Profil

Caroline Schmüser

Faktencheckerin

Caroline Schmüser ist studentische Hilfskraft bei CORRECTIV.Faktencheck. Das Faktencheck-Handwerk lernte sie bei einem Praktikum in unserer Redaktion. Zuvor schrieb Caroline bereits mehrere Jahre im Lokaljournalismus, sonst studiert sie Ethnologie in Heidelberg.

E-Mail: caroline.schmueser.fm(at)correctiv.org

Bewertung: größtenteils richtig

Nein, Flüchtlinge dürfen Busse der Deutschen Bahn nicht kostenlos nutzen

GERMANY-RAILWAY-DEUTSCHE BAHN
weiterlesen 3 Minuten
GERMANY-RAILWAY-DEUTSCHE BAHN
Ticketautomat der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)

von Caroline Schmüser

Eine Dienstanweisung der Deutschen Bahn macht derzeit auf Facebook die Runde. Demnach sollen Flüchtlinge die Busse einer Tochtergesellschaft kostenlos nutzen dürfen. Ist die Weisung echt? CORRECTIV hat mit der Deutschen Bahn gesprochen.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 3. Februar ein Foto einer Dienstanweisung der Regionalbusgesellschaft Südbadenbus, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. In dem Schreiben heißt es, in den Bussen des Unternehmens würde „das Thema Flüchtlinge immer akuter“.

Daher sei eine „einheitliche Vorgehensweise“ eingeführt worden: „Flüchtlinge werden grundsätzlich befördert auch ohne Fahrschein. Der Fahrer entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen wer Flüchtling ist – im Zweifel mitnehmen.“ Das Schreiben ist datiert auf den 8. Oktober 2015. Ist es echt? Wir haben bei der Deutschen Bahn nachgefragt.

Diese Dienstanweisung veröffentlichte ein Facebook-Nutzer – das Schreiben ist zwar echt, beruhte jedoch auf einem Missverständnis. (Screenshot CORRECTIV)

Dienstanweisung ist echt, beruht jedoch auf Missverständnis

Die Dienstanweisung gab es wirklich – sie wurde jedoch laut der Deutschen Bahn wegen eines Missverständnisses versehentlich herausgegeben, und kurz darauf wieder zurückgenommen.

„Es gibt keine besondere Regelung für Flüchtlinge“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Telefon gegenüber CORRECTIV. Flüchtlinge benötigten – wie alle anderen Fahrgäste auch – einen Fahrschein, um das Angebot der Deutschen Bahn zu nutzen.

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama berichteten bereits im Oktober 2015 über die Hintergründe der Dienstanweisung.

Unsere Bewertung:
Die Weisung ist echt, wurde aber bereits im Jahr 2015 zurückgenommen. Flüchtlinge benötigen Fahrscheine, um das Angebot der Deutschen Bahn zu nutzen.

Bewertung: falsch

Diese afghanischen Mädchen waren nicht schwanger, sondern litten an schwerer Krankheit

Schwangere Mädchen 6
weiterlesen 4 Minuten
Schwangere Mädchen 6
Diese beiden Mädchen sind nicht schwanger, wie von einem Facebooknutzer fälschlicherweise behauptet. (Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Derzeit verbreiten sich auf Sozialen Netzwerken Fotoaufnahmen zweier kleiner Mädchen mit dicken Bäuchen. Die Behauptung: Die Kinder seien schwanger. Das ist falsch. CORRECTIV konnte den Ursprung der Bilder rekonstruieren.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 18. Januar eine Collage, darauf zu sehen sind drei Fotoaufnahmen. Zwei der Bilder zeigen jeweils ein Mädchen, beide mit dicken, geschwollen Bäuchen. Die Mädchen werden augenscheinlich von Doktoren untersucht.

Ein Facebook-Nutzer behauptet, die Mädchen auf den Fotos seien schwanger – das ist aber falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine weitere Fotografie zeigt das Titelblatt einer BILD-Ausgabe, der Titel: „Höchstes Gericht zweifelt Verbot von Kinder-Ehen an!“ Der Hintergrund: Seit Juli 2017 sind durch eine Gesetzesänderung alle im Ausland geschlossenen Kinderehen in Deutschland unwirksam. Der Bundesgerichtshof zweifelt nun an, ob die neue Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Indem der Facebooknutzer die Fotoaufnahmen der Mädchen mit dem Artikel der BILD-Zeitung in Zusammenhang setzt, suggeriert er, diese seien schwanger. Stimmt das? CORRECTIV konnte den Ursprung der Bilder zurückverfolgen.

Bilder wurden in einem Krankenhaus in Kabul aufgenommen

Auf den Fotos ist eine Kennzeichnung der Bilddatenbank „Getty Images“ zu erkennen. Als Fotograf wird Raphael Gaillarde genannt. Über diese Informationen konnten wir die Bilder in der Bilddatenbank finden. Aufgenommen wurden die beiden Fotos am 27. Mai 2003 in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans.

Laut Bildbeschreibung entstanden die Aufnahmen während eines Besuchs von Bernadette Brick, der Gattin des damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac, in Kabul. Brick besuchte dort unter anderem das „Hospital of Mother and Child“, das mittlerweile den Namen „French Medical Institute for Mothers and Children“ trägt. Auf dem Bild ist auch der französische Gefäßchirurg Dr. Éric Chaysson zu sehen.

„Dieses Kind ist eines derer, die zur besseren Behandlung ihres Falls in das Pariser Pompidou-Krankenhaus gebracht werden“, heißt es unter den Fotoaufnahmen auf Getty Images weiter. Die Rede ist vom Pariser Krankenhaus Georges Pompidou. Die Wortwahl des Fotografen lässt bereits darauf schließen, dass die Mädchen unter einer Krankheit leiden.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Bäuche füllten sich wegen Herzversagen mit Flüssigkeit

Ins Leben gerufen wurde das Krankenhaus in Kabul von der französischen Hilfsorganisation „La Chaîne de l’Espoir“. Diese hatte bereits am 18. Januar 2019 auf die Falschmeldungen zu den Fotoaufnahmen reagiert.

„Diese kleinen afghanischen Mädchen litten an einem lebensbedrohlichen Herzversagen“, schreibt „La Chaîne de L’Espoir“ auf Twitter. Die Krankheit habe dazu geführt, dass sich in den Bäuchen der Kinder Flüssigkeit gesammelt hätte – der Grund für die riesigen Bäuche. Dank der Organisation konnten die Kinder operiert werden. Bilder der Operation lassen sich ebenfalls auf Getty Images finden.

Mit diesem Tweet machte die Hilfsorganisation „La Chaîne de L’Espoir“ auf die Falschmeldung aufmerksam. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Die Mädchen waren nicht schwanger. Sie litten unter Herzversagen. Aufgrund der Krankheit füllten sich ihre Bäuche mit Flüssigkeit.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Demokraten feiern Abtreibungsgesetz nicht mit Kuchen in Babyform

Babykuchen 5
weiterlesen 3 Minuten
Babykuchen 5
Der Kuchen, mit dem angeblich Demokraten das neue Abtreibungsgesetz in New York gefeiert haben soll, wurde eigentlich für eine Halloween-Party kreiert – vor mehr als vier Jahren. (Symbolbild, Foto von Counselling / pixabay)

von Caroline Schmüser

Eine Facebookseite behauptet, Demokraten hätten das im Bundesstaat New York kürzlich neu beschlossene Abtreibungsgesetz mit einem Kuchen in Form eines Babys gefeiert. Stimmt das? CORRECTIV hat recherchiert.

Die Facebookseite „100% Jesus“ veröffentlichte am 1. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen sind Bilder eines Kuchens in Form eines Babys, darüber folgender Text: „Das ist der Kuchen mit dem die linken Demokraten in New York ihren Sieg über das neue Abtreibungsgesetz gefeiert haben.“

Mit diesem Kuchen sollen Befürworter des neuen Abtreibungsgesetzes in New York die Verabschiedung gefeiert haben, behauptet eine Facebookseite.. Das ist aber falsch. (Screenshot von Correctiv)

Stammt das Bild tatsächlich von einer Party von Befürwortern des neuen Gesetzes zu Schwangerschaftsabbrüchen? CORRECTIV hat recherchiert.

Kuchen wurde vor einigen Jahren für Halloween-Party kreiert

Der Kuchen wurde von einem Dessert-Laden in New York hergestellt, genannt „Deviant Desserts“. Der Shop ist bekannt für seine außergewöhnlichen, teilweise gruseligen Kreationen. Lange suchen muss man nach den Fotos des Baby-Kuchens nicht: Das Gebäck ist bereits Teil des Titelbildes des Facebook-Accounts der „Deviant Desserts“-Konditorin Katherine Dey.

Erstmals stellte Dey Fotos des Kuchens im Oktober 2014 auf Facebook, ein weiteres Mal im Oktober 2016. „In Erinnerung an meinen Babykuchen“, kommentierte sie die Bilder. Den Kuchen kreierte sie also vor mehr als vier Jahren.

„Ich habe diesen Kuchen für eine Halloween-Party 2014 gemacht“, bestätigte Dey auf Nachfrage von CORRECTIV. „Wir haben ihn absolut NICHT für eine Abtreibungsparty nachgebildet.“ Sie sei derzeit damit beschäftigt, Herztrüffel für den Valentinstag herzustellen.

E-Mail der New Yorker Konditorin auf Nachfrage von CORRECTIV. (Screenshot von Correctiv)

US-Bundesstaat New York verabschiedete im Januar ein neues Gesetz zu Schwangerschaftabbrüchen

Der Kontext: In New York war am 22. Januar 2019 ein neues Gesetz zur Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen verabschiedet worden. Demnach können Frauen nun bis zur 24. Schwangerschaftswoche abtreiben – also bis zum sechsten Monat. Auch nach der 24. Schwangerschaftswoche ist eine Abtreibung theoretisch möglich, sollte „keine Lebensfähigkeit des Fötus bestehen“ oder das Verfahren „zum Schutz des Lebens oder der Gesundheit der Patientin erforderlich“ sein. Diese Feststellung muss von einem zugelassenen Mediziner getroffen werden.

Bisher waren Abtreibungen nach der 24. Woche nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter gefährdet war.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Fotos sind bereits einige Jahre alt. Der Kuchen wurde von einer New Yorker Konditorin für eine Halloweenparty hergestellt.

Bewertung: richtig

Ja, Grundschulkinder aus Melle führten Theaterstück in Moschee auf

Grönenbergschule 2
weiterlesen 3 Minuten
Grönenbergschule 2
Dieser Elternbrief einer niedersächsischen Grundschule wird derzeit auf sozialen Netzwerken verbreitet. (Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Ein Elternbrief einer Grundschule nahe Osnabrück sorgte für Kritik auf den sozialen Netzwerken: Grundschulkinder würden anlässlich des Geburtstags des Propheten Mohammeds ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee besuchen. Ist das Schreiben echt? CORRECTIV hat bei der Schulleitung nachgefragt.

Auf Facebook verbreitet sich derzeit das Foto eines Elternbriefs einer Grundschule im niedersächsischen Melle vom 18. Januar. Darin heißt es, „anlässlich des Geburtstags des Propheten Mohammeds“ würden Schülerinnen und Schüler der Grundschule am 22. und 23. Januar 2019 gemeinsam mit ihren Lehrkräften ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee ansehen. Datiert ist das Schreiben auf den 18. Januar.

Die Fotografie eines Elternbriefes einer Grundschule in Melle verbreitet sich derzeit auf Facebook. (Screenshot mit Schwärzung von Correctiv)

Viele Kommentierende scheinen erbost über den Elternbrief. „Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Mein Kind wäre an diesem Tag krank“, schreibt ein Nutzer. Andere sehen in dem Schreiben kein Problem. „Meine Tochter musste auch immer an den evangelischen Gottesdiensten in der Schule teilnehmen, obwohl wir Atheisten sind. Es hat ihr nicht geschadet“, schreibt eine Kommentatorin. Weitere Nutzer hingegen zweifeln die Echtheit des Briefes an.

Wir haben mit dem Leiter der Grundschule telefoniert. Das Schreiben ist echt.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Theaterstück wurde von Schülerinnen und Schülern der Grundschule aufgeführt

Tatsächlich hatten die Schülerinnen und Schüler ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee angesehen. Organisiert wurde die Aufführung jedoch nicht von der Moscheegemeinde. Schülerinnen und Schüler der Grundschule hatten das Stück vorbereitet und aufgeführt.

Die Aufführung sei mit der Landesschulbehörde, dem Schulamt sowie dem Pressesprecher der Gemeinde abgeklärt worden, so der Schulleiter im Telefonat mit CORRECTIV. Thematisch sei im Theaterstück die Geburt des Propheten behandelt worden, ähnlich eines Krippenspiels.

Der Brief sei dem Schulleiter zufolge von einem Elternteil ohne vorherige Absprache mit der Schule abfotografiert und über Whatsapp verbreitet worden. Daraufhin hatte die Schule zahlreiche wütende Anrufe und E-Mails erhalten. „Wir sind gerne bereit, Fragen der Eltern von Kindern unserer Grundschule zu beantworten“, sagte der Schulleiter gegenüber CORRECTIV – nicht jedoch von Personen aus ganz Deutschland.

Von Seiten der Eltern der Grundschulkinder habe es sonst nur eine kritische Rückmeldung zum Theaterstück gegeben – die Zweifel des Elternteils hätten sich jedoch nach einer kurzen Rücksprache mit dem Schulleiter ergeben.

Vermeintlicher Elternbrief von Dresdner Grundschule ist eine Fälschung

Zur selben Zeit war auch ein ähnlicher Brief auf sozialen Medien verbreitet worden, datiert auf den 23. Januar 2019. Darin empfahl die Schulleiterin einer Dresdner Grundschule vermeintlich den Kauf eines Korans für eine Themenwoche „im Sinne des Korans“. Sie kündigt außerdem angeblich den Besuch von vier Imamen an.

Dabei handelte es sich um eine Fälschung, bestätigte die Pressestelle des sächsischen Bildungsministeriums auf Twitter.

Möglicherweise war das Fake-Schreiben von den Gerüchten um den Elternbrief der Grundschule Melle beeinflusst.

Unsere Bewertung:
Wahr. Schülerinnen und Schüler der Grundschule hatten ein Theaterstück in einer örtlichen Moscheegemeinde aufgeführt, das die anderen Klassen besuchten.

Bewertung: völlig falsch

Angebliche Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist ein Fake

Zitat Klamm-Rothenberger 2
weiterlesen 4 Minuten
Zitat Klamm-Rothenberger 2
Die Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist frei erfunden – die Falschmeldung war Teil eines Satireprojekts. (Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

In einem Tweet verharmlost die vermeintliche Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ den Mord an einer Freiburger Studentin. Doch eine Grünen-Politikern mit diesem Namen gibt es gar nicht. Darauf machten die österreichischen Faktenchecker von Mimikama bereits im Dezember 2016 aufmerksam.

Ein Facebooknutzer veröffentlichte am 17. Januar 2018 eine Fotomontage. Darauf zu sehen ist angeblich ein Tweet einer Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“. Diese soll am 5. Dezember 2016 in Bezug auf den Mordfall Maria L. getwittert haben: „In der Heimat des Täters werden vergewaltigte Frauen zum Tode verurteilt. Deshalb musste er sie nach der Vergwaltigung töten. Für diese kulturellen Unterschiede müssen wir Verständnis haben.

Maria L. wurde am 16. Oktober 2016 in Freiburg im Breisgau vergewaltigt und anschließend ermordet. Der Täter, Asylbewerber Hussein K., wurde am Freiburger Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Fotomontage wurde bisher über 8.000 Mal geteilt, derzeit wird das Posting wieder vermehrt verbreitet.

Diese Fotomontage veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook. Sie stammt vom „Blog Halle Leaks“, dieser nennt wiederum die Fake-News-Seite „Mosel Kurier“ als Quelle. (Screenshot von CORRECTIV)

Stammt diese Aussage tatsächlich von einer Grünen-Politikerin? Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama sind dem angeblichen Zitat bereits im Dezember 2016 auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: Es handelt sich um einen Fake.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Grünen-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ ist frei erfunden

Denn: Eine Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“ gibt es nicht. Weder eine Google-Suche nach dem Namen, noch ein Blick auf die Webseite der Grünen, bringt Erfolg.

Mimikama weist außerdem darauf hin, dass der angebliche Tweet zu viele Zeichen hat. Erst seit November 2017 herrscht auf Twitter ein Limit von 280 Zeichen pro Tweet – zuvor war ein Tweet auf nur 140 Zeichen beschränkt. Dieses Zeichenlimit übersteigt der angebliche Tweet mit 164 Zeichen deutlich.

Auch die Herkunft des Fotos, das die Grünen-Politikerin zeigen soll, konnte Mimikama rekonstruieren: Das Foto findet man auf der frei zugänglichen Bilddatenbank Pixabay“. Bilder, die auf Pixabay veröffentlicht werden, können kostenlos und ohne Nennung der Quelle verwendet werden.

Erfundener Tweet stammt von Fake-News-Projekt der Satiresendung „Bohemian Browser Ballett

Die Fotomontage stammt vom Blog Halle Leaks, als Quelle wird dort wiederum der Mosel Kurier genannt.

Der Mosel Kurier war ein Projekt des „Bohemian Browser Ballett, eine Satiresendung des ARD-ZDF-Jugendkanals Funk. Initiator Christian Brandes alias Schlecky Silberstein sagte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost: „Der Mosel Kurier produziert Fake-Fake-News, man kann auch sagen Fakeception – der Fake im Fake.“ Man habe mit dem Mosel Kurier darauf aufmerksam machen wollen, dass „Fake News keine Randerscheinung sind und wie Fake News funktionieren“, so Silberstein.

Der angebliche Tweet der erfundenen Grünen-Politikerin war Teil des Projekts. Erreichbar ist die Webseite des Mosel Kurier nicht mehr. Das Projekt wurde am 31. Dezember 2016 beendet.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Eine Grünen-Politikerin mit dem Namen „Petra Klamm-Rothberger“ gibt es nicht. Das Foto stammt aus einer frei zugänglichen Bilddatenbank. Die Falschmeldung entstammt einem Projekt der Satiresendung „Bohemian Browser Ballett”.

Bewertung: größtenteils falsch

Gelbwesten-Protest in Den Haag: Im Kinderwagen befand sich eine Puppe

Niederlande Gelbwesten 5
weiterlesen 3 Minuten
Niederlande Gelbwesten 5
Zeigt dieses Bild eine Gelbwesten-Demonstrantin, die durch die Polizei von ihrem Kind getrennt wurde? (Facebookpost von „Deutsche Werte erhalten“, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Eine deutsche Facebookseite behauptet, in den Niederlanden sei eine Mutter während eines Gelbwesten-Protests festgenommen und von ihrem Baby getrennt worden. Das sollen zwei Fotoaufnahmen beweisen. Was ist wirklich passiert? CORRECTIV hat recherchiert.

Die Facebookseite „Deutsche Werte erhalten“ veröffentlichte am 12. Januar zwei Bilder, mutmaßlich aufgenommen während einer Aktion von sogenannten „Gelbwesten“. Auf einer der Fotoaufnahmen sieht man eine Frau mit Kinderwagen, sie trägt eine gelbe Warnweste. Mehrere Polizisten stehen um die Frau herum und scheinen die Frau festzunehmen. Auf den Uniformen der Polizisten ist das Logo der niederländischen Polizei zu sehen. Ein zweites Foto zeigt einen Polizisten mit dem Kinderwagen.

Die Facebookseite „Deutsche Werte erhalten“ kommentiert die Szenerie wie folgt: „Eine Mutter ist mit ihrem Kinderwagen entlang spaziert (…). Die Polizisten forderten sie auf, die Weste auszuziehen. Weil sie sich weigerte, haben die Polizisten sie von ihrem Kind getrennt und in einem Mannschaftswagen gezerrt, also verhaftet. Das Baby blieb ohne Mutter zurück.“

Eine deutsche Facebookseite schreibt, in den Niederlanden sei eine Mutter mit Kinderwagen von der Polizei festgenommen worden. Das Baby sei ohne Mutter zurückgeblieben. (Screenshot von Correctiv)

Stimmt diese Darstellung? CORRECTIV hat recherchiert.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Pegida Niederlande veröffentlichte Video des Vorfalls

Über die Rückwärtsbildersuche von Google stießen wir auf ein YouTube-Video, das den Vorfall zeigt. In der oberen linken Ecke des Videos ist das Logo der niederländischen Bewegung Pegida Nederland zu erkennen.

Das Video konnten wir daraufhin auf der Facebook-Seite „Pegida Nederland“ finden. Es wurde dort am 5. Januar 2019 veröffentlicht. Die Beschreibung: „Frau mit Kinderwagen verhaftet (es lag kein Baby darin), weil sie die gelbe Weste nicht ablegen wollte.“

Die Facebookseite Pegida Nederland veröffentlichte das Video am 5. Januar. (Screenshot von Correctiv)

 

Im Kinderwagen befand sich eine Puppe

Über den Vorfall berichtete auch die niederländische Tageszeitung AD. Diese titelte am 5. Januar 2019: „Frau mit Puppe im Kinderwagen während Protest der Gelbwesten festgenommen“. Der Protest habe dem Artikel zufolge in Den Haag stattgefunden, 80 bis 100 Personen sollen sich dort für die Demonstration eingefunden haben.

Wir fragten daraufhin bei der Polizei Den Haag an. Eine Sprecherin bestätigte schrfitlich gegenüber CORRECTIV, dass sich ein solcher Vorfall mit einem Kinderwagen in Den Haag abspielte – während eines Protests von Gelbwesten am 5. Januar. „Die Frau trug eine Puppe im Kinderwagen, es war kein Kind in die Situation verwickelt“, so die Sprecherin auf Nachfrage von CORRECTIV. Die Frau sei außerdem nicht gebeten worden, ihre Weste abzulegen.

Antwort der Polizei Den Haag auf eine Anfrage von CORRECTIV. (Screenshot von Correctiv)

Die Beamten hätten sie gefragt, ob sie sich ausweisen könne – in den Niederlanden herrscht Ausweispflicht. Die Frau habe sich nicht ausweisen können. Deshalb, und aufgrund des „seltsamen Umstandes“, so die Sprecherin, dass sie eine Puppe in einem Kinderwagen mit sich trug, sei sie zum Verhör zu einer nahegelegenen Polizeistation gebracht worden.

Das bestätigte die Polizei Den Haag auch in einem Tweet am 5. Januar. Darin heißt es: „Während der Demonstration der #gelehesjes #denhaag wurde eine Frau auf der Grundlage der Ausweispflicht festgenommen. Sie lief mit einem Kinderwagen mit einer Puppe darin umher. Sie konnte sich nicht ausweisen.“

Tweet der Polizei Den Haag. (Screenshot von Correctiv)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Während eines Gelbwesten-Protests in Den Haag war eine Frau der Polizei vorübergehend festgenommen worden. Der Grund: Sie hatte sich nicht ausweisen können. In ihrem Kinderwagen befand sich kein Baby, sondern eine Puppe.

Bewertung: falsch

Nein, Dieselfahrverbote gibt es nicht nur in Deutschland

autos pixel2013 pixabay
weiterlesen 3 Minuten
autos pixel2013 pixabay
Nicht nur in deutschen Innenstädten herrschen Dieselfahrverbote. (Foto von pixel2013 / pixabay)

von Caroline Schmüser

Ein Facebooknutzer behauptet, Dieselfahrverbote gebe es ausschließlich in Deutschland. Das ist falsch, wie ein Blick auf die Webseite des ADAC zeigt.

Am 6. Januar veröffentlichte ein Facebooknutzer ein Bild einer Weltkugel mit Fokus auf Europa. Deutschland wird darauf als einziges Land grün hervorgehoben. „So klein ist Deutschland und es ist schon komisch das es nur bei uns Probleme mit feinstaub und Dieselfahrverbote gibt“, kommentiert der Nutzer die Karte.

Dieselfahrverbote gibt es nur in Deutschland? Das behauptete am 6. Januar ein Nutzer auf Facebook. (Screenshot von Correctiv)

Das ist falsch. In verschiedenen europäischen Ländern gibt es bereits Zufahrtsbeschränkungen für einige Diesel- sowie Benzinfahrzeuge in Innenstädten – das dokumentiert der ADAC auf seiner Webseite.

In dreizehn weiteren europäischen Ländern gelten ebenfalls Zufahrtsbeschränkungen

Zufahrtsbeschränkungen existieren dem ADAC zufolge bereits in diesen EU-Ländern: Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien, und Tschechien. Welche Fahrzeuge den Beschränkungen unterliegen und welche Regelungen dabei angewendet werden, unterscheidet sich in den jeweiligen Ländern und Städten.

In einigen EU-Ländern findet das Konzept der sogenannten „Umweltzone“ Anwendung. Umweltzonen sind einzelne städtische Gebiete, in denen das Befahren von Straßen durch Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß verboten ist. Das schreibt das Bundesumweltamt auf seiner Webseite. Dadurch soll die verkehrsbedingter Umweltbelastung reduziert werden.

Von solchen Umweltzonen betroffen sind beispielsweise im belgischen Antwerpen Diesel- und Benzinfahrzeuge bestimmter Emissionsklassen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wiederum fallen nur dieselbetriebene Busse und Lkw über 3,5 Tonnen unter die Verkehrsbeschränkungen. Das Konzept der Umweltzonen hat sich auch in Deutschland durchgesetzt. Ein Beispiel: Im Stuttgarter Stadtgebiet gilt seit dem 1. Januar 2019 ein ganzjähriges Verkehrsverbot für alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren der Abgasnorm 4 und schlechter. „Dem Diesel-Verkehrsverbot liegt die hohe Schadstoffbelastung der Luft zugrunde“, schreibt die Stadt Stuttgart.

Ein anderes Konzept: die City-Maut, auch genannt Innenstadtmaut. Diese gilt zum Beispiel in der Innenstadt von London sowie im maltesischen Valletta. Die City-Maut-Modelle unterscheiden sich in Preis und Art der Ausführung voneinander. In Valletta unterliegen beispielsweise alle inländischen Fahrzeuge der Maut. Ziel einer solchen Maut ist die Verringerung des Verkehrsaufkommens in Innenstädten – dadurch soll unter anderem eine Verbesserung der Luftqualität erwirkt werden.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Zufahrtsbeschränkungen in Innenstädten bestehen neben Deutschland in vierzehn EU-Ländern. Welche Fahrzeuge von den jeweiligen Fahrverboten betroffen sind, ist in den jeweiligen Ländern und Städten unterschiedlich.