Collage Busfahrer Corona
Dieser Facebook-Beitrag mit Bildern von der Evakuierung englischer Staatsbürger suggeriert, die Busfahrer hätten entweder fahrlässig gehandelt oder seien nicht genug geschützt worden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem Facebook-Beitrag werden mehrere Fotos eines Transports englischer Staatsbürger, die aus dem chinesischen Wuhan evakuiert wurden, gezeigt. Die Fahrer der Busse trugen keine Schutzmasken. Die Fotos sind echt, ihnen fehlt aber Kontext.

„Evakuierung aus Wuhan – Wo sind die Schutzmasken für die Busfahrer?“, steht in einem Facebook-Beitrag vom 31. Januar als Beschreibungstext für drei Fotos, auf denen Busfahrer in ihren Fahrzeugen zu sehen sind. Neben oder hinter ihnen befindet sich jeweils eine Person im Schutzanzug, die Fahrer selbst jedoch tragen keine Maske. 

Der Beitrag suggeriert, die Busfahrer hätten fahrlässig gehandelt oder seien von ihren Arbeitgebern in Gefahr gebracht worden. Wir haben den Kontext der Fotos recherchiert. 

Fotos sind echt: Englische Busfahrer transportieren Evakuierte nach Ausbruch des Coronavirus 

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zum oberen Foto führte uns zu einem Artikel auf der britischen Nachrichtenseite Gloucestershire Live. Das Bild wurde dort verwendet. In der Bildunterschrift steht, die Fahrer hätten die Passagiere von einem Flughafen der englischen Luftwaffe ins Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside gebracht. Das stimmt, wie eine Suche nach „Arrowe Park Hospital“ in der Bilddatenbank Gettyimages zeigt – dort sind alle drei Fotos aus dem Facebook-Beitrag zu finden (Foto 1, Foto 2, Foto 3). 

Als Bildinformation ist bei allen drei Fotos angegeben: „Ein Konvoi von Reisebussen transportiert am 31. Januar 2020 83 Briten und 27 ausländische Staatsangehörige, die nach einem Coronavirus-Ausbruch aus Wuhan evakuiert wurden, von der Luftwaffenbasis Brize Norton zum Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside, wo sie unter Quarantäne gestellt werden.“

Dass die Busfahrer also Menschen transportierten, die aus Wuhan evakuiert wurden und möglicherweise erkrankt sein könnten, ist richtig. Doch warum trugen sie keine Schutzmasken?

Englisches Gesundheitsministerium: Schutzmasken waren nicht notwendig

Das Busunternehmen Horsemen Coaches veröffentlichte auf seiner Webseite ein Statement zu dem Fall. Demnach seien „irreführende Medienberichte“ über die Sicherheit der Fahrer und Passagiere im Umlauf. Das Unternehmen habe allen Fahrern, die an der Rückführung der Passagiere beteiligt waren, persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Regierungsbeamte hätten aber mitgeteilt, dass diese nicht notwendig sei, weil bereits andere Vorkehrungen durch das englische Gesundheitsministerium getroffen worden seien. „Regierungsbeamte haben bestätigt, dass das Tragen eines Schutzanzuges durch die Fahrer bei der Fahrt ein größeres Risiko für die Sicherheit des Passagiere darstellt.“

Das Statement des Busunternehmens Horsemen Coaches auf Englisch. (Screenshot: CORRECTIV)

Am 1. Februar sendete das englische Gesundheitsministerium ein Schreiben an das Unternehmen, das öffentlich zugänglich ist (PDF). Darin werden die getroffenen Vorkehrungen geschildert: „In diesem Fall wurden alle Passagiere des Fluges bei der Ankunft im Vereinigten Königreich von medizinischem Personal überprüft, und keiner zeigte irgendwelche Symptome des neuartigen Coronavirus (2019-nCoV). Die Mediziner, die die Gruppen begleiteten, trugen Schutzausrüstung als Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass jemand auf der Reise erkrankt, damit sie sofort reagieren können, ohne während des Transits Schutzausrüstung anziehen zu müssen. Keiner der Passagiere wurde auf der Reise krank.“ 

Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme sei durch die Sitzordnung sichergestellt worden, dass die Fahrer während der Fahrt keinen engen Kontakt zu den Fahrgästen hatten, so dass diese nicht gefährdet waren und keine Schutzausrüstung benötigten. „Enger Kontakt bedeutet, sich mindestens fünfzehn Minuten lang in einem Umkreis von zwei Metern um eine infizierte Person zu befinden.“ Dafür seien jeweils die fünf ersten Sitzreihen gesperrt worden und Fahrer seien als letztes eingestiegen.

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Das Busunternehmen schrieb in seinem Statement außerdem, dass der Schutzanzug für die fotografierte Person hinter dem Fahrer im oberen Foto notwendig gewesen sei, weil sie mit den transportierten Personen in direktem Kontakt gestanden habe. Obwohl das Gesundheitsministerium versichert habe, dass dies nicht notwendig sei, seien die Busfahrer gebeten worden, nach der Aktion zehn Arbeitstage bei voller Bezahlung zu Hause zu bleiben. Die fünf eingesetzten Busse würden nach einem Reinigungsprozess zur Sicherheit zehn Tage in einer Militäreinrichtung eingeschlossen.

Rund um das neuartige Coronavirus kursieren viele Falschmeldungen und Desinformationen. Das sind unsere bisherigen Faktenchecks dazu:

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die Fotos zeigen einen Transport von Menschen, die aus Wuhan nach England gebracht wurden. Schutzmasken waren jedoch laut dem englischen Gesundheitsministerium nicht notwendig, es seien genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Messe Frau mit Mundschutz
Ob das neue Coronavirus über importierte Produkte wie Lebensmittel übertragen werden kann, ist noch unklar. Bei anderen Coronaviren wie SARS oder MERS kam das aber nicht vor. (Symbolfoto von der Konsum-Messe „Ambiente“, Februar 2020: Arne Dedert/dpa)

von Alice Echtermann

Gibt es neue Erkenntnisse zur Übertragung des Coronavirus Covid-19 durch Lebensmittel? Das deutet ein Artikel von Medizin Heute an und führt damit in die Irre. Der Text gibt einen Lagebericht der WHO falsch wieder.

Die Webseite Medizin Heute behauptet in einem Text vom 24. Februar: „Das SARS-CoV-2-Virus, welches das COVID-19-Virus auslöst, könnte ‘weltweit auf Lebensmitteln vorkommen’ und ‘eine potenzielle Rolle von Lebensmitteln bei der Übertragung des Virus spielen’, heißt es in dem soeben veröffentlichten WHO-Lagebericht.“ Der Text wurde laut Daten von Facebook bereits mehr als 3.000 Mal geteilt. 

SARS-CoV-2 und Covid-19 sind zwei Bezeichnungen für das neue Coronavirus, dessen Ausbruch im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt wurde

CORRECTIV hat die Behauptung von Medizin Heute überprüft. Sie bezieht sich auf den Situation Report (Lagebericht) der WHO vom 21. Februar, die Informationen wurden aber falsch übersetzt. In dem Bericht steht nicht, dass das Virus weltweit auf Lebensmitteln vorkommen kann. Vielmehr heißt es darin, dass diese Möglichkeit aktuell untersucht werde, es aber bisher keine Hinweise gebe, dass das Virus so übertragen wird.

Die Überschrift des Artikels von Medizin Heute zum Coronavirus
Die Überschrift des Artikels von Medizin Heute. (Screenshot: CORRECTIV)

Forscher untersuchen, ob sich das Coronavirus durch Lebensmittel verbreiten könnte

Die WHO schreibt, es würden gerade Untersuchungen zu der Lebensdauer des Coronavirus durchgeführt. Nationale Behörden für Lebensmittelsicherheit seien an Antworten dazu interessiert. Sie wollten wissen, wie groß das Potenzial sei, dass SARS-CoV-2 auf international gehandelten Lebensmitteln überlebt oder über Lebensmittel übertragen wird.

Auszug aus dem Lagebericht der WHO zum Coronavirus vom 21. Februar 2020.
Auszug aus dem Lagebericht der WHO vom 21. Februar 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Betonung liegt hier auf „Potenzial“, denn bisher gibt es laut WHO keine Hinweise, dass von Lebensmitteln eine Gefahr ausgeht. In dem Lagebericht heißt es, Erfahrungen von früheren Ausbrüchen verwandter Coronaviren wie SARS oder MERS würden zeigen, dass keine Übertragung über Lebensmittel stattfand: „Bis heute gibt es keine Berichte über die Übertragung von SARS-CoV-2 durch Lebensmittel.“

Generelle Vorsicht im Umgang mit rohen Tierprodukten

Die Warnung der WHO, mit rohem Fleisch, Rohmilch oder rohen Organen vorsichtig zu sein und tierische Lebensmittel zu kochen, ist nicht neu. Ein ähnlicher Hinweis wird auch auf der Webseite des Bundesamts für Risikobewertung ausgesprochen: „Obwohl eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich ist, sollten beim Umgang mit diesen die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden.“

 

Auch das Robert Koch Institut empfiehlt, auf Hygiene zu achten und sich häufig die Hände zu waschen.   

Andere Coronaviren-Arten überleben auf Oberflächen ein paar Tage, aber Hitze und Desinfektionsmittel töten sie ab

Laut Bundesamt für Risikobewertung liegen genaue Daten zum Überleben von Covid-19 auf Oberflächen noch nicht vor. Allerdings gehen Forscher und auch die WHO davon aus, dass es sich ähnlich verhält wie bei anderen Coronaviren-Arten. 

In einer am 6. Februar veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern aus Greifswald und Bochum wurden die bisherigen Erkenntnisse über SARS und MERS zusammengefasst: Die Viren können demnach auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glas oder Plastik bis zu neun Tage überleben, aber Desinfektionsmittel können sie wirksam bekämpfen. Die Ergebnisse seien wahrscheinlich auf Covid-19 übertragbar.

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Ähnliches schreibt auch die WHO in ihrem Lagebericht vom 21. Februar: Ob die Viren ein paar Tage überleben, hänge ab von der Temperatur, Feuchtigkeit oder Licht. Bei Hitze würden die Viren absterben, weshalb tierische Lebensmittel normal gekocht werden sollten. „SARS-CoV und MERS-CoV sind anfällig für die meisten Putz- und Desinfektionsprotokolle und es gibt bisher keine Hinweise, dass es sich mit SARS-CoV-2 anders verhält.“

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es gibt bisher keine Hinweise, dass das Virus über Lebensmittel übertragen wird. Die WHO hat davor nicht gewarnt, sondern rät wie bisher allgemein zu Vorsicht mit rohen Tierprodukten. 

Mann kauft Mundschutz in Sambia/Afrika
Auf dem afrikanischen Kontinent wurde eine Task Force im Kampf gegen das Coronavirus Covid-19 eingerichtet. (Symbolbild: picture alliance / AP Photo)

von Bianca Hoffmann

In einem Text des Deutschland-Kuriers wird behauptet, Migranten aus Afrika könnten eine Coronavirus-Epidemie in Deutschland auslösen. Dafür gibt es aktuell keine Hinweise. Experten sind allerdings besorgt, dass sich das Virus in Afrika ausbreiten könnte.

Update, 14. Februar, 19:30 Uhr: Unmittelbar nach Veröffentlichung dieses Faktenchecks berichteten Medien, dass Ägypten den ersten Fall von Coronavirus gemeldet habe. Wir haben den Text daher aktualisiert. Zuvor war kein Fall in Afrika bekannt gewesen. 

Bislang konzentriert sich die Verbreitung des neuartigen Coronavirus Covid-19 vor allem auf China. Die AfD-nahe Zeitung Deutschland-Kurier behauptet allerdings in einem Artikel vom 10. Februar, ihm würde ein „Geheimbericht” des Bundesgesundheitsministeriums vorliegen: Darin werde vor einer Coronavirus-Epidemie durch afrikanische Migranten gewarnt.  

Die Länder Afrikas seien durch schwache Gesundheitssysteme besonders gefährdet. Und gerade dort würden sich angeblich rund eine Million chinesische Gastarbeiter und Entwicklungshelfer aufhalten, die das Virus potenziell weiterverbreiten könnten. 

Laut dem Analyse-Tool Crowdtangle wurde der Artikel des Deutschland-Kuriers schon mehr als 1.200 Mal geteilt. Die Behauptungen sind unbelegt.

Es gibt bisher laut Medienberichten nur einen bestätigten Fall von Coronavirus in Afrika. Diesen habe die ägyptische Regierung am 14. Februar gemeldet. Zum Zeitpunkt, als der Text des Deutschland-Kuriers erschien, war noch kein Fall bekannt. 

Es gibt laut Gesundheitsministerium keinen „Geheimbericht“ 

Wir haben beim Bundesministerium für Gesundheit gefragt, ob das Szenario einer Coronavirus-Epidemie durch afrikanische Migranten plausibel ist. Oliver Ewald, Pressesprecher des Bundesministeriums für Gesundheit, schrieb daraufhin in einer E-Mail an CORRECTIV: „Diese Berichterstattung ist frei erfunden und entbehrt jeder Grundlage.”

Asylsuchende, die nach Deutschland kommen, sind gesetzlich verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung zuzulassen. Das schreibt das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge auf Anfrage von CORRECTIV. 

Coronavirus Covid-19 wird in Afrika als Bedrohung wahrgenommen

Wie die Zeit berichtet, sei die Stimmung unter den afrikanischen Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Sitzung des Exekutivrats am 3. Februar „sehr nervös“ gewesen. 

Dr. John Nkengasong, Direktor des Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) schreibt in einer Pressemitteilung: „Diese Krankheit ist eine ernsthafte Bedrohung für die soziale Dynamik, das Wirtschaftswachstum und die Sicherheit Afrikas.“ Es wurde eine Task Force eingerichtet, um die Lage zu überwachen. Die Situation in Afrika ist in dem Artikel des Deutschland-Kuriers demnach weitestgehend richtig dargestellt. 

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Die im Text des Deutschland-Kuriers genannte Zahl von einer Million chinesischen Gastarbeitern in China lässt sich zudem nicht belegen. Die aktuellste Studie dazu wurde 2017 von der China Africa Research Initiative der Johns Hopkins School angefertigt. Damals haben nach offiziellen Angaben 202.689 Menschen aus China in Afrika gearbeitet, die meisten in Algerien, Angola, Nigeria, Äthiopien und Sambia. 

Update, 14. Februar, 19:30 Uhr: Unmittelbar nach Veröffentlichung dieses Faktenchecks berichteten Medien, dass Ägypten den ersten Fall von Coronavirus gemeldet habe. Wir haben den Text daher aktualisiert. Zuvor war kein Fall in Afrika bekannt gewesen. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt laut Gesundheitsministerium keinen Geheimbericht, der vor einer Coronavirus-Epidemie durch afrikanische Migranten warnt. Bisher gibt es einen bestätigten Fall in Afrika.

Chemotherapie Tropf
Chemotherapie wird selten als die einzige Behandlungsmethode gegen Krebs eingesetzt. (Symbolfoto: Stux/Pixabay)

von Bianca Hoffmann

Ein Artikel des Gesund-Magazins behauptet, dass Chemotherapie gegen Krebs angeblich in 97 Prozent der Fälle versage. Diese Zahl findet sich in keiner Statistik oder Studie.

Krebs kann heutzutage auf unterschiedlichste Arten behandelt werden. Eine davon ist die Chemotherapie. Ein Artikel des Gesund-Magazins behauptet jetzt, dass diese angeblich in 97 Prozent der Fälle versage. Außerdem werden in dem Text die Vorzüge einer Behandlung mit Cannabis gegen Krebs angepriesen. 

Für viele Behauptungen nennt der Artikel keine Quellen. Unsere Recherchen zeigen: Sie lassen sich nicht belegen oder sind falsch. 

Chemotherapie wirkt bei jedem Patienten unterschiedlich

Angelina Gromes, Pressesprecherin der Deutschen Krebsgesellschaft, schreibt in einer E-Mail an CORRECTIV: „Eine generelle Aussage, in wieviel Prozent aller Krebsfälle eine Chemotherapie versagt, ist so pauschal nicht zu beantworten, denn meist kommt eine Chemotherapie in Kombination mit weiteren Therapien oder Maßnahmen zum Einsatz.“ Dabei sei jede Erkrankung individuell zu betrachten. 

„Chemotherapien können bei vielen Krebsarten auf vielfältige Weise zum Einsatz kommen“, schreibt Gromes. So werde sie beispielsweise als Ergänzung zu einer Operation verwendet, oder in Situationen, in denen es nicht um eine Heilung geht, sondern darum, eine Verschlimmerung zu verhindern oder Beschwerden zu lindern. 

Bei Hodenkrebs gibt es mit Chemotherapie eine aktuelle 5-Jahres-Überlebensrate von 97 Prozent. Das schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite. 

E-Mail von Angelina Gromes, Pressesprecherin der Deutschen Krebsgesellschaft. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
E-Mail von Angelina Gromes, Pressesprecherin der Deutschen Krebsgesellschaft. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Keine Quelle für Behauptung von Peter Glidden

Bei Peter Glidden, der im Text des Gesund-Magazin als Quelle genannt wird, handelt es sich um einen amerikanischen Alternativmediziner. In einem Interview im Jahr 2011 sagte er: „Der einzige Grund, aus dem Chemotherapie immer noch genutzt wird ist, dass Ärzte damit Geld verdienen. Wirklich, sie funktioniert nicht, und zwar in 97 Prozent der Fälle! Wenn Ford ein Auto herstellen würde, das in 97 Prozent der Fälle explodieren würde, wären sie dann immer noch im Geschäft?“ (Video, ab Minute 2:13) Dabei bezieht er sich auf eine angebliche Studie, die 1994 erschienen sein soll. Für uns ist nicht nachvollziehbar, um welche Studie es sich handelt. 

Die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes haben die Aussage von Peter Glidden in dem Interview bereits 2016 überprüft. Sie schrieben, er berufe sich auf eine Studie aus Australien von 2004, die auf Daten von 1998 beruhe. Darin kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der Beitrag der Chemotherapie zu einer 5-Jahres-Überlebensrate bei Erwachsenen in Australien auf 2,3 Prozent und in den USA 2,1 Prozent geschätzt werde. Allgemein liege die 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebs in Australien im Jahr 1998 bei über 60 Prozent, also sei der Beitrag der Chemotherapie eher gering. Die Studie zeigt also nicht, dass Patienten in 97 Prozent der Fälle trotz Chemotherapie sterben. Zudem unterscheidet sie nicht zwischen verschiedenen Krebsarten. Die Studie wurde deshalb unter anderem von diesem Blog kritisiert. 

CORRECTIV untersuchte in der Vergangenheit auch schon Behauptungen, dass Chemotherapie Krebspatienten angeblich früher sterben ließe, zum Beispiel hier. Sie erwiesen sich jedoch als falsch. 

Kritik an Chemotherapie verbunden mit Verkauf von alternativen Produkten

Während Gidden dafür plädiert, an alternativen Heilmethoden gegen Krebs zu forschen, scheint im Text des Gesund-Magazins schon eine Lösung gefunden zu sein – Cannabis. Dazu schreibt Angelina Gromes von der Krebsgesellschaft: „Bisher gibt es nur Zellexperimente, die zeigen, dass Cannabinoide das Wachstum von Tumorzellen gehemmt haben sollen.“ Diese Experimente hätten aber keine Aussagekraft für den menschlichen Organismus. Cannabis zeige eher zur Bekämpfung der Begleitsymptome einer Chemotherapie wie Übelkeit und Erbrechen positive Effekte.  

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Gromes bewertet den Text des Gesund-Magazins insgesamt kritisch: „Der Text arbeitet ohne Quellen, die die Aussagen belegen.“ Zudem sei fraglich, ob es der Webseite wirklich um das Vermitteln von Informationen gehe. „Informationsseiten, auf denen man gleichzeitig gegen Bezahlung Produkte bestellen kann, geht es möglicherweise nicht vorrangig um die Verbreitung nützlicher Empfehlungen, sondern um die Vermarktung bestimmter Produkte.“ Seriöse Webseiten würden klar zwischen redaktionellen Hinweisen und Anzeigen unterscheiden. Wer sich über Krebs informieren wolle, solle sich lieber an die Deutsche Krebsstiftung wenden.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Eine pauschale Aussage in wieviel Prozent aller Fälle eine Chemotherapie versagt, ist nicht möglich. Chemotherapie ist meist eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs.

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In Hong Kong auf der Straße: Ein Mann und eine Frau mit ihren Hunden am 4. Februar 2020. (Symbolbild: picture alliance / AP Photo)

von Tania Röttger

Ein angeblicher Aufruf verschiedener chinesischer Behörden soll das Töten von Haustieren zum Schutz vor der Verbreitung des neuen Coronavirus fordern. Wir konnten aber nur einen Aufruf finden, in dem es um Straßentiere geht.

Ein Artikel auf der Webseite Deine Tierwelt behauptet am 4. Februar, China habe die Schlachtung von Haustieren angeordnet – im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus (Covid-19). Der Beleg seien Aufrufe in der Provinz Hebei und „anderen Städten“. Bisher wurde der Text mehr als 13.000 Mal auf Facebook geteilt.

Die Quelle für den Text ist eine Webseite, die auf Englisch in Spanien publiziert: Euro Weekly News. Die Redaktion habe ein Schreiben „von einer lokalen Quelle vor Ort“ erhalten, laut dem ein nicht genannter Ort in der Provinz Hebei dazu aufrufe, Haushalte sollten sich innerhalb von fünf Tagen mit ihren Haustieren befassen („to deal with“). Außerdem habe ein Komitee in der Provinz Shaanxi gefordert, dass Anwohner sofort ihre Haustiere entsorgen sollen.

Das ist die angebliche Faktenlage von Euro Weekly News, auf der die Behauptung basiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben die Betreiber der Webseite am 11. Februar per E-Mail angefragt, ob sie uns die genannten Schreiben zuschicken können, damit wir sie verifizieren können. Bisher haben wir keine Antwort erhalten.

Keine Haustiere – aber Straßenhunde 

Huian Ho, eine chinesischsprachige Kollegin vom Taiwan FactCheck Center, suchte außerdem für uns nach offiziellen Meldungen von chinesischen Behörden. Sie fand keine konkreten Anweisungen für Haustiere, dafür aber für Straßenhunde. 

Zum Beispiel im Kreis Jinzhai, der laut Google Maps etwa drei Stunden mit dem Auto von der Stadt Wuhan entfernt liegt, wo das Virus zuerst entdeckt wurde. Auf der offiziellen Regierungswebseite von Jinzhai findet sich das Schreiben eines Bürgers, in dem er fordert, die Tötung von Hunden und Katzen zu beenden. Er meint, sie geschehe als Folge von Gerüchten.

Das Schreiben eines Bürgers, übersetzt mit Google Translate. (Screenshot: CORRECTIV)

Doch die Stadtverwaltung stimmte ihm nicht zu. Sie antwortete, Straßenhunde zu töten solle die Ausbreitung des Virus verhindern.

Die Antwort der Stadtverwaltung, übersetzt mit Google Translate – eine genauere Übersetzung erhielten wir von unserer Kollegin aus Taiwan. (Screenshot: CORRECTIV)

WHO: Von Haustieren geht keine Gefahr aus 

Der Artikel von Deine Tierwelt verweist selbst auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Denn diese hat sich mit dem Gerücht beschäftigt, Haustiere könnten das Virus übertragen. Sie kommt daraufhin zu dem Schluss, dass es im Moment keine Belege dafür gebe, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen mit dem Virus infiziert werden können.

Die WHO entkräftet das Gerücht, Haustiere könnten das Coronavirus übertragen. (Screenshot: CORRECTIV)

Allerdings empfiehlt die WHO auch, sich unter anderem von Straßenhunden und -katzen fern zu halten, wenn man sich auf einem Tiermarkt befindet.

Aus den Empfehlungen der WHO, wie man sich vor dem Virus schützen kann. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch – es gibt keine Belege, dass chinesische Behörden das Töten von Haustieren fordern, dafür aber, dass sie die Tötung von Straßenhunden hinnehmen. Die WHO sagt, von Haustieren gehe keine Gefahr aus.

Novel Coronavirus 2019-nCoV Virus
Eine Darstellung des neuen Coronavirus vom US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention. Es gibt gegen das Virus bisher kein Heilmittel, anderslautende Versprechen sind falsch. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS)

von Alice Echtermann

Auf mehreren Webseiten wird Chlordioxid als Heilmittel für das neue Coronavirus beworben. Es schalte das Virus aus, wenn man es in einer Lösung trinke. Diese Behauptung ist falsch und gefährlich: Chlordioxid ist gesundheitsschädlich. 

Auf der Webseite Connectiv Events behauptet der Autor Rainer Taufertshöfer am 28. Januar, eine Studie besage, dass Chlordioxid-Lösungen das Coronavirus inaktivieren würden. Das wiederholt er auch auf seiner eigenen Webseite. Der Autor gibt konkrete Dosierungsempfehlungen und empfiehlt sein eigenes „Fachseminar“ zum Thema. Auch auf der Webseite Alpenschau heißt es, Chlordioxid helfe gegen das Coronavirus. 

Diese Versprechen sind falsch. Es gibt laut WHO bisher kein Mittel gegen das Coronavirus, man könne nur die Krankheitssymptome behandelt und zur Vorbeugung auf Hygiene achten. Chlordioxid ist ein Desinfektionsmittel, das industriell zum Beispiel zum Bleichen von Textilien verwendet wird. Die Einnahme ist für Menschen sehr gefährlich und hilft nicht gegen Krankheiten. 

Die Studie von 2005, die in dem Artikel von Connectiv Events zitiert wird, bezog sich auf eine andere Coronavirus-Art, das SARS-Virus. Es ging jedoch nie darum, dass Menschen Chlordioxid trinken sollten. Sondern um das Überleben des SARS-Virus unter anderem in Wasser, und die Frage, wie effektiv Desinfektionsmittel wie Chlor oder Chlordioxid das Virus darin abtöten können. 

Gesundheitsbehörden warnen seit Jahren vor der Gefahr durch die Trinklösungen

Die Trinklösungen mit Chlordioxid werden auch Miracle Mineral Supplement, Master Mineral Solution oder Miracle Mineral Solution (MMS) genannt. Das Gerücht, sie würden verschiedene Krankheiten heilen, hält sich im Internet hartnäckig. Gesundheitsbehörden warnen seit Jahren davor. Die US-amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA schrieb erst im Dezember 2019, die Versprechen einer angeblichen Heilung von Autismus, Krebs, HIV, Hepatitis, Grippe oder anderen Krankheiten seien falsch. Chlordioxid sei Bleiche, es mache Menschen krank, die Einnahme sei gefährlich. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Auch die Verbraucherzentrale (2019), das Bundesamt für Risikobewertung (2012) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2014) warnen seit Jahren vor dem Mittel und vor einer „erheblichen Gesundheitsgefahr“, die von der Einnahme für Menschen und Tiere ausgehe. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte stufte 2015 zwei MMS-Produkte als bedenklich ein: „Den Giftnotrufzentralen liegen Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor. Auch in Großbritannien, Kanada, Frankreich, der Schweiz und den USA wurden nach Einnahme von MMS unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet.“ 

Warnung vor den Wirkungen von MMS (Chlordioxid) von der Verbraucherzentrale. (Screenshot: CORRECTIV)

Das neue Coronavirus brach im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan aus und verbreitet sich seitdem auch in anderen Ländern. Es gibt nach offiziellen Angaben bisher mehr als 31.500 bestätigte Infektionen und 638 Todesopfer, davon nur eines außerhalb von China. Mehr als 1.700 Menschen waren infiziert und sind bereits wieder gesund (Stand: 7. Februar 2020).

Rund um das neuartige Coronavirus kursieren viele Falschmeldungen und Desinformationen. Das sind unsere bisherigen Faktenchecks dazu:

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Einnahme von Chlordioxid hilft nicht gegen das Coronavirus oder gegen andere Krankheiten. Es ist gesundheitsschädlich.

China Outbreak
Eine Krankenschwester spricht am 26. Januar 2020 nahe eines Krankenhauses in Wuhan am Telefon. (Foto: picture alliance / AP Photo)

von Till Eckert

Die Webseite Connectiv Events spekuliert, dass die Todesfälle durch das neue Coronavirus in Wuhan auch einem von „5G verursachten Zellabbau“ zugeschrieben werden könnten – die Strahlung könne zu „grippeähnlichen Symptomen“ führen. Das stimmt nicht.

Zum Coronavirus sind einige unbelegte, teils falsche und irreführende Behauptungen im Umlauf, die wir bereits überprüft haben. Die Webseite Connectiv Events bringt die Erkrankung in einem Artikel vom 27. Januar jetzt spekulativ mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G in Verbindung, weil dieser in Wuhan vorhanden sei. 

„Was ist, wenn die Todesfälle kein Virus sind, sondern ein durch 5G verursachter Zellabbau, der die Auswirkungen eines Virus nachahmt“, steht in dem Artikel. Und: „Die Exposition gegenüber 5G-Wellen führt zu grippeähnlichen Symptomen.“ Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bisher mehr als 2.600 Mal geteilt. Wir haben die Behauptung überprüft.

Der Artikel von „Connectiv Events“ mit den Behauptungen über 5G. (Screenshot: CORRECTIV)

Bundesamt für Strahlenschutz: „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome“

5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Sie soll Daten schneller übertragen und weniger Strom verbrauchen. Das wird laut Bundesamt für Strahlenschutz zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Einige Menschen gehen davon aus, dass dadurch die Strahlenbelastung steigen und gefährlich für den Menschen werden könnte. Dafür gibt es aktuell jedoch keine Belege

Laut der Webseite „Ookla“, die den 5G-Ausbau nach eigenen Angaben anhand „verifizierter öffentlicher Quellen“ verfolgt, ist 5G in Wuhan tatsächlich verfügbar, über alle drei großen chinesischen Mobilfunkanbieter. 

Doch egal, ob 5G in einer Region auf der Welt verfügbar ist oder nicht, eine Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz gibt auf CORRECTIV-Anfrage per E-Mail Entwarnung: Elektromagnetische Strahlung könne keine solchen Auswirkungen haben. „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome. 5G kann (wie alle Felder von Mobilfunksendeanlagen, also auch 2G, 3G, 4G) höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt (und die Lunge nicht erreicht).“

Aus der E-Mail des Bundesamt für Strahlenschutz. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass die Menschen in Wuhan also aufgrund von 5G starben, kann ausgeschlossen werden. Die Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch ist inzwischen durch erste Studien belegt. Demnach wurde zum Beispiel eine Person infiziert, die nie selbst in Wuhan war und nur Kontakt zu Familienmitgliedern hatte, die dort gewesen waren. 

Todesfälle durch das neue Coronavirus 

Durch das im chinesischen Wuhan ausgebrochene neue Coronavirus sind nach übereinstimmenden Angaben des chinesischen Gesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang 132 Menschen gestorben (Stand 29. Januar). Die Zahlen zu Erkrankten und Verdachtsfällen steigen derzeit täglich, am 29. Januar gab es laut WHO weltweit mehr als 6.000 bestätigte Infektionen. Wie das Auswärtige Amt mitteilt, handele es sich um eine neuartige Lungenerkrankung, die sich in andere Länder ausbreitet (PDF).

Seit dem 23. Januar steht die Provinz Hubei laut Auswärtigem Amt unter Quarantäne, es seien von den chinesischen Behörden „Reisebeschränkungen in der Stadt Wuhan und anderen Städten in der Provinz Hubei erlassen“ worden. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Todesfälle durch das neue Coronavirus hatten nichts mit 5G zu tun.

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Gibt es schon ein Patent für das neue Coronavirus in China? Nein – etwaige Patente sind für andere Arten von Coronaviren. (Foto: Ein Mediziner im Wuhan Union Krankenhaus am 28. Januar 2020; picture alliance / Xinhua News Agency)

von Tania Röttger

Über das neuartige Coronavirus kursiert das Gerücht, es sei bereits patentiert. Manche meinen daher, das Virus sei von „Eliten“ kreiert. Oder Bill Gates habe etwas damit zu tun. Es gibt bestehende Patente, allerdings für andere Arten von Coronaviren, nicht für jenes, das gerade in China grassiert.

Am 23. Januar 2020 veröffentlichte die Webseite Connectiv Events einen Text mit dem Titel: „Coronavirus ist ein patentierter Virus – alles über die Patente“. Darunter folgt eine Liste unterschiedlicher Patente, die das Wort Coronavirus enthalten und sich laut Connectiv Events angeblich alle auf das neue Coronavirus beziehen. Mehr als 2.000 Mal wurde der Beitrag auf Facebook geteilt. Ein fast identischer Artikel erschien zuvor am 22. Januar auf der amerikanischen Webseite USA Hitman

Manche Kommentare, mit denen der Text von Connectiv Events geteilt wird, legen nahe, dass dahinter eine Verschwörung vermutet wird. So schreibt zum Beispiel ein Nutzer in der Facebook-Gruppe „Qanon deutsche Blumberger“: „Der Corona Virus ist im Labor gezüchtet worden: von der selbsternannten Elite.“

Ein Facebook-Beitrag, in dem behauptet wird, der Virus sei ein Produkt der sogenannten „Eliten“. (Screenshot: CORRECTIV)

Unsere Recherche ergab: Es gibt die genannten Patente, manche sind allerdings nur angemeldet und nicht erteilt. Sie haben außerdem nichts mit dem aktuellen, neuartigen Coronavirus aus China zu tun, sondern mit vorigen Virenarten. 

Am 31. Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die ersten Verdachtsfälle des neuen Coronavirus benachrichtigt. Das Virus breitet sich seitdem in China aus. Bisher (Stand 28. Januar) sind laut Science Media Center 107 Menschen daran gestorben und mehr als 4.400 Menschen nachweislich infiziert, 65 davon im nicht-chinesischen Ausland.

Was sind Coronaviren und was steckt hinter den Patenten?

Laut der WHO sind Coronaviren „eine große Familie von Viren“. Sie würden Krankheiten hervorrufen, die von einer Erkältung bis hin zu schwereren Erkrankungen wie SARS und MERS reichen könnten.

Die WHO hat Antworten auf gängige Fragen zum Coronavirus veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Art, die gerade in China grassiert, nennt die WHO vorübergehend 2019-nCoV oder „novel Coronavirus“, also neues Coronavirus. Dieser Name wird laut WHO für neue Stämme des Virus vergeben, die bisher noch nicht in Menschen identifiziert wurden. Manche Medien nennen es auch „Wuhan Coronavirus“, nach der chinesischen Stadt, in der zuerst auffällige Fälle von Lungenentzündung auftauchten.

Die Patente, die verschiedene Internet-Nutzer nun mit mehr oder weniger expliziten Verschwörungstheorien verbreiten, beziehen sich auf die Virenstämme von MERS (bekannt seit 2012), SARS (bekannt seit 2003), oder auch dem Virus der Infektiösen Bronchitis, das Geflügel befällt. Auf das neue Coronavirus gibt es kein Patent. Es wurde erst Anfang Januar bestätigt, nachdem es keiner bisher identifizierten Arten des Coronavirus zugeordnet werden konnte.

Immer wieder Kontroversen über Patente

„Beispielsweise können abgeschwächte Viren patentrechtlich geschützt werden“, sagt Kaaweh Molawi gegenüber CORRECTIV. Molawi ist Patentanwalt in den Bereichen Biotechnologie und Pharma. Wozu das sinnvoll ist? Zum Beispiel für Lebendimpfstoffe, so Molawi. Darin werde das Virus in abgeschwächter Form benutzt. Es mache dann nicht mehr krank, könne aber Immunität erzeugen. Abgeschwächtes Virus heißt „attenuated virus“ auf Englisch. 

 Zu beachten sei außerdem, dass manche der in den Behauptungen genannten Patentschriften nur Patentanmeldungen sind, und keine erteilten Patente. Normalerweise sind Patentnummern, die hinten ein A haben, Anmeldungen. Erteilte und eingetragene Patente haben hinten hingegen meist ein B, so der Patentanwalt. 

Kontroversen über Patente gab es bereits im Zusammenhang mit MERS. Im Jahr 2013 war die Befürchtung, sie könnten Forschung zu dem Virus verhindern. Darüber schrieb das Science Mag, und auch der Schweizer Rundfunk widmete sich dem Thema in einer Sendung. Fazit beider Medien damals: Es ist theoretisch möglich, dass Patente Forschung blockieren, aber in vergangenen Fällen konnten sich die unterschiedlichen Parteien – Länder, Forschung und Pharma-Firmen – einigen.

Behauptung: Ein von Bill Gates finanziertes Institut besitze ein Patent am aktuellen Coronavirus

Eine andere Behauptung, diesmal von der Webseite Unsere Natur, die laut Crowdtangle mehr als 1.200 Mal auf Facebook geteilt wurde: Das „derzeit um sich greifende Corona-Virus“ sei „keineswegs natürlichen Ursprungs“. Beleg dafür sei ein Patent, welches das britische Pirbright Institut (auf manchen Webseiten auch falsch als Pilbright Institut aus den USA bezeichnet) seit dem Jahr 2018 besitze – ein Patent „für das Corona-Virus“. Zudem sei „verdächtigerweise die Bill & Melinda Gates Stiftung ein ‘Hauptfinanzierer’ des Pirbright-Instituts“. 

Die Artikel verlinken auf ein US-Patent, das im Jahr 2015 angemeldet wurde, oder sie verweisen auf das Äquivalent in Europa. Es wurde tatsächlich im Jahr 2018 erteilt und trägt seitdem die Nummer US10130701B2 beziehungsweise EP3172319B1 für Europa.

Die Erfindung, für die das Pirbright Institut ein Patent erhalten hat, ist ein lebendes, abgeschwächtes Coronavirus, das als Impfstoff fungieren soll, um „infectious bronchitis“, also Infektiöse Bronchitis (IBV), zu behandeln oder zu verhindern.

So beschreibt das Pirbright Institut seine Erfindung, die im Jahr 2018 patentiert wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

Inzwischen hat das Institut selbst auf seiner Webseite auf die Behauptungen im Netz reagiert. Es forsche nicht an menschlichen Coronaviren.

Auszug aus dem Statement, mit dem das britische Pirbright Institut auf die Behauptungen reagiert. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Das Zertifikat sei für das Virus der Infektiösen Bronchitis, ein Coronavirus für Geflügel.

In einer Broschüre der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über Legehennen beschäftigt sich ein ganzes Kapitel mit diesem Virus (PDF, ab S. 63). Im Zusammenhang mit einer Ansteckung von Menschen taucht das Virus der Infektiösen Bronchitis aber nicht auf.

 Zudem ist das Zertifikat für ein abgeschwächtes Virus, der, wie oben beschrieben, für eine Lebendimpfung genutzt werden kann – nicht für „den Coronavirus“ an sich. Außerdem, so das Institut, habe die Bill & Melinda Gates Stiftung den Forschungsbereich nicht finanziert, sondern ein anderes Projekt – mit 5,5 Millionen US-Dollar. Nämlich den Livestock Anti-Body Hub (Zentrum für die Abwehrstoffe von Tieren), mit dem erforscht werden soll, wie Tiere besser vor Krankheiten geschützt werden können.

Nein, Bill Gates hat das Coronavirus nicht vorhergesagt

Bill Gates soll zudem bereits im Oktober 2019 vor dem Coronavirus gewarnt beziehungsweise den Ausbruch mit 65 Millionen Toten vorhergesagt haben. Vermischt mit der Patent-Behauptung schwingt der Vorwurf mit, Gates sei für den Virus verantwortlich, oder könnte sich daran bereichern. Beides ist falsch.

Die Behauptung basiert auf einer Übung, die im Oktober des vergangenen Jahres stattfand und an der unter anderem die „Bill & Melinda Gates“-Stiftung teilnahm. Sie hieß Event 201. Tatsächlich übte man dort den Ausbruch einer Pandemie. Inzwischen erschien auch auf dem Veranstaltungsportal eine Meldung, in der es um die Gerüchte geht. Man habe auf der Veranstaltung keine Prognosen für die Zukunft gemacht, heißt es dort. Und obwohl es um ein fiktives neues Coronavirus gegangen sei, hätten die Voraussetzungen in der Übung nicht denen des nCoV-2019 geähnelt, also dem aktuellen in China ausgebrochenen Coronavirus.

Das Statement, in dem auf die Gerüchte eingegangen wird. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Tatsächlich warnt Bill Gates aber schon seit mehreren Jahren vor Pandemien, darüber berichtete etwa die FAZ im Februar 2017

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch: Es gibt vielerlei Zertifikate über Coronaviren, aber die sind für andere Arten, nicht das aktuelle neue Coronavirus aus China. Bill Gates hat den Ausbruch nicht vorher gesagt.

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Das Video des Youtube-Kanals „Odysseus“ über das Coronavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann , Till Eckert

Ein alarmierendes Youtube-Video über das Coronavirus in China geht derzeit viral, es wird auch über Whatsapp verbreitet. Viele der Behauptungen sind übertrieben oder falsch und führen deshalb in die Irre.

Einige der Informationen im Text können bereits veraltet sein, weil sie den Stand vom 28. Januar 2020 abdecken. Aktuellere Infos schreiben wir in Updates unter den Text.

„Die Corona-Pandemie ist weitaus schlimmer als man euch glauben machen will. Sie ist viel, viel, viel schlimmer“, leitet ein Sprecher in ein rund zehnminütiges Video ein, das am 23. Januar auf dem Kanal „Odysseus“ veröffentlicht wurde und mittlerweile über 530.000 Mal aufgerufen wurde. Es wird derzeit offenbar stark über Whatsapp verbreitet, Leser haben es uns mit der Bitte um Überprüfung geschickt. 

Im Video sind verschiedene Bilder und Videos zu sehen, angeblich aus dem chinesischen Wuhan. Ein Sprecher berichtet dazu in alarmierendem Tonfall von der angeblich katastrophalen Lage in der Stadt durch den Ausbruch des Coronavirus. Wir haben seine Aussagen und stichprobenartig einige der gezeigten Bilder überprüft. Viele der Behauptungen sind unbelegt oder irreführend.

Hintergrund ist der Ausbruch eines neuen Coronavirus in Wuhan

Hintergrund des Videos ist der Ausbruch eines neuen Coronavirus (Fachbegriff: 2019-nCoV) im Dezember 2019 im chinesischen Wuhan. Wie das Auswärtige Amt mitteilt, handele es sich um eine neuartige Lungenerkrankung, die sich in andere Länder ausbreitet (PDF).

Seit dem 23. Januar steht die Provinz laut Auswärtigem Amt unter Quarantäne, es seien von den chinesischen Behörden „Reisebeschränkungen in der Stadt Wuhan und anderen Städten in der Provinz Hubei erlassen“ worden. Eine Ausreise mit Zug, Flug, Bus oder Fähre sei derzeit nicht möglich. Das Auswärtige Amt rät aktuell von „nicht notwendigen Reisen“ in die Provinz Hubei in China ab (eine sogenannte Teilreisewarnung). Nicht erforderliche Reisen nach China sollten nach Möglichkeit verschoben werden.

(Quelle: Auswärtiges Amt)

Gibt es wirklich eine „Pandemie“ des neuen Coronavirus?

Schon im Titel des „Odysseus“-Videos steht, es gebe eine „Corona-Pandemie“. Das ist übertrieben. Von einem „Ausbruch“ einer Krankheit spricht man laut Robert-Koch-Institut, wenn „die Anzahl von Personen mit einer bestimmten Infektionskrankheit in einer bestimmten Region und/oder einem bestimmten Zeitraum die erwartete Anzahl dieser Erkrankungen übersteigt“. Das ist laut WHO beim neuen Coronavirus der Fall, sie nennt die Situation „Ausbruch“ und spricht von einer „sich entwickelnden epidemischen Situation“. 

Von einer Epidemie spricht man laut dem schweizerischen Bundesamt für Gesundheit, wenn „wenn eine Infektionskrankheit stark gehäuft, örtlich und zeitlich begrenzt auftritt“.

Und bei einer Pandemie handelt es sich laut Robert-Koch-Institut um „eine weltweite Epidemie“. Diese Situation ist nach den bisherigen Angaben der WHO zum Coronavirus bislang aber nicht eingetroffen. So wurde bislang kein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen. Nach Ansicht einiger Mitglieder des Notfallkomittees der WHO, das am 22. Januar tagte, sei es dafür „zu früh“. Es gebe jedoch innerhalb des Komitees unterschiedliche Ansichten dazu. 

Der Virologe Christian Dorsten von der Charité Berlin sagte im Interview mit der Tagesschau am 22. Januar auf die Frage, ob es zu einer Pandemie kommen könnte: „Wir haben die Erkrankung jetzt rein formal auf mehr als einem Kontinent, nur lässt sich das in diesem Fall ja an eine klare Reisegeschichte koppeln. Deswegen sind wir längst noch nicht bei einer Pandemie.“

Neuer Coronavirus gefährlicher als SARS-Virus?

Im Video von „Odysseus“ wird ab Minute 0:40 behauptet, das neue Coronavirus sei eine mutierte Form des SARS-Virus und viel gefährlicher. Die Behauptung ist unbelegt. Eine Prognose ist nicht möglich, da sich die Zahlen zu Erkrankten und Todesopfern jeden Tag verändern. Nach bisherigem Stand sagen jedoch  Experten laut der chinesischen Regierung, das neue Virus sei weniger tödlich als SARS. 

SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) ist wie das neue Virus ein Coronavirus. Laut Science Media Center sind beide genetisch verwandt, die Ähnlichkeit beträgt etwa 70 Prozent. SARS und eine andere Virenart namens MERS (Middle East Respiratory Syndrome) hätten ihren Ursprung in Fledermäusen und seien auf Märkten durch Zibetkatzen beziehungsweise Dromedare auf Menschen übertragen worden. Auch bei dem neuen Coronavirus gibt es nach CORRECTIV-Recherchen Hinweise, wenn auch keine Belege, dass sich einige Menschen in einem Markt in Wuhan ansteckten, dem Huanan Seafood Market, auf dem auch exotische Tiere verkauft wurden. 

Laut WHO wurde das SARS-Virus Anfang 2003 in China entdeckt. Insgesamt seien von November 2002 bis Juli 2003 8.096 Fälle weltweit bekannt geworden. Davon seien 774 Menschen gestorben (PDF, Seite 6). Das entspreche einer Sterblichkeitsrate von 9,6 Prozent. In Verbindung mit dem MERS-Virus gab es weltweit seit 2012 laut WHO 858 Todesfälle, bei 2.494 bestätigten Infektionen (34,4 Prozent Sterblichkeitsrate). 

Für das neue Coronavirus meldet die chinesische Gesundheitsbehörde aktuell 4.515 bestätigte Fälle und 106 Todesopfer (Stand 28. Januar). Außerhalb Chinas sind laut WHO bisher 37 Fälle bestätigt (Stand 27. Januar). 

Bisher vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen von neuem Virus betroffen

„Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten“, schreibt das Robert-Koch-Institut. Auch in einer Studie, die am 24 Januar im Journal The Lancet veröffentlicht wurde, steht, dass von den ersten 41 Patienten 13 eine Vorerkrankung wie Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen hatten. Sechs der 41 seien gestorben. Das Durchschnittsalter aller 41 Patienten sei 49 Jahre. 

WHO-Experte David Heymann sagte uns am Telefon, nach aktuellem Wissensstand sei das neue Coronavirus nicht so tödlich wie das SARS-Virus. An SARS seien Menschen aller Altersgruppen gestorben, bei dem neuen Virus seien es bisher vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes. 

Ähnliches sagte in einer offiziellen Pressekonferenz der chinesischen Regierung am 22. Januar Zhong Nanshan, ein Experte, der laut Medienberichten 2003 maßgeblich zu der Erforschung des SARS-Virus 2003 beitrug: „Es ist nicht so ansteckend und virulent wie SARS. Ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen dem neuen Coronavirus und SARS bezüglich der Schwere und Ausbreitung der Krankheit.“

Die Inkubationszeit kann kürzer als 14 Tage sein und es tritt fast immer Fieber auf

Im Video wird behauptet, die Inkubationszeit für das Virus betrage 14 Tage und es müsse kein Fieber auftreten. Das mache das Virus besonders gefährlich, weil eine Infektion spät erkannt werde. Das ist größtenteils falsch. Die Inkubationszeit kann viel kürzer als 14 Tage sein. Außerdem scheint Fieber fast immer aufzutreten. In einem Kommentar zu den Forschungsergebnissen im Journals The Lancet schreibt David Heymann, die Studien zeichneten das Bild eines Virus mit drei bis sechs Tagen Inkubationszeit, das Fieber, Husten und Muskelschmerzen auslöse, teilweise auch Durchfall und Kurzatmigkeit. 

Das Robert-Koch-Institut spricht von „bis zu 14 Tagen“ Inkubationszeit, die WHO nennt jedoch nach neueren Schätzungen (Stand 27. Januar) zwei bis zehn Tage. 

In der Studie in The Lancet wurde außerdem festgestellt, dass fast alle der ersten 41 Patienten Fieber hatten (98 Prozent). Die anderen häufigen Symptome waren Husten (76 Prozent) und Muskelschmerzen oder Erschöpfung (44 Prozent). Von juckendem, rotem Hautausschlag mit schwarzen Punkten, der in dem „Odysseus“-Video erwähnt wird, ist nirgends die Rede. In einem Interview mit der Tagesschau sagte der Virologe Hartmut Hengel, er habe noch nie von solchen Symptomen gehört, auch nicht bei SARS.

Ist wirklich keine Heilung möglich? 

Es wird im „Odysseus“-Video zudem behauptet, Ärzte könnten betroffenen Menschen nicht helfen, der Virus könne nur „mit eigener Körperkraft besiegt“ werden (Minute 05:19). Das ist größtenteils richtig, allerdings wird hier ebenfalls die Situation dramatisiert.

In der Studie, die auf The Lancet veröffentlicht wurde, schreiben die Forscher: „Keine antivirale Behandlung der Coronavirus-Infektion hat sich als wirksam erwiesen.“ Und: „Da es sich bei 2019-nCoV um ein neu entstehendes Virus handelt, wurde bisher keine wirksame Behandlung für Krankheiten entwickelt, die auf dieses Virus zurückzuführen sind.“

In einem Erklärvideo der WHO sagt eine Sprecherin: „Es gibt keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten für Coronaviren, aber die Symptome können behandelt werden.“ In Wuhan wird derzeit laut chinesischen Medien ein Krankenhaus mit 1.000 Betten für Corona-Patienten gebaut, das am 3. Februar eröffnet werden soll. Laut Medienberichten suchen Forscher derzeit nach einem Impfstoff. 

Haben Ärzte schon am 12. Januar geraten, die Stadt Wuhan abzuriegeln?

Im „Odysseus“-Video wird ab Minute 02:30 behauptet, schon am 12. Januar hätten „Ärzte empfohlen, die Stadt Wuhan abzuriegeln, weil die Situation völlig außer Kontrolle“ sei. Dazu konnten wir mit Google-Suchen nach „doctors warning Wuhan“ und „Wuhan quarantine“ am 12. Januar keine Meldung finden. Die Behauptung ist unbelegt.

Die WHO schrieb am 12. Januar in einer Mitteilung: „Die WHO rät von jeglichen Reise- oder Handelsbeschränkungen auf China auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen über die Situation ab.“

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Kippen Menschen auf offener Straße um? 

Das „Odysseus-Video“ zeigt ab Minute 08:00 außerdem Fotos und Videos, auf denen Menschen auf dem Boden liegen, teilweise blutend. Sie stammen angeblich aus Wuhan und sollen Menschen zeigen, die am Coronavirus erkrankt sind. Im Video wird dazu behauptet, Menschen würden auf offener Straße „einfach umkippen“.

Wir haben einige dieser Videos stichprobenartig überprüft, konnten jedoch nicht verifizieren, ob sie tatsächlich aus Wuhan stammen und mit dem Coronavirus in Zusammenhang stehen. Einige von ihnen wurden in Boulevardmedien aufgegriffen oder in Blogbeiträgen verlinkt und zumindest am 23. Januar hochgeladen. Mehr können wir aktuell nicht zu den Videos sagen. 

Berichten die Medien nicht über das Coronavirus?

An mehreren Stellen im „Odysseus“-Video wird behauptet, konventionelle deutsche Medien würden nicht oder nicht ausreichend über das Coronavirus berichten oder wichtige Informationen verschweigen. Das stimmt nicht. Deutsche Medien berichten mindestens seit dem 6. Januar regelmäßig über das Coronavirus, unter den ersten Medien war nach einer Google-Suche die Deutsche Welle (6. Januar) und Focus Online (7. Januar). 

Auch die Behauptung, die Medien würden „die wirkliche Gefahr“ und die Quarantäne verschweigen oder die Lage in der Region Hubei herunterspielen, stimmt nicht. Die Tagesschau berichtete etwa schon am 23. Januar, als das „Odysseus“-Video hochgeladen wurde, über die Quarantäne, die Abriegelung von Wuhan sei „beispiellos“. 

Auch die Frage, wie gefährlich das Virus ist, wird von Medien thematisiert. Die Tagesschau befragte dazu den Virologen Christian Dorsten von der Charité Berlin, das ZDF-Morgenmagazin Lothar Wieler, den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts.  

Handlungsempfehlungen – öffentliche Plätze meiden? 

Im „Odysseus“-Video gibt der Sprecher ab Minute 06:40 verschiedene Handlungsempfehlungen. Er sagt zum Beispiel, man sollte Menschenansammlungen vermeiden. Alle Menschen, die aus Asien einreisen würden, könnten potenzielle Überträger sein. Diese Empfehlungen werden durch die des Auswärtigen Amts und der WHO so nicht bestätigt. Sie empfehlen vor allem, 

  • gut auf Hygiene sowie Husten- und Niesetikette zu achten, 
  • Kontakt mit Personen zu vermeiden, die an Atemwegserkrangungen leiden,
  • Märkte zu vermeiden, auf denen tote Tiere verkauft werden,
  • Kontakt mit wilden Tieren zu vermeiden,
  • bei Fieber, Husten oder Atemschwierigkeiten einen Arzt aufzusuchen.

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Möglichkeit einer Ausbreitung in Deutschland derzeit als gering ein, weist aber darauf hin, dass einzelne Fälle auftreten können. Es gibt bisher einen bestätigten Fall – in Bayern. Das European Center for Disease Control and Prevention schätzt das Risiko einer Ausbreitung in Europa als moderat ein. Für weltweit auftretende Fälle schätzt die WHO das Risiko derzeit als hoch ein (Stand 27. Januar). 

Fazit

Das neue Coronavirus beschäftigt derzeit Forscher, Experten und offizielle Stellen weltweit, internationale und nationale Organisationen informieren fast täglich über den neuesten Stand. Vieles zum Ausbruch des Virus ist noch nicht geklärt oder belegbar. 

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Die Behauptung im „Odysseus“-Video, der Kanal habe geheime, exklusive Informationen zu der Gefahr durch das Virus, lässt sich nicht bestätigen. Im Gegenteil: Es verbreitet auf dramatisierende Weise unbelegte, irreführende und falsche Behauptungen.

Update, 31. Januar 2020:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30. Januar eine “gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite” ausgerufen. Diese Maßnahme kann sie ergreifen, wenn sie mehrere Länder von einer Epidemie bedroht sieht und eine koordinierte internationale Antwort für erforderlich hält.

Außerdem: Die Zahl der infizierten Menschen und Todesfälle verändert sich derzeit jeden Tag. Die Johns-Hopkins-University (US) hat ein Datenportal erstellt, in dem jeweils ein aktueller Stand aus den Daten der WHO, Gesundheitsbehörden in Europa, USA und China sowie der chinesischen Mediziner-Plattform DXY zu finden ist.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das „Odysseus“-Video verbreitet unbelegte, irreführende und teils falsche Behauptungen zum Ausbruch des Coronavirus.

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Im Jahr 2014 stand Deutschland das Evakuierungssystem der eigens ausgestatteten Robert-Koch-Maschine zur Verfügung. Das wurde laut Medienberichten aber nach zehn Monaten aufgegeben. Nun soll ein neues, langfristiges Transportsystem für Ebola-Patienten her. (Foto: Cuneyt Karadag / picture alliance / AA)

von Tania Röttger

Es gibt reißerische Behauptungen darüber, dass Ebola-Patienten nach Deutschland evakuiert werden sollen. Angeblich koste ein Patient den deutschen Steuerzahler zwei Millionen Euro, und angeblich drohe eine Masseninfektion. Beides ist nicht richtig.

Am 6. Januar erschienen mehrere Berichte über ein Vorhaben des Auswärtigen Amtes und von Außenminister Heiko Maas: Demnach sollen Ebola-Kranke aus dem Kongo nach Deutschland evakuiert werden.

Die Webseite PI-News behauptete dazu: „Ein Patient kostet unser Gesundheitssystem rund zwei Millionen Euro“. Die Webseite Anonymous News meint, den Grund für die Pläne gefunden zu haben: „Heiko Maas will für Massen-Ebola-Infektion in Deutschland sorgen“. Beide Artikel wurden laut dem Analysetool Crowdtangle je mehr als 1.000 Mal auf Facebook geteilt.

Wir haben recherchiert, was hinter der Geschichte steckt: Tatsächlich gibt es Pläne, an Ebola erkrankte Menschen zur Behandlung nach Deutschland zu evakuieren – und zwar deutsche Ärzte und Helfer. Außerdem geht es darum, ein sicheres Transportsystem für die Patienten zu bauen. Die zwei zusätzlichen Behauptungen von PI-News und Anonymous News sind jedoch falsch. 

Die Artikel von PI-News (links) und Anonymous News (rechts). (Screenshots: CORRECTIV)

Zunächst hatte der Spiegel am 3. Januar berichtet, das Auswärtige Amt bereite eine „Evakuierung von Ebola-Kranken“ vor. Ein Sprecher der Behörde bestätigte den Bericht auf der Regierungspressekonferenz am selben Tag. Dabei betonte er aber, es gehe um ein spezielles Transportsystem für die Evakuierung von Erkrankten. Andere Medien übernahmen die Meldung und manche, wie PI-News und Anonymous News, fügten ihr einen speziellen Dreh hinzu.

Protokoll der Regierungspressekonferenz vom 3. Januar 2020. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Transportsystem soll Ebola-Masseninfektion verhindern

Die Behauptung, das Außenministerium wolle für eine Masseninfektion mit Ebola in Deutschland sorgen, leitet Anonymous News nur davon ab, dass es ein System für den Transport von Infizierten geben soll. Tatsächlich soll das System gerade verhindern, dass andere auf dem Transportweg der Patienten infiziert werden. 

Das Projekt soll die Evakuierungsmöglichkeiten ergänzen, die das Amt für jede Art von Deutschen Helfern im Ausland habe. In Europa gebe es im Moment kein System, um infizierte Helfer zu evakuieren, heißt es auf Anfrage von CORRECTIV aus dem Auswärtigen Amt. Nun will Deutschland ein eigenes bauen – die EU habe in Aussicht gestellt, das zu finanzieren. Ebola-Patienten seien nur ein Beispiel, für wen das System genutzt werden könnte.

Wer soll evakuiert werden?

Anonymous News behauptet außerdem, es sollen „kranke Afrikaner“ geholt werden. Auf die Frage, für wen das System gebaut werde, teilt das Auswärtigen Amt mit: Primär deutsche Helfer. Auch im ursprünglichen Spiegel-Artikel steht: „Deutsche mit gefährlichen Infektionskrankheiten sollen […] aus Krisenregionen ausgeflogen werden“.

Die Spiegel-Meldung machte klar, dass die Maßnahmen deutschen Helfern zugutekommen sollen. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Und wenn die Transportmodule gebaut sind, will Deutschland sie auch anderen europäischen Ländern oder Organisationen zur Verfügung stellen. Der Pressesprecher nannte auf der Bundespressekonferenz die Weltgesundheitsorganisation WHO als Beispiel.

Protokoll der Regierungspressekonferenz vom 3. Januar 2020. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

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Nein, keine zwei Millionen Euro pro Patient und nein, Deutsche sollen nicht zahlen

Die Behauptung, ein Ebola-Patient koste zwei Millionen Euro, belegt PI-News mit einem eigenen Artikel aus dem Jahr 2014. Dieser Artikel beruht wiederum auf einer Spiegel-Meldung vom 19. Oktober 2014. Demnach waren die Kosten für die Behandlung eines Ebola-Patienten im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf zunächst auf 300.000 Euro geschätzt worden, „nach Spiegel-Informationen könnten sie sich auf insgesamt rund zwei Millionen Euro summieren“, hieß es in dem Artikel. 

Wir haben bei der Hamburger Klinik nachgefragt, wie hoch die Kosten tatsächlich waren und wer sie gezahlt hat. Von dort kam die Antwort, dass es 300.000 Euro gewesen seien – nicht die spekulierten zwei Millionen Euro. Sprecherin Saskia Lemm schrieb uns per E-Mail: „Woher die Schätzung aus der Berichterstattung kommt, ist mir nicht bekannt. Die Behandlungskosten lagen bei rund 300.000 Euro und wurden größtenteils von der WHO übernommen.“

E-Mail des Klinikums, in dem im Jahr 2014 ein Ebola-Patient behandelt wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben auch das Auswärtige Amt gefragt, mit welchen Behandlungskosten es für die künftig Evakuierten rechnet. Als Antwort kam keine konkrete Zahl. Man teilte uns aber mit: „Die Kosten eines solchen Transports trägt grundsätzlich die anfragende Person oder Institution. In der Regel haben die Betroffenen eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die auch die Kosten für eine Rückholung übernimmt.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Es gibt Pläne, deutsche Helfer, die sich mit hochansteckenden Krankheiten infiziert haben, nach Deutschland zu evakuieren. Die Behauptungen, ein Ebola-Patient koste zwei Millionen Euro und das Evakuierungsprogramm solle in Deutschland für Masseninfektion sorgen, sind falsch.

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Der Huanan Seafood Market in Wuhan wurde geschlossen, weil der Verdacht besteht, dass sich dort mehrere Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt haben. (Foto: Kyodo / picture alliance / dpa) 

von Alice Echtermann

Als das neue Coronavirus im Dezember in China ausbrach, war der vermeintliche Ursprung schnell ausgemacht: der Huanan Seafood Market in Wuhan. Dort wurden auch exotische Tiere verkauft. Doch nach weiteren Untersuchungen ist nicht sicher, ob sich das Virus wirklich nur von dem Markt aus verbreitete.

In zahlreichen Medienberichten wird behauptet, die Quelle für das neue Coronavirus sei mutmaßlich ein Markt in Wuhan – der Huanan Seafood Market, der deshalb geschlossen worden sei. Auf dem Markt seien unter anderem exotische Tiere verkauft worden. In einem Artikel von Unser Planet vom 25. Januar ist die Rede von lebenden Koalas, Schlangen, Ratten, Pfauen, Stachelschweinen und Wolfswelpen. 

Diese Tiere nannte auch die Bild-Zeitung in einem Text vom 24. Januar. Darin heißt es: „’Delikatessen’, die den Tod bringen können! Experten zufolge tragen Wildtiere Erreger wie das Coronavirus in sich – und offenbar war dieser Markt der Ursprungsort für seine Verbreitung! Die ersten Erkrankten waren Menschen, die dort arbeiteten.“ In einem Bericht der britischen Daily Mail wird zudem behauptet, dass es eine Verbindung zu Fledermaussuppe gebe, die in dem Markt verkauft worden sei. 

Die Medienberichte legen nahe, dass der Markt der Ursprung des Ausbruchs des neuen Coronavirus war. Dafür gibt es zwar Anhaltspunkte, aber keine eindeutigen Belege. 

Das Video der „Daily Mail“, in dem behauptet wird, das Virus hänge zusammen mit dem Verkauf von Fledermaussuppe. (Screenshot: CORRECTIV)

Fotos und Produktlisten bei Twitter deuten auf exotisches Sortiment des Huanan Seafood Market hin 

Als Beleg dient der Bild-Zeitung ein Artikel der South China Morning Post, der sich auf eine Online-Preisliste des Huanan Seafood Market beruft, sie aber nicht verlinkt. Außerdem verweist Bild auf Fotos eines chinesischen Journalisten auf Twitter, die von dem Markt stammen sollen. Darauf sind eine Liste der angebotenen Produkte sowie verschiedene Marktstände zu sehen. Ein anderer Twitter-Nutzer übersetzte die angebliche Produktliste; darauf würden lebende Sika-Hirsche, lebende Strauße, lebende Pfauen, lebende Zibetkatzen, Krokodilzunge, Kamelfleisch und Bullenhoden genannt. 

Der Tweet mit zwei Fotos – von einer Produktliste und von den Marktständen. (Screenshot: CORRECTIV)

Ob all diese Tiere wirklich angeboten wurden, kann CORRECTIV nicht verifizieren. Ein Vergleich mit Aufnahmen in Medienberichten legt nahe, dass die Fotos des Journalisten authentisch sind. Allerdings ist unklar, wie alt sie sind. Die abfotografierte Preisliste verweist auf eine gelöschte Webseite: whdaz.com. In einer archivierten Version von 2019 wird klar, dass es sich um einen Händler handelt, der auf dem Huanan-Markt in Wuhan seine Waren verkaufte. Angeboten wurden (laut automatischer Übersetzung) viele der genannten Tiere, darunter auch Wölfe. Allerdings ist nicht die Rede von Koalas oder Schlangen.

Viele am Coronavirus Erkrankte haben eine Verbindung zum Markt, aber nicht alle

Coronaviren werden laut WHO von Tieren auf Menschen übertragen. Es gibt mehrere Arten, darunter SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) und MERS (Middle East Respiratory Syndrome). Das neue Coronavirus ist eine bisher unbekannte Art. 

SARS- und MERS-Virus sollen ihren Ursprung in Fledermäusen gehabt haben und auf Märkten durch Zibetkatzen beziehungsweise Dromedare auf Menschen übertragen worden sein.

Bei einer offiziellen Pressekonferenz der chinesischen Regierung am 22. Januar sagte Gao Fu, Direktor des Chinese Center for Disease Control and Prevention, es sei bestätigt, dass das neue Coronavirus auf dem Markt von Tieren auf Menschen übertragen wurde. Von welcher Tierart und auf welchem Weg, sagte er nicht. 

Wissenschaftler sehen bisher jedoch keine eindeutigen Belege, dass der Markt die Quelle war. Das medizinische Fachjournal The Lancet hat am 24. Januar zwei Studien von verschiedenen chinesischen Autoren veröffentlicht (hier und hier). In der ersten Studie haben sie herausgefunden, dass von den ersten 41 Personen, bei denen eine Infektion offiziell bestätigt wurde, 27 eine Verbindung zu dem Huanan Seafood Market hatten. Es habe am 31. Dezember eine Epidemie-Warnung von der lokalen Gesundheitsbehörde gegeben und der Markt sei am 1. Januar 2020 geschlossen worden. Es gab jedoch auch Fälle, die keine Verbindung zu dem Markt aufwiesen – so wie der erste bekannte Fall am 1. Dezember 2019.

Grafische Darstellung der ersten 41 bestätigten Patienten im Fachjournal „The Lancet“. (Screenshot: CORRECTIV)

In der zweiten Studie wurde eine Familie mit sechs Personen aus Shenzhen untersucht, von denen fünf vom 29. Dezember bis 4. Januar zu Besuch in Wuhan waren. Eine weitere Person war nicht in Wuhan und wurde nur durch den Kontakt zu ihren Familienmitgliedern infiziert. Keine der Personen war auf dem Huanan Seafood Market, nur ein Verwandter, den sie besucht hatten, sei auf einem anderen Fleischmarkt (wet market) gewesen, heißt es. Er oder sie sei ebenfalls später erkrankt. Die Ergebnisse der Studie seien ein Zeichen dafür, dass eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch möglich sei. 

Aufgrund der Auswertungen in The Lancet gibt es unter Wissenschaftlern Zweifel daran, ob der Markt wirklich der einzige Ausgangspunkt für das Virus war. Es sei auch möglich, dass jemand außerhalb des Marktes infiziert wurde und das Virus dorthin brachte. 

Übertragungsweg beim neuen Coronavirus noch unklar

Das deutsche Robert-Koch-Institut informiert auf seiner Webseite (Stand 24. Januar), dass viele Eigenschaften des Virus noch unbekannt seien, zum Beispiel „wie leicht es übertragen wird, wie schwer die Krankheiten verlaufen, in welchem Tier es vorkommt, und was die genaue Quelle des Ausbruchs war“. Auf der Webseite des European Centre for Disease Prevention and Control heißt es (Stand: 27. Januar), die Quelle für die Ansteckung sei noch unbekannt. 

In einem Kommentar zu den Ergebnissen der zwei bei The Lancet veröffentlichten Studien schreibt WHO-Experte David Heymann, sie zeichneten das Bild eines Virus mit drei bis sechs Tagen Inkubationszeit, das Fieber, Muskelschmerzen und Husten auslöse, mit oder ohne Durchfall oder Kurzatmigkeit. Die Studien belegten, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich sei, aber der genaue Übertragungsweg lasse sich damit noch nicht beweisen. Sie seien nur zwei Puzzleteile unter all den Informationen, mit denen die WHO gerade versuche, das gesamte Bild zusammenzusetzen.

Keine Belege für Übertragung durch Fledermaussuppe

Auf Nachfrage von CORRECTIV sagte Heymann uns am Telefon, es gebe bisher keinen Beleg, nur Indizien, dass die Übertragung von Tieren auf Menschen geschah. Um sicher zu sein, seien Kontrollstudien nötig. In Bezug auf Medienberichte über den Verkauf von Fledermaussuppe in dem Markt betonte er: „Menschen infizieren sich nicht, indem sie gekochtes Fleisch essen.“ Es sei aber theoretisch möglich, dass Fledermäuse andere Tiere auf dem Seafood Market infiziert hätten, die dann wiederum Menschen auf dem Markt ansteckten.

Eine Ansteckung sei bei der Schlachtung möglich, wenn man direkt in Kontakt mit Blut komme, oder rohes Fleisch esse. Die Übertragung des Virus unter Menschen geschehe nach aktuellem Wissensstand nur über engen intimen Kontakt oder Tröpfcheninfektion, also wenn jemand einem anderen direkt ins Gesicht niese oder huste. Auch das sei jedoch noch wenig erforscht.   

Update, 31. Januar 2020: Am 27. Januar berichtete die chinesische staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, Experten des Chinese Center for Disease Control and Prevention hätten in 33 von 585 Umweltproben, die auf dem Markt genommen wurden, das Virus nachgewiesen. 31 der 33 positiven Proben stammten demnach aus einem Teil des Marktes, in dem Wildtiere verkauft wurden. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Markt und Tiere bei der Ausbreitung des Virus eine Rolle spielten. Da viele der ersten Infizierten keinen Kontakt zu dem Markt hatten, bleibt jedoch unklar, ob er der Ursprung des Virus war.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es ist möglich, dass Tiere das Virus auf Menschen übertragen haben. Viele der ersten Patienten waren auf dem Fleischmarkt in Wuhan, einen eindeutigen Beleg für einen Zusammenhang gibt es aber noch nicht. 

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In Impfungen können sich manchmal auch Spuren verschiedener Stoffe aus dem Herstellungsprozess finden. Symbolbild (Steve Buissinne / Pixabay).

von Joana Splieth

Anders als in einem Artikel behauptet, sind Zellen von abgetriebenen Föten und Affen oder Glyphosat nicht Inhaltsstoffe von Impfungen. Es ist richtig, dass Spuren der drei Stoffe darin vorkommen können – in sehr geringen Mengen, die nicht schädlich sind.

Am 28. November 2019 veröffentlichte die Webseite GM-Gesund-Magazin einen Artikel zu verschiedenen Inhaltsstoffen in Impfungen mit der Überschrift: „Bestätigt !! – Glyphosat und Nierenzellen von Affen in Impfstoffen“. Darin wurde behauptet, dass Nierenzellen von afrikanischen Grünen Meerkatzen (einer Affenart) und Zellen von abgetriebenen menschlichen Föten Inhaltsstoffe von Impfungen seien und auch Glyphosat (ein umstrittenes Unkraut-Bekämpfungsmittel) in Spuren darin zu finden sei.

Als Quelle nennt GM-Gesund-Magazin Artikel der Seiten Netzfrauen und Natural News von 2017. Alle verweisen auf ein Dokument des Center for Disease Control and Prevention (CDC), einer Gesundheitsbehörde der USA. Es dient als Hauptbeleg der Behauptungen. Zusammengenommen wurden die drei Texte laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 2.000 Mal geteilt. 

Nach unserer Recherche sind weder Zellen von Affen noch von abgetriebenen Föten oder Glyphosat Inhaltsstoffe von Impfungen. Der Artikel führt hier in die Irre. Was stimmt, ist, dass Impfungen sehr geringe Spuren dieser Stoffe aufweisen können. Sie stammen aus der Umwelt oder dem Herstellungsprozess.

Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde der Artikel des GM-Gesund-Magazins mehr als 300 Mal geteilt (Screenshot: CORRECTIV).

Warum werden Zellen von Lebewesen für die Herstellung von Impfstoffen verwendet?

Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen“, erklärt die Webseite impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Viren müssten für den Impfstoff allerdings zuerst gezüchtet werden. Das Bundesumweltamt erläutert auf seiner Webseite, dass sich Viren nur mithilfe von lebenden Zellen vermehren könnten und man daher für die Vermehrung geeignete Wirtszellen benötige.

Zellen von abgetriebenen Föten sind kein Inhaltsbestandteil von Impfstoffen 

Die Presseabteilung des Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe, erklärt uns in einer E-Mail, dass es „tatsächlich einige Virus-Impfstoffe [gibt], bei denen für die Vermehrung der Viren, Zell Linien (!) aus fötalen Zellen verwendet werden.“ 

Es gebe Zelllinien, die auf Zellen zweier abgetriebener Föten aus den Jahren 1961 (Zelllinie WI-38) und 1966 (Zelllinie MRC-5) zurückgehen. „Der Begriff ‘Zelllinie’ bedeutet, dass diese Linie einmalig angelegt wurde und seitdem kontinuierlich vermehrt und eingefroren wird. Es ist also nicht so, dass immer wieder neue Föten benötigt werden, um Impfstoffe produzieren zu können“, schreibt uns die Pressesprecherin Frau Dr. Susanne Stöcker des PEI. Weiter heißt es: „Für die Herstellung von Impfstoffen wird kein Gewebe von erneut abgetriebenen Föten eingesetzt.“ Die Föten seien zudem nicht deshalb abgetrieben worden, um Ihnen Gewebe für die Zelllinien zu entnehmen.

„Die Föten wurden jedoch nicht abgetrieben, um als Ausgangsmaterial für die Etablierung der Zellkulturen zu dienen“ erklärt uns das Paul-Ehrlich-Institut (Screenshot: CORRECTIV).

Für den Impfstoff werden die Viren laut Paul-Ehrlich-Institut gereinigt und Reste der Zellkultur entfernt. Sie könnten allerdings unter Umständen als Spuren in den Impfstoff gelangen. Diese Reste der Zelllinien-Kulturen seien allerdings keine Inhaltsstoffe, da sie nicht „bewusst zugefügt“ würden, erklärt uns das Paul-Ehrlich-Institut. Sie seien Hilfsstoffe bei der Herstellung der Inhaltsstoffe.

Auch dem Dokument des Center for Disease Control, der Hauptquelle der Texte, lässt sich entnehmen, dass es sich bei vielen der angegebenen Stoffe um Hilfsstoffe handelt: „Diese Tabelle beinhaltet nicht nur Impfinhaltsstoffe […], sondern auch Substanzen aus dem Herstellungsprozess, […] die aus dem finalen Produkt entfernt werden und nur in Spurenmengen vorhanden sein können.Das Dokument belegt also nicht, dass abgetriebene Föten Inhaltsstoffe von Impfungen sind, wie der Text des GM-Gesund-Magazins behauptet. 

Im Dokument des Center of Disease Control von 2017 findet sich der Hinweis, dass manche Stoffe nur Hilfsstoffe sind und aus dem Endprodukt entfernt werden (Screenshot: CORRECTIV).

Auch Zellen von Grünen Meerkatzen sind nicht Inhalt von Impfstoffen

Der Artikel des GM-Gesund-Magazins behauptet außerdem, dass sich Nierenzellen aus afrikanischen Grünen Meerkatzen, einer Affenart, im Impfstoff der Impfung ACAM2000 (einer Pockenimpfung) befinden würden. 

Es handele sich auch hier, wie bereits bei den „Zellen von abgetriebenen Föten“ nicht um Inhaltsstoffe der Impfung, sondern um Hilfsstoffe bei der Herstellung der Impfung, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut. Auch hier würden keine Affen permanent für neue Impfungen umgebracht werden. Es gehe um die Zelllinie zurückgehend auf Nierenzellen von grünen Meerkatzen (Verozellen genannt). Auch hier führt das GM-Gesund-Magazin also in die Irre. 

Das Paul-Ehrlich-Institut nimmt Stellung zu der Behauptung, dass Zellen von Affen Inhaltsstoffe von Impfungen wären (Screenshot: CORRECTIV).

Verwendung der Zelllinien für Impfungen in Deutschland?

In dem Text des GM-Gesund-Magazins ist angegeben, dass die Zellen (also eigentlich Zelllinien), die auf Grüne Meerkatzen und abgetriebene Föten zurückgehen, für die Impfstoffe gegen Pocken (ACAM2000) und den Adenovirus verwendet würden. 

Gegen Pocken werde allerdings nicht mehr geimpft, seit die Weltgesundheitsorganisation Pocken für ausgestorben erklärt habe, so das Paul-Ehrlich-Institut in der E-Mail an uns. Der spezielle ACAM2000-Pockenimpfstoff, der in der Zelllinie der Grünen Meerkatze vorbereitet wird, ist nur für Personen gedacht, die in einem geschützten Labor mit Erregern in Kontakt kommen könnten, wie man einem Artikel des Center for Disease Control von 2016 entnehmen kann. Der Impfstoff ist zudem nicht in Europa zugelassen, wo ein anderer Impfstoff gegen Pocken namens Imvanex in Ausnahmefällen verwendet wird. 

Auch gegen Adenoviren gebe es in Europa keinen Impfstoff, so das Paul-Ehrlich-Institut. Die beiden Impfstoffe, die im Artikel genannt werden, sind also in Deutschland nicht in Verwendung. 

Die Screenshots aus dem Dokument des CDC, die als Beweis für die Behauptung des Artikels dienen sollen, beziehen sich auf Impfungen gegen den Adenovirus und Pocken (Screenshot: CORRECTIV).

Auf Anfrage beim Paul-Ehrlich-Institut, erklärt man uns allerdings, dass in Europa teilweise andere Virenarten mit den Zelllinien aus den abgetriebenen Föten gezüchtet werden. 

Beispielsweise werden nach Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde Rötelnviren für einen Impfstoff gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken in „humanen diploiden Zellen“ der Zelllinie WI-38 gezüchtet. Ein weiteres Beispiel für die Nutzung von Zelllinien in der Herstellung eines in Europa zugelassenen Impfstoffs ist die Impfung Hexyon gegen Kinderlähmung. Für sie werden Verozellen verwendet (Seite 2). 

Glyphosat kann in winzigen Mengen Impfstoffen vorhanden sein

Das Paul-Ehrlich-Institut bestätigt in seiner Stellungnahme CORRECTIV gegenüber, dass Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat in Impfstoffen vorhanden sein können: „Die für die Impfstoffe gemessenen Konzentrationen sind sehr gering (im Bereich ppb = Teile pro Milliarde) und nur mit extrem empfindlichen Messverfahren nachweisbar. Da sich Glyphosat in der Umwelt befindet, lassen sich etwaige Glyphosatspuren damit erklären.“ 

Die Angaben im GM-Gesund-Magazin-Artikel zu den Werten von Glyphosat in Impfungen beziehen sich auf eine Studie von Moms Across America, einer Organisation, die sich gegen Impfungen und genveränderte Pflanzen einsetzt. In dieser Studie beträgt der höchste gemessene Wert von Glyphosat in einer Impfung 0,325 ppm (Anteil pro Milliarden). Bei der Impfung handelte es sich um eine Pneumokokken-Impfung (Pneumovax 23). 

Auf der Webseite des Bundesinstituts für Risikobewertung kann man Angaben zur akuten Referenzdosis für Glyphosat finden. Dieser Wert legt die höchste Dosis fest, die aufgenommen werden kann, ohne dass ein toxischer Effekt gemessen wird. Er wird von der EU festgelegt und beträgt 0,5 mg/kg Glyphosat pro Tag. Da 0,325 ppb (0,000325 mg/kg) deutlich weniger als 0,5 mg/kg sind, ist selbst die höchste gemessene Menge von Spuren an Glyphosat in einer Impfung laut den Behörden unbedenklich. Auf der Webseite des Bundesamts für Risikobewertung kann man weitere Informationen zur gesundheitlichen Einschätzung von Glyphosat finden.

Es stimmt also, dass Glyphosat in manchen Impfungen nachweisbar ist, allerdings ist dies nicht schädlich für den Menschen.

Generell sagt das Paul-Ehrlich-Institut zur Unverträglichkeit von Impfungen und allen in ihnen vorkommenden Stoffen: „Schwerwiegende Reaktionen stellen nach allen verfügbaren Daten eine absolute Ausnahme dar. Krankheiten dagegen führen häufig zu sehr schweren Komplikationen […].“

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Zellen von abgetriebenen Föten und Affen oder Glyphosat sind keine Inhaltsstoffe von Impfungen. Spuren können enthalten sein, sie sind aber nicht schädlich. 

collage masern
Diese Bild-Text-Collage wird derzeit auf Facebook verbreitet. Die Zahlen stimmen, es fehlt aber Kontext. (Screenshot CORRECTIV)

von Till Eckert

Auf Facebook kursieren Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu Masern-Fällen in Deutschland im Jahr 2018. Sie stimmen, aber ihnen fehlt wichtiger Kontext.

In einer Bild-Text-Collage der Facebook-Seite „BeGrünMa“ steht, in Deutschland seien von 82 Millionen Menschen in Deutschland laut des Robert-Koch-Instituts 2018 genau 543 Menschen an Masern erkrankt. Todesfälle habe es keine gegeben. Dazu steht: „Pflichtimpfung? Lizenz zum Gelddrucken für Big Pharma!” Der Beitrag wurde bisher mehr als 460 Mal geteilt. 

Die Zahlen der gemeldeten Masern-Erkrankungen und Todesfälle (PDF, Seite 40) stimmen,  sie finden sich auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts. 2017 wurden dem Institut 929 Erkrankungen gemeldet.

Robert-Koch-Institut: Erkrankungen sind wegen Impfquote auf so niedrigem Stand

Der Facebook-Beitrag erweckt den Eindruck, als sei der Masern-Virus in Deutschland nicht gefährlich, weil er sehr selten vorkomme. 

Das Bundesgesundheitsministerium schreibt: „Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende, fieberhafte Virus-Erkrankung, die zu langwierigen Verläufen und selten auch zu schweren Komplikationen führen kann.“ Es gebe außerdem ein Risiko, an Spätfolgen zu erkranken. Kinder, Jugendliche und Erwachsene könnten sich anstecken. 

Laut Robert-Koch-Institut sind Masern weltweit verbreitet. Demnach löste im Jahr 2009 ein aus Deutschland nach Bulgarien importiertes Virus „einen landesweiten Masernausbruch mit mehr als 24.000 Fällen und 24 Todesfällen in Bulgarien aus“. In Deutschland sei die Häufigkeit der Masern „durch die seit etwa 40 Jahren praktizierte Impfung und aufgrund stetig steigender Impfquoten im Vergleich zur Vorimpfära insgesamt deutlich zurückgegangen“. In Deutschland wird seit 1973 gegen Masern geimpft, seit 1980 breit angewendet (PDF, Seite 3).

Dennoch schwanken die Zahlen: So kommt es laut Robert-Koch-Institut immer wieder zu „zeitlich begrenzten regionalen bis bundesweiten Ausbrüchen mit zum Teil langen Infektionsketten“. Das zeigen auch die Fallzahlen zurück bis 2001, dem Jahr, in dem eine Meldepflicht für Masernfälle eingeführt wurde. So gab es 2001 in Deutschland mehr als 6.000 gemeldete Masern-Fälle, 2015 waren es 2.465 Fälle.

Fallzahlen der Masernfälle zurück bis 2001. (Quelle: Robert-Koch-Institut / Screenshot: CORRECTIV)

Im Zeitraum 2001 bis 2018 gab es außerdem insgesamt 15 Todesfälle wegen Masern in Deutschland.

Bundesgesundheitsministerium will Impfquoten erhöhen, um Erkrankungen zu verhindern

Die Impfquote in Deutschland liegt laut den aktuellsten verfügbaren Zahlen von 2014 bei 73,9 Prozent. Damit gehört Deutschland laut Robert-Koch-Institut aktuell zu den Ländern mit „ungenügenden Masernimpfquoten“. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt: „Experten gehen davon aus, dass sich die Masern nicht ausbreiten können, wenn mehr als 95 Prozent der Bürger gegen Masern geimpft sind.“ 

Die Impfquote soll deshalb laut Bundesgesundheitsministerium erhöht werden. Dafür gibt es unter anderem das Präventionsgesetz, das 2015 in Kraft trat und regelt, „dass künftig der Impfschutz bei allen Routine-Gesundheitsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie den Jugendarbeitsschutzuntersuchungen überprüft werden soll. Auch Betriebsärzte sollen künftig allgemeine Schutzimpfungen vornehmen können.“ 

Außerdem gibt es den Gesetzentwurf für eine Impfpflicht, der am 14. November 2019 im Bundestag beschlossen wurde. Nach diesem sollen alle Kinder bei Eintritt in die Schule oder Kindergarten eine Masernimpfung vorweisen können. Das Gesetz soll ab 1. März 2020 in Kraft treten (PDF, Seite 15).

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Zahlen stimmen, es fehlt aber wichtiger Kontext.