Faktencheck

US-Ölimporte aus Russland stiegen kurzfristig, gehen aber seit April gegen null

Ein irreführender Artikel des Anti-Spiegel über amerikanische Ölimporte aus Russland wird in Sozialen Netzwerken verbreitet. Anders als suggeriert, erhöhen die USA ihre Importe aus Russland nicht dauerhaft.

von Matthias Bau

US-Ölimporte
Online kursieren irreführende Behauptungen über Ölimporte der USA aus Russland (Symbolbild: Pixabay / Moni49)
Behauptung
Die USA hätten ihren Import von russischem Öl um über 40 Prozent erhöht.
Bewertung
Fehlender Kontext
Über diese Bewertung
Fehlender Kontext. Zwar stiegen die Importe zwischen dem 18. und 25. März tatsächlich um 40 Prozent, in der Woche darauf lagen sie aber schon nahezu bei Null. Die USA haben zudem am 8. März einen Importstopp für russisches Öl verhängt, bis zum 22. April müssen bestehende Verträge abgewickelt werden.

Am 4. April titelte die Webseite Anti-Spiegel: „USA erhöhen Import von russischem Öl um über 40% und heben einige Russland-Sanktionen auf“. Die Behauptung wurde laut dem Analysetool Crowdtangle auf Facebook mehr als 200 Mal geteilt und erreichte uns wiederholt auf Whatsapp. Screenshots davon verbreiten sich zudem auf Facebook.  

Als Beleg für die Behauptung wird eine Aussage des stellvertretenden Sekretärs des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Michail Popow, angeführt. Popow hat sich gegenüber der Zeitung Komsomolskaya Pravda am 3. April tatsächlich so geäußert. Seine Aussage ist jedoch ohne Kontext irreführend. 

Die USA verhängten am 8. März einen Importstopp für Öl, Kohle und Flüssiggas aus Russland. Bestehende Verträge sollen innerhalb von 45 Tagen abgewickelt werden. Die Ölimporte der USA aus Russland unterliegen Schwankungen. So auch zwischen dem 18. und 25. März, als die Importe von täglich 70.000 auf 100.000 Barrel und damit um rund 43 Prozent stiegen. In den beiden Wochen danach lagen die Importe laut der US-Energie-Informationsbehörde dann bereits so niedrig, dass sie mit „0“ angegeben werden. Die Importe werden in Tausend Barrel gelistet, folglich liegen sie seit April mindestens unter 1.000 Barrel. Insgesamt nimmt der Ölimport aus Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs also nicht zu, sondern ab. Zu diesem Ergebnis kamen auch die Faktenchecker der DPA.

Die täglichen Ölimporte der USA in den Wochen seit dem 4. März 2022 in Tausend Barrel
Die täglichen Ölimporte der USA in den Wochen seit dem 4. März 2022 in Tausend Barrel (Quelle: U.S. Energy Information Administration; Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Die Webseite Anti-Spiegel hat bereits zuvor falsche Behauptungen im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Krieg verbreitet.

Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

Redigatur: Viktor Marinov, Uschi Jonas

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Veröffentlichung der US-Energie-Informationsbehörde über die wöchentlichen Ölimporte des Landes: Link
  • Veröffentlichung der US-Energie-Informationsbehörde über Ölimporte der USA seit 2010: Link
Keine Faktenchecks verpassen

Einmal wöchentlich senden wir Ihnen eine Auswahl aktueller Faktenchecks und Hintergrundberichte per E-Mail.