Bildungs-Ausfall Deutschland?
In unserem neuen Format „Spitzengespräch“ fragen wir kommenden Dienstag die Bildungsministerin Karin Prien, was sie in der Bildung tun will.

Mit den Schulen ist es wie mit der Deutschen Bahn: Alle hauen drauf, haben was auszusetzen und im Gespräch ein krasses Beispiel parat, was nicht funktioniert. Es gibt ja sogar etliche Parallelen: Schul- oder Zugausfall; Schulklos oder Bahntoiletten.
Aber warum beschweren wir uns alle so leidenschaftlich über die Bahn und Bildung? Vielleicht weil beides in unserem Leben so wichtig ist, weil beides viele von uns im Alltag elementar betrifft. Wir wollen ankommen und wir wünschen uns eine gute Ausbildung für unsere Kinder.
Aber längst hängt davon nicht nur die Zukunft unserer Kinder ab, sondern auch die Zukunft unseres Landes. In den 1960er Jahren kamen auf sechs Beitragszahler ein Rentner. Derzeit sind es zwei auf einen Rentner, perspektivisch werden es 1,5 sein. Da können wir es uns schlicht nicht weiter leisten, allein inzwischen jährlich über 60.000 Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss ins Leben zu entlassen.
Kürzungsliste bei Bildung?
Uns ist die Bildung besonders wichtig, deshalb haben wir ja ein eigenes Team bei uns in der Redaktion gegründet. Miriam Lenz und Alexandra Ringendahl schauen gerade ganz genau hin, wo wieder mal eher gekürzt als ausgebaut werden soll. Letzte Woche kursierte eine Kürzungsliste, darunter auch der Vorschlag, den gerade erst beschlossenen Anspruch auf Ganztagsbetreuung auf Eis zu legen.
Wir haben konkret nachgefragt und (das ist die gute Nachricht) exklusiv erfahren, dass sich Eltern wohl nicht so große Sorgen machen müssen, weil der Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler tatsächlich umgesetzt werden soll (wir bleiben natürlich dran, ob es wirklich so kommt).
Ministerin bei uns zum Interview
Am Dienstag ist die Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bei uns in Berlin zu Gast im Spitzengespräch von CORRECTIV und Publix. Wir wollen sie fragen, wie sie die wachsende Bildungs-Ungerechtigkeit bekämpfen will und welchen Spielraum sie überhaupt hat.
Viele von Ihnen haben uns dazu sehr kluge Fragen geschickt, einige davon nehme ich ins Interview mit, das vor Publikum geführt und später auch als Video nachzusehen ist.
Wir wollen ab jetzt zusammen mit dem Publix regelmäßig Regierungsmitglieder zum Gespräch einladen, gerade weil wir ja intensiv zu den relevanten Themen recherchieren, einigen Ministerien sicher auf die Nerven gehen, es aber auch genau wissen wollen. Und da ist das direkte Gespräch bei uns im Haus der richtige Ort, um bei den Verantwortlichen nachzuhaken und sie auch mit Ihren Fragen zu konfrontieren.
Social-Media-Verbot und Demokratie-Programme
Karin Prien ist derzeit auch verantwortlich für die Debatte um den plötzlichen Förderstopp für Demokratie-Programme, und ihr Ressort ist in der Regierung entscheidend, ob es ein Social Media-Verbot für Kinder geben soll. Auch zu diesen Schwerpunkten werden wir der Ministerin auf den Zahn fühlen.
Und dann kommt bald sicher auch die Bahn-Infrastruktur als Thema – wenn der Verkehrsminister zusagt.
Am Ende dieses SPOTLIGHT blickt meine Kollegin Lena Köpsell von der Tribüne auf den Bundestag. Sie begleitete die Debatte am Donnerstag, in der die AfD einen Antrag gegen uns gestellt hatte und beschreibt, wie die Abgeordneten der anderen Parteien das Spiel der AfD demaskiert haben.
Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende, wie immer mit den Empfehlungen der Woche, die unser Team für Sie zusammengestellt hat. Haben Sie schon nachgeschaut, wie sich die Bevölkerung in ihrer Gegend entwickelt hat im Vergleich zu anderen Orten europaweit? Dazu empfehle ich Ihnen die interaktive Karte unseres Team CORRECTIV.Europe!
Herzlich,
Ihr Justus von Daniels
Sie haben ein Einser-Abi. Und gehen zur »Führerschule«
Sonnwendfeiern, Fahnenrituale, NS-Literatur: Über Jahre hat sich im Geheimen ein rechtsextremer Jugendbund formiert – mit gutem Kontakt in den Bundestag. Die Zeit hat mehr als ein Jahr lang im Umfeld des Jugendbunds „Jungadler“ recherchiert. Sie erhielt aus mehreren Quellen Reiseberichte und Fotoringbücher der Organisation, Terminkalender, Einladungsschreiben und Schulungsunterlagen. Nachforschungen führten zu einem niedersächsischen Moor, zum Haus eines AfD-Politikers – und in die argentinischen Anden.
Sie haben ein Einser-Abi. Und gehen zur »Führerschule« (zeit.de, €)
Die neue Macht der Hells Angels
Früher standen die Hells Angels für Motorräder, Kutten und eine abgeschottete Rockerwelt. Heute präsentieren sie sich als Influencer mit Macht, Reichtum und einem Luxusleben. Eine neue Generation nutzt Social Media, um Mitglieder anzuwerben und Geld zu verdienen, doch das kriminelle Erbe bleibt bestehen. Die Dokumentation zeigt, wie der Club auf alten, brutalen Strukturen aufbaut und gleichzeitig eine schillernde, digitale Fassade zeigt. Erpressung, Gewalt und organisierte Verbrechen sind Teil ihrer dunklen Seite.
Brutal & digital – die neue Macht der Hells Angels (ardmediathek.de, Video)
Wie Katharina Reiche Energiekonzerne gegen sich aufbringt
Die Bundeswirtschaftsministerin dreht mit ihren Plänen die Energiewende zurück. Damit sorgt sie für eine gefährliche Unsicherheit – auch bei der Industrie. Warum das jetzt der denkbar schlechteste Zeitpunkt ist, hat das Manager Magazin aufgeschrieben.
Unternehmen schlagen Alarm (manager-magazin.de, €)
Wie Polizeigewerkschaften die Innenpolitik beeinflussen
Gewerkschaften sollen sich für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gehälter und stärkere Rechte der Beschäftigten einsetzen. Die beiden größten Gewerkschaften der Polizei tun das – aber nicht nur. Immer wieder bringen sie sich in politische Diskussionen ein. Ein Thema davon ist Migration. Das SWR Data Lab hat Pressemitteilungen und Social-Media-Beiträge der Gewerkschaft der Polizei und der Deutschen Polizeigewerkschaft sowie ihre Statements in verschiedenen Medien analysiert.
Wie Polizeigewerkschaften die Innenpolitik beeinflussen (ardsounds.de, Audio)
In meinem früheren Job als Berlin-Korrespondentin für eine Nachrichtenagentur habe ich oft Debatten im Bundestag verfolgt. Natürlich immer so neutral wie möglich, als unbefangene Beobachterin. Am Donnerstagabend saß ich wieder oben auf der Pressetribüne unter der Reichstagskuppel. Aber diesmal war es anders, diesmal war unsere Arbeit selbst das Thema.
Die AfD hatte einen Antrag eingebracht, CORRECTIV die Finanzierung zu entziehen. Er wurde mit den Stimmen aller übrigen Fraktionen abgelehnt. Unter anderem Pascal Reddig von der Unionsfraktion stellte in seinem Redebeitrag klar, dass es weder bei CORRECTIV noch einer anderen Redaktion Förderungen des Bundes für journalistische Inhalte gegeben habe. Der Antrag war also von vornherein gegenstandslos. Aber darum ging es der AfD nicht wirklich.
Sie nutzte das Rednerpult, um Stimmung zu machen. CORRECTIV sei ein „Denunziationsportal“, und das Treffen in Potsdam nur ein„angebliches Geheimtreffen“ gewesen. Eine bekannte Strategie: Nicht die Inhalte widerlegen, sondern die Glaubwürdigkeit derer angreifen, die sie aufgedeckt haben.
Interessant war für mich vor allem, wie die anderen Fraktionen darauf reagierten. So warf der SPD-Abgeordnete Holger Mann der AfD vor, ein nicht rechtskräftiges Urteil „als politischen Freispruch instrumentalisieren“ zu wollen und die Grünen-Politikerin Awet Tesfaiesus machte deutlich, dass die Teilnehmenden in Potsdam genau wussten, wen sie dort treffen würden. Der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner sei bereits in der Einladung angekündigt worden.
Vor allem die Abgeordneten von SPD, Grüne und Linke machten deutlich, was hinter dieser Strategie steckt: Gerichtliche Kämpfe um einzelne Formulierungen sollen vom eigentlichen Kern ablenken. Der aber bleibt unangefochten: CORRECTIV hatte 2024 ein Vernetzungstreffen zwischen AfD-Vertreterinnen und -Vertretern, finanzstarken Unternehmern und Rechtsextremen offengelegt, bei dem das das „Remigrationskonzept“ des Rechtsextremisten Martin Sellner im Mittelpunkt stand.

Deutsche Behörden bleiben untätig – verbotenes Kosmetik-Produkt bleibt im Handel
CORRECTIV hatte aufgedeckt, dass längst verbotene Kosmetik-Produkte weiterhin online zu kaufen sind – dennoch bleiben die Behörden untätig. Bund und Länder schieben die Verantwortung hin und her.
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Eine Datenauswertung von CORRECTIV.Europe zeigt erstmals: Während Europas Gesamtbevölkerung wächst, leben in der Hälfte aller Orte weniger Menschen als vor 60 Jahren. Das wirkt sich besonders auf die Lebensqualität auf dem Land aus.
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Rechtsanspruch auf Ganztag kommt trotz Sparliste wie geplant
Die Kommunen forderten in einer internen Sparliste, den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler zu verschieben. Das Familienministerium sichert nun den Start zum neuen Schuljahr sowie Plätze für alle zu. Außerdem soll es noch vor den Sommerferien einen Gesetzentwurf zu deutschlandweiten Sprachtests für Vierjährige geben.
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Die Belastung deutscher Gewässer mit schädlichen chemischen Stoffen wie PFAS und Pestiziden ist erheblich – und bereitet offenbar auch der Bundesregierung Sorge. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die CORRECTIV exklusiv vorliegt. Konkrete Strategien für mehr Gewässerschutz oder Lösungsvorschläge legt die Bundesregierung jedoch nicht vor.
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Die Grundsteuerreform sollte die Bürger nicht höher belasten. Eine CORRECTIV-Auswertung zeigt: In vielen Orten Hessens wurde das Versprechen gebrochen. In einigen ostdeutschen Bundesländern hingegen nehmen viele Gemeinden nun sogar weniger ein.
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Ermittler werfen einem Müll-Makler vor, im großen Stil belasteten Boden illegal entsorgt zu haben. Das kontaminierte Erdreich soll unter anderem von einer Baustelle der Deutschen Bahn in Dortmund stammen. Nun hat der Prozess gegen den 63-Jährigen begonnen.
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In dieser Folge spricht Tim Oliver Schultz über die anstehende Gesundheitsreform und über Elon Musks KI-Assistenten Grok, der sexualisiertes Bildmaterial von Kindern erstellt hat.
tube.funfacts.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Finn Schöneck.
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