
Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Podcasts abrufbar.
Liebe Leserinnen und Leser,
in Zeiten, in denen der Klimawandel immer sichtbarer und der Rechtsruck immer stärker spürbar wird, ist der Wunsch vieler Menschen nachvollziehbar, das eigene Geld in Nachhaltigkeit und progressive Projekte zu investieren.
So ging es auch rund 7000 Menschen aus Deutschland und der Schweiz, die in die Aufzucht von Teakholz in Costa Rica angelegt haben – und nun fürchten, dass ihr Geld weg ist. Mehr dazu heute im Thema des Tages.
Die Leserfrage der Woche hat uns anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay erreicht. Pillay leitete eine UN-Untersuchungskommission, die Israel im vergangenen Jahr einen Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
Leser Ulrich H. hat uns deshalb gefragt, ob es eigentlich auch Klagen gegen die Terrororganisation Hamas gibt. Beantwortet hat diese Frage diesmal Minou Becker, die als neue Volontärin bei CORRECTIV seit dieser Woche das SPOTLIGHT-Team verstärkt.
Im neuen „CORRECTIV im Gespräch“ geht es um zwei verschiedene Perspektiven bei Themen wie Verantwortung, Klarnamenpflicht im Internet oder Enteignung von Wohnungskonzernen. Einig sind sich CORRECTIV-Gründer David Schraven und sein Gast, Journalist und Autor Alan Posener, in einem Punkt jedoch sehr: Wir müssen wieder miteinander reden – und zwar offen und pragmatisch, jenseits ideologischer Gräben.

Und wir haben ein Update von Silvia Stöber aus dem Prozess gegen den Ukrainer Serhii K., der sich in Hamburg für die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines verantworten muss.
Haben Sie ein Thema, das wir uns genauer anschauen sollen? Schreiben Sie mir gern an elena.mueller@correctiv.org
Thema des Tages: Auf dem Holzweg
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Verteidiger: „Nord Stream war eine Waffe Russlands“
Faktencheck: Angriffe auf Yandex: Keine Belege für Rückgang von Bot-Aktivitäten in Sozialen Medien
CORRECTIV ganz persönlich: Zensur wirkt manchmal im Stillen
Grafik des Tages: Diese europäischen Länder haben bereits eine Zuckersteuer
„Ich dachte: Es ist ja ein Schweizer Unternehmen, das kann ja nur seriös sein. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass etwas nicht stimmen könnte.“ Heute weiß es die Schweizer Rentnerin Eva Gross (Name von der Redaktion geändert) besser. Die 71-Jährige hat viel Geld in das Unternehmen Life Forestry Switzerland AG (LFS) investiert. Und das, so fürchtet sie, ist jetzt weg.
So wie ihr ging es rund 7.000 Anlegerinnen und Anlegern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, die Geld in eine Idee gesteckt haben – von ein paar Tausend Franken bei den meisten bis hin zu Millionen bei manchen.
Meine Kollegin Janina Bauer von CORRECTIV.Schweiz hat den Fall gemeinsam mit dem Schweizer Sender SRF Rundschau recherchiert, den ganzen Text können Sie hier lesen und die Doku hier anschauen.

Der Plan klang vielversprechend
Die Idee des Unternehmens: Es übernimmt die Aufzucht und Pflege junger Teakholz-Bäume auf Plantagen in Costa Rica und Ecuador und würde sich nach 10 bis 20 Jahren, wenn das Holz die höchsten Marktpreise erzielt, um den Verkauf kümmern. Teakholz ist ein vor allem auf dem asiatischen Markt für die Herstellung von Möbeln beliebtes Hartholz, es gilt als besonders edel.
Doch von den Erlösen, geschweige denn der Investition, werden die Anlegerinnen und Anleger wohl kaum etwas sehen: Im November 2025 meldete die LFS Konkurs an. Zum Konkursstichtag befanden sich lediglich 805 Franken auf dem Firmenkonto. Dabei hat die LFS in 20 Jahren rund 200 Millionen Franken eingenommen. Wo ist das Geld?
Auf der Suche danach wird klar:
Fast alle Spuren führen zum ehemaligen Chef der LFS: Carl-Lambert Liesenberg, ein umtriebiger Unternehmer. Profitiert er womöglich vom Konkurs der eigenen Firma? In der Schweiz wird gegen Liesenberg ermittelt, die Abteilung für Wirtschaftsdelikte der Staatsanwaltschaft Nidwalden führt Strafverfahren gegen Liesenberg und eine weitere Person wegen des Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte.
Auch deutsche Gerichte haben den Fall auf dem Tisch, schon länger sind sie der LFS auf der Spur. Und sind sicher: Das Geschäftsmodell der LFS war von vornherein „auf Täuschung und Schädigung der Kunden angelegt.“ So befand das Landgericht Frankfurt an der Oder im Oktober 2025.
Sie wollten ihr Geld zurück…
… doch da war es schon weg: Bereits 2024 bestätigte das höchste deutsche Gericht für Zivilsachen, der Bundesgerichtshof, dass deutsche Anlegerinnen ein Recht auf Rückzahlung ihrer investierten Beträge haben. Danach forderten über hundert Personen das von ihnen investierte Geld zurück. Bezahlt wurde nicht. Aber die offenen Forderungen waren wohl ein Grund für den Konkurs. So geht es aus den Konkursakten vor, die CORRECTIV.Schweiz vorliegen.
Doch was ist mit den Bäumen?
CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau haben sich in Costa Rica auf die Suche gemacht. Dort stehen die Bäume, viele scheinen erntebereit. Warum werden sie nicht geerntet und verkauft, um Erlöse zu erzielen?
Der Holzfäller Huotan José Martinez, der seit über zehn Jahren direkt neben der Plantage „La Aldea” lebt, sagte meiner Kollegin Janina: „Meiner Meinung nach sind einige Plantagen bereits seit letztem Jahr erntebereit. Ich denke, sie haben es nicht ausgeforstet, weil der Teak-Markt eingebrochen ist.“
In Deutschland, der Schweiz und Österreich bleibt den Anlegerinnen und Anlegern derweil wohl nur eine Hoffnung: Dass die beteiligten Staatsanwaltschaften in ihren Ermittlungen die Geldflüsse nachvollziehen und die Verantwortlichen haftbar machen können. Ob sie jedoch jemals ihr Geld zurückbekommen, ist unklar.
Haben Sie Hinweise auf große Betrugsfälle? Schreiben Sie mir gerne an elena.mueller@correctiv.org
Wohnungsmieten in Deutschland steigen wieder
Die Wohnungsmieten in Deutschland sind im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorquartal um durchschnittlich 1,2 Prozent gestiegen. Das teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit. Am stärksten sind die Mieten in Berlin und in Düsseldorf gestiegen. Am teuersten ist Wohnraum immer noch in München, Leipzig ist die günstigste der acht größten Städte in Deutschland.
kielinstitut.de / zeit.de
Sondierungsgespräche in Berlin fortgesetzt
Am Dienstag hatten Berliner Grüne und SPD die Sondierungsgespräche mit den Linken unterbrochen, gestern Abend folgte die Kehrtwende. Die drei Parteien verständigten sich darauf, dass die gemeinsame Erklärung zum Vorgehen gegen Antisemitismus weiterhin gilt. „Die drei Parteien stehen hinter der Berliner Vereinbarung“, stellte die Berliner Linken-Chefin Elif Eralp klar und bekräftigte, die Vereinbarung werde Teil des Koalitionsvertrags. Die Bundesspitze der Grünen kritisiert die Wiederaufnahme der Gespräche.
zeit.de / spiegel.de
Neue Militärkontakte mit Russland
Die Slowakei hat Militärkontakte mit Russland wieder aufgenommen. Aktuell arbeiten laut Tagesschau bereits zwei slowakische Soldaten in Moskau. Im Gegenzug sei ein russischer Offizier bereits in Bratislava akkreditiert. Sicherheitsexperten befürchten, Moskau könnte die Slowakei als Basis nutzen, um extreme Parteien zu unterstützen, Desinformationskampagnen zu betreiben und verdeckte Operationen in der EU durchzuführen. Der slowakische Präsident Robert Fico steht seit längerem wegen seiner Russland-Nähe in der Kritik.
tagesschau.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Verteidiger: „Nord Stream war eine Waffe Russlands“
Der Ukrainer Serhii K. muss sich vor Gericht in Hamburg für die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines verantworten. Zum Prozessauftakt steckten Anklage und Verteidigung die wichtigsten Punkte ab. Eine Kernfrage: Waren die gesprengten Pipelines ein legitimes militärisches Ziel inmitten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine?
correctiv.org

Die Linke ist die Gewinnerin der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. In der deutschen Medienlandschaft und in der Politik ist der Aufschrei groß. In dieser Folge geht es daher um die Fragen von Enteignen und Vergesellschaften, aber auch um die Ursachen für die Berliner Mietenmisere.
tube.funfacts.de

Leserfrage der Woche

Ulrich H. fragt: Wurde die Hamas im Zuge des Terrorangriffs am 7. Oktober 2023 eigentlich vor einem internationalen Gericht angeklagt?
Ja und nein: Die Hamas als Organisation kann von internationalen Gerichten erstmal nicht direkt angeklagt werden. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) werden nur Konflikte zwischen Staaten verhandelt. Südafrika hatte dort 2023 Israel wegen des Vorwurfs des Völkermordes verklagt. Ein solches Verfahren gegen die Hamas ist jedoch nicht möglich, da sie weder ein Staat noch eine staatliche Regierung ist. Auch für den Terroranschlag im Oktober 2023 mit über 1.200 Todesopfern kann die Hamas, die von der EU und Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird, also nicht als solches rechtlich belangt werden.
Anders sieht es beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) aus. Der verfolgt konkrete Einzelpersonen. Im November 2024 erließ er einen Haftbefehl gegen den militärischen Anführer der Hamas, Mohammed Deif, der 2025 jedoch für tot erklärt wurde. Auch die Anklagen gegen zwei weitere Hamas-Anführer wurden eingestellt, da diese von Israel getötet wurden.
In Deutschland ermittelt die Bundesanwaltschaft ebenfalls gegen Mitglieder der Hamas, wobei es bereits zu zahlreichen Festnahmen kam. Zuletzt wurde im September Anklage gegen sieben Männer erhoben, die mutmaßlich einem internationalen Waffenschmuggelring der Terrororganisation zugerechnet werden. Ihnen wird vorgeworfen, Anschläge in Deutschland und Österreich geplant zu haben. Die Anklagen konzentrieren sich dabei also auf Taten im deutschen und europäischen Raum und nicht auf die Verbrechen in Israel.
Ansonsten arbeitet die deutsche Regierung mit einem Sanktionspaket der Europäischen Union, das sich gegen diejenigen richtet, die Gewalttaten der Hamas unterstützen, erleichtern oder ermöglichen.
Falls Sie weitere Fragen an Behörden oder zu politischen Prozessen haben, schreiben Sie gerne eine E-Mail an tristan.devigne@correctiv.org.

Ab dem 8. Oktober griff die Ukraine Yandex-Rechenzentren in Russland an. Viele Nutzerinnen und Nutzer behaupteten daraufhin, dass seither online weniger Social Bots aktiv seien. Dafür gibt es keine Belege.
correctiv.org
So geht’s auch
Heidelberg setzt Tiny-Häuser gegen die Wohnungsnot ein. Ab Januar sollen bis zu 90 Menschen in 36 Modulen wohnen können. Die Siedlung dient als Übergangslösung, um Flächen zu nutzen, die sonst noch lange brach liegen würden. In zehn Jahren plant die Stadt, dort mehrgeschossige Wohnhäuser zu bauen.
zdfheute.de
Endlich verständlich
Spielt es heute noch eine Rolle, ob jemand in Ost- oder Westdeutschland aufwächst? Die Jugendredaktion Salon5 hat Jugendliche direkt gefragt – mit überraschenden Ergebnissen. Für die 16-jährige Lee-Ann sind Ost und West bloß „Himmelsrichtungen“. Die 18-jährige Sari aus Chemnitz sorgt sich dagegen, dass der Osten politisch stärker nach rechts tendiert. Was Jugendliche aus Greifswald, Halle und Chemnitz dazu sagen, hören Sie im Podcast.
spotify.com (Audio)
Fundstück
Auf dem Aldabra-Atoll der Seychellen leben mehr Riesenschildkröten als je zuvor gezählt wurden. Die jüngste Erhebung nennt eine Zahl von 180.000 Tieren – bisher ging die Fachwelt von 100.000 aus. Neben Ecuador ist die Seychellen-Insel der einzige Ort, an dem Riesenschildkröten noch frei leben. Einst galten sie als bedroht.
spiegel.de
Jahrelang habe ich für das Medium T24 in Istanbul über die türkische Justiz berichtet und Verhandlungen und Urteile begleitet, die das Leben von Menschen betrafen. Ich glaubte, dass es ein Weg ist, die Mächtigen zur Rechenschaft zu ziehen, wenn man das Justizsystem ausleuchtet. Am 30. September wurden die Website und die Social-Media-Konten von T24 in der Türkei gesperrt – wegen des Vorwurfs, 118 Artikel enthielten sogenannte „LGBTI+-Propaganda““.
Kurz darauf wurde ich ohne Begründung aus der offiziellen WhatsApp-Gruppe der Generalstaatsanwaltschaft entfernt. Ich verlor einfach den Zugang. Für einen Gerichtsreporter bedeutete das, von einer wesentlichen Informationsquelle abgeschnitten zu sein. Zensur geschieht nicht immer öffentlich. Manchmal wirkt sie im Stillen.
Seitdem habe ich das Gefühl, jemand geworden zu sein, den andere lieber auf Abstand halten. Inzwischen bin ich in Berlin und arbeite im Rahmen der Initiative „Kara Kutu“ von CORRECTIV.Exile, ohne zu wissen, was als Nächstes kommt.
Mit „Kara Kutu“ archivieren wir in der Türkei gesperrte Nachrichtenartikel zusammen mit den Entscheidungen, die sie aus der Öffentlichkeit entfernen sollten. Manche sind nirgendwo sonst mehr zu finden. Auch alle 118 Artikel von T24, die als „LGBTI+-Propaganda“ beanstandet wurden, haben wir bei „Kara Kutu“ gesichert.
Wird ein Bericht gesperrt, ist sein Verschwinden nicht das Ende seiner Geschichte. Der Artikel und die Entscheidung dagegen werden Teil der Dokumentation. Was verschwinden sollte, kann weiterhin als Beweis dienen.
Ich bin Journalist geworden, um Dinge sichtbar zu machen, besonders dann, wenn die Mächtigen es lieber anders hätten. Das habe ich auch weiterhin vor.

Das Bundeskabinett hat sich geeinigt: Für zuckerhaltige Getränke sollen ab Mitte nächsten Jahres Abgaben anfallen. Das soll einerseits die Staatskasse aufbessern. Vor allem aber ist die Hoffnung, damit den hohen Zuckerkonsum in der Bevölkerung zu senken, um die Ausgaben im Gesundheitssektor zu reduzieren. Der Entwurf muss noch durchs Parlament. Branchenverbände und Gegner kritisieren das Vorhaben als Preistreiber und staatliche Bevormundung.
Der Blick nach Europa zeigt: Deutschland ist ein Nachzügler, in vielen anderen Staaten gibt es eine solche Steuer bereits. Besonders Großbritannien gilt als positives Beispiel. Norwegen hingegen hat seine über Jahrzehnte gültige Zuckersteuer wieder abgeschafft. Sie hatte zwar erfolgreich den Erwerb entsprechender Lebensmittel reduziert. Allerdings fuhren viele zum Einkaufen ins benachbarte Schweden. Was in Deutschland geplant ist:
n-tv.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Minou Becker, Tristan Devigne, Jacob Gehring, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.
CORRECTIV arbeitet anders
Investigativer Journalismus braucht Zeit, Ausdauer und Geld. Gerade die wichtigsten Recherchen sind oft die aufwendigsten: langwierig, kompliziert, unbequem. CORRECTIV kann dranbleiben, weil Menschen wie Sie uns unterstützen – unabhängig, gemeinwohlorientiert und spendenfinanziert.


