

Dritte Behauptung: Wenn man die Maske länger als eine halbe Stunde trage, werde sie durch Bakterien verkeimt

Das ist grundsätzlich möglich.

Eine Mund-Nasen-Bedeckung sollte spätestens dann gewechselt werden, wenn sie durch die Atemluft durchfeuchtet ist, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einem Merkblatt zum Thema Masken: „Denn dann können sich zusätzliche Keime ansiedeln.“

Auch das RKI empfiehlt, Masken zu wechseln, wenn sie feucht geworden sind. Es könne sonst zu einer Kontamination der Maske mit der Mund-Nasen-Rachenflora kommen, bei der man sich mit Bakterien infizieren könne. „Systematische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht“, schreibt die RKI-Sprecherin.

Das RKI rät in seiner E-Mail, den Mundschutz nicht dauerhaft, sondern zeitlich begrenzt zu tragen, zum Beispiel beim Einkauf oder in Bus und Bahn. „Ein MNB (Anm. d.R.: Mund-Nasen-Bedeckung) ist nicht dauerhaft erforderlich“, schreibt die Sprecherin.

Zudem muss der Mundschutz regelmäßig gewechselt und gereinigt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, selbstgenähte Masken nach der Nutzung in einem Beutel luftdicht verschlossen aufzubewahren oder sofort zu waschen. Idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad.

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Vierte Behauptung: Die Maske kann keine Viren zurückhalten

Auch das stimmt nach bisherigen Erkenntnissen so nicht, die Datenlage zu Stoffmasken ist aber sehr gering.

In dem „Infopapier“ sind auch dafür keine Belege genannt. Wie einer unserer früheren Faktenchecks zeigt, könnte sich die Behauptung auf eine kontrollierte Untersuchung von vier Patienten stützen, die Anfang April veröffentlicht wurde. Die Patienten haben je fünfmal ohne Mundschutz, mit chirurgischem Mundschutz, mit einer Stoffmaske und noch einmal ohne Mundschutz in eine Petrischale gehustet.

Die im Versuch gemessene Viruslast in der Petrischale nach dem Husten mit und ohne Mundschutz hat sich laut den Autoren nicht wesentlich verändert. Das Ergebnis bei einem Mundschutz aus Baumwolle war dabei in zwei der vier Ergebnisse besser als das bei einem chirurgischen Mundschutz.

Infektiologe zweifelt Aussagekraft der Studie an

Abschließend schreiben die Autoren der Studie: „Dieses Experiment beinhaltete keine N95-Masken und spiegelt nicht die tatsächliche Übertragung der Infektion durch Patienten mit Covid-19 wider, die verschiedene Arten von Masken tragen. Wir wissen nicht, ob Masken die zurückgelegte Strecke der Tröpfchen beim Husten verkürzen. Es sind weitere Studien erforderlich, um zu empfehlen, ob Gesichtsmasken die Übertragung des Virus von asymptomatischen Personen oder von Personen mit Verdacht auf Covid-19, die nicht husten, verringern.“

Dem Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks sagte der Infektiologe Bernd Salzberger des Universitätsklinikums Regensburg im April, er halte die Studie nicht für einen Beweis für die Unwirksamkeit von Masken. Das starke Husten in die Maske sei nicht mit einer realen Situation zu vergleichen. Im Alltag würde der Mundschutz vor allem helfen, beim Sprechen Tröpfchen aufzufangen, so der Infektiologe.

Schutzwirkung für andere laut RKI wissenschaftlich nicht belegt, aber plausibel

Das RKI erklärt auf seiner Webseite, das Risiko, andere Personen durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, könne mit einer Mund-Nasen-Bedeckung verringert werden (Fremdschutz). Allerdings macht das Institut auch deutlich: „Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sie erscheint aber plausibel.“

In einem RKI-Bulletin vom 7. Mai zum Thema Masken steht zudem: „Die Filterwirkung von MNB [Anm. d. Red: Mund-Nasen-Bedeckung] auf Tröpfchen und Aerosole wurde nur in wenigen Studien untersucht und war im Vergleich zu medizinischem MNS geringer“ (PDF, Seite 3 und 4). Wegen der unterschiedlichen Materialien und fehlender Daten zur Schutzwirkung seien Mund-Nasen-Bedeckungen „nicht für den Arbeitsschutz empfohlen“, schreibt das RKI. Bei einem Hustenstoß sei die Filterwirkung – sowohl von selbstgenähten Stoffmasken als auch von OP-Masken – reduziert.

Stoffmasken schützen nicht den Träger

Generell schützen selbstgenähte Stoffmasken den Träger nicht vor einer Infektion durch andere, informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie sind nur als Spuckschutz gedacht und sollen damit die Weiterverbreitung von Viren eindämmen. Dadurch solle jedoch kein „trügerisches Sicherheitsgefühl“ entstehen, warnt die BZgA. Sowohl das RKI, als auch die BZgA bekräftigen, dass eine Maske zusätzlich zu den bisherigen Empfehlungen in bestimmten Situationen getragen werden sollte. Das Tragen einer Maske hebe die Empfehlungen bezüglich Kontaktreduktion, Abstandhalten, Händehygiene und Husten- und Nies-Etikette nicht auf (PDF, Seite 4).

Fazit

Die Behauptungen, die auf dem Flyer als „Medizinische Information“ verbreitet werden, sind teilweise falsch oder es fehlen Daten.

Verbreitet wurde das Papier von einem Daniel Stoica, der laut dem Papier dem „Studienkreis 5BN“ angehört. 5BN steht offensichtlich für „5 biologische Naturgesetze“, die auch auf dem Flyer erwähnt werden. Dahinter steht ein Denkansatz, mit dem sich angeblich alle Krankheiten „von der Erkältung bis zum Krebs“ erklären ließen. Auf einer anderen Webseite dazu steht, es gehe darum, „zu zeigen, wie biologische Organismen gemäß den 5 biologischen Naturgesetzen funktionieren“.

Am Telefon hat Stoica gegenüber CORRECTIV bestätigt, dass er den Flyer „um den 10. Mai“ per E-Mail an die Mitglieder seines Vereins verschickt habe. „Irgendjemandem muss es dann gut gefallen haben und dann hat es jemand hochgeladen.“ Er sei selbst kein Arzt, sondern habe den Inhalt mit dem Arzt Franz Gradnig, der im Nachbarort praktiziere, zusammengestellt – um die Leute vor den Masken zu warnen. Im unteren Teil des Aushangs sind Name und Adresse von Gradnig genannt, einem „Praktischen Arzt“ in Fürstenfeld (Österreich).

Zum Ende unseres Telefonats zweifelte Stoica die Existenz des Coronavirus an: „Sie kriegen 1.000 Euro, wenn Sie mir eine wissenschaftliche Arbeit liefern, die belegt, dass es das Virus gibt und es die Krankheit Covid-19 auslöst.“

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Unter Stoffmasken sammelt sich kein gefährliches CO2, und sie fördern auch keine Lungenkrankheiten.

Demo in Dresden
Standbild aus dem Youtube-Video mit der falschen Behauptung, die Polizei habe sich dem Spaziergang der Corona-Kritiker angeschlossen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook und Youtube kursieren Bilder, die angeblich zeigen sollen, wie sich Polizisten einem Montagsspaziergang gegen die Corona-Maßnahmen angeschlossen haben. Das ist falsch. Es handelte sich um einen Polizeieinsatz, der die Versammlung begleitete. 

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, die Polizei habe sich in Dresden einem Spaziergang von Kritikern der Corona-Maßnahmen am 18. Mai angeschlossen. „Ein Dank an diese Polizei“, kommentiert die Nutzerin dazu. Auf einem Bild ist zu sehen, wie drei Polizisten neben Demonstranten hergehen. Der Beitrag wurde bereits mehr als 3.300 Mal geteilt. 

Die Behauptung, die Polizei habe sich der Demonstration angeschlossen, ist falsch. Es handelte sich um einen Polizeieinsatz. 

In dem Beitrag ist der Screenshot eines Youtube-Videos zu sehen. Es ist auf der Plattform zu finden und trägt den Titel „2020-05-18 Dresden: Polizei schließt sich Spaziergang der Kritiker der Corona-Maßnahmen friedlich an“. 

Der Facebook-Beitrag mit der falschen Behauptung.
Der Facebook-Beitrag mit der falschen Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Video zeigt, dass Polizisten zusammen mit den Demonstranten durch die Innenstadt gehen. Es ist aber klar erkennbar, dass es sich um einen Polizeieinsatz handelt. Die Beamten gehen in Gruppen, teilweise fahren Polizeifahrzeuge nebenher. Es ist eine Lautsprecherdurchsage zu hören: „Ihr Spaziergang wurde als Versammlung eingestuft. Hierfür ist eine Anmeldung nötig. Hierzu muss sich eine Person am Lautsprecherfahrzeug einfinden.“

Auf der Webseite der Polizei Sachsen findet sich eine Pressemitteilung zu dem Spaziergang vom 18. Mai. Darin heißt es, es seien Ermittlungen wegen einer nicht genehmigten Versammlung eingeleitet worden. 

Zu dem Spaziergang sei vorher im Internet aufgerufen worden, schreibt die Polizei. Außerdem hatte es kurz zuvor in der Nähe des Versammlungsortes eine Kundgebung von „Pegida“ gegeben, was die hohe Polizeipräsenz in der Dresdener Innenstadt erklärt.  

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigte ein Sprecher der Polizei Dresden am 20. Mai am Telefon, die Polizei habe sich der Demonstration nicht angeschlossen, sondern sie im Rahmen eines Einsatzes begleitet. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Polizei hat sich dem Montagsspaziergang am 18. Mai in Dresden nicht angeschlossen. 

Titelbild
Screenshot des Bildes, das auf Facebook kursiert. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

Auf einem in den Sozialen Netzwerken geteilten Bild wird behauptet, dass Mundschutz für Kleinkinder gefährlich sei. Es drohe eine Atemlähmung. Diese Behauptungen sind falsch.

Auf Facebook kursiert seit mehreren Wochen ein Bild, unter anderem mit der Überschrift Mundschutz: Kleinkinder gar nicht!”. In dem Text dazu wird behauptet, dass Mundschutz für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet und für Kinder unter sechs Jahren gefährlich sei. In dem Bild wird zudem behauptet, Kinder könnten den CO2-Ausstoß nicht kontrollieren und würden nicht merken, wenn sie zu wenig Luft einatmen würden. Zudem führe das wiederholte Einatmen von CO2 zu Atemlähmung.

Das Bild wurde von verschiedenen Personen bei Facebook geteilt, zum Beispiel hier und hier, beide Beiträge wurden am 22. April veröffentlicht. Die Behauptungen darin sind falsch. Das Tragen einer Maske ist für Kinder nur in ganz bestimmten Fällen gesundheitsschädlich. 

Erste Behauptung: Mundschutz sei für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet und für Kinder unter sechs Jahren gefährlich

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin schrieb per E-Mail an CORRECTIV: Für gesunde Kinder, die ein Jahr oder älter sind, sind solche Masken ungefährlich, solange das Kind wach ist und man es nicht zwingt, die Masken auf zu behalten, wenn es diese nicht mehr haben will.“

Da man Kindern den Sinn einer Maske erst ab einem Alter von drei oder vier Jahren erklären könne, ist die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin gegen eine Maskenpflicht von Kindern. Eine passende Altersgrenze sei für die Akademie noch unklar.

E-Mail des Generalsekretärs Hans-Iko Huppertz von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Diese Behauptung ist größtenteils falsch. 

Zweite Behauptung: Mundschutz führt durch wiederholtes Einatmen von CO2 zur Atemlähmung

Wie wir in einem Faktencheck bereits überprüften, ist auch die Behauptung, Kinder könnten den CO2-Ausstoß nicht kontrollieren und würden nicht merken, wenn sie zu wenig Luft einatmen, falsch. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin teilte uns per E-Mail mit, dies sei völliger Unsinn, wenn das Kind gesund und wach ist“.

Auszug aus der E-Mail der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Allerdings schrieb uns 3M, ein Hersteller verschiedener Masken, per E-Mail, er rate dringend davon ab, dass Kleinkinder und Säuglinge filtrierende Atemschutzmasken tragen. Dabei drohe Erstickungsgefahr.

RKI: Durch Mundschutz atmet man nicht mehr CO2 ein

In unserem Faktencheck überprüften wird zudem, ob man beim Tragen eines Mundschutzes zu viel CO2 einatme. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) schrieb dazu per E-Mail an CORRECTIV: „Dass man mehr CO2 einatmet stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“ Wie in unserem Faktencheck berichtet, beschäftigte sich im Jahr 2005 eine Studie an der Technischen Universität München mit der „Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal“.

Studie von 2005: CO2 könne bei OP-Masken nur teilweise entweichen

Die Studie kam damals zu dem Ergebnis, dass das CO2 beim Ausatmen durch eine OP-Maske nur teilweise entweichen könne. „Dieser Effekt führte zu dem Ergebnis, dass die Probanden Luft einatmeten, deren CO2-Gehalt höher war als derjenige der umgebenden Raumluft“, schrieb die Autorin. Dadurch steige die Kohlendioxid-Konzentration im Blut. (PDF, S. 35)

Das könne zu einer Zunahme der Reaktionszeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit führen. Die Autorin der Studie empfahl Herstellern von OP-Masken, ihre Produkte durchlässiger für Kohlendioxid zu machen. (PDF, S. 41 und 42)

Studie bezieht sich nicht auf FFP-Masken oder selbstgenähten Mundschutz

Die Studie beschäftigte sich ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also dem klassischen Mund-Nasen-Schutz (PDF, S.18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Masken wurde nicht untersucht.

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Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) schrieb auf eine Anfrage von CORRECTIV per E-Mail, dass ein Mund-Nasen-Schutz aus Stoff die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht ändere. Alle Moleküle der Raumluft, und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid, können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.

In den meisten Bundesländern gilt eine Maskenpflicht für Kinder ab sechs Jahren

In einer E-Mail an CORRECTIV schrieb Anja Ströhlein, Pressesprecherin des Herstellers 3M für verschiedene Maskenarten: „Die EN149 Norm setzt klare Grenzen für den Ein- und Ausatemwiderstand von Atemschutzmasken – die Norm 14683 entsprechend für chirurgische Masken.“ Man könne deshalb davon ausgehen, dass es bei der korrekten Handhabung nicht zu einer Ansammlung von Kohlendioxid unter dem Atemschutz komme.

In Deutschland gilt in den meisten Bundesländern die Maskenpflicht erst für Kinder ab sechs Jahren. Einige Bundesländer machen eigene Vorgaben: In Sachsen beispielsweise müssen Kinder Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie dazu in der Lage sind. Das liegt im Ermessen der Eltern. In Sachsen-Anhalt gilt eine Maskenpflicht ab zwei Jahren, bei Verstößen droht aber kein Bußgeld.

Fazit: Ein Mundschutz führt nicht zu Atemlähmungen bei Kindern, wenn sie gesund und wach sind.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Tragen einer Maske ist für Kinder nicht gefährlich.