Neue Rechte

„Remigration“, Russland, Radikalität: Wofür die AfD Sachsen-Anhalt steht

Rechtsextrem, MAGA- und Russland-nah und trotzdem in den Umfragen weit vorne: CORRECTIV zeigt, wofür die AfD-Kandidatinnen und -Kandidaten in Sachsen-Anhalt stehen, wie sie in radikale Netzwerke eingebunden sind – und warum sie Wachposten an Schulen fordern.

von Stella Hesch , Martin Böhmer , Isabel Knippel

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Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt, führt in den Umfragen. Der Landesverfassungsschutz bewertet den Landesverband als „gesichert rechtsextremistisch. Foto: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Wenn am 6. September in Sachsen-Anhalt gewählt wird, will die „gesichert rechtsextremistische“ AfD nach der Macht greifen. So bewertet der Landesverfassungsschutz die Partei. Dennoch steht sie bei gut 40 Prozent in den aktuellen Umfragen. Es könnte das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sein, dass eine rechtsextreme Partei in Regierungsverantwortung kommt. Viele der Kandidaten propagieren „Remigration“, haben Verbindungen nach Russland oder waren in die Vetternwirtschaft-Affäre verwickelt – eine Übersicht der wichtigsten Themen und Personen.

Ulrich Siegmund: Ein Spitzenkandidat beim Potsdam-Treffen

Ulrich Siegmund (Listenplatz 1), Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt und im Falle einer absoluten Mehrheit sogar Ministerpräsident, beschrieb schon im November 2023, wie er das Land künftig prägen möchte: Beim geheimen Treffen in Potsdam sprach der Spitzenkandidat über seinen Wahlkampf und seine Ziele. 

Siegmunds Strategie: Er versuche, menschliche Sympathie für seine Forderungen aufzubauen. Er sei ein „ganz normaler Typ, mit dem sich jeder identifizieren kann.“ Und die entscheidenden politischen Inhalte bringe er dann „zum Schluss durch die kalte Küche“. Was Siegmund den Bürgerinnen und Bürgern da durch die „kalte Küche“ servieren will? In Potsdam sagte er: Das Straßenbild müsse sich „innerhalb kürzester Zeit“ ändern. Ausländische Restaurants müssten unter Druck gesetzt werden. Es solle in Sachsen-Anhalt „für dieses Klientel möglichst unattraktiv sein zu leben.“

Ebenfalls in Potsdam war der Kopf der Identitären Bewegung, Martin Sellner, der ein „Gesamtkonzept im Sinne eines Masterplans“ präsentierte. Genauer: Es ging darum, „Remigration“ auch für „nicht-assimilierte Staatsbürger“ zu diskutieren. Nach dem Konzept des Rechtsextremen Martin Sellner sollen über diesen völkischen Tarnbegriff auch deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund aus Deutschland vertrieben werden. Das Bundesverwaltungsgericht bewertet das Konzept als nicht mit der Menschenwürde vereinbar.

„Remigration“ als Leitmotiv in der AfD Sachsen-Anhalt

Collage: Cem Bozdoğan / CORRECTIV, Fotos: Picture Alliance

In ihrem Wahlprogramm präsentiert die AfD Sachsen-Anhalt „Remigration“ als zentrales Element ihrer Migrationspolitik. Im größten Kapitel des Wahlprogramms, „Einwanderung und Remigration“, fordert die AfD ein „stimmiges Gesamtkonzept“ mit „Maßnahmen zur Beendigung der illegalen, kulturfremden und inländerfeindlichen Massenmigration“.

„Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt (im Folgenden: AfD Sachsen-Anhalt) wurde, wie die Bundespartei, im Jahr 2013 gegründet und zog mit der Landtagswahl 2016 erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Seit den Kommunalwahlen des Jahres 2019 ist die AfD in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte Sachsen-Anhalts in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 erhielt die Partei 20,8 Prozent der Zweitstimmen; sie behauptete damit ihre Stellung als stärkste Oppositionsfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. 

Bei den Kommunalwahlen 2024 konnte die AfD Sachsen-Anhalt ihre Ergebnisse signifikant steigern. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann die AfD in Sachsen-Anhalt alle Direktmandate. 

Als politische Partei strebt die AfD in Sachsen-Anhalt mit der Beteiligung an Wahlen und dem Einwirken auf den gesellschaftlichen Diskurs einen fundamentalen Bruch mit der bestehenden politischen Ordnung an. Die thematischen Schwerpunkte des AfD- Landesverbands Sachsen-Anhalt liegen in der Migrations-, Familien-, Identitäts- und Erinnerungspolitik. 

In der Außenpolitik wirbt die Partei für eine Annäherung Deutschlands an die Russische Föderation.

Ideologisch ist die AfD Sachsen-Anhalt der sogenannten Neuen Rechten zuzuordnen; ihre Funktions- und Mandatsträger unterhalten aber Verbindungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum.“

Quelle: Auszug aus dem Verfassungsschutzbericht 2025, Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt

Konkret soll das bedeuten: rigorose Grenzkontrollen und de facto das Ende des Asylrechts. Außerdem will sie eine „Task Force für Abschiebungen einrichten“. Also eine Arbeitsgruppe, die unter anderem Abschiebungen „beschleunigen“ soll. Bemerkenswert ist die Erwähnung von „kulturfremden Flüchtlingen“ – die AfD teilt so Menschen in Eigene und Fremde ein.

Auch wenn sich das Programm der Partei zumindest offiziell nicht auf Staatsbürger bezieht: Wo „Remigration“ draufsteht, ist oft Sellner drin. Das zeigt sich auch in Sachsen-Anhalt.

Preußische Werte, „Null-Zuwanderung“ und Spenden für die rechtsextreme Jugend

In Schnellroda, einem rund 200-Einwohner-Ort in Sachsen-Anhalt, ist die rechtsextreme Denkfabrik des Verlegers Götz Kubitschek ansässig. Regelmäßiger Gast auch hier: Martin Sellner. Kubitscheks Denkfabrik wird bereits seit einigen Jahren vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextreme Gruppierung beobachtet. Formal wurde sie vor zwei Jahren aufgelöst, Veranstaltungen finden jedoch weiterhin statt. Somit bleibt sie ein wichtiger Austauschpunkt für die Partei und das rechtsextreme Vorfeld.

Der Fraktionschef der Sachsen-Anhalter AfD, Oliver Kirchner (Listenplatz 2), bezeichnete Kubitschek auf dem jährlichen „Preußenfest“, einer Veranstaltung der AfD im Saalekreis, als „Freund“. Anschließend zitierte er Oswald Spengler, einen philosophischen Wegbereiter des Dritten Reiches, der sich 1919 eine Rückbesinnung auf „preußische Werte“ wünschte. Seine Idee „der Staat führt, das Volk folgt“ sei zwar autoritär – aber „erhebend“, so Kirchner. „Die AfD trägt die Idee Preußens weiter, nicht als Museumsstück, sondern als Kompass für die Zukunft. (…)”.

Der völkische Bildungspolitiker Hans-Thomas Tillschneider (Listenplatz 3) und Kubitschek saßen schon 2015 zusammen auf einem Podium bei einer Veranstaltung des rechtsextremen Magazins Compact. Damals war Tillschneider noch aktiv bei der „Patriotischen Plattform“, einer ehemaligen parteiinternen Strömung, um die AfD weiter zu radikalisieren. 2018 löste sich der Verein auf, aus Sorge vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

Ein Partei-eigener rechter Vordenker und Publizist ist Jan Moldenhauer (Listenplatz 7). Er schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sezession, die von Kubitschek ebenfalls in Schnellroda publiziert wird. Sein Lieblingsthema: die Migrationspolitik Japans. Diese sieht er als Vorbild, wie es schon die Nationalsozialisten taten. 2018 veröffentlichte er bei Kubitscheks Denkfabrik hierzu eine Studie mit dem Titel: „Japans Politik der Null-Zuwanderung: Vorbild für Deutschland?.“

CORRECTIV.Sunlight

Diese Veröffentlichung ist Teil des Recherche-Projekts zu Politikerinnen und Politikern. Für mehr Transparenz blickt CORRECTIV.Sunlight auf Interessenkonflikte, Unklarheiten in der Biografie, auf Personennetze und politische Positionen – kurz: Auf alles, was Wählerinnen und Wähler interessiert, um ihre Wahlentscheidung zu treffen. Sie haben einen Hinweis? Dann schreiben Sie uns unter sunlight(at)correctiv.org oder nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten.

Ebenfalls ein wichtiges Vernetzungstreffen der Neuen Rechten ist das jährliche Sommerfest der ehemaligen Jungen Alternative (JA) in Roxförde im Kreis Salzwedel. So reisten im August 2025 aus dem gesamten Bundesgebiet Mitglieder der AfD zum Sommerfest, das sich laut Landesverfassungsschutz zu einem Vernetzungstreffen mit „überregionaler Bedeutung entwickelt“ hatte. In den Vorjahren waren auch führende Vertreter der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) aus Österreich vor Ort.

Organisiert wurde das Sommerfest vergangenes Jahr unter anderem von Sebastian Koch (Listenplatz 8). Anders als zuvor deklarierte Koch das JA-Sommerfest im vergangenen Sommer als „Privatfeier“. Der Grund: Die Jugendorganisation der AfD hatte sich kurz zuvor bundesweit auflösen müssen. Sie galt als zu radikal, zu unkontrollierbar für die AfD-Führung. Die Strukturen bestanden in der Folgezeit – auch wegen Politikern wie Koch – nahezu unverändert fort.

Aber auch andere AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt unterstützten die rechtsextreme Jugend. Einige der Landtagskandidaten spendeten nach Angaben des Verfassungsschutzes bereits 2023 für die Jugend. Darunter: Ulrich Siegmund (Listenplatz 1), Oliver Kirchner (Listenplatz 2), Matthias Büttner (Listenplatz 6), Jan Moldenhauer (Listenplatz 7), Daniel Wald (Listenplatz 10), Christian Hecht (Listenplatz 14), Nadine Koppehel (Listenplatz 15), Florian Schröder (Listenplatz 16), Hagen Kohl (Listenplatz 17), Matthias Lieschke (Listenplatz 20), Daniel Roi (Direktkandidat für Bitterfeld-Wolfen), Daniel Rausch (Listenplatz 22) und Christian Mertens (Listenplatz 24). 

Der Kampfbegriff „Remigration“ fußt auf völkischer Ideologie und wurde maßgeblich vom österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner geprägt. Sellner sieht den Schutz der „ethnokulturellen Identität“ als zentrales Ziel der rechten Bewegung. Sie wird ihm zufolge bedroht durch den angeblichen „Bevölkerungsaustausch“, eine Verschwörungserzählung, die behauptet, die einheimische Bevölkerung werde gezielt durch Einwanderer ersetzt. „Remigration“ wird von der rechten Bewegung als vermeintliche Lösung gegen dieses Scheinproblem beworben.


CORRECTIV hatte in der Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“ Anfang Januar 2024 gezeigt, wie Sellner vor hochrangigen AfD-Funktionären die „Remigration“ auch für „nicht-assimilierte Staatsbürger“ vorschlug. Das macht das Konzept, das Sellner auch in anderen Zusammenhängen schildert, laut einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig verfassungsfeindlich.


Seit dem Treffen in Potsdam macht die AfD „Remigration“ immer wieder zum Thema. Die Partei verwendet den Begriff zwar auch im Bundeswahlprogramm 2025, gibt ihm jedoch einen harmloseren Inhalt. Dort bezieht sich das Wort nicht auf Staatsbürger, sondern ist ein Synonym für die Abschiebung von Personen ohne gültigen Aufenthaltstitel.


Es gibt jedoch unzählige Posts in den Sozialen Medien von Vertretern des völkischen Lagers der Partei, die „millionenfache Remigration“ fordern. Der Staatsrechtler Markus Ogorek sagte gegenüber CORRECTIV, dass durch die schiere Zahl auch Staatsbürger mitgemeint sein müssen – was das Konzept  klar völkisch mache. Zudem suchen immer wieder Vertreterinnen und Vertreter der Partei öffentlich die Nähe zu Sellner.


Sollte es zu einem AfD-Verbotsverfahren kommen, dürfte die Frage, wie eng die AfD mit Sellner und seinem „Remigrationskonzept“ verbunden ist, eine zentrale Rolle spielen.

Siegmund, Tillschneider, Kirchner, Moldenhauer und Koch sind nur fünf Beispiele für das rechtsextreme Gedankengut prominenter AfD-Kandidaten. Der Landesverfassungsschutz in Sachsen-Anhalt bewertet den gesamten Landesverband eindeutig, im jüngsten Bericht von 2025 heißt es: „Funktions- und Mandatsträger unterhalten aber Verbindungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum“ und „die Programmatik der AfD Sachsen-Anhalt ist wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen.“

Bildungspolitik nach Vorbild Donald Trumps 

Collage: Cem Bozdoğan / CORRECTIV, Fotos: Picture Alliance

Hans-Thomas Tillschneider (Listenplatz 3) in Sachsen-Anhalt, gilt als ideologischer Vordenker innerhalb der AfD. Den Wahlprogrammentwurf der Partei hat er maßgeblich mitgeprägt. Parallelen gibt es dabei in die USA.

Tillschneider positionierte sich bis zu Donald Trumps Wahlsieg noch stramm anti-amerikanisch. So sprach er beispielsweise von der „Weltherrschaft der USA“, die „das größte Sicherheitsproblem“ darstelle. Wie viele in der AfD sieht auch Tillschneider in Trump mittlerweile einen Verbündeten. Sie feiern seinen disruptiven Politikstil, die EU- und NATO-Feindlichkeit, seine Bewunderung für Putin und die harte Linie gegen Migranten, etwa durch die berüchtigte Einwanderungsbehörde ICE. 

Dass sich die sachsen-anhaltische AfD und Trumps MAGA-Bewegung ideologisch nahestehen, wird auch im Bereich der Bildungspolitik deutlich. Denn die Partei plant unter anderem Wachdienste an Schulen mit Tränengas, Sonderklassen für Geflüchtete, die Schulpflicht abzuschaffen, um Heimunterricht zu ermöglichen und andere Schwerpunkte im Geschichtsunterricht – zum Beispiel, sich mehr auf das deutsche Kaiserreich zu fokussieren. Ideen, die Trump so oder so ähnlich teils bereits seit seiner ersten Amtszeit hat.

Den persönlichen Schulterschluss suchte Tillschneider im Dezember 2025: Mit einer siebenköpfigen Delegation der AfD Sachsen-Anhalt reiste er in die USA, um sich mit Trumps MAGA-Bewegung zu vernetzen. Neben Tillschneider waren Gordon Köhler (Listenplatz 5), Tobias Rausch (Listenplatz 4), Christian Hecht (Listenplatz 14), Jan Scharfenort (Listenplatz 9), Matthias Büttner (Listenplatz 6) und Florian Schröder (Listenplatz 16) vor Ort.

Die AfD und Russland: Fahnenschwenkend zum Ende der Westbindung

Collage: Cem Bozdoğan / CORRECTIV, Fotos: Picture Alliance

Zahlreiche Kandidaten der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigen auch eine bemerkenswerte Nähe zu Russland. Die Politik der AfD-Leute reicht dabei von freundschaftlichen Russland-Reisen über Gastbeiträge in russischen Zeitungen bis zu politischen Forderungen, die Sanktionen zu beenden, oder pro-russische Vereinen zu organisieren.

Eine zentrale Rolle in der Russland-Nähe spielt erneut Hans-Thomas Tillschneider . Zum Angriffskrieg in der Ukraine sagte er dem MDR, Putin verteidige Russlands Interessen. Außerdem schrieb Tillschneider Gastbeiträge in einer Moskauer Zeitung und im rechtsextremen Compact-Magazin, in dem er das Ende der Sanktionen gegen Russland forderte und die sogenannte Westbindung Deutschlands in Frage stellte. Tillschneider meinte: „Jedes Bekenntnis zu deutsch-russischer Freundschaft ist ein Akt der Souveränität“.

Compact hatte 2025 auch zu einer Geburtstagsfeier für Wladimir Putin in die russische Botschaft in Berlin eingeladen. Mitgefeiert haben Hans-Thomas Tillschneider, Florian Schröder (Listenplatz 16) und Frank-Otto Lizureck (Listenplatz 23).

Aber Tillschneider hat sich auch selbst mehrfach auf den Weg nach Russland gemacht. 2022 rügte ihn der AfD-Bundesvorstand noch für eine Reise mit Daniel Wald (Listenplatz 10). 2024 aber reiste er mit Lizureck und weiteren AfD-Politikern zur russischen Exklave Kaliningrad, um dort medienwirksam mit deutsch-russischen Fahnen „gegen westliche Werte“ zu demonstrieren, berichtete T-Online. Im Compact-Magazin schrieb Tillschneider später dazu: „Sich in diesen Zeiten nur politisch und ohne Waffe in der Hand für einen NATO-Austritt Deutschlands und ein gutes Verhältnis zu Russland zu engagieren, erfordert mehr Mut als ein Kampfeinsatz in der Ukraine. Und genau deshalb habe ich auf einer Demonstration vor zwei Jahren eine Russlandfahne geschwenkt und würde das jederzeit wieder tun.“ Sein Engagement zeigt er auch mit dem von ihm selbstgegründeten Verein „Wastok e.V.“, in dem auch Lieschke und Lizureck Mitglieder sind.

Wie verbreitet die Russland-Nähe in der AfD Sachsen-Anhalt ist, zeigt sich auch an der Initiative „Stoppt die Sanktionen“. Mitglied der Initiative ist Putin-Gratulant und Kaliningrad-Reisender Lizureck. Als „Erstunterstützer“ der Initiative sind neben anderen AfD-Abgeordneten im Bundestag und Europaparlament auch die Landtagsabgeordneten und -kandidaten Oliver Kirchner (Listenplatz 2), Jan Scharfenort (Listenplatz 9), Daniel Wald (Listenplatz 10), Christian Hecht (Listenplatz 14), Florian Schröder (Listenplatz 16), Lothar Waehler (Listenplatz 18) aufgeführt.

Auch das aktuelle Wahlprogramm beinhaltet viel Sympathie: „Wirtschaftsschädliche Sanktionen beenden“, „Nord-Stream-Pipelines in Betrieb nehmen“, „Russisch-Unterricht erhalten“, „Schüleraustausch mit Russland wiederbeleben“ – die Liste ist lang und vieles nicht auf Landesebene umsetzbar.

Vetternwirtschaft: Jobs für Familie, Partner und Fußball-Freunde

Collage: Cem Bozdoğan / CORRECTIV, Fotos: Picture Alliance

Anfang des Jahres wurde die Vetternwirtschafts-Affäre in der AfD bekannt. Ihr Ausgangspunkt? Sachsen-Anhalt. Von 14 AfD-Politikern aus Sachsen-Anhalt, darunter auch Bundestags- und Europa-Politiker, die in die Affäre verwickelt waren, treten neun wieder zur Landtagswahl an.

Im Zentrum der Affäre stand die sogenannte „Poker-Runde“, ein Zusammenschluss der Mächtigen im Landesverband: Spitzenkandidat Siegmund (Listenplatz 1), Landes-Chef Martin Reichardt oder der Parlamentarische Geschäftsführer Tobias Rausch (Listenplatz 4) sind nur drei Politiker, die darin verwickelt sind.

In Kürze: AfD-Leute haben in sogenannten Über-Kreuz-Beschäftigungen Verwandte und Partnerinnen bei anderen AfD-Abgeordneten angestellt und so das Gehalt der Beschäftigten – also Steuergeld – direkt in die Familien zurückfließen lassen.

Neben auffällig vielen Anstellungen aus dem eigenen Umfeld kamen auch besonders kuriose Fälle ans Licht: Siegmunds Vater soll zeitweise rund 7.700 Euro für seine Arbeit beim Bundestagsabgeordneten Thomas Korell bekommen haben, Tobias Rausch beschäftigte auch vier Fußballer aus dem Verein, in dem er bis heute Vorstand ist, und die Landtagsabgeordnete Nadine Koppehel (Listenplatz 15) engagierte zeitweise 16 Personen in ihrem Büro – deutlich mehr als üblich.

Sie wollen sich zu diesem Thema austauschen? Kommen Sie zu unseren Veranstaltungen und diskutieren Sie mit uns. Alle Termine finden Sie auf unserer Eventseite.

Nach dem Skandal setzte die AfD Sachsen-Anhalt eine eigene Kommission ein, um die Fälle zu durchleuchten. Aufklärung? Bis auf einzelne Kündigungen offenbar Fehlanzeige. Vielleicht auch, weil der AfD-Landtagsabgeordneter Gordon Köhler die Kommission leitet. Laut AfD-Insidern ist Köhler ebenfalls Mitglied der „Poker-Runde“ und müsste somit gegen seine Freunde vorgehen. Fragen von CORRECTIV zur Kommission ließ Gordon Köhler unbeantwortet.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am Sonntag, den 6. September, statt. Bei der vergangenen Wahl 2021 bekam die AfD 20,8 Prozent der Stimmen, was ihr 23 Sitze im Landtag brachte. Die „gesichert rechtsextremistische“ Partei will an die Macht. In den Verfassungsschutzberichten der vergangenen Jahre werden mindestens 13 AfD-Kandidaten der Top 30 der Landesliste namentlich als  Beleg für diesen Rechtsextremismus erwähnt.

Redigatur: Anna Kassin, Elena Müller
Faktencheck: Anna Kassin
Collage: Cem Bozdoğan

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