Wie sauber ist Ihr Badesee?

Pestizide, Quecksilber, Blei: Wir zeigen auf einer Karte, wo Badegewässer in der EU durch chemische Schadstoffe belastet sind.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

in Deutschland wird alles regelmäßig untersucht, sogar das Wasser in den Badeseen. Die Frage ist: Was wird denn da genau untersucht – und: Ist damit sichergestellt, dass man bedenkenlos eintauchen kann?

Leider nein. Die aktuelle Recherche unseres Teams CORRECTIV.Europe gibt einen Überblick, mit welchen Schadstoffen Badeseen belastet sind – nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit. Und sie legt Kontroll-Lücken offen, die schlimmstenfalls Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Mehr im Thema des Tages.

Jetzt der Blick nach Erfurt: Dort hält die AfD an diesem Wochenende ihren Bundesparteitag ab. Unsere AfD-Reporterin Lena Köpsell ist im Einsatz und hat das Spektakel im Blick. Vorab empfehle ich Ihnen nochmal unsere Zusammenfassung: In welchen Teilen der Partei ist die völkische Ideologie stärker verbreitet, in welchen weniger? 

In der AfD gibt es viele, oft konträre Positionen, die immer wieder für Streit sorgen. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: picture alliance & KI generiert ( Halbmond)

Um die AfD dreht sich – zumindest in Teilen – auch unser aktuelles Videointerview „CORRECTIV im Gespräch“: Was können Politikerinnen und Politiker der Partei entgegensetzen? Dazu hat mir Noosha Aubel Rede und Antwort gestanden, die parteilose Oberbürgermeisterin von Potsdam. Das Gespräch mit ihr war spannend, denn sie sagt als eine von ganz wenigen in der Politik: Sie klebe nicht an ihrem Amt. Zum Interview geht es hier.

Heute können Sie wieder über das Thema für die nächste Cartoon-Arena abstimmen – hier entlang.

Und dann noch eine wichtige letzte Sache für diese Woche von mir: Haben Sie mitbekommen, dass die Bundesregierung das Informationsfreiheitsgesetz deutlich einschränken will – also die Auskunftspflicht von Behörden gegenüber uns Bürgerinnen und Bürgern? Wir haben deshalb eine Forderung nach mehr Transparenz veröffentlicht, die Sie hier unterstützen und unterzeichnen können. Auch die Organisation FragDenStaat hat eine ähnliche Aktion gestartet.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Und schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Wie sauber ist Ihr Badesee?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Schiedsgericht-Urteil: Gewinn für das völkische Lager der AfD in NRW

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Der Skandal hinter dem Frauensport

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Dabei ist das Wasser des Filzteichs mit chemischen Schadstoffen belastet.“

Mit diesen Sätzen beginnt unser heute veröffentlichter Text zur Wasserqualität in Europas Badegewässern. Kernstück der Recherche ist eine interaktive Landkarte. Darauf können Sie nachschauen, ob „Ihr“ Badegewässer mit Schadstoffen wie Pestiziden, Quecksilber oder Blei belastet ist.

Offiziell “ausgezeichnet”, aber belastet: In Proben aus Badegewässern findet sich teils ein regelrechter Cocktail chemischer Schadstoffe. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: unsplash.com & KI-generiert
Offiziell “ausgezeichnet”, aber belastet: In Proben aus Badegewässern findet sich teils ein regelrechter Cocktail chemischer Schadstoffe. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Fotos: unsplash.com & KI-generiert

Was bedeutet die Belastung?
Wichtig ist: Die Dosis macht das Gift. Eine chemische Belastung bedeutet nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko für Badegäste.

Unsere Analyse zeigt: EU-weit liegen 7866 Badestellen, die als sauber gelten, an Gewässern, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen in erhöhten Konzentrationen belastet sind.

Für solche Badestellen zeigt unsere Karte zwar, welche Schadstoffe gefunden wurden – aber nicht, in welcher Konzentration. Denn diese genauen Messwerte aus ihren Wasserproben geben nur einige wenige Länder auf EU-Ebene weiter.

Fachleute fordern deshalb, dass die Behörden ihre Messergebnisse europaweit öffentlich zugänglich machen und Grenzwerte für die Schadstoffbelastung in Badegewässern festlegen sollten. 

Die meisten solcher Badestellen gibt es in Italien, Deutschland, Dänemark, Ungarn und Frankreich. Und wir finden es wichtig, dies so transparent wie möglich darzustellen – weil so zum Beispiel Eltern mit kleinen Kindern eine informierte Entscheidung treffen können, wo sie baden gehen.

Die Lücke im System:
Die Behörden sind zwar – laut der sogenannten EU-Wasserrahmen-Richtlinie – verpflichtet, den Zustand der Ökosysteme in ihren Gewässern zu überprüfen. 

Sie entnehmen zu diesem Zweck Wasserproben und untersuchen sie auf eine Menge von Schadstoffen, darunter Schwermetalle von Arsen bis Zink, Pestizidrückstände und Industriechemikalien wie PFAS. 

Aber: Obwohl diese Daten vorliegen, werden sie nicht zur Beurteilung der Badewasserqualität herangezogen. 

Das führt dazu, dass einige Gewässer offiziell als badesicher eingestuft sind – obwohl die Kommunen die Daten haben, die zeigen: Nee, ganz so sicher sind manche Gewässer nicht. 

Was wir nun gemacht haben:
Um diese Informationslücke zu schließen, haben wir die beiden Datensätze, die es auf EU-Ebene gibt, zusammengeführt: die mit den Ergebnissen der Schadstoff-Messungen. Und die mit dem offiziellen Ranking der Badegewässerqualität.

Änderungen bei der Krankschreibung: Klingbeil für „vernünftige“ Regelung
Die schwarz-rote Koalition hat am Donnerstag ein umfangreiches Reformpaket vorgestellt. Das sieht auch strengere Regeln bei Krankschreibungen vor. Demnach sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zukünftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Sozialverbände, Ärzte und Krankenkassen kritisierten die Neuregelung und warnten vor überlasteten Arztpraxen. SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil sprach sich in einem Interview dafür aus, dass niemand am ersten Tag zum Arzt gehen müsse. Es gehe nun darum, eine „vernünftige” Regelung zu finden.
n-tv.de / tagesschau.de

Tote und Verletzte nach russischen Angriffen auf die Ukraine
Nachdem Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew nach Militärangaben am Donnerstag mit hunderten Drohnen sowie dutzenden Raketen und Marschflugkörpern attackiert hat, ist die Zahl der Todesopfer auf 30 angestiegen. Bei weiteren Angriffen im nordukrainischen Gebiet Sumy sind nach Angaben der Behörden mindestens vier Menschen bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen. In der ukrainischen Großstadt Krywyj Rih wurden mindestens sieben Menschen verletzt.
spiegel.de/ tagesschau.de

Starker Anstieg bei Angebotsmieten in deutschen Großstädten
In den 40 größten Städten Deutschlands sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um 51 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, die auf Daten des Marktforschungsinstituts Empirica basiert. Der starke Anstieg lässt sich exemplarisch etwa in Berlin zeigen: Dort lag die Angebotsmiete Anfang 2016 im Mittel bei 8,93 Euro pro Quadratmeter. Anfang 2026 lag sie nun bei 15,80 Euro. Das ist ein Anstieg von 76,9 Prozent. In Hamburg stieg sie um rund 54 Prozent und in München um fast 52 Prozent. DGB-Vizechef Stefan Körzell forderte energischere politische Schritte wie mehr Investitionen in den sozialen und öffentlichen Wohnungsbau.
tagesspiegel.de

Lesestoff & Spritz, Gelsenkirchen
Sommer, Bücher, Aperitivo: Bei „Lesestoff & Spritz“ stellt unsere Lokalredaktion SPOTLIGHT Gelsenkirchen gemeinsam mit der Buchhandlung Kottmann am 9. Juli die besten Bücher für den Sommer vor.
Anmeldung

Handy-Chatverlauf mit der Whatsapp-KI Meta AI
Symbolfoto: Jonathan Raa / NurPhoto / Picture Alliance

So geht’s auch
Mit Plastikmüll Wasserstoff erzeugen: Ein Forschungsteam aus Cambridge arbeitet an dieser Recycling-Technik. Das war bereits mit dem Einsatz von aggressiven Chemikalien gelungen. Jetzt konnten die Forschenden den Versuch auch unter realen Bedingungen umsetzen – mit Sonnenlicht und Molekülen auf Glas-Paneelen. Damit haben sie Zellulose und PET in wenigen Tagen in Wasserstoff umgewandelt.
science.orf.at 

Fundstück
Auch andere Länder diskutieren über ein Verbot von sozialen Medien für Jugendliche oder haben es bereits umgesetzt. Unsere Jugendredaktion Salon5 hat Jugendliche aus Kanada, Slowenien und den USA gefragt: Unterstützt ihr ein solches Verbot? Die Antworten reichen von dem Wunsch nach Einschränkungen bis zur Sorge darüber, dass ein wichtiger Ort für Gemeinschaft verloren geht.
Instagram


Während Deutschland unter der Hitzewelle ächzte und erstmals im Juni Temperaturen von über 40 Grad maß, bleibt es aus dem Kanzleramt bemerkenswert still. Dabei sind die Zahlen alarmierend. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass zwischen Anfang April und dem 21. Juni bereits 810 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben sind, die meisten von ihnen waren älter als 85 Jahre. Die Juni-Hitzewelle war darin also noch gar nicht enthalten. Gleichzeitig wünschen sich neun von zehn Menschen in Deutschland mehr Investitionen in den Hitzeschutz.

Nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft veröffentlichte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch am selben Abend einen Instagram-Beitrag. Zur Hitze erklärte die Bundesregierung erst nach Tagen und auf Nachfrage, Hitze werde nicht zur „Chefsache“, weil „das Wetter“ dadurch auch nicht anders werde.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Pamela Kaethner, Lea Messerschmidt, Elena Müller.