Die Missbrauchs-Akten
Geheime Dokumente belegen die Verantwortung des Vatikans für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir haben heute Morgen die aufwändigste Recherche veröffentlicht, die wir bei CORRECTIV je gemacht haben. Mehrere Jahre hat sie gedauert, wir waren dafür auf der ganzen Welt unterwegs. Wir haben gleichzeitig eine Artikelserie und ein Buch veröffentlicht, und dazu noch: unseren ersten Kinofilm.
Warum all der Aufwand? Weil es um ein Thema geht, das Menschen auf der ganzen Welt betrifft: die vielen, vielen Fälle von Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche in den vergangenen Jahrzehnten. Wir können nachweisen, dass der Vatikan schon seit den 1930er Jahren darüber Bescheid wusste – es war dort bekannt, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, man vertuschte es. Mehr zur Recherche steht im Thema des Tages.
Ein weiterer Lesetipp heute: Unsere Sparte CORRECTIV.Exile zeichnet in einer Artikelserie nach, wie sich Autokraten in verschiedenen Ländern systematisch ihre Machtapparate bauen. Die Serie heißt „Das Autoritäre Playbook“.
Während Sie den heutigen SPOTLIGHT lesen, bin ich auf der Leipziger Buchmesse, wo wir unter anderem die Vatikan-Recherche vorstellen. Und: Heute Abend können Sie unseren Gründer David Schraven und mich treffen und mit uns diskutieren. Sind Sie auch in Leipzig und haben Lust? Dann hier entlang.
Thema des Tages: Die Missbrauchs-Akten
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Schlank durch Zucker
Cartoon-Arena: Gas statt Erneuerbare – der kritische Blick auf die Energiepolitik
Leserfrage der Woche: Wieso sinkt der Schufa-Score, sobald ich die Bank wechsle?
Faktencheck: Gerüchtekiller: Ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages?
CORRECTIV ganz persönlich: Wird der CO2-Preis im Emissionshandel abgesenkt?
Grafik des Tages: Hier dürfen Jugendliche unter 18 den Landtag wählen – und hier nicht
Als ich vor knapp drei Jahren zu CORRECTIV kam, lief dieses Projekt schon. Unser Reporter Marcus Bensmann spürte schon seit Langem Fällen von Missbrauch in der katholischen Kirche nach. Es ging um Geistliche, die Kinder und Jugendliche missbraucht hatten – und damit einen Schatten über deren ganzes Leben geworfen hatten.
Urbi et Orbi:
Bensmann wollte aber mehr herausfinden; ihm ging es darum: Was wusste man ganz oben in der katholischen Kirche über all diese Fälle – welche Mitwisserschaft gab es in den Spitzen des Vatikans? So entstand die Idee, weltweit auf Recherchereise zu gehen. Ganz weit auszuholen und so am Ende enthüllen zu können, was im Innersten der mächtigsten Kirchengemeinde der Welt vor sich ging.
Die Recherche galt also, wie es in der katholischen Kirche so schön heißt, Urbi et Orbi – der Stadt (Rom) und dem Erdkreis.
Nach und nach wuchs das Rechercheteam; zunächst kam Reporterin Anna Kassin dazu, die sich die letzten beiden Jahre komplett ins Thema eingrub. Dann stieß unser Video-Team hinzu: Videochef Cem Bozdoğan, außerdem Kolja Zinngrebe und Lennard Birmanns konzipierten einen kompletten Kinofilm, bereisten mit den anderen zusammen die Welt, saßen dann monatelang im Schnittraum und waren kaum ansprechbar vor lauter Konzentration.
Und dann waren da all die anderen Beteiligten: aus unserem Buchverlag, unserer Event-Abteilung, der Webseiten-Entwicklung, der Theater-Sparte und so weiter (auf die Theaterbühne bringen wir das Thema nämlich auch noch). Und nicht zu vergessen mein Chefredakteurs-Kollege Justus von Daniels, der das Projekt mit Engelsgeduld koordinierte. Hier haben wir aufgeschrieben, wie die Recherche lief.
Jetzt aber endlich zur Frage …
… was denn herauskam:
Die Verantwortung des Vatikans für sexuellen Missbrauch ist deutlich größer als bislang bekannt war.
Das zeigen geheime Dokumente, die wir aus verschiedenen Ländern zusammengetragen haben. Eine besondere Rolle spielte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. Hier steht mehr dazu:

Hier geht es zum langen, ausführlichen Artikel.

Hier geht es zur Themenseite, auf der wir alle Veröffentlichungen zum Thema zusammentragen:

Und hier finden Sie einen Überblick über die wahrscheinliche Zahl der Opfer des Missbrauchs in der katholischen Kirche – sie geht wohl in die Millionen.

Hier können Sie das Buch zur Recherche bestellen.

Sie haben weitere Hinweise zum Thema?
Dann schreiben Sie uns in diesem CrowdNewsroom:
Wie es weitergeht:
Nächste Woche feiert unser Kinofilm „Die Akten des Missbrauchs“ in Essen Premiere. In den nächsten Tagen veröffentlichen wir weitere Recherchen zum Thema. Ich bin gespannt auf Ihr Feedback! Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Europäischer Gerichtshof kippt deutsche Preisbremse auf der Schiene
Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die Preisdeckelung für die Nutzung des deutschen Schienennetzes im Nahverkehr gegen EU-Recht verstößt. Die deutschen Trassenpreise seien zu unflexibel. Ticketpreise könnten durch das Urteil teurer werden.
zeit.de
EU-Gipfel: Orbán lehnt Ukraine-Kredit weiter ab
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán lehnt das geplante Millarden-Darlehen der EU für die Ukraine weiter ab. Als Grund gab er an, dass die durch die Ukraine fließende Druschba-Pipeline noch immer beschädigt ist. Solange kein russisches Öl nach Ungarn fließe, werde Orbán die Blockade nicht aufheben, erklärte er noch vor dem EU-Gipfeltreffen. Kritiker werfen ihm vor, die Situation der Ukraine für den eigenen Wahlkampf zu missbrauchen.
deutschlandfunk.de
Geheimdienst-Analyse stellt Trumps Kriegsbegründung infrage
Laut Analyse des US-Geheimdienstes soll der Iran seine Nuklearanlage nach der Zerstörung im vergangenen Juni nicht wieder aufgebaut haben. US-Präsident Donald Trump hatte jedoch unter anderem mit dieser Annahme den Angriff auf den Iran begründet.
t-online.de

In dieser Folge mit Nico Stank geht es um eine mögliche Zuckersteuer und die Frage, ab wann sich Leistung bei der Arbeit eigentlich lohnt.
tube.funfacts.de

Cartoon-Arena

Klimakrise, Krieg in Nahost, Rekord-Benzinpreise – doch die Bundesregierung setzt auf fossile Treibstoffe. Darauf wirft heute heute Karikaturistin Miriam Wurster einen kritischen Blick. Morgen können Sie unter allen Cartoons der Woche Ihren Favoriten wählen.
Diesen Cartoon teilen:

Leserfrage der Woche

SPOTLIGHT-Leser R. Ritscher hat uns gefragt: Was ist mit den Personen, die ihre Bank erst vor Kurzem wechseln mussten? Wird das alte Konto im neuen Score-System berücksichtigt?
Das neue Schufa-Score-System umfasst zwölf Kriterien, die die Kreditwürdigkeit einer Person bewerten (wir berichteten). Diese Kriterien sind nun für alle einsehbar, doch es bleiben Fragen offen. So gilt es laut dem zweiten Kriterium als positiv, wenn jemand bei derselben Bank bleibt. Doch was passiert mit denen, die wechseln?
Wir haben bei der Schufa nachgefragt: „Wenn Verbraucher das Girokonto (oder die Kreditkarte) wechseln, muss die Schufa diese Information gemäß der durch die Datenschutzbehörde genehmigten Speicherfristen löschen“, so die Antwort. Dadurch können lange, positive Zahlungshistorien verloren gehen und den Score verschlechtern.
Die Schufa gibt jedoch an, bereits an einer Lösung zu arbeiten, die die Speicherfrist mit Einwilligung des Verbrauchers verlängern könnte. Dadurch könnten alte Konten berücksichtigt werden
Warum gibt es eigentlich das Kriterium eines möglichst langjährigen Bankvertrags? „Ein langjähriger Bankvertrag wie ein Girokonto mit Dispokredit oder eine Kreditkarte ist statistisch mit verlässlichen Finanzbeziehungen verbunden. Das wird im neuen Score positiv berücksichtigt.“ Der älteste Bankvertrag, den die Schufa also gespeichert hat, zählt in die Berücksichtigung mit ein.

Der Volksmund weiß zu berichten, dass keine andere Mahlzeit so wichtig sei wie das Frühstück. Aber stimmt das?
correctiv.org
Endlich verständlich
Wie sterben Demokratien? Das ist keine abstrakte Frage: Zahlreiche Länder sind in den letzten Jahren zunehmend in Richtung Autokratie gerutscht – etwa Ungarn, die Slowakei oder die Türkei. Auch in den USA werden demokratische Institutionen derzeit in enormem Tempo zerstört. Damit wir in Deutschland aus diesen Fällen lernen können, hat unsere Sparte CORRECTIV.Exile die Artikelserie „Das autoritäre Playbook“ gestartet. Diese zweite Folge dreht sich darum, warum Oligarchen und die Mafia für diese autoritären Herrscher unerlässlich sind – sie dienen als Geldbörse und Schutzschild. Wie das System funktioniert und was dagegen hilft, erklärt CORRECTIV.Exile am Beispiel verschiedener Länder.
correctiv.org
So geht’s auch
Der Musikriese Sony Music geht gegen Musik-Fakes vor. Er hat die Entfernung von insgesamt 135.000 Songs veranlasst, die mit generativer KI erstellt wurden und bekannte Künstler imitieren. Die Verbreitung sogenannter Deepfakes führt zu „direktem kommerziellen Schaden für legitime Ausnahmekünstler“, so Sony. Die Anzahl der Deepfakes nimmt weiter zu, da künstliche Intelligenz billiger und leichter zugänglich wird. Betrüger können so immer wieder von der Musik anderer Künstler profitieren. „Im schlimmsten Fall schaden [die Deepfakes] möglicherweise einer Release-Kampagne oder beschmutzen den Ruf eines Künstlers“, sagte Dennis Kooker, Präsident des globalen Digitalgeschäfts von Sony.
deutschlandfunkkultur.de / bbc.com (Englisch)
Fundstück
Eine außergewöhnlich regenreiche Monsun-Zeit hat rund 200.000 Flamingos nach Indien gelockt. Im Dezember kamen die Vögel aus dem hohen Norden Zentralasiens, den Städten Sibiriens und der Mongolei. Das seltene Naturspektakel wird aber im April sein Ende nehmen. Dann beginnt der Sommer in Indien und das überschüssige Wasser verdunstet wieder.
zdfheute.de
Heute schaue ich gespannt nach Brüssel. Im EU-Rat wird darüber diskutiert, ob der CO2-Preis im Emissionshandel (EU-ETS) abgesenkt werden soll – also genau jenes Instrument, das von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch 2023 als „Herzstück des European Green Deal“ bezeichnet wurde und das dafür sorgen soll, dass Verschmutzung endlich einen Preis hat. Italien und Tschechien gehen sogar noch weiter und fordern eine Aussetzung des EU-ETS.
Aus Deutschland kommen ähnliche Töne: So legte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Februar gemeinsam mit anderen EU‑Staaten ein Papier vor, das eine Vereinfachung des EU‑ETS fordert. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte den ETS jüngst in Frage und sprach sich für eine Überprüfung oder Verschiebung aus, um die Industrie zu entlasten.
Auslöser der aktuellen Debatte sind vor allem die hohen Energiepreise. Ich verstehe den Reflex. Wenn Energie teuer wird, wächst die Angst vor sozialer Härte und wirtschaftlichen Nachteilen. Doch genau hier liegt das Problem: Der CO2-Preis ist kein Selbstzweck, sondern ein Signal für Unternehmen, in klimafreundliche Technologien und Dekarbonisierung zu investieren. Wird dieses Signal nun aufgeweicht, bleiben die Emissionen länger hoch und die Klimaziele rücken in weite Ferne.
Wir bleiben an dem Thema auch weiterhin für Sie dran.

Am Sonntag wählen die Menschen in Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Eines der Topthemen im Wahlkampf: Bildungspolitik. Doch diejenigen, die besonders stark davon betroffen sind, dürfen nicht mitwählen. Denn das Mindestwahlalter beträgt 18 Jahre. Anders etwa in Baden-Württemberg (Termin war bereits im März) oder Mecklenburg-Vorpommern (Wahl im September): Hier dürfen Jugendliche seit Kurzem mit 16 an die Wahlurne.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.
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