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Niqab-Trägerin attackiert Verkäuferin

Ein Überfall in Berlin erregt am Mittwoch Aufsehen. Eine Frau im Niqab attackiert die Angestellte eines Brautmodegeschäfts in Neukölln. Grund: Neben Kleidung für muslimische Frauen stellt der Laden auch knappe Mode im Schaufenster aus.

von Lennart Kutzner

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Religiös motivierter Übergriff oder nicht? Bereits am 26. August wurde die Verkäuferin eines Braut- und Abendmodengeschäfts in Berlin-Neukölln von einer Niqab-Trägerin angegriffen. Einen zugehörigen Artikel der „Bild“-Zeitung vom 5. September zitierten viele Medien – ein paar Fakten blieben dabei jedoch auf der Strecke, wie die Nachfrage von CORRECTIV bei der Berliner Polizeit ergab.

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Fake oder realer Übergriff? Die Bild-Zeitung berichtet über die Attacke einer Niqab-Trägerin.

Bestätigt ist, dass am Samstag, 26. August, eine Frau in das Geschäft für Braut- und Abendmoden kam, die einen Niqab trug. Immerhin zehn Tage später berichtet darüber die „Bild“-Zeitung. Der Vorfall: Zwischen der Besucherin und der 40-jährigen Verkäuferin entwickelte sich ein Streit. Der Kern: Eine Modepuppe im Schaufenster, die ein knappes schwarzes Lederkleid trug. Nach Angaben der Polizei beschimpfte die Besucherin die Verkäuferin abwechselnd auf deutsch und türkisch, nicht wie andere Medien berichten auf arabisch. Die Angreiferin warf der arabischstämmigen Verkäuferin wegen der ausgestellten Mode vor, sie sei keine Muslimin. Sie beharrte darauf, die spärlich bekleidete Puppe aus dem Schaufenster zu nehmen.

Ein Grund für den Unmut. Neben der Lack-und-Leder-Puppe war muslimische Damenmode ausgestellt. Die Verkäuferin warf die Angreiferin aus dem Laden. Diese kehrte jedoch kurze Zeit später mit einer weiteren Frau zurück und attackierte die Angestellte des Modeladens. Ein weiterer Mann, den einige Medien erwähnen, wird im Polizeibericht nicht genannt. Während des Angriffs verrutschte der Niqab der Angreiferin und die Verkäuferin gab zu Protokoll, blonde Haare und eine Tätowierung am Hals gesehen zu haben. Von einem Nasenring, der ebenfalls von einigen Medien erwähnt wird, weiß die Berliner Polizei nichts.

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Aktuell ermittelt der Staatsschutz, weil der Verdacht auf eine religiös motivierte Tat besteht.

Update am 26. September 2017: 

Die „Welt“ hat am 22. September berichtet, dass die Polizei Berlin inzwischen eine Tatverdächtige ermitteln konnte. Es handle sich um eine 28-jährige Deutsch-Polin, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.