Faktencheck

Keine Belege für dieses angebliche Zitat von Luc Montagnier über Impfungen und neue Virusvarianten

Auf Facebook verbreitet sich ein angebliches Zitat des französischen Virologen Luc Montagnier. Dafür, dass er sich wörtlich so geäußert hat, fanden wir keine Hinweise. Die Behauptungen, die ihm zugeschrieben werden, sind nicht neu – und ebenfalls unbelegt.

von Matthias Bau

Luc Montagnier_Collage
Während der Pandemie hat der französische Virologe Luc Montagnier einige unbelegte Behauptungen über das Coronavirus vertreten – teilweise werden ihm aber auch mutmaßlich erfundene Zitate zugeschrieben. (Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Luc Montagnier habe behauptet, Impfstoffe gegen Covid-19 würden die Entstehung neuer Virusvarianten erleichtern und Geimpfte seien genauso infektiös wie Ungeimpfte.
Bewertung
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise, dass sich Montagnier so geäußert hat. Inhaltlich sind die Aussagen in dem angeblichen Zitat ebenfalls unbelegt. Experten widersprechen der Behauptung, Impfungen könnten Virusmutationen fördern – das Gegenteil sei der Fall. Es gibt Hinweise, dass Geimpfte das Virus seltener übertragen, die Forschungslage hierzu ist aber nicht eindeutig.

Auf Facebook verbreitet sich ein angebliches Zitat des französischen Virologen Luc Montagnier. Angeblich soll Montagnier gesagt haben, dass Impfstoffe gegen Covid-19 zu weiteren Mutationen des Coronavirus‘ führen würden. Außerdem hemmten Impfstoffe weder die Übertragung des Virus, noch sorgten sie dafür, dass Geimpfte weniger infektiös seien. Der Beitrag vom 16. November wurde bisher 2.500 Mal geteilt. 

Dafür, dass Montagnier sich wörtlich so geäußert hat, gibt es keine Belege. Inhaltlich sind die Behauptungen ebenfalls irreführend. 

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen Covid-19 zu mehr Virusvarianten führen. Vier Experten widersprachen dieser These gegenüber CORRECTIV.Faktencheck. Zu der Frage, wie infektiös Geimpfte sein können, wenn sie trotz Impfung an Covid-19 erkranken, entwickelt sich die Forschung noch. Studien deuten jedoch darauf hin, dass sich Geimpfte insgesamt seltener mit dem Coronavirus infizieren als Ungeimpfte.  

Dieses angebliche Zitat des französischen Virologen Luc Montagnier verbreitet sich aktuell auf Facebook
Dieses angebliche Zitat des französischen Virologen Luc Montagnier verbreitet sich aktuell auf Facebook (Quelle: Facebook / Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV.Faktencheck)

Keine Belege, dass das Zitat von Luc Montagnier stammt

Das angebliche Zitat wird auf Facebook ohne Quellenangabe verbreitet. Eine Google-Suche auf Deutsch, Englisch und Französisch führt zu keinen relevanten Ergebnissen. Unter den Suchergebnissen finden sich vor allem Faktenchecks, die die Behauptung widerlegen, Montagnier habe gesagt, das Geimpfte zwei Jahre nach der Impfung sterben würden. Auch wir haben dazu Ende Juni einen Faktencheck veröffentlicht. 

Montagnier ist in der Vergangenheit allerdings schon mit unbelegten Behauptungen über das Coronavirus aufgefallen. Bereits im Mai hatten wir einen Faktencheck zu seiner Aussage veröffentlicht, in der DNA-Sequenz von SARS-CoV-2 seien angeblich Bestandteile des HI-Virus (HIV) zu finden. Andere Forschende widerlegten die Behauptung. 

Behauptungen über Infektiosität von Geimpften und Virusvarianten sind unbelegt

Anders als in dem Zitat behauptet, gibt es durchaus Hinweise, dass Impfungen gegen Covid-19 dafür sorgen, dass das Virus weniger übertragen wird. Das liegt zum einen daran, dass sich Geimpfte seltener mit dem Coronavirus infizieren und zum anderen daran, dass sie, wenn sie sich doch anstecken, mutmaßlich für eine kürzere Zeit infektiös sind als Ungeimpfte. In einem Faktencheck vom 27. September, den wir wir zuletzt am 3. November aktualisiert haben, haben wir uns ausführlich mit der bisherigen Studienlage auseinandergesetzt. 

Über die These, dass Impfstoffe gegen Covid-19 angeblich für mehr Mutationen des Virus‘ sorgen, haben wir für einen Faktencheck vom 21. April mit vier Experten gesprochen. Sie sagten uns, dass eine hohe Impfquote die Verbreitung eines Virus‘ eindämme und somit auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue Virusvariante auftritt, verringern könne. 

Dafür spricht auch, dass zum Beispiel die aktuell dominierende Delta-Variante bereits vor dem Einsatz von Impfstoffen zirkulierte. Sie wurde bereits im Oktober 2020 in Indien entdeckt, wie das RKI schreibt

Redigatur: Till Eckert, Alice Echtermann

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Informationsseite des RKI „Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC)“: Link
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