
Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Podcasts abrufbar.
Liebe Leserinnen und Leser,
nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt herrscht große Verunsicherung an den Schulen: Was tun, wenn es zu einer AfD-geführten Regierung kommt – und all die kruden Pläne der Partei wirklich umgesetzt werden sollen? Unser Bildungsteam hat die Lehrerinnen und Lehrer im Bundesland befragt: Wie ist die Stimmung, wie wappnen sie sich? Heute Thema des Tages.
Was sonst noch wichtig ist: Ab dem 1. Oktober gibt es wieder Tankrabatt in Deutschland. Die umstrittene Maßnahme soll 2,5 Milliarden Euro kosten. Wir zeigen in unserer Grafik, wie viel das im Vergleich zu anderen Staatsausgaben ist.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) trifft sich morgen in München mit anderen EU-Innenministern, um über Europas härteren Migrationskurs zu beraten. Uns interessiert dabei vor allem eine Frage: Hat Dobrindt mittlerweile einen Plan für die bereits vor Monaten angekündigten „Return Hubs“, also Abschiebezentren? Wir hatten sein Ministerium schon mehrmals gefragt, was es sich genau vorstellt: Welche Staaten sollen denn bereit sein, solche Zentren zu errichten? Wird Deutschland sie dafür bezahlen? Wie viel Geld ist dafür vorgesehen – und wie viele Menschen sollen dort hin? Hier hatten wir darüber berichtet.
Eine Antwort hatte das Innenministerium bisher nicht. Jetzt hat unsere Nachrichtenchefin Elena Müller nochmal nachgehakt: ob Dobrindt mit einem Plan zu diesem zentralen Vorhaben im Gepäck nach München reist? Antwort: nein.
Also, das Ministerium formulierte dies natürlich anders. Es schrieb, das Münchner Migrationstreffen werde dazu dienen, „Impulse für die anstehenden Beratungen auf der Tagung des Rates (Justiz und Inneres) am 1. Oktober 2026 und auf der Tagung des Europäischen Rates am 15. und 16. Oktober 2026“ zu geben. Also fragen wir einfach dann nochmal nach.
Und noch ein Update: Kollegin Elena Müller hatte im Juli herausgefunden, dass eine wichtige Abstimmung im Bundestag ungültig war – und zwar zum Bundespolizeigesetz, das die Befugnisse der Bundespolizei ausweiten sollte. Dies ist nun heute passiert.
Morgen geht es im Samstags-SPOTLIGHT um die Frage, wie stark Antisemitismus wohl tatsächlich in der Partei Die Linke verbreitet ist. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Thema des Tages: Die Angst an den Schulen
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Russischer Kriegskanal Rybar operiert von Berlin aus
CORRECTIV Events: Veranstaltungen in Gelsenkirchen, Berlin und Stuttgart
Faktencheck: Open File: CDU und Grüne fordern vermeintlich Klopps Rücktritt
CORRECTIV ganz persönlich: Warum wir Platz für mutige junge Menschen schaffen
In vielen Lehrerzimmern in Sachsen-Anhalt herrscht derzeit eine äußerst angespannte Stimmung, das berichten Lehrerinnen und Lehrer unserem Bildungsteam. Miriam Zeller zum Beispiel – eine der wenigen, die es wagen, sich namentlich von uns zitieren zu lassen:
„Überall ist die Unsicherheit spürbar, was jetzt wohl passiert.“
Gemeint ist, was von den Plänen der AfD für das Bildungswesen wohl tatsächlich umgesetzt würde, sollte die Partei die kommende Regierung anführen. Die AfD hatte unter anderem angekündigt, mit Tränengas ausgestattete Wachdienste an Schulen zu schicken, die Schulpflicht abzuschaffen, Inklusion zu beenden, Sonderklassen für Geflüchtete einzurichten, und – ganz zentral – Lehrpersonal auf eine „strikte Neutralitätspflicht“ einzuschwören.
Was genau Lehrerinnen und Lehrer befürchten, und wie sie sich für den Fall einer AfD-Regierung rüsten, steht in diesem sehr lesenswerten Text, den wir heute veröffentlicht haben.

Die einen halten still, die anderen kämpfen:
Das Bild, das sich unseren Reporterinnen zeigte, ist ein zweigeteiltes. Da sind zum einen jene Lehrerinnen und Lehrer, die lieber gar nicht über das, was kommen kann, reden und zur vermeintlichen Normalität zurückkehren wollen. Und zum anderen jene, die sich jetzt entschlossen wappnen.
Zur zweiten Gruppe gehört zum Beispiel die Schulleiterin Katrin Jelitte. Sie hat nach der Wahl ihr Kollegium zu einer außerordentlichen Dienstsitzung zusammengerufen – und darauf hingewiesen: Die Leitlinien für das Handeln sind keine parteipolitischen Vorgaben, sondern das Grundgesetz und die Landesverfassung.
Was damit gemeint ist:
Einige der Diskussionen in den Lehrerzimmern drehen sich jetzt darum: Was tun, wenn die ersten Dienstanweisungen und Ministeriumserlasse in den Schulen ankommen?
Was, wenn darin – wie im Wahlprogramm der AfD angekündigt – steht, im Unterricht dürfe nicht mehr über den menschengemachten Klimawandel gesprochen werden, ohne „neutral auch andere gegenteilige Positionen“ darstellen zu müssen? Was, wenn man per Diensterlass nicht mehr mit seinen Klassen über die AfD diskutieren darf?
Unterstützung bekommt das Lehrpersonal von der Gewerkschaft:
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat eine „Überlebensfibel“ erstellt (hier zu lesen). Darin geht es um die oben aufgeworfenen Fragen: Was tun, wenn …?
Die klare Botschaft, die die GEW aussenden will: Lehrkräfte sind nicht wehrlos.
Die Gewerkschaft geht noch deutlich weiter:
Ihre Bundesvorsitzende Maike Finnern hat im Gespräch mit unseren Reporterinnen eine sehr klare Haltung formuliert: Es sei nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht für Lehrkräfte, im Falle der Übernahme eines Kultusministeriums durch die AfD das Grundgesetz aktiv zu verteidigen:
„Bei Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit einer dienstlichen Anordnung müssen Beamte widersprechen.”
Weisungen, die gegen die Menschenwürde verstießen, dürften nicht befolgt werden. Dieses Vorgehen heißt offiziell Remonstration – also Zurückweisung. Und diese sei geltendes Beamtenrecht, betont Finnern.
Aber wie durchsetzen, wenn Lehrkräfte unter Druck gesetzt werden?
Finnern betont: Dafür brauche es deutliche Rückendeckung für Lehrkräfte durch die zuständigen Ministerien und Schulaufsichtsbehörden. Dazu gehörten klare Leitlinien und Rechtssicherheit für Lehrkräfte sowie Beratungs- und Unterstützungsstrukturen.
Wenn Sie selbst an einer Schule arbeiten und sich zu diesem Thema äußern wollen, schreiben Sie sie in unseren aktuellen CrowdNewsroom. Mit Ihren Hinweisen tragen Sie dazu bei, dass wir weiter zu dem Thema recherchieren können.
Sachsens CDU-Innenminister will Asylrecht abschaffen
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) fordert einen Systemwechsel beim Asyl. Er schlägt ein festes Kontingent vor: Wie viele Menschen Deutschland aufnimmt, soll sich danach richten, was Städte und Gemeinden leisten können.
handelsblatt.com
Rund 100 Demos gegen neuen Wehrdienst
Heute wollen Schülerinnen und Schüler bundesweit gegen den geplanten neuen Wehrdienst protestieren. Rund 100 Demonstrationen waren im Vorfeld angekündigt. Das neue Wehrdienstgesetz sieht verpflichtende Musterungen für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 vor. Eine Wehrpflicht könnte kommen, wenn sich nicht genug Freiwillige finden.
deutschlandfunk.de
Ärzte warnen vor Geheimdienst-Reform
Die geplante Geheimdienst-Reform sorgt auch bei Ärzten für Kritik. Sie befürchten, dass Nachrichtendienste künftig leichter auf Patientendaten zugreifen können. Der Ärzteverband Hartmannbund fordert deshalb, dass das Arztgeheimnis genauso geschützt wird wie beispielsweise die Kommunikation mit Anwälten. Der Bundestag beriet gestern erstmals. Der Beschluss steht noch aus.
tagesspiegel.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Russischer Kriegskanal Rybar operiert von Berlin aus
Der russische Telegram-Kanal „Rybar“ erreicht rund 1,5 Millionen Nutzer. Sein Gründer ist wegen Kriegspropaganda von der EU sanktioniert. Recherchen von CORRECTIV und iStories zeigen nun: Zwei Mitarbeiter des Kanals wohnen im Süden Berlins – und fahren für Drehs durch Europa.
correctiv.org

Die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben ein politisches Erdbeben ausgelöst. In Berlin sorgt der Wahlsieg der Linken für heiße Diskussionen. Und in Mecklenburg-Vorpommern muss die CDU die Auflösung ihrer eigenen Fraktion organisieren. Darum geht es in dieser Folge mit Levi Penell.
tube.funfacts.de

CORRECTIV Events

Faktenforum-Werkstatt, Gelsenkirchen
Für Kurzentschlossene: Das CORRECTIV.Faktenforum lädt morgen und am Sonntag zur Faktenforum-Werkstatt nach Gelsenkirchen ein. Dort können Teilnehmende Recherchemethoden kennenlernen, Faktencheck-Tools ausprobieren und direkt selbst aktiv werden.
Anmeldung
Exile Talk: Same Label, Different Treatment, Berlin
Welche Chancen und Hürden begegnen Journalisten im Exil und welchen Einfluss hat ihre Herkunft auf den Zugang zu Arbeit und beruflichen Perspektiven? Darum geht es beim nächsten Exile Talk am 30. September in Berlin. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Anmeldung
Die Correctiv-Story: Lesung und Gespräch mit David Schraven, Stuttgart
Am 2. Oktober spricht CORRECTIV-Publisher und Gründer David Schraven in Stuttgart über die Geschichte von CORRECTIV und warum CORRECTIV Journalismus mit Medienbildung und Technologie verbindet.
Anmeldung

Auf Tiktok verbreitet sich die Behauptung, Politiker von CDU und Grünen hätten den Rücktritt von Fußball-Bundestrainer Jürgen Klopp gefordert. Der Grund: seine Äußerungen zur Deutschlandfahne. Klopp habe sich dafür ausgesprochen, Nationalstolz nicht „den falschen Leuten“ zu überlassen.
Ein Mitglied unserer Faktencheck-Community hat bereits eine erste Spur gefunden, die Zweifel an der Behauptung weckt: Laut Reuters begrüßte CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann Klopps Aufruf, Deutschlands Symbole nicht Extremisten zu überlassen. Auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) habe gesagt, er teile Klopps Ansicht.
Gibt es also überhaupt Rücktrittsforderungen? Haben sich vielleicht andere Politiker der Parteien tatsächlich so geäußert? Diesen Fragen gehen wir im Faktenforum gemeinsam mit der Community nach.
Haben Sie Hinweise oder möchten Sie selbst Fakten sammeln? Recherchieren Sie gemeinsam mit uns im CORRECTIV.Faktenforum!
So geht’s auch
Fliegen ist klimaschädlich – weil der Flugverkehr CO2 ausstößt, aber auch weil Kondensstreifen zur Erderwärmung beitragen. Und gegen die können Triebwerke mit sogenannter „magerer Verbrennung“ helfen, haben Forschende des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt herausgefunden. Kondensstreifen entstehen, weil sich Wassertropfen an bei der Treibstoffverbrennung ausgestoßenen Rußpartikeln sammeln. Bei der mageren Verbrennung wird mehr Luft zugeführt und so werden weniger Rußpartikel ausgestoßen.
spiegel.de
Endlich verständlich
Warum wählen junge Menschen rechts? Das hat sich unsere Jugendredaktion Salon5 mit Blick auf die Landtagswahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gefragt. Schnell wird klar: Den einen Grund gibt es nicht. Studien zeigen, dass junge Menschen sich von der aktuellen Politik nicht abgeholt fühlen. Es fehlen Gelder für Schulen, Kulturangebote und Jugendeinrichtungen. Die AfD kommt mit vermeintlich einfachen Antworten auf komplexe Fragen daher. Warum ihre Antworten die eigentlichen Probleme nicht lösen, lesen Sie hier:
instagram.com
Fundstück
Eine Woche, nachdem das Aus von Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ bekannt gegeben wurde, hat das ZDF eine neue Satiresendung angekündigt. Ende Oktober soll der Kabarettist Florian Schroeder mit der Sendung „Journal Deluxe“ an den Start gehen. Die Zuschauer erwarte eine „neue Satirefarbe“, beschreibt Schroeder selbst das neue Format in einer Pressemitteilung des Senders.
sueddeutsche.de
Als ich in Ankara aufwuchs, hatte ich leider keine Freunde aus Togo, Venezuela oder Nepal. Das änderte sich vor 11 Jahren, als mein Vater wegen seiner Arbeit als Journalist verhaftet wurde. Ich war 19. Plötzlich standen wir als Familie einer von der Politik beeinflussten Justiz und einem ganzen Apparat der Unterdrückung gegenüber.
Als Teenager hätte ich mich wahrscheinlich klein und hoffnungslos gefühlt, wenn nicht so viele Menschen für uns eingestanden wären, in der Türkei und weit darüber hinaus: Andere Journalistinnen und Journalisten, Leserinnen und Leser und Menschen, die uns einfach helfen wollten. Diese Solidarität ist der Grund, warum ich heute sein kann, wer ich bin. Einigermaßen frei, auch wenn ich im Exil lebe.
Was Solidarität bewirken kann, hat mich seitdem die vergangenen zehn Jahre begleitet, während meiner Arbeit bei PEN International, dem ältesten und größten Schriftstellernetzwerk der Welt. Vor Kurzem habe ich das Young Writers Committee und den Tomorrow Club mitgegründet und dafür mutige junge Stimmen aus mehr als 70 Ländern zusammengebracht. Was wir miteinander gefunden haben, hat uns alle empowert.
Genau das bringen wir am 12. Oktober nach Berlin, zu unserer Veranstaltung „Brave Young Voices: The Courage to Disrupt“. Dort treffen wir junge Menschen aus Togo, Nepal und Venezuela, die ihre Stimme erheben, ihr Umfeld mitgestalten und dabei vor großen Herausforderungen stehen. Ihr Mut steckt an und er kann Gesellschaften verändern.
Es wird ein besonderer Abend mit Lesungen, Diskussion und einer Solidaritätsaktion als „Empty Chair“ für Galal El Bahairy, der in Ägypten seit Jahren zu Unrecht für seine Gedichte und Songtexte inhaftiert ist.

Ab Oktober gibt es einen neuerlichen Tankrabatt. Er soll bis einschließlich Dezember gelten. Das bedeutet auch: Bund und Ländern dürften Einnahmen in Milliardenhöhe verloren gehen. Die Grafik des Tages setzt das ins Verhältnis zu Ausgaben des Bundes.
Bereits im Vorfeld war die Kritik am Tankrabatt groß: Fehlende Zielgenauigkeit durch das Prinzip Gießkanne, unvollständige Weitergabe an die Verbraucher, falsche ökonomische und ökologische Anreize, zu geringer Effekt bei hohen Kosten lauten einige der Einwände. Bundestag und Bundesrat haben ihn heute dennoch beschlossen.
zdfheute.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Jacob Gehring und Sebastian Haupt.
CORRECTIV arbeitet anders
Investigativer Journalismus braucht Zeit, Ausdauer und Geld. Gerade die wichtigsten Recherchen sind oft die aufwendigsten: langwierig, kompliziert, unbequem. CORRECTIV kann dranbleiben, weil Menschen wie Sie uns unterstützen – unabhängig, gemeinwohlorientiert und spendenfinanziert.


