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Recherche über sexuelle Belästigung beim WDR: Weiterer ranghoher Mitarbeiter belastet

Die Vorwürfe sexueller Belästigung beim WDR hören nicht auf. Ein Mann in Führungsposition soll mehrere Frauen bedrängt haben. Einige Frauen wurden auch aus bedeutenden Entscheidungen ausgeschlossen, ihre Beschwerden blieben ohne Folgen. Unsere gemeinsame Recherche mit dem Magazin „stern“ lesen Sie am Donnerstag, den 19. April 2018.

von Marta Orosz, Wigbert Löer

Dritter WDR-Fall: Hat der Sender die Stimme der Betroffenen wieder nicht gehört?© WDR Mikrofon in der Tasche von Maik Meidunter Lizenz CC BY-SA 2.0

Nachdem CORRECTIV und der „stern“ zwei Fälle sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs enthüllt haben, will der WDR jetzt alte Fälle aufarbeiten. Neue Recherchen von CORRECTIV und „stern“ zeigen, dass vor eineinhalb Jahren einem weiteren ranghohen Mitarbeiter im WDR-Kosmos schwere Vorwürfe gemacht wurden. Ein entsprechendes Beschwerdepapier liegt CORRECTIV und „stern“ vor.

Darin ist zu lesen, dass „im direkten Arbeitsumfeld“ des Mannes „mind. sieben Frauen“ bekannt seien, „die er bedrängt hat“. Es wird auch von einem Abendtermin mit dem Mann in Köln berichtet, bei dem eine Frau Kolleginnen des Mannes bat, mit bei ihr im Hotel zu schlafen, „damit sie nicht alleine mit ihm an der Bar sitzen musste“.

Dem Beschwerdepapier zufolge äußerte sich der hochrangige Mitarbeiter auch über eine Kollegin, die „heute wieder ein sexy Strickkleid“ angehabt habe. „Man konnte alles durchsehen.“ – „Sie steht auf mich, das weiß ich.“ Eine Äußerung des Mannes einer Kollegin gegenüber wird so wiedergegeben: „‚Na, hattest Du ein schönes Wochenende mit Deinem Freund, oder warum kannst Du Dich nicht mehr bewegen?‘ (Die Mitarbeiterin hatte einen Hexenschuss.)“

In anderem Zusammenhang sagte der Mann dem Beschwerdepapier nach: „Ich habe keine Lust mehr auf die Diskussionen mit den Frauen. Nur mit Männern ist es viel einfacher und schöner.“ Damit erklärte er laut des Papiers, warum er Frauen für eine bestimmte Aufgabe nicht berücksichtigt habe.

Der Inhalt des Dokuments, in dem „sexuelle Diskriminierung“ und ein „Arbeiten in sexuell aufgeladener Atmosphäre“ beklagt wird, wurde Ende 2016 an verschiedenen Stellen des WDR persönlich vorgetragen. Das Papier ist nicht unterzeichnet. Zum Schutz der betroffenen Frauen“, steht am Ende, seien diese nicht genannt.

Nach Informationen von CORRECTIV und „stern“ war mit der Beschwerde beim WDR auch die stellvertretende Intendantin befasst. Der Sender bestätigte das auf Nachfrage, nach Redaktionsschluss der „stern“-Printausgabe. Eine Sprecherin schrieb, die Vize-Intendantin habe den Mann „in einem kurzfristig angesetzten Gespräch“ mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser habe sie mit aller Deutlichkeit zurückgewiesen. Die stellvertretende Intendantin habe in dem Gespräch deutlich gemacht, das „jegliches Fehlverhalten solcher Art“ nicht geduldet werde.

Der ranghohe Mitarbeiter ließ CORRECTIV und „stern“ auf Anfrage wissen, dass er sich so nicht geäußert beziehungsweise nicht entsprechend gehandelt habe. Die Zitate entsprächen auch nicht seinem Sprachstil.

Marta Orosz erreichen Sie per Email unter marta.orosz(at)correctiv.org.

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Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.