Die Missbrauchs-Akten

Geheime Dokumente belegen die Verantwortung des Vatikans für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben heute Morgen die aufwändigste Recherche veröffentlicht, die wir bei CORRECTIV je gemacht haben. Mehrere Jahre hat sie gedauert, wir waren dafür auf der ganzen Welt unterwegs. Wir haben gleichzeitig eine Artikelserie und ein Buch veröffentlicht, und dazu noch: unseren ersten Kinofilm.

Warum all der Aufwand? Weil es um ein Thema geht, das Menschen auf der ganzen Welt betrifft: die vielen, vielen Fälle von Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche in den vergangenen Jahrzehnten. Wir können nachweisen, dass der Vatikan schon seit den 1930er Jahren darüber Bescheid wusste – es war dort bekannt, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, man vertuschte es. Mehr zur Recherche steht im Thema des Tages.

Ein weiterer Lesetipp heute: Unsere Sparte CORRECTIV.Exile zeichnet in einer Artikelserie nach, wie sich Autokraten in verschiedenen Ländern systematisch ihre Machtapparate bauen. Die Serie heißt „Das Autoritäre Playbook“.

Während Sie den heutigen SPOTLIGHT lesen, bin ich auf der Leipziger Buchmesse, wo wir unter anderem die Vatikan-Recherche vorstellen. Und: Heute Abend können Sie unseren Gründer David Schraven und mich treffen und mit uns diskutieren. Sind Sie auch in Leipzig und haben Lust? Dann hier entlang.

Thema des Tages: Die Missbrauchs-Akten

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Schlank durch Zucker

Cartoon-Arena: Gas statt Erneuerbare – der kritische Blick auf die Energiepolitik

Leserfrage der Woche: Wieso sinkt der Schufa-Score, sobald ich die Bank wechsle?

Faktencheck: Gerüchtekiller: Ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages?

Gute Sache(n): Das Autoritäre Playbook: Wie Machthaber voneinander lernen • Sony macht KI generierten Musik den Garaus • Tausende Flamingos sorgen für Naturspektakel in Indien

CORRECTIV ganz persönlich: Wird der CO2-Preis im Emissionshandel abgesenkt?

Grafik des Tages: Hier dürfen Jugendliche unter 18 den Landtag wählen – und hier nicht

Die Recherche galt also, wie es in der katholischen Kirche so schön heißt, Urbi et Orbi – der Stadt (Rom) und dem Erdkreis.

Nach und nach wuchs das Rechercheteam; zunächst kam Reporterin Anna Kassin dazu, die sich die letzten beiden Jahre komplett ins Thema eingrub. Dann stieß unser Video-Team hinzu: Videochef Cem Bozdoğan, außerdem Kolja Zinngrebe und Lennard Birmanns konzipierten einen kompletten Kinofilm, bereisten mit den anderen zusammen die Welt, saßen dann monatelang im Schnittraum und waren kaum ansprechbar vor lauter Konzentration. 

Und dann waren da all die anderen Beteiligten: aus unserem Buchverlag, unserer Event-Abteilung, der Webseiten-Entwicklung, der Theater-Sparte und so weiter (auf die Theaterbühne bringen wir das Thema nämlich auch noch). Und nicht zu vergessen mein Chefredakteurs-Kollege Justus von Daniels, der das Projekt mit Engelsgeduld koordinierte. Hier haben wir aufgeschrieben, wie die Recherche lief.

Jetzt aber endlich zur Frage …

… was denn herauskam:
Die Verantwortung des Vatikans für sexuellen Missbrauch ist deutlich größer als bislang bekannt war. 

Das zeigen geheime Dokumente, die wir aus verschiedenen Ländern zusammengetragen haben. Eine besondere Rolle spielte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. Hier steht mehr dazu:

Hier geht es zum langen, ausführlichen Artikel.

Hier geht es zur Themenseite, auf der wir alle Veröffentlichungen zum Thema zusammentragen:

Und hier finden Sie einen Überblick über die wahrscheinliche Zahl der Opfer des Missbrauchs in der katholischen Kirche – sie geht wohl in die Millionen.

© CORRECTIV

Hier können Sie das Buch zur Recherche bestellen.


Sie haben weitere Hinweise zum Thema?
Dann schreiben Sie uns in diesem CrowdNewsroom:

Wie es weitergeht:
Nächste Woche feiert unser Kinofilm „Die Akten des Missbrauchs“ in Essen Premiere. In den nächsten Tagen veröffentlichen wir weitere Recherchen zum Thema. Ich bin gespannt auf Ihr Feedback! Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

EU-Gipfel: Orbán lehnt Ukraine-Kredit weiter ab 
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán lehnt das geplante Millarden-Darlehen der EU für die Ukraine weiter ab. Als Grund gab er an, dass die durch die Ukraine fließende Druschba-Pipeline noch immer beschädigt ist. Solange kein russisches Öl nach Ungarn fließe, werde Orbán die Blockade nicht aufheben, erklärte er noch vor dem EU-Gipfeltreffen. Kritiker werfen ihm vor, die Situation der Ukraine für den eigenen Wahlkampf zu missbrauchen.
deutschlandfunk.de    

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Symbolbild Leserfrage der Woche

Das neue Schufa-Score-System umfasst zwölf Kriterien, die die Kreditwürdigkeit einer Person bewerten (wir berichteten). Diese Kriterien sind nun für alle einsehbar, doch es bleiben Fragen offen. So gilt es laut dem zweiten Kriterium als positiv, wenn jemand bei derselben Bank bleibt. Doch was passiert mit denen, die wechseln? 

Wir haben bei der Schufa nachgefragt: „​​Wenn Verbraucher das Girokonto (oder die Kreditkarte) wechseln, muss die Schufa diese Information gemäß der durch die Datenschutzbehörde genehmigten Speicherfristen löschen“, so die Antwort. Dadurch können lange, positive Zahlungshistorien verloren gehen und den Score verschlechtern. 

Die Schufa gibt jedoch an, bereits an einer Lösung zu arbeiten, die die Speicherfrist mit Einwilligung des Verbrauchers verlängern könnte. Dadurch könnten alte Konten berücksichtigt werden 

Foto: Bernadette Wurzinger / Pixabay

So geht’s auch
Der Musikriese Sony Music geht gegen Musik-Fakes vor. Er hat die Entfernung von insgesamt 135.000 Songs veranlasst, die mit generativer KI erstellt wurden und bekannte Künstler imitieren. Die Verbreitung sogenannter Deepfakes führt zu „direktem kommerziellen Schaden für legitime Ausnahmekünstler“, so Sony. Die Anzahl der Deepfakes nimmt weiter zu, da künstliche Intelligenz billiger und leichter zugänglich wird. Betrüger können so immer wieder von der Musik anderer Künstler profitieren. „Im schlimmsten Fall schaden [die Deepfakes] möglicherweise einer Release-Kampagne oder beschmutzen den Ruf eines Künstlers“, sagte Dennis Kooker, Präsident des globalen Digitalgeschäfts von Sony.
deutschlandfunkkultur.de / bbc.com (Englisch)

Fundstück
Eine außergewöhnlich regenreiche Monsun-Zeit hat rund 200.000 Flamingos nach Indien gelockt. Im Dezember kamen die Vögel aus dem hohen Norden Zentralasiens, den Städten Sibiriens und der Mongolei. Das seltene Naturspektakel wird aber im April sein Ende nehmen. Dann beginnt der Sommer in Indien und das überschüssige Wasser verdunstet wieder. 
zdfheute.de


Aus Deutschland kommen ähnliche Töne: So legte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Februar gemeinsam mit anderen EU‑Staaten ein Papier vor, das eine Vereinfachung des EU‑ETS fordert. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte den ETS jüngst in Frage und sprach sich für eine Überprüfung oder Verschiebung aus, um die Industrie zu entlasten.

Auslöser der aktuellen Debatte sind vor allem die hohen Energiepreise. Ich verstehe den Reflex. Wenn Energie teuer wird, wächst die Angst vor sozialer Härte und wirtschaftlichen Nachteilen. Doch genau hier liegt das Problem: Der CO2-Preis ist kein Selbstzweck, sondern ein Signal für Unternehmen, in klimafreundliche Technologien und Dekarbonisierung zu investieren. Wird dieses Signal nun aufgeweicht, bleiben die Emissionen länger hoch und die Klimaziele rücken in weite Ferne. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.