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Jacques Pezet

Faktenchecker

Als in Deutschland lebender Franzose-Honduraner weiß Jacques Pezet, wie schwer sich viele mit korrekten Zuordnungen tun. Seit 2015 prüft er politische Aussagen und enttarnt Online-Falschmeldungen, zunächst als Mitglied des Fact Checking-Teams der französischen Zeitun Libération, seit April 2017 bei CORRECTIV.Faktencheck. Nach Berlin ist Pezet direkt nach seinem Master im deutsch-französischen Journalismus an der Universität Sorbonne-Nouvelle in Paris umgezogen. Sein Motto ist: „Glaub nicht alles, was du im Internet liest!“

E-Mail: jacques.pezet(at)correctiv.org
Twitter: @Jacques_Pezet

Bewertung: falsch

Nein – Video von demoliertem Weihnachtsbaum wurde weder in Deutschland noch in Europa aufgenommen

Capture d’écran 2018-12-06 à 16.22.47
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Capture d’écran 2018-12-06 à 16.22.47
Screenshot aus dem Weihnachtsbaum-Video.

von Jacques Pezet

Ein Video soll zeigen, wie geflüchtete Muslime einen Weihnachtsbaum in Deutschland zerstören. Das Originalvideo wurde in Ägypten gefilmt.

Sobald Weihnachten näher rückt, taucht ein Video in den sozialen Netzwerken wieder auf, in dem Muslime einen Weihnachtsbaum angreifen sollen. Eine Stimme auf Deutsch beschreibt: „Dramatische Szenen haben sich mitten in einem Kaufhaus in Europa abgespielt, aber auch in vielen deutschen Kaufhäusern. Tannenbäume und Weihnachtsartikel wurden mutwillig von Flüchtlingen wütend und mit brutaler Aggressivität zerstört. Die Begründung ist, dass Weihnachten nichts mit dem Islam zu tun habe. Man wolle nicht mit christlichen oder jüdischen Artikeln in Deutschland konfrontiert werden, da der Islam dies verbiete.“

Ist es jetzt schon soweit ? Armes armes Deutschland

Gepostet von Thomas Ankert am Dienstag, 4. Dezember 2018

CORRECTIV hat den Kontext dieses Video recherchiert und konnte feststellen, dass es mehrmals von Journalisten überprüft wurde. Recherchen von Bussiness Insider, Le Monde oder Buzzfeed zeigen, dass es nicht in Deutschland oder Europa, sondern in der Mall of Arabia in Kairo, Ägypten, aufgenommen wurde. Das Originalvideo wurde am 4. Januar 2016 auf Youtube hochgeladen.

Wenn man es mit dem deutschen Video vergleicht, kann man auch hören, dass es manipuliert wurde, indem jemand das Geräusch einer gebrochenen Weihnachtskugel hinzufügte.  

Auf Anfrage von Le Monde antwortete die Mall of Arabia, dass die Szene an Weihnachten 2015 stattfand und erklärte: „Das waren Kinder, die nicht wussten, was sie taten, und unser Sicherheitsteam kümmerte sich um sie, sobald sie sie sahen“.

Da ist man weit entfernt von der Behauptung einer Zerstörung eines Weihnachtsbaumes durch eine den westlichen Werten feindliche Bevölkerung. Die Idee, dass Besucher der Mall Weihnachten hassen, klingt zudem absurd,  da das Einkaufszentrum zu jedem Weihnachten viel Werbung auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

Unsere Bewertung:
Falsch. Diese Szene wurde in Ägypten aufgenommen. Nach Angaben der Betreiber des Einkaufszentrums haben dort Jugendliche Unsinn gemacht

Bewertung: falsch

Altes Video von 2014 zeigt mit Mist besprühte Präfektur in Frankreich

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A man poses in front of the Marne department prefecture during a farmer protest on November 5, 2014 in Chalon-en-Champagne. (Photo by FRANCOIS NASCIMBENI / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Video, in dem Franzosen ein offizielles Gebäude mit Gülle bedecken, kursiert online seit den Gelbwesten-Protesten. Es wurde aber im November 2014 gedreht.

Seit dem Beginn der Gelbwesten-Demonstrationen in Frankreich wird ein Video tausende Male von deutschen Facebook-Nutzern geteilt. Es zeigt, wie die Fassade eines Amtsgebäudes, an dem die französische Flagge hängt, mit Gülle besprüht wird. Das Video wird mit diesen Sätzen beschrieben: „Wenn die Bevölkerung die Schnauze voll hat, ist Schluss mit lustig !! Frankreich machte es vor….! Ob es bald wieder soweit ist Mr.Macron ??!!“ oder „In Frankreich, bei 2,0 € Sprit hört die Freundschaft auf.“

WENN DIE BEVÖLKERUNG DIE SCHNAUZE VOLL HAT, IST SCHLUSS MIT LUSTIG !!Frankreich machte es vor….!Ob es bald wieder soweit ist MR.MACRON ??!!

Gepostet von Serge Menga Klartext am Mittwoch, 21. November 2018

Bauern demonstrierten gegen zu viel Bürokratie im November 2014

Correctiv hat ein Video der gleichen Szene gefunden. Es stammt nicht aus den französischen Gelbwesten-Protesten von November 2018, sondern es wurde am 5. November im Jahr 2014 in Nordost-Frankreich gedreht.

Der Standort liegt vor der Präfektur Châlons-en-Champagne, die an diesem Tag mit Gülle und Stroh bedeckt war. Damals demonstrierten 3.500 Bauern und Winzer (die keine gelben Westen trugen) “gegen zu restriktive und zu bürokratische Rechtsnormen”, so Berichte der lokalen Redaktionen von France 3 und France Bleu Champagne

 Sprit kostet in Frankreich nicht zwei Euro

Laut der Beschreibung des Videos würden die Franzosen gerade demonstrieren, weil die Spritpreise bei 2 Euro lägen. Das stimmt auch nicht. Jede Woche veröffentlicht die Europäische Kommission einen Bericht mit den Verbraucherpreisen für Mineralölerzeugnisse, wo die Daten für jedes europäische Land erscheinen. Es handelt sich um durchschnittliche Preise, was heißt, dass die Preise von einer Tankstelle zu einer anderen variieren.

Wir haben die Daten seit dem Anfang des Jahres für Frankreich und Deutschland in dieser Grafik zusammengestellt.  Es zeigt sich, dass die Durchschnittspreise für Benzin und Diesel immer unter 1,60 Euro lagen.

In Bezug auf den Standort Châlon-en-Champagne zeigt die offizielle Kraftstoffpreisdatenbank der französischen Regierung folgende Preise am 5. Dezember 2018 für Diesel (Gazole) und Benzin (SP 95) an den Tankstellen der Stadt.

Unsere Bewertung:
Falscher Kontext. Das Video einer mit Gülle besprühten Präfektur in Frankreich wurde im Jahr 2014 gedreht — nicht während den Gelbwesten-Protesten 2018.

Bewertung: falsch

Polizisten nehmen ihre Helme vor Gelbwesten in Südfrankreich ab, um Spannung abzubauen

FRANCE-SOCIAL-POLITICS-DEMO-FUEL
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FRANCE-SOCIAL-POLITICS-DEMO-FUEL
Yellow vests (Gilets jaunes) protesters stand in front of French riot police during a demonstration against rising oil prices and living costs in Tours, central France on December 1, 2018. (Photo by GUILLAUME SOUVANT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Video von helmlosen Polizisten wird mit einem falschen Drehort und falschem Kontext auf Facebook geteilt.

Auf Facebook wird ein Video von französischen Polizisten, die ohne Helm auftauchen, mehr als 1000 Mal geteilt.  Ihre Beschreibung ist wie folgt: „In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen“. 

🇫🇷‼️In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen …… ‼️🇫🇷

Gepostet von Thomas D. Wimmer am Sonntag, 2. Dezember 2018

Correctiv fand das Originalvideo: Die Bilder wurden vom Fotografen Quentin Top in Pau aufgenommen. In mehreren Tweets betonte er, dass „es in keiner Weise“ ein Zeichen für Unterstützung war, sondern „es war eine Vereinbarung zwischen den Demonstranten und der Polizei. Sie ziehen ihre Helme aus und die gelben Westen zerstreuen sich in Ruhe.“

Dies bestätigten auch mehrere Lokaljournalisten von France Bleu Béarn, Sud Ouest und La République des Pyrénées, die vor Ort waren. Sie berichten, dass die Polizisten um 19.30 Uhr ihre Helme ausgezogen haben, nachdem die Gelbwesten den Vorschlag gemacht hatten, den Platz vor dem Rathaus zu verlassen, wenn die Polizisten ihre Helme ausziehen.

In einem Video der République des Pyrénées hört man einen Demonstranten sagen: „Jungs, Jungs! Sie sind bereit ihre Helme auszuziehen, aber unter einer Bedingung: Sobald sie die Helme abnehmen, singen wir die Marseillaise, wir lösen uns auf und dann gehen wir.“

Am Ende des Videos setzen die Polizisten ihre Helme wieder auf, weil ein Ei auf sie nach der Hymne geworfen wurde. Das bestätigt auch ein Video von France Bleu Béarn.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video wurde nicht in Marseille gedreht, sondern in Pau. Die Polizisten nahmen ihre Helme ab, um die Spannungen abzubauen und nicht als Geste für Solidarität.

Bewertung: falsch

Junckers Schuhe hatten die gleiche Farbe

Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit.
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Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit.
Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit. © European Union , 2018 / Source: EC - Audiovisual Service / Photo: Etienne Ansotte

von Jacques Pezet

Auf sozialen Netzwerken wird behauptet, dass der Präsident der europäischen Kommission eine Konferenz verließ, weil er einen braunen und einen schwarzen Schuh trug. Das stimmt nicht.

Es ist ein bisschen wie die Geschichte des schwarz-blauen Kleides, das 2015 im Internet auftauchte und das man in verschiedenen Farben sehen konnte. Mehrmals wurde ein Video aus einer Pressekonferenz geteilt, in dem Jean-Claude Juncker, der Präsident der EU-Kommission, den Raum verlässt. Als seine Assistentin zu ihm kommt, scheint sie auf seine Schuhe zu gucken. Für viele Menschen, die ihm im Internet eher feindselig gegenüberstehen, ist der Grund für seinen Abschied bei der Konferenz die Tatsache, dass er einen schwarzen Schuh und einen braunen Schuh trug.

Das Video mit dem Vorwurf wurde von der Facebook Seite „Voice of Europe“ und viele anderen geteilt und erhielt mehr als eine Million Views.

Here's EU boss Juncker who wants an EU army. He holds a press conference with a black and a brown shoe

Gepostet von Voice of Europe am Freitag, 16. November 2018

Correctiv hat nach anderen Bildern des Treffens gesucht, um zu sehen, ob der Kommissionspräsident sich an diesem Tag von Pierre Richards Kleidungsstil im „großen Blonde mit dem schwarzen Schuh“ inspirieren hat oder ob es sich um eine optische Illusion handelt.

Woher kommt das Video?

Das Originalvideo hat die Financial Times Journalistin Mehreen Kahn am 15. November um 13.36 Uhr auf Twitter gepostet. Sie schrieb: „Jean Claude Juncker hat eine Pressekonferenz mit dem südafrikanischen Präsidenten mittendrin verlassen. Nicht sicher, warum“.

In weiteren Tweets erklärte die Journalistin: „Juncker rief seine Assistentin auf der Bühne an und sagte ihr, dass er gehen müsse. Kein Zeichen dafür, dass er eine Nachricht oder Aufforderung erhalten hat. Juncker ist nach einem kurzen Zwischenspiel wieder da – die Assistentin sagt, dass er an Erkältung / Husten leidet. Sieht so aus, als ob diese Pressekonferenz nach ein paar Fragen abgebrochen wird – und Juncker hat es ein wenig schwer. Juncker wird von einem Journalisten gefragt, ob es ihm nach der Abreise und der Rückkehr zur Pressekonferenz gut geht. Er antwortet: Nein“

 Juncker trug nur schwarze Schuhen

Am 15. November nahmen Jean-Claude Juncker‚ Präsident der Europäischen Kommission, Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates und der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa an dem Gipfeltreffen EU-Südafrika teil. Von diesem Treffen kann man verschiedene Bilder in der Fotodatenbank verschiedener Nachrichtenagenturen finden. Für AP und AFP haben die Fotografen John Thys und Emmanuel Dunand Bilder vor der Pressekonferenz gemacht. Das weiß man, weil die Nachrichtenagentur AP teilt, dass die Fotos vor der Pressekonfenz an ihre Kunden geschickt worden sind. Auf beiden Fotos sind die Schuhen von Juncker schwarz.

South African President Cyril Ramaphosa (C) is welcomed by European Council President Donald Tusk (L) and European Commission President Jean-Claude Juncker at the start of a EU-South Africa summit at the European Council on November 15, 2018. (Photo by Emmanuel DUNAND / POOL / AFP)
South African President Cyril Ramaphosa (L) meets with European Council President Donald Tusk (C) and European Commission President Jean-Claude Juncker at the start of a EU-South Africa summit at the European Council on November 15, 2018. (Photo by Emmanuel DUNAND / POOL / AFP)

Einen anderen Beweis für die  schwarzen Schuhe vom EU-Kommisionspräsidenten kann man in den Fotos der EU-Kommission finden. Dort sind die Schuhen auch nur schwarz. Correctiv hat die Fotos des Treffens heruntergeladen und ihre Metadaten gelesen. So konnten wir herausfinden, dass das Bild im Stehen um 10.06 Uhr, wenige Minuten vor dem Bild im Sofa um 10.08 Uhr gemacht wurde. Bilder der Pressekonferenz zeigen, dass sie zwischen 13.28 Uhr und 13.55 stattfand.

Diese Reihenfolge beweist auch ein Video der EU-Kommission, in dem die drei Männer im Stehen fotografiert werden und dann in den Raum mit den Sofas gehen.

Unsere Bewertung:
Jean-Claude Juncker trug nicht einen schwarzen und einen braunen Schuh bei einem Gipfeltreffen mit dem südafrikanischen Präsidenten.

Bewertung: falsch

Doch, Deutsche Medien berichteten über französische Protestbewegung

FRANCE-ECONOMY-POLITICS-GAS-TRANSPORT-DEMO
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FRANCE-ECONOMY-POLITICS-GAS-TRANSPORT-DEMO
A man holds a French flag with the inscription "All united, glory to the people, stop taxes" as he stands on the rocade (ring road) during a demonstration of Yellow Vests (Gilets jaunes) against the rising of the fuel and oil prices on November 17, 2018 in Bordeaux, southwestern France. - Thousands of drivers blocked roads across France in a "yellow vest" movement against high fuel prices which has mushroomed into a widespread protest against stagnant spending power under French President. (Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Facebooknutzer wirft den deutschen Medien vor, nicht über Demonstrationen in Frankreich zu berichten. Unser Faktencheck zeigt: Das ist nicht wahr.  

Am Samstag, den 17. November, blockierten viele Franzosen Straßen, um gegen eine von der französischen Regierung beschlossene Erhöhung der Kraftstoffsteuern zu protestieren. Die Demonstranten trugen Warnwesten und versammelten sich unter dem Namen „Gilets Jaunes“ (Gelbe Westen).

Die französische Protestbewegung scheint auch in Deutschland Anklang zu finden. Auf Facebook rufen Nutzer für kommenden Montag zu einem Tankboykott auf und teilen Videos der Proteste in Frankreich. Ein Nutzer schrieb dazu am 20. November in einem Post: „1,3 Millionen Menschen sind in Frankreich auf den Straßen und demonstrieren! Unsere Presse weiß davon nichts“. Mehr als 2.000 Mal wurde der Beitrag geteilt.

Screenshot aus Facebook, 22.11.2018

Stimmt die Behauptung ?

Wir haben nach Berichten über die französische Protestbewegung in deutschen Medien gesucht. Mit wenigen Klicks fanden wir heraus: Sehr viele deutsche überregionale Zeitungen veröffentlichten schon am ersten Tag der Demonstrationen Artikel. Es ist daher falsch, den deutschen Medien vorzuwerfen, die Proteste zu verschweigen.

Screenshot aus Google News

Wie viele Menschen demonstrierten in Frankreich ?

In seinem Post schreibt der Nutzer, 1,3 Millionen Menschen hätten in Frankreich demonstriert. Zur Zahl der Demonstranten gibt es unterschiedliche Angaben. Laut dem französischen Innenministerium nahmen 282 710 Personen an 2039 Demonstrationen im ganzen Land am 17.11 teil.

Da die Bürgerproteste vom 17. November unorganisiert und ohne zentrale Kundgebungen stattfanden, lässt sich die Zahl der Teilnehmer schwer beziffern. Die Zahl von 1,3 Millionen Demonstranten stammt aus einer Schätzung der Polizeigewerkschaft „Wütende Polizisten“.

Unsere Bewertung:
Falsch. Viele deutsche Medien haben über die Protestbewegung der Gilets Jaunes in Frankreich berichtet

Frankreich verabschiedet umstrittenes Gesetz gegen Falschmeldungen

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FRANCE-POLITICS-GOVERNMENT-ECONOMY-AEROSPACE-AVIATION
French Economy and Industry Minister Emmanuel Macron looks at a screen during a visit to the French aerospace company Thales Avionics facility in Le Haillan, near Bordeaux, southwestern France, May 9, 2016. (Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)

von Jacques Pezet

Nach einem schwierigen und langen legislativen Weg verabschiedete die französische Assemblée Nationale am 20. November 2018, ein Gesetz gegen die Verbreitung von Falschmeldungen während Wahlperioden.

In seiner Presseansprache vom 3. Januar 2018 kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron an, dass er “unser Rechtssystem so entwickeln wolle, dass es das demokratische Leben vor falschen Nachrichten schützen könne”. Dies ist nun geschehen: Am Dienstag, den 20. November, verabschiedete das französische Parlament zwei Gesetzenwürfe „zur Bekämpfung der Manipulation von Informationen“.

Definition einer Falschmeldung

Es ist nicht leicht, zu definieren, was Fake News oder eben manipulierte Informationen sind.  Sowohl absichtliche Lügen als auch unbeabsichtigte Fehler könnten dazuzählen. Außerdem satirische Texte, die von Lesern ernst genommen werden.

In Frankreich definiert das neue Gesetz Falschmeldungen als „ungenaue oder irreführende Behauptungen oder Unterstellungen einer Tatsache, die die Aufrichtigkeit der bevorstehenden Wahl verändern könnten“ und die „absichtlich, künstlich oder automatisch, massiv verbreitet werden“.

Richter sollen innerhalb von 48 Stunden entscheiden, ob Nachrichten falsch sind

Das Gesetz gilt nur in bestimmten Zeiträumen, nämlich immer in den drei Monaten vor nationalen Wahlen. Die finden in Frankreich fast jedes Jahr statt. 2019 sind Europa-Wahlen, 2020 Kommunalwahlen, 2021 Regionalwahlen, und 2022 Parlaments und Präsidentschaftswahlen – das Gesetz wäre immer vor dem Wahltermin drei Monate gültig.

Macrons Mehrheit im Parlament beschloss, dass ein Kandidat oder eine Partei in diesen drei Monaten in einem beschleunigten Verfahren Klage erheben kann, um die Verbreitung von “falschen Informationen” zu stoppen. Der Richter muss dann innerhalb von 48 Stunden entscheiden, ob er die Verbreitung einer Nachricht unterbrechen möchte. Das Gesetz sieht Sanktionen von bis zu einem Jahr Gefängnis und eine Geldstrafe für die Plattformen, die die Falschmeldungen verbreiten, von 75.000 Euro vor.

Das Gesetz fordert von Facebook, Twitter und Google, den Kampf zu unterstützen. Die Plattformen sind verpflichtet, Informationen über politische Werbung zur Verfügung zu stellen, die sie gegen eine Gebühr in den Timelines von Usern zeigen. Sie müssen den für Wahlmitteilungen gezahlten Betrag veröffentlichen und dazu ein Verzeichnis mit den Identitäten derjenigen, die die Wahlanzeigen schalten.

(Russische) Fernsehsender könnten ausgesetzt werden

Neben der Förderung der Medien- und Informationsbildung, stärkt schließlich das Gesetz auch die Befugnisse des französischen hohen Rats für audiovisuelle Medien (CSA). Diese Behörde, die das Radio und Fernsehen in Frankreich reguliert, erwirbt die Macht, die Ausstrahlung eines Fernsehsenders innerhalb der Wahlperiode auszusetzen oder sogar definitiv zu beenden, insbesondere eines Fernsehsenders, der für einen ausländischen Staat arbeiten würde, wenn der CSA der Ansicht ist, dass der Sender falsche Informationen verbreitet, die eine Wahl manipulieren könnten.

Ohne es zu nennen, gilt dieser Aspekt des Gesetzes offensichtlich für den russischen Fernsehsender Russia Today. Während der Präsidentschaftskampagne hatte Präsident Emmanuel Macron RT und Sputnik ausdrücklich als unjournalistisch bezeichnet und während des Besuchs von Wladimir Putin in Frankreich so kritisiert: „Russia Today und Sputnik waren während der Wahlkampagne Agenten der Einflussnahme, die mehrfach Unwahrheiten über mich und meine Kampagne verbreitet haben. Deshalb bin ich zu der Ansicht gekommen, dass sie keinen Platz in meinem Hauptquartier haben“.

Opposition und Journalisten halten Gesetz für unwirksam und gefährlich

Auch wenn das von Emmanuel Macron gewünschte Gesetz schließlich im November 2018 verabschiedet wurde, war es eine echte legislative Kämpferreise, da alle französischen politischen Parteien (mit Ausnahme von En Marche) dagegen waren. Die Opposition kritisierte die Verabschiedung eines nicht anwendbaren Gesetzes einerseits, weil es die Pressefreiheit gefährde. Außerdem sei es unnötig, da es bereits ein Gesetz von 1881 gibt, das eine Strafe für „die Veröffentlichung, Verbreitung oder Vervielfältigung“ von „falschen Nachrichten“ vorsieht. Schließlich war es die Assemblée Nationale (bei der Macron eine Mehrheit besitzt), die das letzte Wort hatte.

Obwohl die französischen Medien in Konkurrenz zu den Verbreitern von Fehlinformationen stehen, waren sie gegen das Gesetz. Der nationale Journalistenverband (SNJ) hat mehrmals davor gewarnt, dass es sich um “einen unzulänglichen, unwirksamen und gefährlichen Text” handelt. Er kritisierte insbesondere dieses Gesetz als nicht realistisch, da ein Richter “nur 48 Stunden Zeit hat, um die Qualität – wahr oder falsch – von Informationen auf der Grundlage einer sehr vagen Definition von ‘falschen Informationen’ zu beurteilen“; aber nannte das Gesetz auch “zum Scheitern verurteilt“ da die Regelung von sozialen Netzwerken und Plattformen auf nationale Grenzen beschränkt ist. Schließlich ist die Gewerkschaft der Ansicht, dass “die Ausweitung der Vorrechte des Conseil supérieur de l’Audiovisuel (CSA) eine Gefahr darstellt und dass der Text möglicherweise die öffentlichen Freiheiten beeinträchtigt”.

Schon Anfang des Jahres sprachen sich französische Faktenchecker gegen den Gesetzentwurf aus. So deuteten sie an, dass sie„das Schlimmste von einem Gesetz gegen Fake-News hielten” laut Libération, während Le Monde sich gegen dieses Gesetz aussprach, „vor allem deshalb, weil es für die Richter unmöglich sein wird, sich richtig zu entscheiden, und vor allem, weil es nicht ihr Job ist”.

 Das unter Beschuss von Kritikern entstandene Fake News-Gesetz wird seine Wirksamkeit bei den Europawahlen im Mai 2019 unter Beweis stellen müssen. Wenn es bis dahin nicht als verfassungswidrig erachtet wird. Am Tag nach der Abstimmung haben etwa 60 konservative Senatoren das Gesetz an den Verfassungsrat gemeldet.

Bewertung: teilweise falsch

Video des Bauern, der Demonstranten mit Gülle besprüht, wurde in England gefilmt

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Capture d’écran 2018-11-19 à 18.53.25
Screenshot aus dem Youtube Video „Farmer sprays poop all over protestors trespassing on his land“

von Jacques Pezet

Ein Video, in dem ein Bauer angeblich Grüne mit Gülle besprüht, kursiert auf Facebook. Doch es wurde 2016 in England gedreht, nicht in Deutschland.

Seit dem 15. November 2018 kursiert ein Video auf Facebook, das fast 1000 Mal geteilt worden ist. Im Video sieht man einen Traktor, der eine Gruppe von Menschen mit einer braunen Flüssigkeit besprüht. In der Beschreibung steht: „Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln?“

Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln? 🚜

Gepostet von Marco Kurz am Donnerstag, 15. November 2018

Geht es um deutsche Aktivisten der politischen Partei die Grünen? Wo wurde dieses Video gedreht? Auf diese zwei Fragen wollen wir in diesem Faktencheck antworten.

Dafür fanden wir zuerst die Quelle für dieses Video heraus. Mit Hilfe des kostenlosen INVID-Videoüberprüfungs-Tools konnten wir Screenshots vergleichen und sehen, dass dieses Video auf Englisch veröffentlicht wurde.

Auf einer Website erschien das Video im Zusammenhang mit einer Veranstaltung in West-England, an der die Hollywood-Schauspielerin Emma Thompson und Greenpeace-Aktivisten teilgenommen hatten. Durch diesen Hinweis stießen wir in mehreren britischen Medien (Telegraph, The Guardian, BBC) auf sehr ausführliche Artikel über die Aktion und das Missgeschick der Demonstranten.

Hintergrund der Demonstration

Laut dem Telegraph demonstrierte Emma Thompson mit ihrer Schwester Sophie am 27. April 2016 „auf einem Feld einer Farm in Lancashire, wo das Energieunternehmen Cuadrilla plante, nach Schiefergas zu fracken“. Sie wurden bei ihrer Aktion von der Umweltorganisation Greenpeace unterstützt. Die Zeitung berichtete, dass ein Bauer mit einem Miststreuer um die Demonstranten herum fuhr, weil er angeblich „sehr verärgert“ war, dass ihn die Demonstranten daran hinderten, auf seinem Feld zu arbeiten. Laut Medienberichten kam die Polizei, verhaftete aber niemanden.

Außerdem: Der Facebook-Post vom 15. November enthält eine antimuslimische Bemerkung gegen Frauen, die das islamische Kopftuch tragen. Ein zweites Video, das die Demonstranten aus der Nähe zeigt, macht deutlich: Die angeblichen Kopftücher sind eigentlich gelbe Stirnbänder. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass Frauen, unabhängig von ihrer Religion, das Recht haben, gegen Fracking – oder jedes andere Thema – zu demonstrieren.

Unsere Bewertung:
Mangel an Kontext. Das Video wurde bei einer Anti-Fracking Demo in England gefilmt.

Bewertung: falsch

Irreführendes Foto von Luxusautos auf Grünen-Parkplatz kursiert wieder auf Facebook

AUTO-SUI-GENEVA-SHOW
AUTO-SUI-GENEVA-SHOW
The new Porsche 911 GT3 RS is displayed at the car maker's booth during a press day ahead of the Geneva International Motor Show on March 6, 2018 in Geneva. - The show opens to the public on March 8 and runs through March 18. (Photo by HAROLD CUNNINGHAM / AFP)

von Jacques Pezet

Ein altes Bild von einem Porsche und einem Ferrari auf einem Parkplatz vor einem Büro der Grünen in Köln kursiert wieder auf Facebook. Die Luxusautos gehören den Grünen nicht.

Seit dem 24. Oktober 2018 kursiert ein von einer Privatperson hochgeladenes Bild auf Facebook, das bisher fast 5.000 Mal geteilt worden ist. Es zeigt, zwei Luxusautos (einen Porsche und einen Ferrari), die angeblich vor einem Büro der Grünen auf Behindertenparkplätzen stehen. Als Kommentar schreibt die Person: „Die lieben Grünen reden von Fahrverbote….Benzin sparen .. Feinstaub und Verbot von Dieselfahrzeugen in bestimmten Städten …..dann möchte ich mal alle bitten sich auf das Foto zu konzentrieren . ..und das auf sich wirken lassen .“

Screenshot aus einem Facebook Post, 7.11.18

Anhand einer umgekehrten Bildersuche konnte Correctiv dieses Bild in einem Text des Spiegel vom 19. November Jahr 2013 finden. Kevin Liebig, Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Grünen-Kreisverbands Köln, erklärte dem Spiegel damals, dass die zwei Autos den Grünen nicht gehören. „Wir sind nur Mieter in dem Haus. Die Sportwagen gehören den Chefs der Vermieterfirma.“

Auf die Frage „Wieso stehen die [Autos] auf den Behindertenparkplätzen?“ antwortete Liebig: „Das sind nur Placebo-Schilder. Eigentlich sind das private Parkplätze. Das Behinderten-Schild hat die Firma selber angebracht, damit die Plätze nicht ständig besetzt sind (…) Wir haben uns auch schon oft darüber beschwert. Die Geschäftsführer der Firma könnten mit ihren Wagen ja auch in den Hinterhof fahren, aber das ist mit solch tiefliegenden Modellen wohl schwierig. Wir finden das natürlich schlecht – uns war bewusst, dass es irgendwann zu so einem Bild kommen musste.“

Tobias Gillen, der Autor des Bildes und Journalist, hat sich zu seinem Bild geäußert. Nach den heftigen Reaktionen hat er es gelöscht und erklärte in einem Text von November 2015 „letztlich war klar: Die Autos gehören nicht zu den Grünen. Ich hatte gehofft, das würde jeder verstehen – wie leichtgläubig.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Luxusautos gehören den Grünen nicht.