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Halbvoll oder Halbleer?

Nach einem guten Start am ersten Wochenende sind die aktuellen Besucherzahlen des diesjährigen Oktoberfestes nicht wie von einigen erhofft. Auslöser sollen verstärkte Zugangskontrollen sein – oder geht es am Ende doch mal wieder nur ums Wetter. Wenn etwas dem Oktoberfest in München zusetzen kann, dann ist es der Regen.

von Lennart Kutzner

© IMG_0144 von jit bag unter CC BY 2.0

Das erste Wiesn-Wochenende gab den Veranstaltern Hoffnung: Das Oktoberfest konnte nach langer Zeit endlich wieder mit Rekorden punkten – angefangen von den Besuchern, über die verzehrten Backhendl bis hin zu den gestemmten Maß. „Die Liebe zur Wiesn kehrt zurück!“, sagte Oktoberfestleiter Bürgermeister Josef Schmid nach den ersten beiden Festtagen. Insgesamt 600.000 Besucher kamen am ersten Wochenende auf die Theresienwiese – deutlich mehr als im Vorjahr. Und doch sind es Berichte über unzufriedene Schausteller, die in den sozialen Netzwerken am meisten geteilt werden. Die Budenbetreiber und Fahrgeschäftbesitzer klagen über einen schlechten Umsatz am Familientag – traditionell ein Tag mit günstigeren Preisen. Nur seien eben am ersten Familientag des 184. Oktoberfestes fast keine Kinder zum bekanntesten Volksfest Deutschlands gekommen, heißt es.

Deshalb suchen die Schausteller nach den Gründen für den fehlenden Trubel. Liegt es am Wetter oder doch an den verschärften Sicherheitskontrollen am Eingang? Mit großen Taschen oder Rucksäcken kommt man nicht mehr durch die strengen Eingangskontrollen auf die Theresienwiese. Das sind allerdings Standards, die schon vor einem Jahr eingeführt wurden. Damals gingen die Besucherzahlen dramatisch zurück. Im Vorjahr waren es „so wenig Wiesn-Besucher, wie seit 15 Jahren nicht mehr“, berichtete die „Welt“ damals.

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Mit den Besucherzahlen und der Zufriedenheit von Schaustellern und Wirten ist es jedoch seit Jahren ein Auf und Ab. In den Wiesn-Schlussberichten der vergangenen Jahre ist abwechselnd von guten und schlechten Geschäften zu lesen: Besucherschwund durch schlechtes Wetter (2015), „konstante Wiesn mit wetterbedingten Einbußen“ (2014), Wetterbedingte Einbußen der Schausteller „bis zu 20 Prozent“ (2013), „Kinderfahrgeschäfte liefen bereits in den Morgenstunden gut“ (2012), Zufrieden mit der Wiesn, stabiler Umsatz (2011), Schausteller mit der Jubiläumswiese zufrieden (2010), Stimmung bei Schaustellern gedämpft (2009).

Immer wieder geht es bei der Ursachensuche nach dem Besucherschwund ums Wetter. „Das war wirklich kein richtiger Familientag, denn es war ja kein Mensch da“, sagt Schausteller Edmund Radlinger CORRECTIV. Er spricht für die Veranstaltungsgesellschaft Münchner Schausteller GmbH und ergänzt. „In der Wetter-App war Regen angesagt und es regnete nicht. Am Mittwoch ist Sonne angesagt und es regnet in Strömen – es ist doch klar, dass die Leute bei Regen nicht in Volksfeststimmung kommen.“ Das Wetter sei generell der Maßstab für eine erfolgreiche Wiesn. „Schwierig ist nur, ein paar schlechte Tage zu überbrücken. Aber das ist Volksfest. Abgerechnet wird am 3. Oktober“, sagt Radlinger. Dann gehen die Wiesn in diesem Jahr zu Ende.

An einen Besucherrückgang durch mehr Eingangskontrollen glaubt Radlinger nicht. Das Sicherheitskonzept animiere die Besucher eher. Von der Stadt München sei alles getan worden, um sichere Wiesn zu ermöglichen. Radlingers Fazit: „Wir Schausteller sind mit unseren Familien auf den Volksfesten vertreten und wir haben keine Angst. Das Sicherheitskonzept ist ein Plus für das größte Volksfest der Welt.“