Gesellschaft

Nein, die Fifa hat Argentinien im Juli nicht offiziell von der WM 2030 ausgeschlossen

Fifa-Präsident Infantino hat Argentinien angeblich von der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2030 ausgeschlossen. Seine angebliche Rede dazu ist jedoch nicht echt.

von Steffen Kutzner

Argentinien WM
Argentinien hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2026 den Pokal knapp verpasst und Groll durch unsportliches Verhalten auf sich gezogen (Foto: Marvin Ibo Güngör / GES / Picture Alliance)
Behauptung
Fifa-Präsident Gianni Infantino habe Argentinien von der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2030 ausgeschlossen. Grund seien Ausschreitungen im WM-Finale 2026. Das zeige ein Video einer Rede, in der er die Entscheidung bekannt gibt.
Bewertung
Falsch. Die Fifa hat Argentinien laut öffentlichen Bekanntmachungen bislang nicht von der WM 2030 ausgeschlossen. Eine Entscheidung in einem Disziplinarverfahren gegen den argentinischen Fußballverband und einige Spieler steht noch aus. Das Video der Rede Infantinos ist gefälscht.

Der Weltfußballverband Fifa (Fédération Internationale de Football Association) hat angeblich Argentinien wegen unsportlichen Verhaltens im WM-Finale von der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2030 ausgeschlossen. Das wird in einigen Videos behauptet, die auf Tiktok kursieren

Andere Videos in englischer Sprache zeigen vermeintlich eine Ansprache von Fifa-Präsident Gianni Infantino, in der er erklärt, dass Argentinien nicht an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen dürfe.

Die Falschbehauptung zu einer angeblich im Juli 2026 beschlossenen Entscheidung der Fifa über Argentinien verbreitet sich auf Deutsch (links) und Englisch (rechts) auf Tiktok (Quelle: Tiktok; Screenshots und Schwärzungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Angebliche Rede Infantinos zum Ausschluss Argentiniens ist nicht echt

Allerdings ist zu erkennen, dass Infantinos Lippenbewegungen teils gar nicht zu dem passen, was er sagt. Und auch inhaltlich hakt es: So heißt es, Argentinien dürfe noch 2027 beim „Copa América“ antreten. Das ist das südamerikanische Pendant der Fußball-Europameisterschaft (EM). 2027 wird das Turnier aber gar nicht ausgetragen, sondern, wie auch die EM, alle vier Jahre. Das nächste Mal also 2028. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass mit dem Video etwas nicht stimmt.

Vermutlich stammen die kurzen Schnittbilder aus dem Fake-Video aus dem Jahr 2022. Damals hatte Infantino eine Ansprache zur WM in Katar gehalten. Ein angeblicher Ausschluss Argentiniens kam darin nicht vor. Die Kleidung ist dieselbe und auch der lila Hintergrund verweist auf die WM 2022; das Design der WM 2026 war dagegen grün. Gut zu erkennen ist auch der Schriftzug hinter Infantinos rechtem Ohr: „Qatar“ (Deutsch: Katar). Der Tiktok-Nutzer, der das Fake-Video veröffentlichte, hat es zudem als KI-generiert gekennzeichnet.

Links: Ausschnitt aus dem Fake-Video; rechts: Ausschnitt vom Video der Ansprache 2022 (Quelle: Tiktok / Youtube / AFP; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Für die Behauptung, dass die Fifa Argentinien von der WM 2030 ausgeschlossen habe, finden sich bislang auch sonst keinerlei Belege. Es gibt keine derartigen Pressemitteilungen oder Medienberichte dazu (Stand: 7. August 2026). Auf unsere Anfrage reagierte die Fifa bis zur Veröffentlichung nicht. Auf der Webseite der Fifa ist Argentinien weiter als Gastgeberland angegeben, das automatisch für die WM 2030 qualifiziert ist.

Entscheidung in Disziplinarverfahren steht noch aus

Infantino hatte Medienberichten zufolge einen Brief an den Präsidenten des argentinischen Fußballverbands geschrieben, in dem er zum Gewinn der Silbermedaille gratulierte und die Siege Argentiniens unter anderem als Ergebnis von Professionalität und harter Arbeit bezeichnete. 

Allerdings hat die zuständige Fifa-Kommission Disziplinarverfahren gegen den argentinischen Fußballverband sowie gegen argentinische und einen spanischen Spieler eingeleitet. Eine Entscheidung steht noch aus (Stand: 06.08.2026). Beim Finale zwischen den beiden Mannschaften war es besonders von argentinischer Seite zu unsportlichem Verhalten mit körperlichen Übergriffen gekommen. So drehte sich zum Beispiel fast die gesamte Mannschaft bei der Übergabe des Pokals an Spanien demonstrativ weg.

Redigatur: Kimberly Nicolaus, Max Bernhard