Hintergrund

Im Schatten von Twitter

Aufregung auf Twitter: Der Plattformbetreiber blendet Tweets mehrerer Accounts über einen sogenannten Shadowban aus. So die Behauptung. Was ist dran?

von Karolin Schwarz

Screenshot: Guido Reil auf Twitter

Seit dem späten Samstagabend herrscht Unruhe auf Twitter. Das Netzwerk schließe  mehrere Accounts aus den Suchergebnissen aus, behaupten zahlreiche Nutzer. Dahinter stecke Shadowbanning: der Versuch, die Reichweite von Usern einzuschränken, indem sie beispielsweise bei einer Hashtag-Suche ausgeblendet werden. Tatsächlich war es über Stunden nicht möglich, Tweets der rechts orientierten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu finden. Inzwischen tauchen die Tweets des Mediums wieder auf, Andere sind allerdings nach wie vor betroffen.

Auf politischer Seite erklärte sich die AfD flugs zum Opfer. Guido Reil, der in Essen für den Bundestag kandidieren will, behauptete beispielsweise, ohne einen Shadowban hätte die „Opposition über 1000 Retweets“. Auch über das Konto der Bundespartei wurde diese Nachricht verbreitet. Sie gehörte zu den drei erfolgreichsten Tweets unter dem Hashtag #shadowban in den vergangenen Tagen.

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Screenshot: AfD auf Twitter

Auf eine Anfrage an die AfD, ob und welche Nutzerkonten der Partei von dieser Ausblendung betroffen waren, erhielten wir bisher keine Antwort. Während Rechte sich selbst als vermeintliches Opfer sehen, waren offenbar allerdings auch linke Twitter-Nutzer betroffen.

Twitter erklärt das Problem unterdessen gegenüber dem SZ-Journalisten Jannis Brühl mit einer Fehlfunktion des Spamfilters, die man zu beheben versuche.

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Screenshot: Jannis Brühl auf Twitter

Unterdessen ist ein Tweet des Mainzer FDP-Politikers Tobias Huch in Deutschland wieder abrufbar. Er hatte sich zu antisemitischen Parolen auf der Demonstration „Nicht mit uns“ in Köln geäußert. Der Tweet blieb deutschen Internetnutzern über Tage vorenthalten. Die „Bild“-Zeitung berichtete.

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Screenshot: Tobias Huch auf Twitter

Twitter erntete in der Vergangenheit mehrfach Kritik wegen seines Umgangs mit Hassrede und strafrechtlich relevanten Inhalten. Laut aktuellem Monitoring von Jugendschutz.net wird nur ein Prozent der durch User gemeldeten illegalen Inhalte gelöscht. In letzter Zeit wurden jedoch zahlreiche Accounts zurückgehalten. Das bedeutet, die Nutzerkonten werden nicht gelöscht, sondern sind beispielsweise in Deutschland nicht abrufbar.

Korrektur:
Fälschlicherweise haben wir aus Guido Reil einen Bundestagsabgeordneten gemacht. Richtig ist, dass er für den Bundestag kandidieren möchte.