Die AfD als Sicherheitsrisiko

CORRECTIV durchleuchtet die Kandidierenden vor der Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wer ist in der extremistischen Szene verwurzelt? Wer ist im Vetternwirtschaftsskandal involviert?

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

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gleich drei Landtagswahlen stehen im Terminkalender für den September – Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Besonders nach Sachsen-Anhalt dürften sich viele Augen richten – die AfD liegt dort in Umfragen aktuell bei über 40 Prozent. 

Ein möglicher AfD-Ministerpräsident gilt im Bund als Sicherheitsrisiko. Die Welt berichtet, dass sich die Bundesregierung darauf vorbereitet, dass AfD-geführte Bundesländer die deutschen Nachrichtendienste und die Verlegung von Nato-Truppen behindern könnten.

Auch wir bei CORRECTIV beschäftigen uns intensiv mit dieser Partei. Warum? Erstens, weil sie nun vielerorts stärkste Partei werden dürfte. Zweitens, weil eine AfD in Machtposition erhebliches Zerstörungspotenzial für demokratische Strukturen birgt. Deshalb haben wir uns genau angeschaut: Welche Kandidierenden stehen in Sachsen-Anhalt zur Wahl, wofür stehen sie – und welche Verbindungen in extremistische Kreise haben sie? Das lesen Sie heute im Thema des Tages.

Außerdem im SPOTLIGHT: Die Drohne auf dem Flughafen in Leipzig beschäftigt weiter Sicherheitsbehörden und Politik. Anders als zwischenzeitlich von Medien berichtet, lagerte im Antonov-Flugzeug zwar keine Munition. Dafür aber enthielt die Drohne wohl militärischen Sprengstoff. Was sich daraus schließen lässt und was über mögliche Hintergründe zu dem Fall bekannt ist, lesen Sie in der neuesten CORRECTIV-Recherche. 

Als positiven Ausblick ins Wochenende möchte ich Ihnen noch das CORRECTIV-Interview mit Digital-Pionier Markus Beckedahl empfehlen. Er findet die Angstszenarien zu Künstlicher Intelligenz übertrieben – und erklärt, wie KI zu einem öffentlichen Gut gemacht werden könnte. 

Thema des Tages: Die AfD als Sicherheitsrisiko

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Drohnen mit Sprengstoff: Das waren Profis

Faktencheck: 5.000 neue Moscheen für Spanien? Tiktok-Account streut unbelegte Gerüchte

Gute Sache(n): Was Gesellschaften glücklich macht • Vorausblick: Niedrigwasser schon im August – was kommt im September? • Ein Eis für die Sechs im Schulzeugnis

CORRECTIV ganz persönlich: Recherchen im Dreck wirken

Grafik des Tages: Rente mit 63 nach Bundesland

Und das obwohl die Partei den völkischen Tarnbegriff „Remigration“ zum Leitmotiv gemacht hat. Und das obwohl auch wir bei CORRECTIV so oft berichtet haben, wie nah der AfD-Landesverband Trumps MAGA-Bewegung und Putins Russland steht. Und das obwohl Anfang des Jahres die Vetternwirtschaft-Affäre die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Erklärungsnot brachte.

Deshalb wollen wir vor der Wahl den Überblick geben, wer genau dort zur Wahl steht: Was sollten Wählerinnen und Wähler über die Kandidierenden der Partei unbedingt wissen? Diesen Überblick finden Sie hier in unserer jüngsten Recherche.

Der Überblick: Die zentralen AfD-Kandidaten
Da ist etwa Fraktionschef Oliver Kirchner (Listenplatz 2), der die „Idee Preußens“ als „Kompass für die Zukunft“ versteht. Oder Sebastian Koch (Listenplatz 8), der früher selbst an Sonnenwendfeiern von Neonazis teilnahm, und nun seit einigen Jahren im Landtag sitzt und selbst Feste für Neonazis und die radikale Parteijugend mitorganisiert – mit Spenden von vielen AfD-Kollegen aus dem Landesverband.

Ohnehin ist der Rechtsextremismus tief im Landesverband verankert. Das zeigt auch die Einschätzung des Landesverfassungsschutzes. Der äußert sich normalerweise nicht zu einzelnen Personen. Aber in den Verfassungsschutzberichten der vergangenen Jahre werden mindestens 13 AfD-Kandidaten der Top 30 der Landesliste namentlich als Beleg für den Rechtsextremismus des Landesverbands erwähnt. Das sollten auch Wählerinnen und Wähler wissen, wenn sie am 6. September ihr Kreuz bei einer der Parteien machen.

Russland-Nähe: Fahnenschwenkend zum Ende der Westbindung
Zu den radikalen Taktgebern gehört Hans-Thomas Tillschneider, der Bildungssprecher seiner Partei. Er liegt auf Listenplatz drei und verfolgt ziemlich radikale Pläne für Schulen – etwa einen Sicherheitsdienst an Schulen inklusive Tränengas. 

Er fiel zudem mit seiner Nähe zu Trumps MAGA-Bewegung und Putins Russland auf. Gemeinsam mit den Partei-Kollegen Daniel Wald (Listenplatz 10) und Frank-Otto Lizureck (Platz 23) suchte er mehrfach aktiv die Verbindung zur  russischen Politik. 

So reiste Tillschneider etwa 2024 zur russischen Enklave Kaliningrad, um dort deutsch-russische Fahnen zu schwenken und „gegen westliche Werte“ zu demonstrieren. Eine ausgestreckte Hand an Putin – obwohl da bereits seit zwei Jahren dessen blutige Invasion in der Ukraine lief. Tillschneider schrieb danach, er „würde das jederzeit wieder tun“.

Das sollten Sie sonst noch wissen
Wer ist im Vetternwirtschafts-Skandal verstrickt? Wer gehört sicher zur extremen Rechten? Und wer will die Bildungspolitik nach autoritären Vorbild umkrempeln? Das können Sie in der Recherche nachlesen.

Wohnungslosenhilfe fordert besseren Schutz vor extremer Hitze
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe warnt vor den Folgen extremer Hitze für wohnungslose Menschen. Diese könnte lebensgefährlich sein, da Menschen ohne ausreichenden Zugang zu Wasser, Schatten oder kühlen Räumen den Temperaturen schutzlos ausgeliefert sind. Die Geschäftsführerin Sabine Bösing forderte neben Akuthilfen den „Schutz von kühlem Wohnraum“. Demnach müsse Hitzeschutz eine verbindliche Pflichtaufgabe von Staat und Kommunen werden. 
zeit.de

Öltanker vor der Küste des Oman auf Grund gelaufen
Aufgrund eines Öltankers, der vor der Küste Omans auf Grund gelaufen ist, droht dort eine Umweltkatastrophe. Satellitenaufnahmen zeigen, dass immer größere Mengen Öl austreten. Der Tanker wird der russischen Schattenflotte zugerechnet. Laut Greenpeace seien unter anderem Korallenriffe, Meeresschildkröten, Zugvögel und Meeressäuger in dem Gebiet gefährdet.
tagesschau.de

Die Kathedralmoschee von Córdoba geht auf die maurische Herrschaft in Spanien im Jahr 785 zurück
Die Kathedralmoschee von Córdoba geht auf die maurische Herrschaft in Spanien im Jahr 785 zurück (Symbolbild: Rita Priemer / Imagebroker / Picture Alliance)

Endlich verständlich
Das Niedrigwasser in Deutschland und Europa sorgt für Probleme – und das schon sehr früh im Jahr. Denn die eigentliche Saison für geringe Pegelstände ist erst im September. Was also kommt diesen Herbst auf uns zu? Hier gibt es einen Blick auf den kommenden Monat – leider einen sorgenvollen:
fr.de

Fundstück
Eis statt Schelte für die Sechs im Schulzeugnis: Martin Gruber, Kioskbetreiber im Strandbad Utting (Ammersee), schenkt Schulkindern in den Ferien für jede Sechs im Zeugnis ein Eis und eine Tüte Salzstangen. Mehreren Medien gegenüber sagte er, er habe ein Herz für „die Nieten und Loser, die ja eigentlich viel mehr Trost brauchen“ als Einserschüler. Er selbst sei auch „eine totale Niete“ in der Schule gewesen, so Gruber.
faz.de


Über Brandenburg bin ich einst zum Thema „Umweltkriminalität“ gekommen. Mehr als zehn Jahre ist das mittlerweile her. Damals habe ich erstmals bei CORRECTIV über dieses „Müllparadies“ berichtet. 

Als freier Journalist habe ich weiter über Brandenburg recherchiert und geschrieben. Einige illegale Lager wurden geräumt, finanziert teilweise mit Millionen Euro an Steuergeld. Bis heute kommen neue Lager hinzu. 

Als Reporter bei CORRECTIV habe ich festgestellt, dass es in Nordrhein-Westfalen ähnliche Fälle gibt: Die Müllberge in Gelsenkirchen sind wohl eine der größten illegalen Deponien in der gesamten Republik. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.