Medizin und Gesundheit

Coronavirus: Warum Busfahrer bei Evakuierten-Transport keine Schutzmasken trugen

In einem Facebook-Beitrag werden mehrere Fotos eines Transports englischer Staatsbürger, die aus dem chinesischen Wuhan evakuiert wurden, gezeigt. Die Fahrer der Busse trugen keine Schutzmasken. Die Fotos sind echt, ihnen fehlt aber Kontext.

von Till Eckert

Collage Busfahrer Corona
Dieser Facebook-Beitrag mit Bildern von der Evakuierung englischer Staatsbürger suggeriert, die Busfahrer hätten entweder fahrlässig gehandelt oder seien nicht genug geschützt worden. (Screenshot: CORRECTIV)
Bewertung
Größtenteils richtig
Über diese Bewertung
Größtenteils richtig. Die Fotos zeigen einen Transport von Menschen, die aus Wuhan nach England gebracht wurden. Schutzmasken waren jedoch laut dem englischen Gesundheitsministerium nicht notwendig, es seien genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

„Evakuierung aus Wuhan – Wo sind die Schutzmasken für die Busfahrer?“, steht in einem Facebook-Beitrag vom 31. Januar als Beschreibungstext für drei Fotos, auf denen Busfahrer in ihren Fahrzeugen zu sehen sind. Neben oder hinter ihnen befindet sich jeweils eine Person im Schutzanzug, die Fahrer selbst jedoch tragen keine Maske. 

Der Beitrag suggeriert, die Busfahrer hätten fahrlässig gehandelt oder seien von ihren Arbeitgebern in Gefahr gebracht worden. Wir haben den Kontext der Fotos recherchiert. 

Fotos sind echt: Englische Busfahrer transportieren Evakuierte nach Ausbruch des Coronavirus 

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zum oberen Foto führte uns zu einem Artikel auf der britischen Nachrichtenseite Gloucestershire Live. Das Bild wurde dort verwendet. In der Bildunterschrift steht, die Fahrer hätten die Passagiere von einem Flughafen der englischen Luftwaffe ins Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside gebracht. Das stimmt, wie eine Suche nach „Arrowe Park Hospital“ in der Bilddatenbank Gettyimages zeigt – dort sind alle drei Fotos aus dem Facebook-Beitrag zu finden (Foto 1, Foto 2, Foto 3). 

Als Bildinformation ist bei allen drei Fotos angegeben: „Ein Konvoi von Reisebussen transportiert am 31. Januar 2020 83 Briten und 27 ausländische Staatsangehörige, die nach einem Coronavirus-Ausbruch aus Wuhan evakuiert wurden, von der Luftwaffenbasis Brize Norton zum Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside, wo sie unter Quarantäne gestellt werden.“

Dass die Busfahrer also Menschen transportierten, die aus Wuhan evakuiert wurden und möglicherweise erkrankt sein könnten, ist richtig. Doch warum trugen sie keine Schutzmasken?

Englisches Gesundheitsministerium: Schutzmasken waren nicht notwendig

Das Busunternehmen Horsemen Coaches veröffentlichte auf seiner Webseite ein Statement zu dem Fall. Demnach seien „irreführende Medienberichte“ über die Sicherheit der Fahrer und Passagiere im Umlauf. Das Unternehmen habe allen Fahrern, die an der Rückführung der Passagiere beteiligt waren, persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Regierungsbeamte hätten aber mitgeteilt, dass diese nicht notwendig sei, weil bereits andere Vorkehrungen durch das englische Gesundheitsministerium getroffen worden seien. „Regierungsbeamte haben bestätigt, dass das Tragen eines Schutzanzuges durch die Fahrer bei der Fahrt ein größeres Risiko für die Sicherheit des Passagiere darstellt.“

Das Statement des Busunternehmens Horsemen Coaches auf Englisch. (Screenshot: CORRECTIV)

Am 1. Februar sendete das englische Gesundheitsministerium ein Schreiben an das Unternehmen, das öffentlich zugänglich ist (PDF). Darin werden die getroffenen Vorkehrungen geschildert: „In diesem Fall wurden alle Passagiere des Fluges bei der Ankunft im Vereinigten Königreich von medizinischem Personal überprüft, und keiner zeigte irgendwelche Symptome des neuartigen Coronavirus (2019-nCoV). Die Mediziner, die die Gruppen begleiteten, trugen Schutzausrüstung als Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass jemand auf der Reise erkrankt, damit sie sofort reagieren können, ohne während des Transits Schutzausrüstung anziehen zu müssen. Keiner der Passagiere wurde auf der Reise krank.“ 

Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme sei durch die Sitzordnung sichergestellt worden, dass die Fahrer während der Fahrt keinen engen Kontakt zu den Fahrgästen hatten, so dass diese nicht gefährdet waren und keine Schutzausrüstung benötigten. „Enger Kontakt bedeutet, sich mindestens fünfzehn Minuten lang in einem Umkreis von zwei Metern um eine infizierte Person zu befinden.“ Dafür seien jeweils die fünf ersten Sitzreihen gesperrt worden und Fahrer seien als letztes eingestiegen.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Das Busunternehmen schrieb in seinem Statement außerdem, dass der Schutzanzug für die fotografierte Person hinter dem Fahrer im oberen Foto notwendig gewesen sei, weil sie mit den transportierten Personen in direktem Kontakt gestanden habe. Obwohl das Gesundheitsministerium versichert habe, dass dies nicht notwendig sei, seien die Busfahrer gebeten worden, nach der Aktion zehn Arbeitstage bei voller Bezahlung zu Hause zu bleiben. Die fünf eingesetzten Busse würden nach einem Reinigungsprozess zur Sicherheit zehn Tage in einer Militäreinrichtung eingeschlossen.

Rund um das neuartige Coronavirus kursieren viele Falschmeldungen und Desinformationen. Das sind unsere bisherigen Faktenchecks dazu: