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Liebe Leserinnen und Leser,
viele von Ihnen sind wahrscheinlich Eltern oder Großeltern, und ich vermute, dass einige von Ihnen Kinder haben, die einen großen Teil ihrer Freizeit im Fußballverein verbringen oder verbracht haben. Solche Vereine sind eine wichtige Sache, sie sorgen für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit – und tragen zum Zusammenleben bei.
Was aber, wenn einzelne Trainer das Vertrauen von Eltern und Kindern ausnutzen – und sich an den Kindern vergehen? Missbrauch im Jugendfußball ist ein Thema, mit dem wir uns bei CORRECTIV schon lange befassen. Heute ist unsere aktuelle Recherche dazu erschienen, es geht um einen ehemaligen Jugendtrainer von Union Berlin. Mehr im Thema des Tages.
Vorher muss ich aber etwas zu Boris Pistorius (SPD) schreiben, unserem Verteidigungsminister. Der nämlich war gestern Teil einer SPD-Straßenkundgebung in Berlin – ob sie spontan stattfand oder geplant war, weiß ich nicht. Jedenfalls hielt Pistorius eine flammende Rede, bei der ich dachte: Ja, bitte, so geht Politik! Anlass war, dass gestern ja das erste Mal seit dem Nationalsozialismus ein Vertreter einer rechtsextremistischen Partei zum Landtagspräsidenten gewählt wurde – und das wahrscheinlich mit vier Stimmen von CDU-Politikern. Pistorius schäumte vor Wut. Hier können Sie einen Ausschnitt aus seiner Ansprache sehen.

Wir haben uns heute außerdem weiter mit dem Ex-BND-Chef August Hanning beschäftigt – weil ja gestern bekannt wurde, dass er offenbar einen so nie dagewesenen Geheimnisverrat begangen hat.
Und dann haben wir noch einen Text zur schweigsamen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche veröffentlicht. Diesmal geht es um eine teure Konferenz, die weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Wenn der Fußballtrainer zur Gefahr wird
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: Rotorblätter bei Jübek: Was die Aufnahmen belegen und was nicht
CORRECTIV ganz persönlich: Das verschwiegenste Ministerium Deutschlands
Grafik des Tages: Wenn Wohnen zu viel kostet: Mietüberlastung in Deutschland
Viele junge Fußballer träumen davon, eines Tages in der Bundesliga zu spielen. Einer von ihnen ist Noah*. Mitte 2022 dachten der damals Elfjährige und seine Eltern, ein Kontakt zu einem Trainer von Union Berlin könnte die Chance für ihn sein, den Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten zu schaffen.
Noah spielte damals bei einem ambitionierten Verein in Mecklenburg-Vorpommern. Während eines Trainings stand Nils H. an der Seitenlinie, ein Freund seines Trainers. H. trug einen Sportanzug seines Arbeitgebers – des 1. FC Union Berlin. Noah, so erzählt sein damaliger Trainer Denis Hapke, sei ein zurückhaltender Spieler gewesen. Das habe auch Nils H. erkannt und Noah zur Seite genommen: „Die Jungs sind in dem Alter total motiviert, wenn sie merken, da interessiert sich einer von Union Berlin für mich. […] Das hat Wirkung gezeigt, der Junge war dann total fokussiert auf dem Platz“, erinnert sich Hapke.
(*Zum Schutz der noch minderjährigen Betroffenen und ihrer Familien hat CORRECTIV die Namen geändert.)
Mit diesen Absätzen beginnt der Artikel, der heute auf unserer Webseite erschienen ist. Sie können den kompletten Text hier lesen.

Geschrieben und recherchiert hat ihn unser Kollege Finn Schöneck. Er hat für die Recherche in den vergangenen Monaten mit dem ZDF zusammengearbeitet – das daraus eine Fernseh-Doku gemacht hat.
Im Film führt der ehemalige Profifußballer und Kommentator Jonas Hummels durch drei Fälle von Missbrauch im Jugendfußball in verschiedenen Vereinen. Mehrere Betroffene sprechen erstmals über ihre Missbrauchserfahrungen. Die Doku zeigt, wie systematisch Missbrauchstäter den Fußball ausnutzen, um ihre Taten zu begehen.
Hier können Sie „Tatort Fußball: Missbraucht im eigenen Verein“ schauen. Heute Abend läuft der Film um 22.45 Uhr auch im ZDF.
Wie die Geschichte weiterging:
Der ehemalige Union Berlin-Trainer missbrauchte offenbar noch eine Reihe von Jungen. Die Polizei ermittelte gegen ihn, das Berliner Landgericht verurteilte ihn als Sexualstraftäter – und schrieb in seinem Urteil von mindestens zehn Jungen, die in seiner Wohnung übernachtet hätten.
Warum der Vorgang über den konkreten Fall hinaus relevant ist:
Wir bei CORRECTIV schauen uns immer dann schicksalhafte Einzelfälle genau an, wenn sie für ein größeres Problem stehen. So ist es in diesem Fall. Ich hatte ja oben bereits erwähnt, dass wir schon lange zu Missbrauch im Jugendfußball recherchieren.
Vergangenes Jahr hatten wir gemeinsam mit dem Fußballmagazin 11 Freunde in einer Crowd-Recherche Fälle gesammelt, um uns einen Überblick über das Problem zu verschaffen, also: Wie häufig passiert es, dass das Misstrauen von Familien missbraucht wird, weil sie ihre Kinder in die vermeintlich sichere Obhut von Jugendtrainern geben?
Damals kam heraus:
Wir erfuhren von 40 Strafverfahren in den vergangenen Jahren, die in etwa 20 Urteilen mündeten. Allein in den vergangenen fünf Jahren waren hunderte Kinder von sexualisierter Gewalt und Missbrauch betroffen.

Wir wollen mit Ihnen darüber diskutieren:
Heute in einer Woche, also nächsten Mittwoch, zeigen wir im Publix in Berlin-Neukölln die TV-Doku – und diskutieren im Anschluss auf der Bühne. Unter anderem mit Jonas Hummels. Und vielleicht mit Ihnen?
Hier geht es zur Veranstaltung.
Merz gedenkt Opfer des Hamas-Anschlags am dritten Jahrestag
Am dritten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der Opfer gedacht. Er bekräftigte zudem die Unterstützung Deutschlands für Israel und kündigte an, Antisemitismus konsequent zu bekämpfen. Vor drei Jahren töteten Hamas-Kämpfer bei dem Angriff rund 1.200 Menschen in Israel. Das löste den Gaza-Krieg aus. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde gibt die Zahl der Opfer israelischer Angriffe mit mehr als 74.000 an.
deutschlandfunk.de
EU will Pestizidzulassung lockern
Die EU-Kommission plant, die Zulassung von Pestiziden zu lockern und so Bürokratie abzubauen. Bisher müssen Behörden alle zehn bis 15 Jahre Pestizide neu bewerten. Künftig soll die erste Zulassung dauerhaft gelten. Nach Recherchen des BR wurden ab 2011 insgesamt 54 Pestizide nach einer Neubewertung nicht mehr zugelassen, weil sie sich als gefährlicher erwiesen haben, als zunächst angenommen.
br.de
Verbrenner-Aus soll gelockert werden
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich offenbar auf einen Kompromiss geeinigt, um das Verbrenner-Aus zu lockern. Die Vorschläge sollen der Autobranche mehr Zeit für die Umstellung auf E-Autos geben. Frankreich hatte eine Reform des Verbrenner-Verbots im Ministerrat bislang blockiert.
n-tv.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Invest in Germany Summit: Wirtschaftsministerium plant fünf Millionen Euro für Finanzgipfel
Ende Oktober lädt die Bundesregierung internationale Finanzakteure zu einem exklusiven Gipfel nach Berlin. Die Teilnehmerliste bleibt unter Verschluss, die Presse hat nur eingeschränkten Zugang. Die Kosten sind enorm, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt, die CORRECTIV exklusiv vorliegt.
correctiv.org
Hannings Verbindungen nach Baku
Nach der Festnahme von Ex-BND-Präsident Hanning wird nach und nach das Ausmaß des Spionage-Verdachtsfalls deutlich. Ein Land, dem er Informationen geliefert haben soll, ist Aserbaidschan. Zu dem autokratischen Regime hat Hanning nach Recherchen von CORRECTIV eine besondere Beziehung.
correctiv.org

Kickl & Schwurbelsender: Österreichs Rechte ist ein Fiebertraum
In der ersten Folge Fun Facts aus Österreich fragen wir uns: Sind rechte Österreicher Deutschlands Zukunft? In Österreich zeigt sich besonders deutlich, wie rechte Medien und politische Akteure Begriffe und Debatten prägen. Führend in der Szene ist AUF1: Fun Facts analysiert, wie der Sender während der Corona-Pandemie groß geworden ist und Inhalte über Bevölkerungsaustausch und andere Verschwörungserzählungen verbreitet:
tube.funfacts.de

Faktencheck

Rotorblätter bei Jübek: Was die Aufnahmen belegen und was nicht
Ein virales Video zeigt, dass Rotorblätter angeblich auf einer Freifläche in Schleswig-Holstein „verrotten“. Ob sie entsorgt wurden oder als Ersatzteile vorgehalten werden, ist unklar – der Fall wird nun geprüft.
correctiv.org
So geht’s auch
Die frühere Gustav-Nachtigal-Straße in Köln heißt jetzt Manga-Bell-Straße. Gustav Nachtigal war sogenannter Reichskommissar in Westafrika und wollte dort Kolonien errichten. Das Volk der Douala setzte sich friedlich gegen ihn zur Wehr. Jetzt trägt die Straße den Namen ihrer Oberhäupter, der Manga Bells.
wdr.de (Audio) / ksta.de
Endlich verständlich
An fast jeder dritten weiterführenden Schule in Frankreich protestieren derzeit Schülerinnen und Schüler. Aber wogegen gehen sie überhaupt auf die Straße? Salon5 hat sich die Proteste genauer angesehen und sie in einem Beitrag zusammengefasst.
instagram.com
Fundstück
Das Familienticket der Deutschen Bahn wird bald dauerhaft verfügbar sein. Die Sommeraktion, die im Mai 2026 startete, war nach Angaben der Deutschen Bahn ein voller Erfolg. Ende Oktober beginnt das Angebot erneut. Dann kostet die Hin- und Rückfahrt für fünf Personen 99,99 Euro, unabhängig von der Strecke. Die einzige Einschränkung: Mindestens eine erwachsene Person muss mitfahren und höchstens zwei Erwachsene dürfen es insgesamt sein.
watson.de
Es ist zurzeit das wohl verschlossenste Ministerium Deutschlands: Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche macht Journalistinnen und Journalisten das Leben schwer. Teils müssen wir monatelang auf Antworten warten – und erhalten dann Nicht-Antworten. Meine Kollegin Gesa Steeger zum Beispiel stellte eine Anfrage zum Einfluss der Wirtschaftslobby gegen den Mieterschutz. In der Antwort waren 100 von 133 Seiten ganz oder teilweise geschwärzt.
Parteien aus der Opposition haben ähnliche Probleme: In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken zu einem teuren Finanzgipfel in Berlin, ließ das Ministerium die Teilnehmerliste unter Verschluss und wich Antworten aus. Die Grünen wollten wissen, welchen Einfluss die Gas-Lobby auf das Gebäudemodernisierungsgesetz – besser bekannt als Heizungsgesetz – nahm. Als Reaktion gab es abermals Nicht-Antworten und Ausflüchte. Experten sehen mittlerweile einen größeren Trend: Das Ministerium schwäche die Auskunftsrechte des Parlaments gegenüber der Regierung.
Das hat nun ein Nachspiel: Die Grünen haben Beschwerde eingereicht. Sie wollen das Ministerium mit dem Vorgehen nicht durchkommen lassen und pochen auf weitere Auskünfte.

Wer schon mal seine Lebenshaltungskosten kalkuliert und dafür nach Leitplanken gesucht hat, wie viel man für was einrechnen sollte, kennt die Faustregel: Für die Warmmiete sollten maximal 30 Prozent des Nettoeinkommens anfallen. Nach Zahlen einer Studie des Institut für Wohnen und Umwelt im Auftrag des Deutschen Mieterbundes zahlen über 6,5 Millionen Haushalte jedoch bereits deutlich mehr. Im letzten Mietenreport hatten bereits 29 Prozent der Mietenden die Sorge geäußert, sich die Wohnung künftig nicht mehr leisten zu können. Die ganze Studie finden Sie hier:
mieterbund.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Jacob Gehring, Elena Müller und Finn Schöneck.
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