Faktencheck

Nein, Fernsehbeitrag belegt nicht, dass die Queen Ivermectin gegen ihre Covid-19-Erkrankung nehmen würde

Ein australischer Fernsehbeitrag erweckt den Eindruck, die britische Königin Elisabeth II. werde mit Ivermectin behandelt. Ein Schnittbild, das das Mittel zeigt, geriet jedoch nur versehentlich in die Sendung.

von Steffen Kutzner

Bei der Queen wurde kürzlich Covid-19 diagnostiziert. In die Berichterstattung einer australischen Sendung dazu schlich sich ein Fehler. (Symbolbild: Picture Alliance / Empics / Victoria Jones)
Behauptung
Ein Fernsehbeitrag zeige, dass die Covid-19-Erkrankung von Elisabeth II. mit Ivermectin behandelt werde.
Bewertung
Fehlender Kontext
Über diese Bewertung
Fehlender Kontext. In den Beitrag war versehentlich eine Aufnahme eines Ivermectin-Präparates geraten. Die britische Königin wird nicht mit Ivermectin behandelt. Der Sender entschuldigte sich für den Fehler und wies daraufhin, dass eine nicht durch Ärzte überwachte Einnahme des Mittels gefährlich sei.

Am 20. Februar berichteten Medien, dass Queen Elisabeth II. positiv auf das Coronavirus getestet wurde und leichte Symptome einer Covid-19-Erkrankung habe. Seit 21. Februar verbreitet sich ein kurzes Video auf Twitter und Facebook, das einen Ausschnitt einer Sendung des australischen TV-Senders Channel 9 über die Covid-19-Erkrankung der Queen zeigt. An einer Stelle ist die Verpackung des Medikaments Stromectol zu sehen. Der Wirkstoff von Stromectol ist Ivermectin, also das Mittel, über das seit Monaten die Falschbehauptung kursiert, es habe sich als wirksam gegen die Behandlung von Covid-19 erwiesen. In Sozialen Netzwerken schlussfolgern Nutzer, der Beitrag belege, dass die Queen mit Ivermectin gegen ihre Covid-19-Erkrankung behandelt werde. So schreibt eine Facebook-Nutzerin: „Die Queen hat aktuell ja Corona. Und was bekommt die Gute für ein Medikament? Ivermectin!

Aktuell ist das Entwurmungsmittel Ivermectin nicht zur Behandlung von Covid-19 zugelassen, Gesundheits- und Arzneimittelbehörden warnen vor der unbeaufsichtigten Einnahme von Ivermectin, wie wir bereits in mehreren Faktenchecks berichteten. Auch die Queen wird nicht damit behandelt. Doch warum war das Mittel dann in dem Beitrag des australischen TV-Senders zu sehen?

Standbild aus dem Video, das auf Twitter verbreitet wird (Quelle: Twitter; Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

In dem Ausschnitt ist das Logo der australischen Sendung A Current Affair zu sehen. Der Bericht wurde am Abend des 21. Februar (Ortszeit) ausgestrahlt. Am Morgen des 22. Februar wurde auf dem Twitter-Account der Sendung auf eine Richtigstellung zu dem Beitrag hingewiesen. Unterhalb des zu dem Video gehörigen Textes heißt es, dass das Schnittbild der Stromectol-Packung durch einen „Fehler“ in die Sendung geriet. Es habe weder der Eindruck erweckt werden sollen, der im Beitrag zu sehende Arzt empfehle Ivermectin zur Behandlung von Covid-19, noch dass die Königin damit behandelt würde. Man habe den Einsatz des Medikaments Sotrovimab hervorheben wollen, versehentlich sei aber das Medikament Stromectol gezeigt worden.

Sowohl die Nachrichtenagentur Reuters wie auch andere Medien berichteten über den fehlerhaften Beitrag. Der auf Twitter und Facebook veröffentlichte Ausschnitt verbreitete sich dennoch weiter.

Redigatur: Matthias Bau, Uschi Jonas

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Richtigstellung auf der Webseite der Sendung vom 22. Februar 2022: Link
  • Bericht des Guardian zu dem Fehler in der Sendung: Link

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