Was passiert am Sonntag?

In Meck-Pomm und Berlin wird gewählt. Was man dazu vorab wissen sollte.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

am Sonntag wird wieder gewählt, diesmal in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Erwartungen sind nicht so dramatisch wie vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt – und doch steht einiges auf dem Spiel. Unter anderem für Bundeskanzler Friedrich Merz. Mehr dazu im Thema des Tages.

Apropos Demokratie: Wir nehmen ab jetzt stärker unter die Lupe, wie eigentlich die politischen Haltungen in migrantischen Gemeinschaften in Deutschland aussehen. Unser Team CORRECTIV.Exile ist jetzt losgezogen und hat sich angeschaut: Wie stehen türkischstämmige Jugendliche zur AfD – würden sie dieser Partei ihre Stimme geben? Das Ergebnis hat unsere Reporter dann doch erstaunt. Mehr dazu heute in der Rubrik „Ganz persönlich“.

Falls Sie sich fragen, wann endlich die Auflösung zu unserer Umfrage zu älteren Menschen und digitalen Barrieren kommt: Das machen wir morgen im Samstags-SPOTLIGHT. Unser Praktikant Jacob Gehring hat sich in die Umfrageergebnisse eingegraben und fasst sie dann zusammen. Heute geht es bei uns noch um die politische Debatte um „Smart Glasses“. 

Und jetzt noch eine Einladung: Wenn Sie uns live erleben möchten: Das nächste Mal geht das bei unserer Publikums-Debatte am 5. Oktober im Publix in Berlin. Wir treffen die Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan in unserer Reihe „Sind wir noch zu retten?“ Hier gibt es Tickets.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – und schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Was passiert am Sonntag?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Nach CORRECTIV-Recherche: Bundespolitikerinnen fordern Verbote von Smart Glasses • Kretschmer lehnt Maßnahmen gegen Ableger des Russischen Hauses ab • Der Krieg kommt aus dem Himmel

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Was wir von Dänemark und den Niederlanden lernen können

CORRECTIV Events: KI im Redaktionsalltag

Faktencheck: Nicht ausgebuht: Publikum bejubelte Ansage der Band 01099 zur AfD

Gute Sache(n): Kostenlos mit der Bahn nach Polen• Erstwähler – und jetzt?! • Igel oder Maulwurf gesehen? Melden!

CORRECTIV ganz persönlich: „Mich holt die AfD nicht“?

Grafik des Tages: Was psychische Erkrankungen die Wirtschaft kosten

Was ist für die Wahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin zu erwarten? Zunächst mal: Es ist für beide Wahlen unwahrscheinlich, dass die AfD so gut abschneidet wie in Sachsen-Anhalt.

Dramatisch wird es dennoch, und zwar vor allem für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Die nämlich rutschte in den Umfragen zuletzt deutlich ab – und ringt darum, überhaupt über die Fünf-Prozent-Hürde zu klettern. Dies wiederum setzt erneut Bundeskanzler Friedrich Merz unter Druck, der schon nach der Sachsen-Anhalt-Wahl angezählt war.

Unser Nachrichtenteam hat das Wichtigste zur Meck-Pomm-Wahl in diesem heute erschienenen Text zusammengetragen. Wir haben aufgeschrieben:

  • Welche Regierungskonstellationen wären den aktuellen Umfragen zufolge möglich?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass die AfD an die Macht kommen könnte?
  • Wer sind die wichtigsten Personen im Wahlkampf?
Landtagssitz von Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Schloss.

Was ist in Meck-Pomm anders als in Sachsen-Anhalt?
Die SPD ist dort seit vielen Jahren an der Regierung, die CDU dagegen deutlich weniger dominant. Die amtierende SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat einen starken Stand – und bei Landtagswahlen sind die Front-Frauen (oder -Männer) besonders entscheidend dafür, welche Partei wie gut abschneidet.

Schwesig ist, vom Rest der Bundesrepublik aus betrachtet, eine besonders spannende politische Figur: Sie war vor ein paar Jahren wesentlich daran beteiligt, den Weg für die russische Öl-Pipeline Nord Stream 2 freizumachen. Vier Jahre lang mühte sich ein Untersuchungsausschuss um eine Bewertung dessen, was da eigentlich los war – wir hatten darüber berichtet.

Nun sieht aber nicht jeder in der Wählerschaft Mecklenburg-Vorpommern es als Makel an, wenn man als Landeschefin eine gewisse Nähe zu Russland hat. Darüber wird es morgen im Samstags-SPOTLIGHT noch ausführlicher gehen.

Und in Berlin?
In der Hauptstadt arbeitet ja der Großteil unserer Recherche-Redaktion – meinen Kolleginnen und Kollegen, die dort wählen dürfen, fällt die Wahl aber nicht so leicht, sagen die meisten.

In den aktuellen Umfragen liefern sich derzeit die Spitzenkandidatin der Linken und der Spitzenkandidat der CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für beide würde es aber schwer, mit nur einer weiteren anderen Partei eine Regierungskoalition zu bilden. 

Die beherrschenden Themen, so erschien es mir in den vergangenen Wochen anhand der vielen Wahlplakate in der Stadt: Wie kann Berlin es hinbekommen, seinen verkorksten Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen? Und wie schafft man mehr Sicherheit auf den Straßen? Die Linke sieht sich vor allem als Vorkämpferin für bezahlbares Wohnen – und die CDU als Sicherheitsgarant. 

Beide Wahlen werden spannend – und wir ordnen Anfang der Woche für Sie ein, was dabei herauskam.

Die Sprache der Politik besser verstehen:
Das wollen wir in einem neuen Video-Format versuchen, das wir gerade ausprobieren. Darin ordnet der Politik-Kommunikationsexperte Michael Cramer ein: Was sagen Politiker? Warum sagen sie es? Und was meinen sie damit? Zur Pilot-Folge geht es hier entlang.

EU sucht Lösung für hohe Spritpreise
Die EU-Finanzminister beraten heute über die hohen Spritpreise. Dabei soll der Vorschlag von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil diskutiert werden: eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Die könnten Länder zwar auch allein einführen. Doch bei internationalen Konzernen ist schwer zu bestimmen, wo Gewinne entstehen. Eine EU-Lösung könnte deshalb Vorteile haben. Auch Deutschland, Österreich, Italien, Portugal, Polen und Spanien unterstützen den Vorschlag.
deutschlandfunk.de

Russland wählt neues Parlament
In Russland hat die dreitägige Parlamentswahl begonnen. Putins Partei „Geeintes Russland“ gilt trotz schwächerer Umfragewerte als sichere Siegerin. Zur Wahl sind lediglich Kreml-treue Parteien zugelassen. Die Abstimmung soll auch als Stimmungstest und Legitimation für seinen Kurs im Ukraine-Krieg dienen.
zeit.de

Bundeswehr startet Zwangs-Musterung für junge Männer
Die Bundeswehr beginnt mit den verpflichtenden Musterungen junger Männer. Auch wer im Fragebogen kein Interesse am Wehrdienst angegeben hat, muss damit rechnen, zur Untersuchung eingeladen zu werden. Der Dienst selbst bleibt freiwillig. Laut der „Bilanz zur Personalentwicklung“ des Verteidigungsministeriums wurden bis Mitte Juni rund 1.500 Musterungen durchgeführt und etwa 530 Männer für den Wehrdienst eingeplant.
morgenpost.de

Sitzung des Deutschen Bundestags am 9. September 2026 (Foto: Stefan Boness / Picture Alliance / Ipon)

Nach CORRECTIV-Recherche: Bundespolitikerinnen fordern Verbote von Smart Glasses
Nach einer CORRECTIV-Recherche zu Smart Glasses kritisieren Bundespolitikerinnen die Bundesnetzagentur, die keine Voraussetzungen für ein Verbot der umstrittenen KI-Brillen von Meta und Ray-Ban sieht. Gegenwind kommt auch von der Organisation HateAid.
correctiv.org

Kretschmer lehnt Maßnahmen gegen Ableger des Russischen Hauses ab
Sachsens Regierungschef Kretschmer kritisiert die Russland-Politik der Bundesregierung. Maßnahmen gegen eine russische Immobilie in Dresden lehnt er ab.
correctiv.org

​​Der Krieg kommt aus dem Himmel
An der Front bewegt sich kaum noch etwas. Doch über Kyjiw eskaliert der Krieg: Russland greift Züge, Energieversorgung und andere Teile der zivilen Infrastruktur an. Die Menschen leben mit der ständigen Frage, wann sie wieder in den Keller müssen.
correctiv.org

KI im Redaktionsalltag praktisch einsetzen, Online
Wie kann KI Redaktionen wirklich entlasten – ohne dass Qualität und journalistische Standards auf der Strecke bleiben? Darum geht’s beim nächsten Know-Lunch des CORRECTIV.StartHub am 24. September.
Anmeldung

David Schraven über „Die CORRECTIV-Story“, Saarburg
David Schraven, Gründer und Publisher von CORRECTIV, spricht am 24. September über die Geschichte von CORRECTIV und darüber, warum Journalismus, Medienbildung und Technologie bei uns zusammengedacht werden.
Ticket

Faktenforum-Werkstatt, Gelsenkirchen
Desinformation erkennen, Fakten überprüfen und selbst recherchieren: Bei der Faktenforum-Werkstatt in Gelsenkirchen am 26. und 27. September können Teilnehmende Recherchemethoden kennenlernen, Faktencheck-Tools ausprobieren und direkt selbst aktiv werden.
Anmeldung

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Foto: Markus Koeller / DPA / Picture Alliance

So geht’s auch
Die Deutsch-Polnische Freundschaft wird 35 Jahre alt. Um das zu feiern, geben beide Länder je 30.000 kostenlose Interrail-Pässe aus, mit denen junge Menschen das Nachbarland erkunden können. Wer zwischen 18 und 27 Jahren alt ist, kann sich bis zum 22. September bewerben. 
utopia.de / Bewerben

Endlich verständlich
In MV sind am 20. September Landtagswahlen. Die Salon5-Jugenreporterinnen Erin und Lee-Ann reden darüber, wie sie die Landtagswahlen wahrnehmen. Dabei geht es vor allem um Bildung und darum, ob man überhaupt als Jugendlicher im Fokus der Parteien steht. 
salon5.correctiv.net

Fundstück
Der Herbst steht vor der Tür, und das bedeutet: Igel rascheln durch Laubhaufen und im Garten häufen sich die Maulwurfshügel. Leider gibt es in Deutschland immer weniger von ihnen. Wie groß die Populationen sind, ist aber unbekannt. Deshalb ruft die Deutsche Wildtierstiftung dazu auf, Igel- oder Maulwurfsichtungen zu melden.  
deutschlandfunknova.de / Melden


In der Türkei habe ich über Gerichtsverfahren und Menschenrechtsfälle berichtet. Ich dachte, ich hätte dadurch verstanden, wie Menschen über den Staat und ihre Rolle darin denken. Dann kam ich für ein dreimonatiges Fellowship bei CORRECTIV nach Berlin und fing an, mit einer Community zu sprechen, die sich eigentlich vertraut hätte anfühlen müssen: junge Menschen türkischer Herkunft, hier geboren und aufgewachsen.

Wochenlang lief ich also durch Neukölln, Wedding, Kreuzberg und Spandau. Mit einer einzigen Frage: Wen wählt ihr bei der nächsten Berliner Abgeordnetenhauswahl? Ich hatte mit den üblichen Klagen gerechnet. Stattdessen hörte ich immer wieder denselben Satz, von Leuten mit türkischem Namen und deutschem Pass: „Mich holt die AfD ja nicht.“

Sie wissen, was die Partei will. Manche gaben zu, dass ihre Rhetorik auch Leute wie sie treffen könnte, wählen würden sie sie trotzdem. Manche haben offenbar eine gedankliche Linie gezogen, zwischen „den Migranten“, also den anderen, und sich selbst. Sie sind schließlich hier geboren, Deutsch als Muttersprache, Steuern gezahlt, Pass in der Schublade. In ihren Köpfen geht es bei den Remigrations-Plänen der AfD nicht um sie.

Andere wollen gar nicht wählen, aus Überzeugung. Sie sind wütend über eine Straße, die sich verändert hat, über ein Berlin, an das sie sich anders erinnern.

Ich dachte, ich kenne diese Community. Ich kenne sie nicht. Was ich bis heute nicht verstehe: Wie kann eine Bedrohung, die genau auf diese Menschen zielt, sie so kalt lassen? Dem bin ich in diesem Artikel nachgegangen.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Jacob Gehring, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.