Faktencheck

Gefälschter Artikel: Nein, Elon Musk hilft deutschen Bürgern nicht finanziell mit einer Bitcoin-Seite

Das vermeintliche Angebot klingt verlockend: Über ein „Underground“-Bankensystem helfe Elon Musk Personen in Deutschland, Geld zu verdienen. Das berichtet ein angeblicher Bild-Artikel. Doch er ist gefälscht und führt zu einer betrügerischen Bitcoin-Webseite.

von Kimberly Nicolaus

Titel-Bild-Artikel-Elon-Musk-Bitcoin-Betrug
Dieser Bild-Artikel ist eine Fälschung, er führt zu einer betrügerischen Bitcoin-Plattform (Quelle: Facebook; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktenecheck)
Behauptung
Einem angeblichen Bild-Artikel zufolge helfe Tesla-Chef Elon Musk deutschen Bürgern finanziell mit einer Plattform zum automatischen Kauf und Verkauf von Bitcoin.
Bewertung
Manipuliert. Der Bild-Artikel ist eine Fälschung. Hinter der beworbenen Bitcoin-Handelsplattform steckt Betrug.

„Elon Musk hilft deutschen Bürgern finanziell“, heißt es in einem angeblichen Bild-Beitrag, der auf Facebook mehrfach geteilt wird. In dem Artikel heißt es weiter: Musk habe gegenüber Bild-Reportern gesagt, man könne über sein „Underground“-Bankensystem „in wenigen Schritten Geld verdienen“. Personen hinterlegten dort eine Anfangsinvestition von 250 Euro, dann beginne automatisch der Kauf und Verkauf von Bitcoin, und das Geld vermehre sich. Das zeigten die Erfahrungen einer Familie aus Heidelberg und eines Dortmunders. 

Bild-Artikel ist gefälscht – es gibt keine Meldungen über Elon Musk, der deutschen Bürgern finanziell hilft 

Für den angeblichen Bild-Artikel wird auf Facebook die Linkadresse „Photocafeblog.com“ angezeigt. Klickt man darauf, führt diese jedoch nicht zu der offiziellen Webseite bild.de, sondern zu bildmagazin.com. Die Menü-Funktion oben links auf der Webseite funktioniert nicht; auch der Versuch eine Startseite aufzurufen, ist ergebnislos. Außer diesem angeblichen Bild-Artikel befinden sich keine weiteren Artikel auf der Seite. 

Weiter fällt auf, dass die Seite kein Impressum hat, also niemand Verantwortung für die Inhalte der Webseite übernimmt. Wer kein Impressum auf seiner Webseite angibt, kann sich im Zweifel der deutschen Justiz entziehen. Über sogenannte „tote Briefkästen“ und wie Verbreiter von Falschinformationen sie nutzen, berichteten wir ausführlich in einem Hintergrundbericht.   

Der auf Facebook angegebene Link führt, anders als es das Vorschaubild des Artikel vermuten lässt, nicht zur offiziellen Bild-Webseite. Das deutet auf eine Fälschung hin
Der auf Facebook angegebene Link führt, anders als es das Vorschaubild des Artikel vermuten lässt, nicht zur offiziellen Bild-Webseite. Das deutet auf eine Fälschung hin (Quelle: Facebook; Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Verglichen mit einem Artikel auf der offiziellen Bild-Webseite, fällt auf, dass die Positionierung des Logos oben mittig statt in der linken oberen Ecke ist. Ebenfalls fehlen die unterschiedlichen Ressorts des Mediums, die normalerweise in einer Leiste neben dem Logo angezeigt werden. Auf der echten Webseite gibt Bild zudem eine Fotoquelle an, diese Angabe fehlt im gefälschten Artikel. Das Bild-Logo verdeckt in der Fälschung zudem einen Teil des Fotos, das ist auf der echten Webseite nicht der Fall. 

Ein Vergleich des gefälschten Artikels (links) mit einem Artikel auf der offiziellen Bild-Webseite (rechts) zeigt einige Unstimmigkeiten
Ein Vergleich des gefälschten Artikels (links) mit einem Artikel auf der offiziellen Bild-Webseite (rechts) zeigt einige Unstimmigkeiten (Quelle: bildmagazin.com / bild.de; Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Eine Suche nach der angezeigten Überschrift auf der offiziellen Bild-Webseite und bei Google liefert keine Treffer für den angeblichen Artikel (Stand 30. November). 

Gefälschter Bild-Artikel führt zu einer betrügerischen Bitcoin-Plattform 

Der gefälschte Artikel enthält an verschiedenen Stellen Verlinkungen, die zu einer Bitcoin-Handelsplattform führen.

Hinter dem gefälschten Bild-Beitrag steckt eine angebliche Bitcoin-Handelsplattform, doch es handelt sich um Betrug
Hinter dem gefälschten Bild-Beitrag steckt eine angebliche Bitcoin-Handelsplattform, doch es handelt sich um Betrug (Quelle: BitcoinTrader; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wer für diese Plattform verantwortlich ist, ist unklar. Eine Impressumsangabe oder sonstige Kontaktmöglichkeiten sind nicht angegeben. Eine Whois-Domainabfrage zeigt: Die Webseite wurde erst am 7. März 2022 registriert, für eine Laufzeit von einem Jahr. Bei der Anmeldung für den vermeintlichen Bitcoin-Handel müssen E-Mail-Adresse und Telefonnummer angegeben werden. Oft dienen solche Angaben dem Zweck, Daten von Nutzerinnen und Nutzern zu erbeuten, wie wir in vorherigen Faktenchecks berichteten

Die gefälschte Bild-Seite mit dem angeblichen Artikel über Elon Musk kursierte schon im August. Laut der Faktencheck-Redaktion Mimikama erhält man nach Anmeldung auf der angeblichen Handelsplattform einen Anruf eines vermeintlichen „Brokers“. Dieser verleite Menschen dazu, noch mehr Geld als die 250 Euro zu investieren. Gleichzeitig werde die Webseite so manipuliert, dass die betroffene Person denkt, sie hätte mit ihrer Investition vor wenigen Sekunden einen Gewinn gemacht. Eine Auszahlung dieses Geldes ist laut Mimikama aber nie möglich. 

Zwar hat Elon Musk mit seinem Unternehmen Tesla in Bitcoin investiert und den Großteil seiner Bitcoin-Anteile wieder verkauft, doch dafür, dass er selbst eine Bitcoin-Handelsplattform betreibe, gibt es keine Hinweise.  

Redigatur: Viktor Marinov, Matthias Bau

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