Es ist Mittwoch, der erste März und der erste Tag unserer Datenerhebung zum Unterrichtsausfall an Dortmunder Schulen. Um 6:37 Uhr steht bereits eine Meldung auf unserer Seite www.unterrichtsausfall-check.de. Für das Gymnasium an der Schweizer Allee. Heute kein regulärer Matheunterricht – gibt eine Person an. Der Lehrer sei „längerfristig erkrankt“. Immerhin soll eine Vertretung im selben Fach angeboten worden sein.
Zwei Tage später sind bis zum Nachmittag bereits über 370 ausgefallene Stunden gemeldet. Deutsch fällt am häufigsten aus.
Besonders Hauptfächer betroffen
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Nachrichten und Recherchen sind unerlässlich, damit Sie sich eine Meinung bilden können. Aber die derzeitigen Bedrohungen der freien Presse und der Medienlandschaft sind alarmierend.
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Unter den ausgefallenen Stunden finden sich überdurchschnittlich oft die drei Hauptfächer, die besonders viel unterrichtet werden: In den vergangenen drei Tagen haben Schüler, Eltern und Lehrer bereits 46 Ausfälle in Deutsch gemeldet, dazu 37 Stunden Englisch und 31 Stunden Mathematik. Wichtige Stunden für jeden Schüler.
Was jetzt schon auffällt: Krankheitsfälle bedeuten, die Schulen müssen spontan und kurzfristig Vertretungen organisieren. Das gelingt nicht immer. In gut zwei dutzend Fällen meldeten die Teilnehmer, es hätte keine Vertretung im selben Fach gegeben, oft fiel der Unterricht komplett aus.
Die Crowd wächst
In unserem CrowdNewsroom melden sich weiter Menschen an. Für jede dritte der 154 hinterlegten Schulen sind bereits Teilnehmer angemeldet. Bei den 16 Gymnasien gibt es sogar für jede Schule mindestens einen Mitstreiter. Das ist gut. Die Crowd wächst. Je mehr Menschen mitmachen, desto besser werden unsere Ergebnisse. Desto mehr können wir am Ende bewegen.
Die ausgefallenen Stunden werden zu ganz unterschiedlichen Zeiten eingetragen. Manche melden sie noch vor Unterrichtsbeginn. Andere Teilnehmer setzen sich nachts hin und tragen gleich eine ganze Reihe von Unterrichtsausfällen ein.
Auf Vertretungsplänen werden Unterrichtsausfälle angekündigt, aber auch Raumwechsel oder eigenverantwortliches Arbeiten (EVA)
Anonym
Vertretungspläne einfach abfotografieren
Dabei nutzen viele Personen die Vertretungspläne, die in der Regel im Empfangsbereich jeder Schule aushängen und an manchen Schulen sogar digital auf Bildschirmen oder direkt den Smartphones angezeigt werden. Sie können auch ganz einfach abfotografiert und uns via Facebook oder Mail an unterrichtsausfall-check@correctiv.org zugeschickt werden.
Eine tolle Idee, die Paul Droste von der Geschwister-Scholl-Gesamtschule bereits vor ein paar Tagen vorgeschlagen hat. Er berichtet für seine Schülerzeitung „Weiße Rose“ über den Unterrichtscheck von CORRECTIV und den Ruhr Nachrichten.
Die aktivsten Schulen
Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist bisher übrigens die aktivste Schule bei unserem Check. Dort wurden bereits 74 ausgefallene Stunden gemeldet.
Andere Schulen punkten mit vielen angemeldeten Teilnehmern. Am Helene-Lange Gymnasium machen 23 Personen mit. Das Gymnasium an der Schweizer Allee beteiligt sich schon mit 20 Mitstreitern.
Erste Schulen reagieren
Ein spannender Hinweis erreichte uns gestern Abend: In einem Gymnasium soll auf Grund unserer gemeinsamen Recherche der Vertretungsunterricht neu organisiert worden sein. Die Schüler der Oberstufe hätte eine Mitteilung bekommen, es würde kein Unterricht mehr ausfallen, sondern bei Ausfällen würden sie „auf andere Kurse aufgeteilt“ werden. CORRECTIV überprüft den Hinweis und fragt bei der Schule nach.
Hintergrund zum Unterrichtsausfall – der Check:
Zwischenstand: Tag 3 – über 370 ausgefallene Stunden (CORRECTIV.Ruhr)
Die wichtigsten Fragen und Antworten (CORRECTIV.Ruhr)
Die ersten Stimmen (CORRECTIV.Ruhr)
Der Check: Dortmunds Schulen auf dem Prüfstand (CORRECTIV.Ruhr)
Dossier: Unterrichtsausfall in Dortmund (Ruhr Nachrichten)
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.
