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Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros. (Collage: CORRECTIV, Foto rechts: Georg Hochmuth / APA / AFP, Foto links: Filippo Monteforte /  AFP)

von Joana Splieth

Eine Webseite behauptet, dass Greta Thunberg die Enkelin des Investors George Soros sei. Ein Foto dient als angeblicher Beweis. Nur ist das Bild gefälscht und stammt aus einem Satire-Magazin. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin von George Soros.

In einem Artikel vom 15. Dezember 2019 wird behauptet, George Soros sei der Großvater von Greta Thunberg. Als angeblicher Beweis dient ein Bild, das vermeintlich Soros neben Thunberg zeigt. 

Die Webseite, von der diese Behauptung verbreitet wird, heißt News For Friends. Sie übernimmt oft Texte mit Falschinformationen aus anderen Ländern und veröffentlicht sie übersetzt auf ihrer Webseite. Auch der Artikel mit dem Titel „Greta Thunberg ist die Enkelin des linken Milliardärs Georges Soros“ stammt ursprünglich aus dem französischen Satire-Magazin Secret News. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde er ungefähr 300 Mal auf Facebook geteilt. Auf Französisch wurde die Behauptung mit dem vermeintlichen Beweisfoto bereits am 28. August 2019 veröffentlicht und seitdem mehr als 2.000 Mal auf Facebook geteilt.

Nach unserer Recherche ist Greta Thunberg nicht die Enkelin von George Soros. Das Bild, das als Beweis dienen soll, ist ein Fake, und die Seite, von der die Information stammt, bezeichnet sich selbst als Satire-Seite.

Der Text von News For Friends wurde ungefähr 300 Mal über Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

George Soros ist nicht der Großvater von Greta Thunberg

George Soros ist ein US-amerikanischer Investor und Milliardär und unterstützt mit seinem Vermögen viele soziale Projekte – so hat er die Open Society Foundations gegründet, eine Stiftung [Transparenzhinweis: Auch CORRECTIV hat bereits Spenden von der Stiftung erhalten].

Das angebliche Bild von ihm und Greta Thunberg, das News For Friends verbreitet, ist gefälscht. Als wir mit der Bilderrückwärtssuche bei Bing nach seinem Ursprung suchen, stoßen wir auf das unbearbeitete Original. Es zeigt Greta Thunberg und den Politiker und ehemaligen Vizepräsidenten der USA, Al Gore, der sich für Klimaschutz engagiert. Greta Thunberg teilte das Bild Ende Dezember 2018 auf ihrer Twitter-Seite und schrieb: „Vielen Dank, Al Gore, dafür, ein wahrer Pionier zu sein. Sehr wenige Leute haben mehr getan. Es war mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.“

In der Bing-Bilderrückwärtssuche finden wir das Originalbild mit Al Gore in einem Tweet von Greta Thunberg. (Screenshot: CORRECTIV)

News For Friends hätte den Artikel als Satire markieren müssen

Secret News bezeichnet sich selbst als Satire-Seite: „SecretNews.fr ist ein kostenloses und unabhängiges Parodie-Kollaborationsmedium, das mehrere Mitwirkende zusammenbringt. Die meisten Informationen auf dieser Website sind wahrscheinlich falsch, werden aus satirischen und humoristischen Gründen veröffentlicht und können nicht als authentisch angesehen werden.“ 

Auf der französischen Webseite Secret News lässt sich ein Satire-Hinweis finden. (Screenshot: CORRECTIV)

News For Friends ist dagegen keine Satire-Seite, sie hätte die Übersetzung des Artikels  also direkt als Satire kennzeichnen müssen. Da dies nicht geschehen ist, ist der Text eine Falschmeldung, mit der Menschen desinformiert werden. 

Falschmeldungen über Thunberg oder Soros sind keine Seltenheit

Behauptungen, dass die bekannte Klimaaktivistin Greta Thunberg nur Teil eines „globalen Establishments“ sei und allerlei andere Hypothesen über sie finden sich regelmäßig in den Sozialen Netzwerken. CORRECTIV hat einige davon bereits als Falschinformationen entlarvt.

Auch über George Soros kursiert Desinformation im Internet. So wurde bereits behauptet, dass EU-Politiker seine Agenten wären, oder dass Russland einen internationalen Haftbefehl gegen ihn ausgesprochen hätte. Soros ist jüdisch und einige Medien machten bereits auf Antisemitismus in den Falschmeldungen über ihn aufmerksam (zum Beispiel die New York Times oder der Spiegel). 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Greta Thunberg ist nicht die Enkelin des Investors George Soros. Die Seite, die den Artikel und das Bild veröffentlichte, ist eine Satire-Seite. Das Bild, das die falsche Behauptung stützen soll, ist ein Fake. 

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Es ist unklar, ob etwas in dem Tesla-Auto explodierte. (Symbolbild: Vladyslav Topyekha / Pixabay)

von Joana Splieth

Dominik Freymuth fuhr mit seinem Tesla-Elektroauto in Österreich gegen einen Baum, kurz darauf fing das Auto an zu brennen. Der Fahrer sagt, er habe Explosionen aus dem Auto heraus gehört. Diese sind allerdings nicht belegbar, da eine unabhängige Experteneinschätzung fehlt.

In einem Artikel der AfD-nahen Zeitung Deutschland-Kurier vom 18. November wird behauptet, dass ein Tesla-Elektroauto explodiert sei. Die Überschrift des Artikels lautet: „Tesla-Explosion: Schrotthändler verweigern Abnahme des giftigen Wracks“. Laut dem Analyse-Tool Crowdtangle wurde er mehr als 2.300 Mal über Facebook geteilt. 

Im Text geht es um einen Unfall mit einem Tesla-Elektroauto am 4. Oktober 2019 zwischen Kössen und Walchsee in Österreich. Es wird behauptet, dass das Auto dabei explodiert sei. Danach habe es drei Tage lang in einem Wassercontainer liegen müssen, damit sich die Lithium-Ionen-Batterie nicht permanent neu entzünde. Schrotthändler hätten sich zudem geweigert, das Wrack zu entsorgen, da sie giftige Substanzen vermuteten. Als Quelle ist ein Artikel des Österreichischen Rundfunks (ORF) vom 13. November 2019 angegeben. 

Nach unserer Recherche lässt sich weder belegen noch verneinen, ob etwas an dem Auto explodiert ist. Es brannte jedoch in der Tat größtenteils aus und wurde von der Feuerwehr drei Tage in einen Wassercontainer gelegt. 

Der Artikel im Deutschland-Kurier wurde mehr als 2.300 Mal über Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Besitzer des Autos sagt, er habe drei Explosionen gehört

Der Besitzer des Autos, Dominik Freymuth, berichtete CORRECTIV auf Anfrage per E-Mail, dass er am 4. Oktober 2019 um ca. 9:45 Uhr mit ungefähr 60 Kilometern pro Stunde gegen einen Baum gefahren sei. Ein anderer Autofahrer habe ihm nach dem Unfall aus dem Fahrersitz geholfen. Kurz danach habe es die erste Explosion gegeben. Zu dem Zeitpunkt wären sie noch am Auto gewesen, das sich danach sehr schnell mit Rauch gefüllt und angefangen habe, zu brennen. Bis der Rettungshubschrauber angekommen sei, habe es zwei weitere, schwächere Explosionen gegeben, sagte Freymuth. 

In mehreren Medienberichten wurde anschließend vermutet, dass die Batterie ausgebrannt oder explodiert sei und sich erneut entzünden könnte. Die Brandgefahr erachtet auch der Experte Wolfgang Sigloch, Pressesprecher für den Automobilteil der Prüfgesellschaft Dekra, als plausibel, wie er CORRECTIV per E-Mail schrieb. 

Der Elektroauto-Experte Wolfgang Sigloch von der Dekra erklärte uns in einer Mail, dass Antriebsbatterien von Elektroautos in der Lage sind, sich wiederholt zu entzünden, auch wenn sie bereits gelöscht wurden. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Auto sei später gelöscht worden und in einem Wassercontainer der Freiwilligen Feuerwehr Schwaz für drei Tage zwischengelagert worden, bestätigte uns die Feuerwehr am Telefon. Das sei eine gängige Praxis im Umgang mit verunglückten Elektroautos. Die Behauptung, dass der Tesla in einem Wassercontainer liegen musste, stimmt also. 

Ein Unfall mit langem Entsorgungsmarathon

Daraufhin lag das Autowrack mehrere Wochen in einer KFZ-Werkstatt in Walchsee, wie uns deren Betreiber Georg Greiderer per E-Mail bestätigte. In seiner Werkstatt habe der Tesla von Mitte Oktober bis Ende November 2019 auf eine ordentliche Entsorgung gewartet. Lokale Entsorgungsunternehmen wie die Freudenthaler GmbH wollten das Wrack nicht entsorgen – Ingeborg Freudenthaler erklärte uns die Entscheidung der Firma in einer E-Mail damit, dass „das Gefahrenpotential für uns nicht abschätzbar war“.

Freymuth sagte uns, dass am 20. November 2019 drei Tesla-Mitarbeiter zu der Werkstatt in Walchsee gekommen seien, um die Batterie aus der Karosserie zu trennen. Sie hätten allerdings keine Genehmigung gehabt, die Batterie vor Ort zu öffnen, weshalb Freymuth sie nach eigener Aussage nur oberflächlich betrachten konnte. Einen Tag später sei die Antriebsbatterie in einer Spezialbox zu der Recyclingfirma SEDA gefahren worden. Das restliche Wrack sei von dem Recyclingunternehmen Mensch Umwelt Technik – Entsorgung GmbH abgeholt worden. 

Das Wrack ohne Batterie wird von der Firma Mensch Umwelt Technik abgeholt. (Foto: Dominik Freymuth)

Entsorgungsfirma vereinbart Stillschweigen mit Tesla

Die Firma SEDA hat laut einer Pressemitteilung vom 21. November mit Tesla „Stillschweigen über das weitere Vorgehen vereinbart“. Die Batterie wurde dem Unternehmen demnach zu „Forschungs- und Entwicklungszwecken“ übergeben. Falls es also ein Untersuchungsergebnis gibt, ob die Lithium-Ionen-Batterie tatsächlich explodiert oder verbrannt sein könnte, wird es wohl keine öffentliche Erklärung dazu geben.

Die Firma SEDA vereinbarte mit Tesla Stillschweigen über den Untersuchungsprozess der Antriebsbatterie. (Screenshot: CORRECTIV)

Experten können nur Vermutungen anstellen

Wir baten die Experten Dr. Matthias Dürr vom Kompetenzzentrum für Elektromobilität NRW und Wolfgang Sigloch von der Dekra um ihre Meinung. Beide erklärten uns, dass sie sich zu dem Autounfall von Dominik Freymuth nicht äußern könnten, da eine Ferndiagnose nicht möglich sei.

Es sei schwierig, zu sagen, was als erstes gebrannt habe, meinte Sigloch. Bei einer Batterieentzündung müssten viele Szenarien in Erwägung gezogen werden: „Zündung innerhalb des Batteriegehäuses durch Zelldefekt, Defekt im Batteriemanagementsystem, Probleme bei der Verarbeitung […], äußere Krafteinwirkung […], Zündung durch äußere Beflammung des Batteriegehäuses […], mechanischer Defekt […]“ und so weiter. 

Er erklärte uns, dass es sich hier um einen Unfallfolgebrand handele, bei dem meistens kein genaues Gutachten über die Brandursache erstellt werde, „da sich eine Brandentstehung eindeutig mit dem Unfallereignis erklären lässt“.

Wolfgang Sigloch kann uns in seiner E-Mail nur generelle Fragen beantworten, da er keine Ferndiagnose zu diesem Fall stellen möchte. (Screenshot: CORRECTIV)

Tesla bestreitet eine Explosion der Batterie

Tesla teilte uns mit, dass weder das Auto noch die Batterie explodiert seien, da der sichtbare Schaden der Antriebsbatterie minimal gewesen sei.

Dominik Freymuth sagte uns, dass er nach dem Unfall nie etwas von Tesla über die mögliche Brand- oder Explosionsursache erfahren habe. Tesla habe ihm lediglich telefonisch ungefähr Folgendes mitgeteilt: „Weil das Auto tagelang im Wasser lag, lässt sich der Brand wahrscheinlich nicht mehr rekonstruieren.“

Ein Foto soll beweisen, dass die Batterie nicht gebrannt hat

Wir werden von Tesla auf zwei Artikel (OE24 und T3N) von Ende November verwiesen. In beiden wird behauptet, dass ein Experte bestätigt habe, dass die Batterie nicht verbrannt oder explodiert sei. Der Name des Experten wird nicht genannt. Stattdessen verweisen die Texte auf ein Foto der Batterie, nachdem sie aus dem Wrack entfernt wurde. Das Foto stammt von einem Artikel der österreichischen Webseite Auto und Wirtschaft. Er ist hinter einer Paywall verborgen, das Foto ist darin aber trotzdem zu sehen.

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Es wurde von Georg Greiderer von der Autowerkstatt in Walchsee aufgenommen. Er und Dominik Freymuth bestätigen uns per E-Mail, dass das Bild tatsächlich von dem besagten Fahrzeug stammt. 

Obwohl die Batterie auf dem Foto relativ intakt aussieht, können wir die Behauptung, sie sei explodiert oder habe gebrannt, weder bestätigen noch negieren. 

Auf der Seite von Auto und Wirtschaft lässt sich ein Foto von Georg Greiderer finden, auf dem die Autobatterie zu sehen ist, nachdem sie aus dem Wrack herausgetrennt wurde. (Screenshot: CORRECTIV, Foto: Georg Greiderer)

Generelle Auskünfte zur Sicherheit von Elektroautos

„Testergebnisse und Praxiserfahrungen mit Elektrofahrzeugen zeigen, dass keine größeren Gefahren bei Elektroautos auftreten als bei konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor“, schrieb uns Wolfgang Sigloch. Bevor Elektrofahrzeuge in Europa zugelassen werden würden, müssten sie eine Reihe von Tests durchlaufen, die eine Explosionsgefahr ausschließen könnten. Die Explosion eines kompletten Elektroautos sei ebenso wenig möglich wie die eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.

Wolfgang Sigloch erklärt, warum Elektroautos in der Regel nicht explodieren (Screenshot: CORRECTIV).

Matthias Dürr vom Kompetenzzentrum für Elektromobilität NRW erklärte uns zudem: „Es ist jedoch auch Tatsache, dass Rettungskräfte, wie Feuerwehren, noch wenig Erfahrung mit verunfallten Elektroautos und insbesondere mit beschädigten oder brennenden Batterien haben. Hier ist es notwendig, dass entsprechende Handlungsempfehlungen ausgearbeitet werden und entsprechendes Lösch- und Bergungsmaterial den Feuerwehren zur Verfügung gestellt wird.“

Tesla hat deswegen Informationen für Rettungskräfte herausgegeben, um diese besser zu schulen. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es ist nicht belegbar, ob es eine Explosion am Elektroauto von Dominik Freymuth gab, und falls ja, was die Ursache gewesen sein könnte.  

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In Impfungen können sich manchmal auch Spuren verschiedener Stoffe aus dem Herstellungsprozess finden. Symbolbild (Steve Buissinne / Pixabay).

von Joana Splieth

Anders als in einem Artikel behauptet, sind Zellen von abgetriebenen Föten und Affen oder Glyphosat nicht Inhaltsstoffe von Impfungen. Es ist richtig, dass Spuren der drei Stoffe darin vorkommen können – in sehr geringen Mengen, die nicht schädlich sind.

Am 28. November 2019 veröffentlichte die Webseite GM-Gesund-Magazin einen Artikel zu verschiedenen Inhaltsstoffen in Impfungen mit der Überschrift: „Bestätigt !! – Glyphosat und Nierenzellen von Affen in Impfstoffen“. Darin wurde behauptet, dass Nierenzellen von afrikanischen Grünen Meerkatzen (einer Affenart) und Zellen von abgetriebenen menschlichen Föten Inhaltsstoffe von Impfungen seien und auch Glyphosat (ein umstrittenes Unkraut-Bekämpfungsmittel) in Spuren darin zu finden sei.

Als Quelle nennt GM-Gesund-Magazin Artikel der Seiten Netzfrauen und Natural News von 2017. Alle verweisen auf ein Dokument des Center for Disease Control and Prevention (CDC), einer Gesundheitsbehörde der USA. Es dient als Hauptbeleg der Behauptungen. Zusammengenommen wurden die drei Texte laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 2.000 Mal geteilt. 

Nach unserer Recherche sind weder Zellen von Affen noch von abgetriebenen Föten oder Glyphosat Inhaltsstoffe von Impfungen. Der Artikel führt hier in die Irre. Was stimmt, ist, dass Impfungen sehr geringe Spuren dieser Stoffe aufweisen können. Sie stammen aus der Umwelt oder dem Herstellungsprozess.

Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde der Artikel des GM-Gesund-Magazins mehr als 300 Mal geteilt (Screenshot: CORRECTIV).

Warum werden Zellen von Lebewesen für die Herstellung von Impfstoffen verwendet?

Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen“, erklärt die Webseite impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Viren müssten für den Impfstoff allerdings zuerst gezüchtet werden. Das Bundesumweltamt erläutert auf seiner Webseite, dass sich Viren nur mithilfe von lebenden Zellen vermehren könnten und man daher für die Vermehrung geeignete Wirtszellen benötige.

Zellen von abgetriebenen Föten sind kein Inhaltsbestandteil von Impfstoffen 

Die Presseabteilung des Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe, erklärt uns in einer E-Mail, dass es „tatsächlich einige Virus-Impfstoffe [gibt], bei denen für die Vermehrung der Viren, Zell Linien (!) aus fötalen Zellen verwendet werden.“ 

Es gebe Zelllinien, die auf Zellen zweier abgetriebener Föten aus den Jahren 1961 (Zelllinie WI-38) und 1966 (Zelllinie MRC-5) zurückgehen. „Der Begriff ‘Zelllinie’ bedeutet, dass diese Linie einmalig angelegt wurde und seitdem kontinuierlich vermehrt und eingefroren wird. Es ist also nicht so, dass immer wieder neue Föten benötigt werden, um Impfstoffe produzieren zu können“, schreibt uns die Pressesprecherin Frau Dr. Susanne Stöcker des PEI. Weiter heißt es: „Für die Herstellung von Impfstoffen wird kein Gewebe von erneut abgetriebenen Föten eingesetzt.“ Die Föten seien zudem nicht deshalb abgetrieben worden, um Ihnen Gewebe für die Zelllinien zu entnehmen.

„Die Föten wurden jedoch nicht abgetrieben, um als Ausgangsmaterial für die Etablierung der Zellkulturen zu dienen“ erklärt uns das Paul-Ehrlich-Institut (Screenshot: CORRECTIV).

Für den Impfstoff werden die Viren laut Paul-Ehrlich-Institut gereinigt und Reste der Zellkultur entfernt. Sie könnten allerdings unter Umständen als Spuren in den Impfstoff gelangen. Diese Reste der Zelllinien-Kulturen seien allerdings keine Inhaltsstoffe, da sie nicht „bewusst zugefügt“ würden, erklärt uns das Paul-Ehrlich-Institut. Sie seien Hilfsstoffe bei der Herstellung der Inhaltsstoffe.

Auch dem Dokument des Center for Disease Control, der Hauptquelle der Texte, lässt sich entnehmen, dass es sich bei vielen der angegebenen Stoffe um Hilfsstoffe handelt: „Diese Tabelle beinhaltet nicht nur Impfinhaltsstoffe […], sondern auch Substanzen aus dem Herstellungsprozess, […] die aus dem finalen Produkt entfernt werden und nur in Spurenmengen vorhanden sein können.Das Dokument belegt also nicht, dass abgetriebene Föten Inhaltsstoffe von Impfungen sind, wie der Text des GM-Gesund-Magazins behauptet. 

Im Dokument des Center of Disease Control von 2017 findet sich der Hinweis, dass manche Stoffe nur Hilfsstoffe sind und aus dem Endprodukt entfernt werden (Screenshot: CORRECTIV).

Auch Zellen von Grünen Meerkatzen sind nicht Inhalt von Impfstoffen

Der Artikel des GM-Gesund-Magazins behauptet außerdem, dass sich Nierenzellen aus afrikanischen Grünen Meerkatzen, einer Affenart, im Impfstoff der Impfung ACAM2000 (einer Pockenimpfung) befinden würden. 

Es handele sich auch hier, wie bereits bei den „Zellen von abgetriebenen Föten“ nicht um Inhaltsstoffe der Impfung, sondern um Hilfsstoffe bei der Herstellung der Impfung, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut. Auch hier würden keine Affen permanent für neue Impfungen umgebracht werden. Es gehe um die Zelllinie zurückgehend auf Nierenzellen von grünen Meerkatzen (Verozellen genannt). Auch hier führt das GM-Gesund-Magazin also in die Irre. 

Das Paul-Ehrlich-Institut nimmt Stellung zu der Behauptung, dass Zellen von Affen Inhaltsstoffe von Impfungen wären (Screenshot: CORRECTIV).

Verwendung der Zelllinien für Impfungen in Deutschland?

In dem Text des GM-Gesund-Magazins ist angegeben, dass die Zellen (also eigentlich Zelllinien), die auf Grüne Meerkatzen und abgetriebene Föten zurückgehen, für die Impfstoffe gegen Pocken (ACAM2000) und den Adenovirus verwendet würden. 

Gegen Pocken werde allerdings nicht mehr geimpft, seit die Weltgesundheitsorganisation Pocken für ausgestorben erklärt habe, so das Paul-Ehrlich-Institut in der E-Mail an uns. Der spezielle ACAM2000-Pockenimpfstoff, der in der Zelllinie der Grünen Meerkatze vorbereitet wird, ist nur für Personen gedacht, die in einem geschützten Labor mit Erregern in Kontakt kommen könnten, wie man einem Artikel des Center for Disease Control von 2016 entnehmen kann. Der Impfstoff ist zudem nicht in Europa zugelassen, wo ein anderer Impfstoff gegen Pocken namens Imvanex in Ausnahmefällen verwendet wird. 

Auch gegen Adenoviren gebe es in Europa keinen Impfstoff, so das Paul-Ehrlich-Institut. Die beiden Impfstoffe, die im Artikel genannt werden, sind also in Deutschland nicht in Verwendung. 

Die Screenshots aus dem Dokument des CDC, die als Beweis für die Behauptung des Artikels dienen sollen, beziehen sich auf Impfungen gegen den Adenovirus und Pocken (Screenshot: CORRECTIV).

Auf Anfrage beim Paul-Ehrlich-Institut, erklärt man uns allerdings, dass in Europa teilweise andere Virenarten mit den Zelllinien aus den abgetriebenen Föten gezüchtet werden. 

Beispielsweise werden nach Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde Rötelnviren für einen Impfstoff gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken in „humanen diploiden Zellen“ der Zelllinie WI-38 gezüchtet. Ein weiteres Beispiel für die Nutzung von Zelllinien in der Herstellung eines in Europa zugelassenen Impfstoffs ist die Impfung Hexyon gegen Kinderlähmung. Für sie werden Verozellen verwendet (Seite 2). 

Glyphosat kann in winzigen Mengen Impfstoffen vorhanden sein

Das Paul-Ehrlich-Institut bestätigt in seiner Stellungnahme CORRECTIV gegenüber, dass Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat in Impfstoffen vorhanden sein können: „Die für die Impfstoffe gemessenen Konzentrationen sind sehr gering (im Bereich ppb = Teile pro Milliarde) und nur mit extrem empfindlichen Messverfahren nachweisbar. Da sich Glyphosat in der Umwelt befindet, lassen sich etwaige Glyphosatspuren damit erklären.“ 

Die Angaben im GM-Gesund-Magazin-Artikel zu den Werten von Glyphosat in Impfungen beziehen sich auf eine Studie von Moms Across America, einer Organisation, die sich gegen Impfungen und genveränderte Pflanzen einsetzt. In dieser Studie beträgt der höchste gemessene Wert von Glyphosat in einer Impfung 0,325 ppm (Anteil pro Milliarden). Bei der Impfung handelte es sich um eine Pneumokokken-Impfung (Pneumovax 23). 

Auf der Webseite des Bundesinstituts für Risikobewertung kann man Angaben zur akuten Referenzdosis für Glyphosat finden. Dieser Wert legt die höchste Dosis fest, die aufgenommen werden kann, ohne dass ein toxischer Effekt gemessen wird. Er wird von der EU festgelegt und beträgt 0,5 mg/kg Glyphosat pro Tag. Da 0,325 ppb (0,000325 mg/kg) deutlich weniger als 0,5 mg/kg sind, ist selbst die höchste gemessene Menge von Spuren an Glyphosat in einer Impfung laut den Behörden unbedenklich. Auf der Webseite des Bundesamts für Risikobewertung kann man weitere Informationen zur gesundheitlichen Einschätzung von Glyphosat finden.

Es stimmt also, dass Glyphosat in manchen Impfungen nachweisbar ist, allerdings ist dies nicht schädlich für den Menschen.

Generell sagt das Paul-Ehrlich-Institut zur Unverträglichkeit von Impfungen und allen in ihnen vorkommenden Stoffen: „Schwerwiegende Reaktionen stellen nach allen verfügbaren Daten eine absolute Ausnahme dar. Krankheiten dagegen führen häufig zu sehr schweren Komplikationen […].“

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Zellen von abgetriebenen Föten und Affen oder Glyphosat sind keine Inhaltsstoffe von Impfungen. Spuren können enthalten sein, sie sind aber nicht schädlich. 

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Bürger müssen nicht mit ihrem privaten Kapital für die Bankenrettung haften. Spareinlagen von über 100.000 Euro können allerdings betroffen sein. Symbolbild (Gerd Altmann / Pixabay).

von Joana Splieth

Ein Artikel behauptet, dass ein Gesetz die „komplette Enteignung“ der Bürger festlege. Das ist falsch. Tatsächlich ist es möglich, dass Privatkunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro für die Rettung einer Bank haften. Juristisch ist dies allerdings keine Enteignung. Auch betrifft das nicht Kapital, das außerhalb der Bank liegt.

Am 14. November 2019 veröffentlichte die Redaktion der Webseite Politaia, die nach eigenen Angaben auch über „Verschwörungstheorien“ berichtet, einen Artikel mit der Überschrift: „Komplette Enteignung der Bürger bereits per Gesetz festgelegt“. 

Der Text bezieht sich auf das Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Instituten und Finanzgruppen (Sanierungs- und Abwicklungsgesetz – SAG), das seit 2014 die Sanierung von Banken regelt. Eines der darin verankerten Instrumente zur Sanierung von Banken kann auch Konten von Privatpersonen betreffen.

Als Quelle nennt Politaia Dr. jur. Wolfgang Phillipp, einen Anwalt aus Mannheim, der ein Buch über die „Bankenrettung“ geschrieben hat. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde der Artikel von Politaia mehr als 700 Mal auf Facebook geteilt. 

Unsere Recherche zeigt: Die Überschrift des Textes ist irreführend, die „komplette Enteignung“ von Bürgern ist nicht gesetzlich festgelegt. Allerdings kann das Geld von Bankeinlagen mit mehr als 100.000 Euro dennoch, um die Bank im Krisenfall zu retten, eingezogen werden.

Was ist das SAG?

Das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz, das am 10. Dezember 2014 verabschiedet wurde, kommt zur Anwendung falls sich die Finanzlage einer Bank „wesentlich verschlechtert“, dies zu einem „Krisenfall“ führen könnte (§ 12 SAG) und ein normales Insolvenzverfahren nicht zu einem gleich guten Ergebnis kommen würde (§ 62 Absatz 2 SAG). 

Allerdings gilt das Gesetz nicht für alle Banken. Vor allem Kreditinstitute und Finanzgruppen, die als „systemrelevant“ bewertet werden, über ein Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro verfügen oder deren Gesamtvermögen 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigt, sind vom Gesetz betroffen (§ 20 SAG).

Ob eine Bank zu den „systemrelevanten“ gehört, entscheiden die Bankenaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank (§20 SAG).

Einlagen privater Bankkunden von über 100.000 Euro können im schlimmsten Fall konfisziert werden

Auf der Webseite der BaFin ist eine Auflistung der möglichen „Sanierungs- und Abwicklungsinstrumente“ des SAG für Banken zu finden. Diese Instrumente würden angewendet, falls ein Kreditinstitut oder eine Finanzgruppe gefährdet sei und zum Beispiel die „Finanzstabilität“ zu verlieren drohe. 

Laut diesen Informationen können „Einlagen von Privatpersonen, Kleinstunternehmen und kleinen und mittelständigen Unternehmen“, die über 100.000 Euro betragen „einschließlich Fest-, Termingelder und Sparguthaben“ während dieses Prozesses konfisziert werden – allerdings als letzte von sieben Möglichkeiten. Privateigentum außerhalb der Bank bleibt unangetastet. 

Vorher wird unter anderem auf Aktien, Anteile an GmbH, KG oder Genossenschaften, Darlehen oder „unbesicherte unbefristete nachrangige Schuldverschreibungen“ (das sind Anleihen beziehungsweise Wertpapiere) zugegriffen. Dieses Kapital wird „herabgeschrieben“ oder umgewandelt, zum Beispiel in Aktien (Seite 9). 

Von der BaFin erfahren wir per E-Mail, dass „eine Herabschreibung [der Kontoeinlagen] auf Null in der Praxis wohl kaum vorkommen dürfte“. Laut § 99 SAG ist eine komplette Herabschreibung auf Null allerdings möglich.

In einer E-Mail bestätigt uns die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, dass auch Privatkunden mit Einlagen von über 100.000 Euro betroffen sein können (Screenshot: CORRECTIV).

Betroffenen Personen steht eine Entschädigung zu

Sollte ein Kunde durch den ganzen Prozess mehr Geld verlieren als in einem regulären Insolvenzverfahren, steht ihm die Differenz als Entschädigung zu (§ 147 SAG).

In einer Tabelle auf der Webseite der BaFin werden außerdem die Instrumente aufgezählt, die im SAG ausgeschlossen sind. So gibt es auch für Privatpersonen mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro ein paar Fälle, bei denen sie nicht betroffen sind: Gedeckte Einlagen oder Anleihen wie Pfandbriefe, die als krisenbewährte Anlagemöglichkeiten gelten, bleiben unter anderem sicher.

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Juristisch handelt es sich nicht um eine Enteignung

In Artikel 14 Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es: „Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt.“ 

Die BaFin schrieb uns dazu, dass es sich beim SAG nicht um eine „Enteignung“ im Sinne des Grundgesetzes handele, sondern um eine „intensiv eingreifende Inhaltsbestimmung“. Das Gesetz diene nicht dazu „das Vermögen des Staates oder eines anderen Enteignungsbegünstigten zu mehren, sondern vielmehr der Abwehr einer Gefahr“, durch ein „bestandsgefährdendes Institut“. 

In einer Stellungnahme erläutert und die BaFin per E-Mail, warum es sich bei dem SAG nicht um eine Enteignung handelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Prof. Dr. Joachim Wieland, Experte für öffentliches Wirtschaftsrecht und Verfassungsrecht, schrieb CORRECTIV dazu per E-Mail: „Würde eine Bank insolvent, verlieren deren Kunden regelmäßig praktisch alle Gelder, die sie der Bank anvertraut haben. Das SAG stellt sicher, dass die Kunden möglichst wenig finanzielle Schäden erleiden und besser dastehen als bei einer Insolvenz der betroffenen Bank.“

Weiterhin bestätigt er, dass es sich dabei im juristischen Sinne nicht um eine Enteignung handelt: „Da der Staat den Bankkunden ihre Forderungen nicht entzieht, handelt es sich nicht um eine Enteignung im Sinne von Art. 14 Abs. 3 GG.“ Vielmehr handele es sich beim SAG um Artikel 14 Absatz 1, der die Garantie von Eigentum regelt – nicht die Enteignung.

Das Bundesfinanzministerium erklärt uns zudem in einer E-Mail, dass das SAG vor allem darauf ausgelegt sei Bürger zu entlasten und sie nicht mit ihren Steuerzahlungen haften zu lassen: „Das Geld der Bürger (Steuerzahler) soll nicht für Bankenrettungen ausgegeben werden.“ Vielmehr würden vor allem Anteilshaber, Aktionäre und Gläubiger vorrangig die Verluste tragen.

Das SAG legt also, anders als von Politaia behauptet, nicht die „komplette Enteignung“ von Bürgern fest. Die Überschrift des Artikels von Politaia ist daher irreführend.

Prof. Dr. Joachim Wieland erklärt in seiner E-Mail, dass eine Enteignung im Sinne des Grundgesetzes Artikel 14 Absatz 3 nicht stattfindet (Screenshot: CORRECTIV).

Was verbirgt sich hinter der Verschwiegenheitsklausel des SAG? 

In den Artikeln von Politaia, wird das Gesetz als verschwörerisch dargestellt: „Vor leerem Plenum“ sei es zu „später Stunde verabschiedet worden“. Es sei sogar im Gesetz festgelegt, dass alle Funktionsträger über das Verfahren „Stillschweigen zu wahren“ hätten.

Tatsächlich gibt es diese Verschwiegenheitsklausel im Gesetz. Sie schreibt Personen in Behörden, die mit dem Abwicklungsprozess der Bank zu tun haben, vor, keine Informationen dazu unbefugt zu veröffentlichen oder verwerten. 

Im § 5 lassen sich detaillierte Informationen über die „Verschwiegenheitspflicht“ des „Gesetzes zur Sanierung und Abwicklung von Instituten und Finanzgruppen“ finden (Screenshot: CORRECTIV).

Die BaFin erklärt uns dazu: „Die Verschwiegenheitspflicht nach § 5 SAG bezieht sich auf vertrauliche Informationen. Hierzu gehören z. B. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von Kreditinstituten oder Dritten. Auch Informationen, deren Schutz im öffentlichen Interesse liegt, z. B. weil ihr Bekanntwerden nachteilige Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität haben kann, unterliegen der Verschwiegenheitspflicht“.

Solche Klauseln seien keine Besonderheit des SAG, sondern würden ähnlich für alle Behörden gelten. Sie dienten dem Schutz der Unternehmen und Bürger.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Überschrift suggeriert die „komplette Enteignung“ von Bürgern per Gesetz. Eine solche findet nicht statt. Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro können allerdings mit diesem Geld für die Rettung der Bank haften. Kapital außerhalb der Bank ist nicht betroffen.

Titelbild
Ein Artikel behauptet, dass die Straftaten von 600.000 Flüchtlingen verheimlicht worden wären (Screenshot: CORRECTIV).

von Joana Splieth

Ein Artikel berichtet über eine „gigantische Statistikmanipulation“. Das BKA soll „die Straftaten von 600.000 Flüchtlingen vertuscht“ haben. Dafür lassen sich allerdings keine Belege finden.

Stefan Schubert, ein nach eigenen Angaben ehemaliger Polizist und Hooligan, veröffentlichte einen Artikel zu einer vermeintlichen Vertuschung von Straftaten im Kontext von Zuwanderung durch das Bundeskriminalamt und die Regierung. Darin behauptet er, dass die Straftaten von „mehr als 600.000 Flüchtlingen“ im „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ vertuscht wurden. 

Erschienen ist der Artikel am 27. September 2017 auf der Webseite Rettung für Deutschland, einer rechten Partei „in Gründung“. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurde er mehr als 31.000 Mal auf Facebook geteilt. 

Die Zahlen sind offiziellen Berichten und Dokumenten des Bundeskriminalamts (BKA) entnommen: Als Hauptquellen sind die „Drucksache 18/11032“ des Bundestages und der „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ angegeben.

Das Analysetool Crowdtangle registriert, dass der Artikel mehr als 31.000 über Facebook geteilt wurde (Screenshot: CORRECTIV).

Wie kommt Schubert auf 600.000 Flüchtlinge?

Schubert wollte nach eigenen Angaben die Zahl hinter der Kategorie „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ des BKA recherchieren, da das Amt die Kriminalfälle dieser Kategorie nicht im „Bundeslagebericht zu Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ erfasste. Er fragte daher nach eigener Angabe beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach, wo er Zahlen zu in Deutschland lebenden Asyl- und Schutzberechtigten finden könnte. 

Das BAMF verwies ihn angeblich auf die „Drucksache 18/11388“, eine Kleine Anfrage der Linken, der er die Zahlen für seine Behauptung entnahm. Auf der Grundlage dieses Dokuments berechnete er nach eigenen Angaben, dass am 31. Dezember 2016 „602.623“ Asylberechtigte und Personen mit Flüchtlingsschutz in Deutschland lebten.

Wir kontaktierten das BAMF und fragten einerseits nach, ob Schubert überhaupt eine Anfrage an das Amt gestellt hatte und andererseits, wo die Zahlen der Kategorie „International/national Schutzberechtige und Asylberechtigte“ zu finden wären. Zur ersten Frage äußerte sich das BAMF nicht, für die zweite verwies es uns an das Bundeskriminalamt (BKA). 

Als wir uns daraufhin an das BKA wendeten, äußerte sich die Pressestelle nicht zu der Zahl von rund 600.000 Flüchtlingen, die unter die Kategorie „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ fallen könnten. Auch bekamen wir keine Aussage darüber, ob ihnen diese Zahl zum Zeitpunkt der Erhebung bekannt war.

Die kleine Anfrage der Linken hatte zum Ziel, „zum Stand 31. Dezember 2016 wieder ein halbwegs realistisches Bild über die Zahl der insgesamt in Deutschland lebenden Flüchtlinge“ zu erhalten. Wir summierten die Zahlen aus der Kleinen Anfrage daher selbst und kamen zum Schluss, dass zumindest Schuberts Berechnung stimmt: 602.613 Asylberechtigte und Personen mit Flüchtlingsschutz „lebten zum 31. Dezember 2016 in der Bundesrepublik Deutschland”. Das ergibt sich aus den folgenden Zahlen: Es gab 39.783 Asylberechtigte (Seite 2), 452.023 Personen besaßen Flüchtlingsschutz (Seite 4), 37.301 waren Personen mit Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 3 AufenthG (Abschiebungsverbot – Seite 6) und 73.506 waren Personen mit Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 2 (subsidiärer Schutz) AufenthG (Seite 6).

Es ist nicht klar, ob die Definition vom BKA „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ mit der Definition des BAMF „Asylberechtigte“ und „Personen mit Flüchtlingsschutz“ übereinstimmt. Richtig ist, dass Personen aus der Kategorie „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ nicht mit in den „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ des BKA aufgenommen wurden – wie viele genau dies allerdings sind, bleibt unklar.

Hat das BKA die Straftaten dieser 600.000 Flüchtlinge „vertuscht“?

Schubert behauptete zudem, dass eine „gigantische Statistikmanipulation“ vorliegen würde, da „Straftaten von 600.000 Flüchtlingen“ „vertuscht“ worden wären. Nach eigener Angabe habe das BKA sich ihm gegenüber nicht geäußert, ob die von ihm berechnete Zahl von 600.000 stimme oder sie dem BKA zum Zeitpunkt der Erhebung bekannt war. 

CORRECTIV gegenüber erklärte die Pressestelle des BKA per E-Mail, dass es sich nicht um eine „Manipulation“ handele: „Diese Aussage aus seinem Artikel, die übrigens bereits 2017 veröffentlicht wurde, ist falsch.“. Sie machte uns zudem auf die Vorbemerkung des „Bundeslageberichts Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ aufmerksam, in der die „klar definierten Rahmenbedingungen/Einschränkungen“ zu finden seien. 

In einer E-Mail an CORRECTIV erklärt die Pressestelle des BKA, dass der Vorwurf der Manipulation durch Schubert falsch sei (Screenshot: CORRECTIV).

Dort findet sich tatsächlich ein deutlicher Hinweis, dass die Kategorie „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ nicht mit aufgenommen werden konnte, da Tatverdächtige dieser Kategorie „unter dem Sammelbegriff ‘sonstiger erlaubter Aufenthalt’ erfasst“ worden waren. Sie konnten nicht in den Bericht einfließen, „da ihr Anteil an dieser Kategorie“ („sonstiger erlaubter Aufenthalt“) nicht beziffert werden konnte (Seite 2).

Der BKA-Bericht von 2016 hebt in den Vorbemerkungen zudem hervor: „Deshalb lassen sich keine belastbaren Aussagen zur Kriminalitätsbelastung der Gruppe der Zuwanderer treffen, insbesondere nicht im Verhältnis zur Kriminalitätsbelastung der deutschen Wohnbevölkerung“ (Seite 2).

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Auch im Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2016, die als Grundlage für den Bundeslagebericht diente, heißt es: „Die PKS bietet somit kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität“ (Seite 6).

Stefan Schubert ignorierte die Hinweise, dass der Bericht gar nicht den Anspruch erhebt, „belastbare Aussagen“ zu geben, obwohl er im Artikel sogar schreibt, dass er vom BKA darauf aufmerksam gemacht wurde. 

Daher ist es irreführend, von einer „gigantischen Statistikmanipulation“, „Betrug“ oder „Manipulation“ zu sprechen.

In der Vorbemerkung des „Bundeslageberichts Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“, finden sich deutliche Erklärungen zum Fall. (Screenshot: CORRECTIV)

Es ist unklar, wie viele Straftaten von den 600.000 Flüchtlingen verübt wurden

Die berechneten rund 600.000 Flüchtlinge, die nicht im Bericht des BKA auftauchen, sind zudem nicht automatisch 600.000 Straftäter, wie von Schubert suggeriert wird. Es lässt sich keine verlässliche Aussage darüber treffen, wie viele Straftaten aus dieser Gruppe von Personen hervorgingen. 

Aus dem Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 gehen nur die Straftaten der gesamten Kategorie „sonstiger erlaubter Aufenthalt“ hervor. 

Daraus lässt sich aber keine Aussage zu den Straftaten durch „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ treffen, da unter die Kategorie „sonstiger erlaubter Aufenthalt“ auch alle anderen nichtdeutschen Tatverdächtigen, die sich erlaubt in Deutschland aufhalten, zusammengefasst werden. 

Mit inbegriffen sind also unter anderem „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerbetreibende, Rentnerinnen und Rentner, Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten, Touristinnen und Touristen und Durchreisende“ (Seite 141). 2016 waren es rund 447.000 Straftaten (Seite 138) aus der gesamten Gruppe.

In einer E-Mail an CORRECTIV erklärt das BKA, dass ab 2017 „eine Anpassung der PKS-Erfassungskriterien“ erfolgte. Belastbare Zahlen zu Kriminalität aus der Gruppe der „International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten” finden sich daher erst ab 2017 im „Bundeslagebricht zu Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“.

Die Pressestelle des BKA erläutert gegenüber CORRECTIV in einer E-Mail, dass erst ab 2017 Tatverdächtige der Kategorie „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ mit in den Bericht einfließen (Screenshot: CORRECTIV).

 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es lassen sich keine Belege dafür finden, dass das BKA die Daten von 600.000 Flüchtlingen im „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2016“ „vertuscht“ hat.

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Ein Facebook-Beitrag verbreitet manipulative Behauptungen zu „sexuellen Übergriffen“ durch „Zuwanderer“ (Screenshot: CORRECTIV).

von Joana Splieth

Zahlen zu einem vermeintlich signifikanten Anstieg von „sexuellen Übergriffen“ durch „Zuwanderer“ in den letzten fünf Jahren kursieren derzeit auf Facebook. Die Zahlen sind jedoch nicht vergleichbar..

Ein Nutzer veröffentlichte am 31. Oktober 2019 einen Facebook-Beitrag, der bisher mehr als 1.000 Mal geteilt wurde. Er behauptet, dass sich „sexuelle Übergriffe“ durch „Zuwanderer“ von 2014 bis 2018 versechsfacht hätten. Betitelt ist der Beitrag mit der Überschrift „Vergewaltigungen durch Zuwanderer explodieren!“. 

Als eine der Quellen ist das Projekt „Womanstats“, eine Online-Datenbank zu weltweiten Zahlen über Frauen, angegeben.

Auf der Seite des Projekts „Womanstats“ lassen sich über den Code LRW-DATA-1 Angaben zu Fällen von sexueller Gewalt für spezifische Länder finden. Vergewaltigungen werden nicht separat aufgeführt (Screenshot: CORRECTIV).

Hier lassen sich allerdings nur ungefähre Angaben für Deutschland finden (etwa 12.000 bis 13.000 Fälle sexueller Gewalt jährlich). Diese beziehen sich auf alle der Polizei berichteten Fälle, unabhängig vom Kontext der Zuwanderung. Die Daten sollen auf Zahlen des Human Rights Report 2018 des US-Außenministeriums basieren.

Mit dem Report lassen sich diese Zahlen allerdings nicht bestätigen. Zudem stimmen sie nicht mit den Angaben im Facebook-Beitrag überein.

Die Angaben im Facebook-Beitrag stammen aus der zweiten Quelle: dem „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2018“ des Bundeskriminalamts. Der Bericht zählt tatsächlich 949 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ für das Jahr 2014 und 6.046 im Jahr 2018. Die verwendeten Zahlen sind allerdings nicht mit „sexuellen Übergriffen“ betitelt und zudem nicht sinnvoll miteinander zu vergleichen. 

Die Zahlen sind nicht vergleichbar aufgrund von Änderungen in Definitionen und Erhebungsmethode

CORRECTIV und der Volksverpetzer, eine Faktencheck-Webseite, haben dieses Jahr bereits einen ähnlichen Vergleich von Zahlen zu Kriminalität im Kontext von Zuwanderung untersucht. 

Die Zahlen gingen, wie auch beim aktuellen Facebook-Beitrag, aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor, die als Grundlage für die jährlichen „Bundeslageberichte Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ genutzt wird.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Zahlen von 2014 bis 2018 nicht vergleichbar sind, da es zwischenzeitlich Änderungen in begrifflichen Definitionen und der Erhebungsmethode gab.

Die Definition für „Zuwanderer“ änderte sich 2017

Im Facebook-Beitrag vom 31. Oktober wird die aktuelle Definition für „Zuwanderer“ benutzt, die allerdings erst seit 2017 verwendet wird (Seite 3). Unter den Begriff fallen seitdem Menschen mit folgenden Aufenthaltsstatus: „Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ oder „unerlaubter Aufenthalt“. 

Vor 2017 wurden „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ noch nicht mit einbezogen und waren somit nicht Teil der Erhebung. Ein direkter Vergleich ist laut Bundeskriminalamt daher nur „eingeschränkt“ möglich (Seite 4).

Ein Hinweis im „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2017“ erklärt die „eingeschränkte Vergleichbarkeit“ der Zahlen (Screenshot: CORRECTIV).

Auch die Erhebungsmethode der Zahlen hat sich verändert

Bis 2016 wurden „Zuwanderer“ nach dem „System zur Erstverteilung von Asylsuchenden auf die Länder (EASY)“ ermittelt. Ab 2017 wird jährlich eine „offizielle Asylgesuchstatistik“ erstellt. Der „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2017“ weist in einer Fußnote darauf hin: „Ein direkter Vergleich der Asylgesuchstatistik mit Zahlen aus EASY der Vorjahre ist daher nicht sinnvoll“ (Seite 2).

Im „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2017“ wird darauf hingewiesen, dass der direkte Vergleich zwischen Zahlen ab 2017 mit den Vorjahren „nicht sinnvoll“ ist (Screenshot: CORRECTIV).

Die Definition für „Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung“ änderte sich 2016

Ende 2016 fand außerdem eine Reform des Sexualstrafrechts statt statt. Seitdem werden auch „sexuelle Belästigung“ und „Straftaten aus Gruppen“ zu den „Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung“ gezählt (Seite 24). 

Daher kam es zwischen 2016 und 2017 auch im Kontext von Zuwanderung zu einer „deutlichen Zunahme“ an Straftaten in diesem Bereich. Im Bundeslagebericht von 2017 heißt es dazu: „Diese, auf den ersten Blick deutliche Zunahme der Straftaten gegenüber dem Jahr 2016 ist aufgrund der Reform des Sexualstrafrechts nicht aussagekräftig“ (Seite 24).

Der „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2017“ erklärt, dass der Vergleich „nicht aussagekräftig“ ist (Screenshot: CORRECTIV).

Irreführende Vergleiche im Bundeslagebericht 2018

Der „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2018“ missachtet allerdings den ursprünglichen Hinweis über die Aussagekräftigkeit von Vergleichen. In einem Balkendiagramm werden aufgeklärte Fälle von „Straftaten gegen die Sexuelle Selbstbestimmung im Kontext von Zuwanderung“ von 2013 bis 2018 miteinander verglichen– ohne, wie noch im Bericht 2017, auf die Probleme der Vergleichbarkeit hinzuweisen (Seite 20).

Die Zahlen im Facebook-Beitrag, die unter „sexuelle Übergriffe“ gefasst und mit „Vergewaltigungen“ betitelt wurden, sind diesem nicht aussagekräftigen Balkendiagramm aus dem „Bundeslagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2018“ entnommen (Seite 20). 

Sie wurden unter „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 2014-2018 (aufgeklärte Fälle)“ aufgelistet (Seite 20). Wir wiesen bereits darauf hin, dass in dieser Kategorie 2014 tatsächlich 949 und vier Jahre später 6.046 Straftaten gezählt wurden. Allerdings ist der Vergleich, wie die bisherige Recherche zeigt, nicht sinnvoll.

Die Anzahl von Vergewaltigungen kann man den Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung nicht entnehmen

Zudem sagen diese Zahlen nur bedingt etwas über die Anzahl von „Vergewaltigungen“ im Kontext von Zuwanderung aus: Unter „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ werden mehr als 20 verschiedene Straftaten gezählt –  darunter auch „Verbreitung Pornografischer Schriften“, „Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen“, „Exhibitionistische Handlungen“ und „Vergewaltigung“.

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Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind erst seit 2017 vergleichbar

Sinnvoll vergleichbar sind nur die Zahlen von 2017 und 2018 aus der PKS, die nach den verschiedenen Änderungen der Erhebungsmethode und der Definitionen erfasst wurden. 

Von 2017 auf 2018 sind die Zahlen zu „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer“ prozentual leicht gesunken. Ihr Anteil an den gesamten Straftaten in diesem Kontext in Deutschland ging von 11,9 Prozent auf 11,8 Prozent zurück. Zahlenmäßig stiegen sie von 5.285 in 2017 auf 6.046 in 2018 (Seite 20).

Nur die Zahlen von 2017 und 2018 sind sinnvoll miteinander zu vergleichen. Daher hat CORRECTIV die Jahre von 2014 bis 2016 in diesem Screenshot herausgenommen (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV).

Aber auch diese Ergebnisse für 2017 und 2018 lassen sich schlecht mit weiteren Zahlen aus anderen BKA-Berichten vergleichen.. Das Bundeskriminalamt verwendet dafür meist die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl. „In Ermangelung dafür notwendiger Daten“ für alle Straftaten aus der Gruppe der „Zuwanderer“ kann diese allerdings nicht erstellt werden.

Die Tatverdächtigenbelastungszahl ist das Ergebnis einer statistischen Erhebung des BKA, umgerechnet auf den Anteil an 100.000 Einwohnern einer bestimmten Gruppe. Somit können die ermittelten Tatverdächtigen aus verschiedenen Kategorien besser miteinander verglichen werden, da es sich nicht um eine Prozentzahl handelt. Zudem kann der Anteil einer Kategorie von Tatverdächtigen an der Gesamtbevölkerung, jeweils ohne Kinder unter acht Jahren, mit berücksichtigt werden (Seite 1).

Für „die Gruppe der Zuwanderer“ gibt es keine Tatverdächtigenbelastungszahl (Screenshot: CORRECTIV).

Forderung: Reformen für die Polizeiliche Kriminalstatistik 

Die PKS hat ihre Schwächen. Das sogenannte Dunkelfeld – also Straftaten, die nicht bei der Polizei angezeigt werden – wird für die Statistiken nicht erfasst. Sie bieten laut Bundeskriminalamt deshalb „kein exaktes Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität“ (Seite 8). 

Auch Experten halten die Aussagekraft laut Tagesschau für begrenzt und fordern schon länger Reformen. Der MDR-Sachsen machte zudem auf den möglichen politischen Missbrauch der Berichtergebnisse aufmerksam. 

Trotzdem bleibt die Kriminalstatistik aktuell die einzige Quelle für belastbare Zahlen zur Kriminalität in Deutschland. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die im Facebook-Beitrag angegebenen Zahlen zu „Vergewaltigungen“ und „sexuellen Übergriffen“ im Kontext von Zuwanderung nach den Angaben der PKS sind falsch interpretiert und nicht sinnvoll vergleichbar.

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Greta Thunberg am 1. November 2019 auf einer Klima-Demonstration in Los Angeles. (Foto: J. Brown / AFP)

von Joana Splieth

Die Webseite News For Friends behauptet, Greta Thunberg habe gedroht, Facebook zu verlassen, wenn Kritik an ihr nicht „zensiert“ werden würde. Diese Aussage hat sie so allerdings nie getroffen. 

Die Webseite News For Friends, die nach eigenen Angaben unter anderem über „Politik“, „News“, „Verschwörungen“ und „Chemtrails“ schreibt, behauptet in einem Artikel vom 1. November 2019 anhand eines Facebook-Beitrags von Greta Thunberg, sie drohe, „Facebook zu verlassen, wenn ihre Kritiker nicht zum Schweigen gebracht werden“. 

Im Text ist als eine Quelle die rechte US-amerikanische Webseite Breitbart angegeben. Auf ihr wurde der Artikel auf Englisch bereits am 31. Oktober 2019 veröffentlicht. Als zweite Quelle ist ein ähnlicher Artikel der Webseite News Punch vom 1. November 2019 angegeben, ebenfalls in englischer Sprache. Auch diese Webseite hat ihren Sitz in den USA und ist laut FactCheck.org die Neuaufsetzung der für Verschwörungstheorien und Fehlinformationen bekannten Seite Your News Wire. Alle drei Artikelversionen wurden laut dem Analysetool Crowdtangle insgesamt mehr als 11.500 Mal auf Facebook geteilt. 

Der Artikel auf Breitbart wurde über 9.000 Mal über Facebook geteilt (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg spricht sich nicht gegen Kritik aus, sondern gegen Falschmeldungen

Im Artikel wird Greta Thunberg unterstellt, sie wolle Kritik an ihr verhindern: „Dennoch findet Frau Thunberg Kritik bedenklich und schlägt vor, dass diejenigen, die sich ihrem Kreuzzug widersetzen, ‘die Demokratie stören’ und von Facebook zensiert werden sollten. Das Klima-Symbol forderte ihre Fans auf, Facebook zum Schweigen zu bringen und darauf zu bestehen, dass ‘wenn genug von uns Veränderungen fordern, dann werden Veränderungen kommen’.“ 

Die Seite News For Friends verbreitet die Unterstellung, Greta Thunberg würde drohen Facebook zu verlassen, „wenn ihre Kritiker nicht zum Schweigen gebracht werden“ würden. (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg, bekannt für ihr Engagement als Klimaaktivistin, äußerte in dem von News For Friends zitierten Facebook-Beitrag jedoch Kritik an Facebook und nicht an Kritikern. Ihr Vorwurf zielte auf die „fehlende Faktenüberprüfung“, das „Erlauben von Hassrede“ und „Fragen der Einmischung in die Demokratie“ durch das Soziale Netzwerk ab. 

Sie sprach sich zudem gegen Falschmeldungen über sie aus, nicht gegen Kritik: „Die ständigen Lügen und Verschwörungstheorien über mich und natürlich unzählige andere führen zu Hass, Morddrohungen und letztendlich zu Gewalt.“ Ihre Aussage wird demnach übertrieben und aus dem Kontext gerissen.

Greta Thunbergs Facebook-Beitrag vom 24. Oktober 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg übt Kritik an Facebook

Zu ihrem Beitrag teilte sie außerdem ein Video von einer Befragung, der sich Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, am 23. Oktober 2019 stellen musste. Darin wiesen US-amerikanische Kongressabgeordnete Zuckerberg auf gleiche oder ähnliche Probleme hin, die auch Greta Thunberg kritisierte. Auf diese Situation bezog Thunberg sich mit ihrer Kritik an Facebook: „Ich frage mich, wie viele andere auch, ob ich Facebook weiterhin nutzen soll oder nicht. Das Erlauben von Hassrede, das Fehlen von Tatsachenüberprüfung und natürlich Fragen der Einmischung in die Demokratie … sind unter anderem sehr beunruhigend.” 

Aus dem Facebook-Beitrag von Thunberg geht hervor, dass sie nicht damit „gedroht“ hat Facebook zu verlassen, wenn ihre Kritiker nicht „zensiert“ werden würden. Thunberg überlegte, das Netzwerk als Kritik an Facebooks Umgang mit Verschwörungstheorien und Lügen zu verlassen.

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Greta Thunberg will keine Kritik zensieren lassen, sondern hat Facebook für den Umgang mit Lügen, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien kritisiert. 

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Wie hoch sind die Ausgaben für Geflüchtete und Asylbewerber tatsächlich? (Symbolbild einer Geflüchteten-Unterkunft in Köln im Jahr 2016: Patrik Stollarz / AFP)

von Joana Splieth

In einem Facebook-Beitrag werden veraltete Zahlen zu flüchtlingsbezogenen Ausgaben des Bundes verbreitet. Es wird suggeriert, wegen dieser Kosten müssten Menschen in Deutschland länger arbeiten, bis sie in Rente gehen können. Das ist falsch.

In dem Facebook-Beitrag vom 22. Oktober 2019 kritisiert ein Nutzer, dass Menschen in Deutschland erst mit 70 in Rente gehen sollen, während gleichzeitig angeblich 94 Milliarden Euro für „Migranten“ zur Verfügung gestellt würden. Der Beitrag wurde bisher mehr als 2.200 Mal geteilt. 

Unsere Recherche zeigt: Die Angaben zu den Ausgaben für „Migranten“ sind veraltet und somit falsch. Die beiden Themen – Geflüchtete und das Renteneintrittsalter in Deutschland – werden außerdem in einen irreführenden Zusammenhang gestellt. 

Auf Facebook wurde dieser Beitrag mehr als 2.000 Mal geteilt. Der Kontext suggeriert einen falschen Zusammenhang zwischen Geldern für Geflüchtete und Asylbewerber und dem Renteneintrittsalter (Screenshot: CORRECTIV).

Bund kalkulierte laut Medienberichten 2016 mit 94 Milliarden Euro bis 2020

Der Nutzer gibt weder eine Quelle zu den angegebenen Zahlen an, noch einen Zeitraum, auf den sich die Angaben beziehen sollen. Vermutlich stammt die Zahl 94 Milliarden Euro aus Presseberichten von 2016, zum Beispiel aus dem Spiegel. Sie besagten, dass der Bund diesen Betrag für Flüchtlingshilfe im Zeitraum von 2016 bis 2020 einkalkulierte. Die Angaben sind heute jedoch veraltet. 

Im August 2018 teilte das Bundesfinanzministerium die offiziellen Ausgaben des Bundes für „flüchtlingsbezogene Leistungen“ seit 2016 mit, inklusive Prognosen der zukünftigen jährlichen Ausgaben. Für den Zeitraum von 2016 bis 2020 belaufen sich die Kosten demnach insgesamt auf rund 107,9 Milliarden Euro. 

Die Zahlen enthalten Ausgaben für Bekämpfung von Fluchtursachen

Der Betrag von rund 107,9 Milliarden Euro enthält jedoch auch Ausgaben zur Fluchtursachenbekämpfung, die nicht Geflüchteten und Asylbewerbern in Deutschland zukommen, sondern im Ausland investiert werden. 

In den „flüchtlingsbezogenen Belastungen des Bundeshaushalts“, die das Bundesfinanzministerium jährlich kalkuliert, werden auch die Ausgaben für Fluchtursachenbekämpfung mit aufgenommen (Screenshot: CORRECTIV).

Ohne diese Ausgaben zeigt sich, dass die Kosten für Geflüchtete und Asylbewerber in Deutschland von 2016 bis 2020 laut Bundesfinanzministerium rund 69,6 Milliarden Euro betragen werden. Dies ist deutlich weniger als die 94 Milliarden, die im Facebook-Beitrag genannt werden. 

Jahr Flüchtlingsbezogene Ausgaben des Bundes (in Euro) davon Fluchtursachen-bekämpfung (in Euro) Ausgaben für Geflüchtete und Asylbewerber in Deutschland (in Euro)
2016 20,1 Mrd. 7,0 Mrd. 13,1 Mrd.
2017 21,1 Mrd. 6,8 Mrd. 14,3 Mrd.
2018 23,0 Mrd. 7,9 Mrd. 15,1 Mrd.
2019 (Prognose) 22,9 Mrd. 8,3 Mrd. 14,6 Mrd.
2020 (Prognose) 20,8 Mrd. 8,3 Mrd. 12,5 Mrd.
Total 107,9 Mrd. 38,3 Mrd. 69,6 Mrd.

Ausgaben des Bundes, die geflüchteten Personen in Deutschland im Zeitraum von 2016 bis 2020 zukommen. (Quelle: Bundesfinanzministerium / Berechnung und Tabelle: CORRECTIV).

Die Ausgaben für Geflüchtete und Asylbewerber – zum Beispiel für den Ausbau der Kinderbetreuung – können auch anderen Personengruppen zukommen, wie sich zum Beispiel dem offiziellen Bericht der Bundesregierung (Seite 35) oder einem Bericht des ZDF Heute-Journal von Mai 2019 entnehmen lässt. Auch das Bundesfinanzministerium erklärt: „Bei den flüchtlingsbezogenen Ausgaben und Mindereinnahmen sind in vielen Fällen präzise, titelscharfe Abgrenzungen, z. B. zwischen Ausgaben für kürzlich zugewanderte Geflüchtete, Asylbewerberinnen und -bewerber und anerkannte Flüchtlinge/Asylberechtigte von Ausgaben für andere Gruppen von Begünstigten (etwa auch andere Zuwanderer), schwierig.

Das Renteneintrittsalter hat nichts mit den flüchtlingsbezogenen Ausgaben des Bundes zu tun

Der Facebook-Beitrag behauptet zudem, das Geld, das für Geflüchtete und Asylbewerber ausgegeben werde, fehle für die Renten. Deshalb müssten Arbeitnehmer in Deutschland länger arbeiten – 70 Jahre. Diese Verknüpfung ist manipulativ und irreführend. 

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Das steigende Renteneintrittsalter geht auf einen Gesetzentwurf zurück, der 2007 von Bundestag und Bundesrat beschlossen wurde. Mit ihm wurde eine schrittweise Erhöhung auf 67 Jahre festgelegt. Dies fand also vor dem Beschluss der Bundesregierung von 2015, die Ausgaben für Geflüchtete und Asylbewerber zu erhöhen, statt. 

Die Rente mit 70 wird zwar laut Medienberichten (zum Beispiel hier und hier) diskutiert, ist allerdings nicht beschlossen, wie uns eine Sprecherin des Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigt. Es gebe auch keine Pläne, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben.

Die Stellungnahme des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gegenüber CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV).

Die Pressestelle des Bundesfinanzministeriums schreibt CORRECTIV zudem in einer E-Mail, die Hilfeleistungen für Geflüchtete und Asylbewerber hätten keine Auswirkungen auf die Rentenversorgung: „Die Versorgung und Integration von Flüchtlingen ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der der Bund die Kommunen unterstützt. Die Verantwortung, die der Bund im Bereich der Rentenversicherung und der Grundsicherung im Alter innehat, bleibt davon unberührt.“

Die Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums gegenüber CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV).
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Zahlen zu flüchtlingsbezogenen Ausgaben des Bundes, auf die sich der Facebook-Beitrag wahrscheinlich bezieht, stimmen nicht. Sie stehen außerdem nicht im Zusammenhang mit dem Renteneintrittsalter.

Geiss
Robert Geiss hier vermeintlich zu sehen mit Klaas Heufer-Umlauf in der TV-Sendung Late Night Berlin (Screenshot und Collage: CORRECTIV).

von Joana Splieth

Bilder von Robert Geiss werden derzeit für Anzeigen in Sozialen Netzwerken missbraucht, um dubiose Investment-Deals anzupreisen.

Auf Facebook kursieren mehrere Links, die zu einem kurzen Artikel über einen angeblichen Investment-Deal von Robert Geiss, bekannt unter anderem als Fernsehdarsteller in der Serie Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie, führen. Der Artikel zitiert vermeintliche Aussagen aus der TV-Sendung Late Night Berlin, in der Geiss von einer neuen „Cryptocurrency-Investmentplattform“ geschwärmt haben soll. Das ZDF-Logo über dem Artikel soll vortäuschen, dass es sich um die offizielle Seite der Show Late Night Berlin handelt, welche tatsächlich allerdings auf ProSieben läuft. Beim weiteren Recherchieren fällt auf, dass der Artikel kein Erscheinungsdatum trägt und weder auf der Website noch unter dem Artikel Autoren oder Kontaktpersonen genannt werden.

Robert Geiss bezieht Stellung

Robert Geiss war tatsächlich nie in der Sendung Late Night Berlin zu Gast, wie den Episodenzusammenfassungen von Staffel 1 und Staffel 2 auf der Webseite von Pro Sieben zu entnehmen ist. Auf Nachfrage wird uns von der Agentur der Familie Geiss bestätigt: Robert Geiss hat nie für derartige Investments geworben. In einer Stellungnahme für die Webseite Boulewahr, die sich nach eigenen Angaben für „fairen und ehrlichen Journalismus“ einsetzt und „lieber mit als über Prominente spricht“, äußert sich Robert Geiss zu dem Fall: „Das kommt auf keinen Fall von mir! Ich bin in keiner Talkshow gewesen und habe mich auch noch nie über Kryptowährungen ausgelassen. Und erst recht, habe ich damit kein Vermögen verdient. Das ist eine ganz klare irreführende Werbung, die da gelaufen ist.“

E-Mail vom Management von Robert Geiss. (Screenshot: CORRECTIV).

Der URL des Fake-Artikels zum Investment-Deal ist zu entnehmen, dass es sich eigentlich um die Webseite Ohfeelyah handelt. Weitere Anzeigen mit exakt dem gleichen Inhalt werden unter alternativen Links verbreitet (zum Beispiel unter Vegtrue). Die Domains sind über Google nicht auffindbar. Auch der Versuch über die Anzeige, auf deren Startseite zu gelangen scheitert. Jeder weitere Klick – etwa auf „Nachrichten“ oder „Doku/Wissen“ führt immer auf die selbe Bitcoin-Trading Webseite

Auf der Bitcoin Seite sind Logos großer Sicherheitsunternehmen wie Norton Security eingefügt. Sie sollen Seriosität suggerieren (Screenshot: CORRECTIV).

Die irreführende Webseite

Alles auf der Bitcoin Webseite ist darauf angelegt, dem Nutzer einzureden, dass man mit dem Bitcoin Trader sehr reich werden könne. Erst im Kleingedruckten am unteren Ende der Webseite findet sich der Hinweis, dass unvorhersehbare Risiken aufgenommen werden und Nutzer des Dienstes enorme Verluste verzeichnen können: „Sie können und sollten davon ausgehen, dass Sie wahrscheinlich Geld verlieren werden.“

„You may, and should assume you probably will, lose money trading“, heißt es im Kleingedruckten (Screenshot: CORRECTIV).

Sollte dennoch ein Besucher der Webseite in die Falle tappen und sich dafür entscheiden, der dubiosen Trading Seite seine Daten zu geben, so findet sich in den Datenschutzbestimmungen des Kleingedruckten die Klausel, dass die Daten weltweit zu Werbezwecken genutzt werden können und ein Schutz vor Missbrauch der Daten nicht garantiert wird: „Wir können den Gebrauch oder Missbrauch der angegebenen persönlichen Daten durch andere nicht verhindern.“

In den Datenschutzbestimmungen ist die Warnung zu finden: „We cannot prevent the use or misuse of such personal data by others“ (Screenshot: CORRECTIV).

Offenbar geht es bei dieser Bitcoin-Trading Webseite darum, Menschen in die Irre zu führen. Personen und Unternehmen, bekannt aus Medien und Gesellschaft, wie auch Robert Geiss, werden häufiger dazu benutzt, um einen Schein der Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Es ist ein Versuch aus der Gutgläubigkeit von Personen Profit zu schlagen. Wir haben bereits andere Faktenchecks zu ähnlichen Fällen durchgeführt und sind bisher bei allen, sei es bei einer angeblichen Abnehmpille, bei Oliver Welke oder Elon Musk, immer zum selben Ergebnis gekommen: Dass die Meldungen falsch sind.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Webseite des Artikels ist eine Fälschung und die angebliche TV-Sendung mit Robert Geiss hat es nie gegeben. Im Artikel wird eine Seite beworben, bei der es offenbar um Datenmissbrauch geht und bei der man ein hohes Risiko eingeht, Geld zu verlieren.